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Augenverletzungen

Bildgebende Diagnostik bei Augenverletzungen

1. Was bedeutet die Bilddiagnostik bei Augentrauma?

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Augenverletzungen sind eine wichtige Ursache für Sehbehinderung. Nach Schätzungen der WHO verursachen Augentraumen jedes Jahr etwa 1,6 Millionen Fälle von Erblindung und etwa 19 Millionen Fälle von einseitiger Erblindung oder Sehverschlechterung.

Die geschätzte Inzidenz einer offenen Bulbusverletzung liegt bei 3,5 bis 4,5 pro 100.000 Menschen, und eine schnelle Erstbeurteilung ist bei Fällen von posttraumatischer Sehbehinderung besonders wichtig1).

In der akuten Traumaphase können Schwellungen des umliegenden Weichteilgewebes, Sedierung und eine eingeschränkte Bewusstseinslage die körperliche Untersuchung des Auges erschweren. Daher spielt die Bildgebung eine wichtige Rolle bei der Beurteilung des Verletzungsumfangs.

Die folgenden wichtigsten bildgebenden Verfahren werden verwendet.

  • Ultraschalluntersuchung (USG): Nicht invasiv und nützlich bei Trübung der Augenmedien
  • Ultraschallbiomikroskopie (UBM): Hochauflösende Schnittbilder des vorderen Augenabschnitts
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Kontaktlose Schnittbilder des vorderen und hinteren Augenabschnitts
  • Fluoreszeinangiographie des Augenhintergrunds (FFA), ICG und Fundus-Autofluoreszenz: Beurteilung der Zirkulation von Netzhaut und Aderhaut
  • Röntgenaufnahme: Screening auf metallische Fremdkörper
  • CT: Beurteilung von Orbitalfrakturen, Fremdkörpern und Bulbusruptur
  • MRT: Detaillierte Darstellung der Weichteile (magnetische Fremdkörper sind kontraindiziert)
Q Warum ist Bildgebung bei Augenverletzungen notwendig?
A

In der akuten Traumaphase ist die direkte Untersuchung des Auges oft schwierig, weil die umgebenden Weichteile geschwollen sind, eine Sedierung vorliegt oder das Bewusstsein beeinträchtigt ist. Die Bildgebung kann das Ausmaß der Verletzung, die Lage von Fremdkörpern und die Schädigung der Augenstrukturen beurteilen und liefert wichtige Informationen für die Therapieentscheidung.

  • Augenschmerzen: Wenn sie mit einem erhöhten Augeninnendruck durch ein Hyphäma einhergehen, können starke Schmerzen auftreten
  • Verminderte Sehschärfe: Kann durch ein Hyphäma, eine Glaskörperblutung oder eine Netzhautverletzung verursacht werden
  • Rötung und Tränenfluss: Treten bei Entzündung und Gewebeschädigung auf
  • Doppeltsehen: Entsteht durch Einklemmung oder Lähmung der äußeren Augenmuskeln infolge einer Orbitafraktur
  • Liderschwellung: Blutung und Ödem um die Orbita können das Öffnen des Auges erschweren
  • Fremdkörpergefühl: Durch einen Fremdkörper an Hornhaut oder Bindehaut oder durch eine Verletzung der Augenoberfläche

Klinische Befunde (Befunde, die der Arzt bei der Untersuchung feststellt)

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Bei der Untersuchung werden die folgenden Befunde systematisch geprüft.

Bei Explosionsverletzungen (Bericht über die Explosion im Hafen von Beirut) lagen die Verletzungshäufigkeiten bei: Erkrankungen der Augenoberfläche 54,2 %, Lidlazeration 41,6 %, Orbitafraktur 29,2 %, Hyphäma 18,8 % und offene Bulbusverletzung 20,8 %2).

Die Arten und Häufigkeiten der Traumata sind unten aufgeführt.

