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Uveitis

Weißpunkt-Syndrom

Das White-Dot-Syndrom (White-Dot-Syndrome) ist ein von Gass 1977 geprägter Begriff, der eine Gruppe entzündlicher Erkrankungen bezeichnet, die durch multiple weiße oder gelblich-weiße fleckige Läsionen im Augenhintergrund gekennzeichnet sind. Die Definition der betroffenen Erkrankungen variiert je nach Forscher, wird aber heute allgemein für eine Gruppe nichtinfektiöser idiopathischer entzündlicher Erkrankungen verwendet, die hauptsächlich die äußere Netzhaut, das RPE, die Choriokapillaris und die Aderhaut betreffen 1).

Gemäß den Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von Uveitis (Jpn J Ophthalmol 2019;123(6):635-696) werden als Klassifikationen der hinteren Uveitis APMPPE, MEWDS, PIC, multifokale Choroiditis, Birdshot-Retinochoroidopathie, serpiginöse Choroiditis und AZOOR als eigenständige Erkrankungen aufgeführt. Der Oberbegriff „White-Dot-Syndrom“ wird als zusammenfassendes Konzept für diese Entitäten verwendet2).

Dank der Fortschritte in der multimodalen Bildgebung (einschließlich OCT-A) in den letzten Jahren wird das White-Dot-Syndrom nun anhand der hauptsächlich betroffenen Schicht in die folgenden drei Gruppen eingeteilt1).

Typ mit überwiegend äußerer Netzhautbeteiligung

MEWDSAZOOR

  • Vorübergehende Zerstörung der Ellipsoidzone (Verbindung zwischen Innen- und Außensegment der Photorezeptoren) als Hauptlokalisation
  • Die Choriokapillaris bleibt grundsätzlich erhalten (kein oder minimaler Flow Void im OCT-A)
  • Hohe Reversibilität und starke Tendenz zur spontanen Rückbildung

Choriokapillaris-dominanter Typ

APMPPE・serpiginöse Chorioiditis・PIC

  • Die obliterative Vaskulitis der Choriokapillaris steht im Zentrum der Pathologie
  • Im OCT-A zeigt sich ein Flow Void der Choriokapillaris
  • Veränderungen der äußeren Netzhaut und des RPE sind sekundär

Chorioidalstroma-dominanter Typ

Birdshot-Chorioretinopathie

  • Lymphozyteninfiltration des Aderhautstromas als Primärläsion
  • Im OCT-A Flow Void in der Haller-Schicht, initiale Schonung der Choriokapillaris
  • Chronisch progredienter Verlauf und starke Assoziation mit HLA-A29

Darüber hinaus wurde das Konzept des AZOOR-Komplexes vorgeschlagen, das MEWDS, AZOOR, PIC, MFC, AMN, AIBSE und AAOR als ein Kontinuum mit gemeinsamer genetischer Autoimmun-/Entzündungsbasis integriert3).

Laut Statistik der Japanischen Gesellschaft für Augenentzündung beträgt der Anteil der einzelnen Erkrankungen des Weißpunkt-Syndroms an der Gesamtzahl der Uveitiden wie folgt 2).

ErkrankungAnteil an der Gesamtzahl der Uveitiden
MEWDSEtwa 1–2 % (nationale Berichte)
APMPPESelten (keine klaren Statistiken zur jährlichen Inzidenz)
PICSelten
Serpiginöse ChorioiditisEtwa 0,3 %
Birdshot-RetinochorioiditisSelten (häufiger bei Weißen, in Japan extrem selten)
AZOORselten (in den letzten Jahren zunehmende Berichte)

Die Symptome der einzelnen Erkrankungen unterscheiden sich, aber die folgenden klinischen Merkmale sind der Gruppe der White-Dot-Syndrome gemeinsam 1, 2).

  • Sehverschlechterung : Ausmaß reicht von leicht (MEWDS, AZOOR) bis schwer (serpiginöse Chorioiditis, CNV bei PIC)
  • Photopsie : häufigstes Symptom, das auf eine Schädigung der äußeren Netzhaut und Photorezeptoren hinweist
  • Skotom und Gesichtsfeldausfall : oft parazentrales oder zentrales Skotom entsprechend der Läsion
  • Metamorphopsie : tritt bei Makulaläsion oder CNV auf