  • Stumpfes Trauma: macht bis zu 97 % aller Augenverletzungen aus
  • Offene Bulbusverletzung: wird grob in Perforationen durch scharfe Gegenstände wie Messer und Nägel sowie in Bulbusrupturen durch Bälle, Fäuste und ähnliche Einwirkungen eingeteilt
  • Intraorbitale Fremdkörper: kommen bei Erwachsenen häufig bei körperlicher Arbeit oder im Rausch vor und bei Kindern nach Stürzen vor, wenn sie etwa Essstäbchen oder ähnliche Gegenstände halten
  • Blow-out-Fraktur der Orbita: kann mit kombinierten Verletzungen des Bulbus, der extraokularen Muskeln und des Orbitainhalts einhergehen
  • Verkehrsunfälle und Verletzungen durch scharfe Gegenstände: gehen häufig mit schweren Augenverletzungen einher

Die Hauptindikationen und Eigenschaften der einzelnen bildgebenden Verfahren sind unten aufgeführt.

ModalitätHauptzieleWichtige Merkmale und Vorteile
UltraschallGlaskörper, Netzhaut, Aderhaut, IOFBnicht invasiv, kostengünstig, nichtionisierende Strahlung
UBMtiefer vorderer Augenabschnitt (Iris und Ziliarkörper)hohe Frequenz, Eindringtiefe 5 mm, Kontaktverfahren
OCT des vorderen AugenabschnittsHornhaut, Kammerwinkel und Ziliarkörperkontaktlos; auch bei penetrierenden Verletzungen einsetzbar
OCT des hinteren AugenabschnittsMakula, Netzhaut und AderhautTomografische Auflösung im Mikrometerbereich
CTOrbitafrakturen, Fremdkörper und BulbusrupturSehr gut zur Darstellung knöcherner und metallischer Fremdkörper
MRTZeitliche Veränderungen von Weichteilen und HämatomenKeine ionisierende Strahlung; kontraindiziert bei magnetischen Materialien

1956 führten Mundt und Hughes den A-Mode ein, 1958 führten Baum und Greenwood den B-Mode ein. Es wird eine 7,5–12-MHz-Sonde verwendet; die Untersuchung ist nicht invasiv, kommt ohne ionisierende Strahlung aus, ist kostengünstig und leicht durchzuführen.

Relative Kontraindikation bei offener Bulbusverletzung; zunächst wird der primäre Verschluss dringend empfohlen. Falls sie dennoch durchgeführt werden muss, ist die Sterilisation der Sonde unbedingt erforderlich.

Die Befunde der einzelnen Strukturen sind wie folgt.

  • Vorderkammer: Erfasst Hyphäma, Winkelrecession und Zyklodialyse. Fremdkörper können mit der Immersionsmethode und der Wasserbadmethode nachgewiesen werden
  • Linse: Es werden Vorhandensein, Lage und Integrität beurteilt. Bei 20–30 % der traumatischen Katarakte gehen vitreoretinale Veränderungen einher
  • Glaskörper: Glaskörperblutung ist der häufigste Befund. Der dynamische B-Mode (kinetic B-scan) kann PVD von einer Netzhautablösung unterscheiden
  • Netzhaut: Bei kompletter Ablösung zeigt sie sich als dreieckige Struktur, die an der Papille und der Ora serrata anliegt. Im A-Mode zeigt sich bei senkrechtem Schallstrahl ein 100-%-Spike
  • Aderhaut: Sie erscheint peripher als glatte, dicke, kuppelförmige Membran. Bei einer 360-Grad-Aderhautablösung zeigt sich ein kissing choroidals (muschelartiges Aussehen)
  • Sklera: Indirekte Zeichen einer posterioren Skleraruptur sind Glaskörperinkarzeration, PVD, Traktionsbänder, Verdickung/Ablösung von Netzhaut/Aderhaut sowie episklerale Blutung
  • Intraokularer Fremdkörper (IOFB): Metall und Glas sind stark reflektierend und verursachen Schallschatten. Weiche Materialien wie Holz sind schwer nachzuweisen

Eine Ultraschalluntersuchung wird durchgeführt, wenn das Hyphäma stark ist und der Augenhintergrund nicht einsehbar ist. In mit Silikonöl oder Gas gefüllten Augen lassen sich keine guten Bilder erzielen.

Sie wurde Anfang der 1990er-Jahre von Foster und Pavlin entwickelt. Mit einer hohen Frequenz von 30–60 MHz erzeugt sie hochauflösende tomografische Bilder mit einer Eindringtiefe von 4–5 mm und einer Auflösung von 50 μm.

Auch bei Hornhautödem oder Hornhauttrübung kann sie Iridodialyse, Winkelrecession, Zyklodialyse, Zonulaverletzung, Skleralazeration, Fremdkörper und epitheliales Einwachsen darstellen. Sie ist nützlich, um kleine, oberflächliche, nichtmetallische Fremdkörper zu erkennen und zu lokalisieren, die in CT oder USG oft übersehen werden.

Die Beurteilung eines Zonuladefekts vor einer Operation des traumatischen Katarakts ermöglicht eine präoperative Planung, um einen Glaskörpervorfall und ein Absinken des Kerns zu verhindern.

In Rückenlage wird nach oberflächlicher Anästhesie mit Oxybuprocain-Augentropfen die Untersuchung mit einem Augenschälchen oder dem Membranverfahren (UD-8060) durchgeführt.

UBM

Eindringtiefe: 4–5 mm. Die Rückfläche der Iris und der Ziliarkörper können dargestellt werden.

Kontaktverfahren: Während der Untersuchung ist Kontakt erforderlich. Bei penetrierenden Verletzungen ist Vorsicht geboten.

Hornhauttrübung: Der vordere Augenabschnitt kann unabhängig davon beobachtet werden, ob eine Hornhauttrübung vorliegt.

OCT des vorderen Augenabschnitts

Nichtkontakt: Verwendet 1310-nm-Licht mit langer Wellenlänge. Kann auch bei penetrierenden Augenverletzungen durchgeführt werden.

Auflösung: Es können hochauflösende Bilder der Hornhautoberfläche und des Kammerwinkels gewonnen werden.

Grenzen: Pigmentiertes Gewebe kann nicht durchdrungen werden, daher sind Bereiche tiefer als das hintere Pigmentepithel der Iris nicht darstellbar.

Dies ist eine Nichtkontaktuntersuchung mit 1310-nm-Licht mit langer Wellenlänge und kann auch bei penetrierenden Augenverletzungen durchgeführt werden. Darstellbar sind Descemet-Membran-Detachments, Winkelverschluss, Fremdkörper im Hornhautstroma (bis zu 6 mm Tiefe), Spalten bei Ziliarkörperablösung, Hornhautrisse und Linsenluxation. Sie ist eine Alternative, wenn die Gonioskopie aufgrund eines durch Ziliarkörperablösung bedingten niedrigen Augeninnendrucks schwierig ist.

Verwendet kurzwelliges Licht mit 830 nm. Nützlich für die Diagnose und Beurteilung von Berlin-Ödem, traumatischem Makulaloch, preretinaler/submakulärer Blutung, Netzhautablösung, Aderhautruptur und Aderhautablösung, RPE-Riss und traumatischer Retinoschisis.

Fluoreszein-Fundusangiographie (FFA), ICG und Fundusautofluoreszenz

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  • FFA: Zeigt das Fluoreszeinleck durch den Defekt der äußeren Blut-Retina-Schranke auf Höhe des RPE. Sie ist auch nützlich zur Beurteilung einer choroidalen Neovaskularisation (CNV) nach Aderhautruptur. Das posttraumatische Salt-and-pepper-Erscheinungsbild weist auf einen umschriebenen Verlust der Netzhautfunktion und ein Skotom hin
  • ICG: Zeigt eine umschriebene Verzögerung der Füllung entlang der Aderhautgefäße und ein Leck um die Vortexvenen. Nützlich zur Identifizierung einer choroidalen Neovaskularisation nach traumatischer Aderhautruptur
  • Fundusautofluoreszenz: Kann geschädigte RPE-Areale klarer darstellen als die Fundusuntersuchung oder Fundusfotografie allein

Falsch-negative und falsch-positive Befunde sind häufig, daher ist ihre Rolle heute begrenzt. Zur Unterstützung des Screenings auf metallische Fremdkörper wird sie jedoch verwendet. Zur Lokalisation von Fremdkörpern werden die Waters-Aufnahme, die Orbitaprojektion und die Comberg-Methode verwendet.

Die CT ist die zentrale Untersuchung zur Beurteilung von Orbitafrakturen, intraorbitalen Fremdkörpern und Bulbusruptur. Die Mehr-Ebenen-Beurteilung einschließlich koronaler Schnitte hilft, das Ausmaß der Fraktur, die äußeren Augenmuskeln und den Orbitainhalt zu bestätigen.

Die wichtigsten Indikationen und besonderen Hinweise für die CT sind wie folgt.

  • Bulbusruptur: Die CT kann eine Bulbusdeformität, expulsive Blutung und Mikrophthalmie zeigen.
  • Penetrierendes Augentrauma: Diagnose möglich durch Anamnese, Fotos des vorderen Augenabschnitts und CT-Bildgebung eines intraokularen Fremdkörpers
  • Eindringen eines Fremdkörpers in die Orbita: Die am tiefsten erreichte Stelle lässt sich durch das Vorhandensein von Blut oder Luft abschätzen. Bei Verdacht zuerst ein CT durchführen
  • Verletzung des Sehnervkanals: Bildgebung in Knochenfenster-Einstellung anfordern
  • Pflanzliche und Holzsplitter-Fremdkörper: Der CT-Wert verändert sich im Verlauf der Zeit (trockene Holzsplitter sind niedrig dicht, und der Wert steigt, wenn sie im Körper feucht werden)
  • Aufnahmeebene: Wird entlang der Reid-Referenzlinie (RB-Linie) aufgenommen, können Sehnerv und Sehnervkanal in einer einzigen horizontalen Ebene betrachtet werden
  • 3D-Bilder: bei Gesichtsfrakturen hilfreich, um den Befund zu erfassen

Wenn im CT ein Fremdkörper verbleibt, der als Metall (magnetisch) verdächtig ist, ist die MRT kontraindiziert. Bei wiederholten Aufnahmen bei jungen Patienten ist auf die Strahlenbelastung zu achten. Jodhaltige Kontrastmittel bergen das Risiko einer Anaphylaxie und eines akuten Nierenversagens, und bei Patienten mit eGFR < 45 mL/min/1.73m² sind bei einer kontrastverstärkten CT ausreichende Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.

Sie ist der CT zur Beurteilung von Weichteilen überlegen und verwendet keine ionisierende Strahlung. Sie ist hervorragend geeignet zum Nachweis von vorgefallenem Fett bei Orbitalbodenfrakturen sowie zur Darstellung von Weichteilherniation und posteriorer Ausdehnung. Bei Verdacht auf einen magnetischen Fremdkörper absolut kontraindiziert wegen des Risikos einer Verschlechterung durch Bewegung und Erwärmung des Fremdkörpers. Pflanzliche Fremdkörper können bei geringem Wassergehalt eine Zeit lang nicht sichtbar sein. Die Untersuchungszeit ist lang, und Klaustrophobie sowie eingeschränkte Verfügbarkeit können Hindernisse sein.

Die MRI-Signalcharakteristika des Augapfels sind unten dargestellt.

OrtT1-SignalT2-Signal
Vordere Augenkammer und GlaskörperNiedriges SignalHohes Signal
LinseEtwas hohes SignalNiedriges Signal
Netzhaut und AderhautEtwas hohes SignalNiedriges Signal
SkleraNiedriges SignalNiedriges Signal
Q Kann bei einer offenen Bulbusverletzung eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden?
A

Bei einer offenen Bulbusverletzung ist die Ultraschalluntersuchung eine relative Kontraindikation. Es wird dringend empfohlen, zuerst den primären Wundverschluss durchzuführen. Wenn sie dennoch durchgeführt werden muss, ist die Sterilisation der Sonde unbedingt erforderlich, und es ist darauf zu achten, die Sonde nicht stark aufzudrücken. Als Alternative wird auch ein CT empfohlen.

Q Kann eine MRT durchgeführt werden, wenn ein metallischer Fremdkörper vermutet wird?
A

Wenn ein ferromagnetischer Fremdkörper vermutet wird, ist eine MRT absolut kontraindiziert. Es besteht das Risiko einer Verschlechterung durch Bewegung des Fremdkörpers und Erwärmung. Zunächst sollten Beschaffenheit und Lage des Fremdkörpers mit CT beurteilt werden; eine MRT sollte erst erwogen werden, nachdem bestätigt wurde, dass er nicht ferromagnetisch ist.

Da bei dieser Erkrankung die Bilddiagnostik im Mittelpunkt steht, wird beschrieben, wie die Bildgebung bei der Entscheidung über das Behandlungsverfahren bei den einzelnen Verletzungen hilft.

  • Offene Bulbusverletzung: Der Wundverschluss ist der erste Eingriff. Bulbusdeformität und intraokularen Fremdkörper im CT bestätigen und die Operation entsprechend planen
  • Intraokularer Fremdkörper (IOFB): Lage und Material mit USG oder CT beurteilen. So schnell wie möglich entfernen, um Infektion und Austritt des Augeninhalts zu verhindern
  • Intraorbitaler Fremdkörper: Zuerst mit CT beurteilen und so früh wie möglich (idealerweise am selben Tag) entfernen. Der tiefste erreichte Ort kann anhand der Verteilung von Blut und Luft abgeschätzt werden
  • Traumatisches Hyphäma: Die Gonioskopie birgt ein Risiko für erneute Blutungen und sollte 1 bis 2 Wochen nach der Verletzung vermieden werden. Winkelrezession und Zyklodialyse mit UBM oder vorderem OCT beurteilen
  • Aderhautruptur: Konservative Beobachtung. Das Auftreten einer choroidalen Neovaskularisation mit FFA/ICG beurteilen und für choroidale Neovaskularisation im makulären Bereich, die mindestens 200 μm von der Fovea entfernt ist, eine Laserphotokoagulation erwägen
  • Traumatische Optikusneuropathie: Eine frühe Diagnose innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Verletzung ist wichtig. Bei Verdacht auf eine Verletzung des Optikalkanals eine CT mit Knochenfenster anfordern. Eine Steroid-Pulstherapie (äquivalent zu 1.000 mg Predonin) für 2 bis 3 Tage oder hochdosierte Steroide (äquivalent zu 80 bis 100 mg Prednisolon) plus hyperosmotische Mittel (Glycerol und D-Mannitol 300 bis 500 mL) für 3 bis 7 Tage verabreichen
  • Traumatische Netzhautablösung: Bei offenen Bulbusverletzungen wird eine relativ dringliche Vitrektomie durchgeführt, um die Zugwirkung des eingeklemmten Glaskörpergels zu lösen. Bei geschlossener Verletzung und guter Sicht kann eine Skleraeindellung erwogen werden

6. Pathophysiologie und detaillierte Entstehungsmechanismen

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierte Entstehungsmechanismen“

Die Verletzung des vorderen Augenabschnitts entsteht durch einen Mechanismus, bei dem äußere Kraft einen plötzlichen Anstieg des Augeninnendrucks verursacht → Dehnung des Hornhautlimbus → Verlagerung des Kammerwassers nach hinten und zum Kammerwinkel → Verletzung von Iris und Ziliarkörper. Bei einer stumpfen Bulbusruptur entstehen durch erhöhten Augeninnendruck und Stoßwellen indirekte Skleraläsionen parallel zum Hornhautlimbus, häufig hinter dem Äquator.

Da die Aderhaut wenig dehnbar ist, kann äußerer Druck durch einen Schlag auf das Auge ringförmige Risse am hinteren Pol (insbesondere um die Papille) verursachen. Eine traumatische Optikusneuropathie entsteht, wenn indirekte Kraft auf den Sehnervkanal wirkt und innerhalb des Sehnervgewebes ein vasogenes Ödem verursacht (eine Pathologie ähnlich einem Hirnödem). Sie ist nicht zwingend mit einer Fraktur des Sehnervkanals verbunden.

  • Grundlagen des Ultraschalls (USG): Der A-Modus ist eine eindimensionale Amplitudendarstellung (Mundt und Hughes, 1956), der B-Modus eine tomografische Helligkeitsdarstellung (Baum und Greenwood, 1958). Beide werden ergänzend verwendet
  • Grundlagen der UBM: Sie nutzt hohe Frequenzen von 35–50 MHz, um hochauflösende tomografische Bilder mit einer Eindringtiefe von etwa 5 mm zu erhalten. Ziel sind die Strukturen des vorderen Augenabschnitts von der Hornhaut bis zum Ziliarkörper
  • Grundlagen der OCT: Sie verwendet die Niedrigkohärenz-Interferometrie. Die axiale Auflösung beträgt 3–20 μm. Die OCT des hinteren Augenabschnitts verwendet Licht mit 830 nm, die OCT des vorderen Augenabschnitts Licht mit 1310 nm

Zeitliche MRT-Signalveränderungen eines Hämatoms

Abschnitt betitelt „Zeitliche MRT-Signalveränderungen eines Hämatoms“

Das MRT-Signal des Hämatoms verändert sich wie folgt.

StadiumZeitT1-SignalT2-Signal
Hyperakutphasebis 1 Tag (Oxy Hb)iso- bis hypointenshyperintens
Akutphase1–3 Tage (Deoxy Hb)Niedriges SignalNiedriges Signal
Subakutphase3 Tage bis 1 Monat (Met Hb)Hohes SignalHohes Signal
Chronische PhaseAb 1 Monat (Hämosiderin)Niedriges SignalNiedriges Signal

7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)

Abschnitt betitelt „7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)“

Zeitpunkt der primären Versorgung bei offener Bulbusverletzung

Abschnitt betitelt „Zeitpunkt der primären Versorgung bei offener Bulbusverletzung“

Es gibt zunehmend Studien, die die frühe und die verzögerte primäre Versorgung bei offener Bulbusverletzung vergleichen1). Bildgebung kann helfen, Fremdkörper, Bulbusform und Orbitafrakturen vor der Operation zu erfassen, und liefert Zusatzinformationen zur Entscheidung über das Versorgungskonzept.

Bildgebung beim Augen- und Orbitatrauma bei Großschadensereignissen

Abschnitt betitelt „Bildgebung beim Augen- und Orbitatrauma bei Großschadensereignissen“

Berichte über die Explosion im Hafen von Beirut zeigten, dass bei Explosionskatastrophen Verletzungen der Augenoberfläche, Lidlazerationen, Orbitafrakturen, Hyphämata und offene Bulbusverletzungen gleichzeitig auftreten können2). Auch in der Akutphase, in der lebensrettende Maßnahmen Vorrang haben, ist ein systematisches augenärztliches Beurteilungssystem erforderlich.

Sagittale MRT-Aufnahmen können hilfreiche Informationen zum hinteren Ausmaß einer Blow-out-Fraktur der Orbita liefern, sind aber wegen der Grenzen von Untersuchungszeit und Umfeld in der Akutphase nicht die erste Wahl. Der Einsatz strahlenfreier MRT sollte nach Ausschluss metallischer Fremdkörper sorgfältig abgewogen werden.


  1. McMaster D, Bapty J, Bush L, Serra G, Kempapidis T, McClellan SF, et al. Early versus delayed timing of primary repair after open-globe injury: a systematic review and meta-analysis. Ophthalmology. 2025;132(4):431-441. doi:10.1016/j.ophtha.2024.08.030.
  2. Kheir WJ, Awwad ST, Bou Ghannam A, Khalil AA, Ibrahim P, Rachid E, et al. Ophthalmic injuries after the Port of Beirut blast-one of largest nonnuclear explosions in history. JAMA Ophthalmol. 2021;139(9):937-943. doi:10.1001/jamaophthalmol.2021.2742.

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