Vorhandensein einer Entzündung des vorderen Augenabschnitts

Abschnitt betitelt „Vorhandensein einer Entzündung des vorderen Augenabschnitts“
KrankheitsgruppeEntzündung der Vorderkammer und des Glaskörpers
MEWDS, APMPPE, PICIn der Regel keine (APMPPE kann leicht vorhanden sein)
MFC (MFCwP)Vorderkammerentzündung + Glaskörperentzündung (Unterscheidungsmerkmal zu PIC)
BirdshotVorderkammerentzündung keine bis gering, Glaskörperentzündung vorhanden
Serpiginöse ChorioiditisVorderkammerentzündung und Vitritis in der Regel mild
AZOORIn der Regel keine

Alter, Geschlecht, einseitig vs. beidseitig, Rezidiv

Abschnitt betitelt „Alter, Geschlecht, einseitig vs. beidseitig, Rezidiv“

Junge Frau, einseitig, spontane Besserung

MEWDS·AZOOR·(einige PIC)

  • Häufig bei kurzsichtigen Frauen zwischen 20 und 40 Jahren
  • Meist einseitig (MEWDS >95% einseitig)
  • Tendenz zur spontanen Erholung unter Beobachtung
  • Jährliche Inzidenz von MEWDS: etwa 0,22 Fälle pro 100.000 Personen

Junge bis mittelalte Frauen, beidseitig, CNV-Risiko

PIC·MFC

  • Kurzsichtige Frauen im Alter von 20–40 Jahren (Frauenanteil über 90%)
  • Häufig beidseitig (bei PIC 80%)
  • Hinterlässt atrophische Narben und hohe CNV-Komplikationsrate
  • CNV-Komplikation bei PIC: 40–76 %

Jung bis mittleres Alter, beidseitig, akuter Beginn

APMPPE

  • Häufig bei 20- bis 30-Jährigen (Durchschnittsalter 25 Jahre), kein Geschlechtsunterschied
  • Beidseitig, akut, Tendenz zur spontanen Rückbildung
  • Achtung auf Komplikation einer zerebralen Vaskulitis (bei neurologischen Symptomen dringende Abklärung)

Mittleres/fortgeschrittenes Alter, beidseitig, chronisch fortschreitend

Birdshot·Serpiginöse Choroiditis

  • Birdshot: 40-60 Jahre, etwas häufiger bei Frauen
  • Schlängelnd: 30-50 Jahre, etwas häufiger bei Männern
  • Beide Erkrankungen sind chronisch, rezidivierend und erfordern eine langfristige Immunsuppression.
  • HLA-A29-Positivitätsrate bei Birdshot (Weiße): 80–98 %
眼底に白点状病変
├─ 片眼性?
│ ├─ YES → MEWDS・AZOOR・AMN を考慮
│ │ ↳ FA で初期過蛍光 → MEWDS
│ │ ↳ 眼底ほぼ正常・ERG 異常 → AZOOR
│ └─ NO(両眼性)
├─ 急性発症・後極部大型白斑?
│ └─ YES → APMPPE(FA 蛍光逆転現象を確認)
├─ 後極部小病変・近視女性・硝子体炎なし?
│ └─ YES → PIC を考慮(CNV 検索:OCTA 必須)
├─ 小病変・硝子体炎あり・周辺部にも病変?
│ └─ YES → MFC(MFCwP)を考慮
├─ 乳頭周囲から蛇行状に進展・男性多め?
│ └─ YES → 蛇行状脈絡膜炎(結核除外が最優先)
└─ 後極部散弾状病変・中高年・HLA-A29?
└─ YES → Birdshot 網脈絡膜症

ElementAPMPPEMEWDSPICMFC (MFCwP)BirdshotSerpiginöse ChorioiditisAZOOR
Häufigkeitsalter20-30 Jahre (Durchschnitt 25 Jahre)20-50 Jahre18-40 Jahre (Durchschnitt 36 Jahre)Durchschnitt 30 Jahre40-60 Jahre30-50 JahreHauptsächlich Mitte 30
GeschlechtKein GeschlechtsunterschiedWeiblich dominant (1:4)Weiblich dominant (ca. 90%)Weiblich dominant (häufiger bei weißen Frauen)Etwas häufiger bei FrauenEtwas häufiger bei MännernWeiblich dominant (ca. 75%)
Ein-/BeidseitigMeist beidseitigEinseitig (>95%)Meist beidseitig (80%)BeidseitigBeidseitigBeidseitigEinseitig → beidseitig fortschreitend (endgültig 76% beidseitig)
HauptsymptomeSehverschlechterung, zentrales Skotom, MetamorphopsieSehverschlechterung, Photopsie, verschwommenes SehenSkotom, Sehverschlechterung, MetamorphopsieMouches volantes, Sehverschlechterung, PhotopsieSehverschlechterung, Nachtblindheit, FarbsehstörungSehverschlechterung, parazentrales SkotomPhotopsie, Gesichtsfeldausfall (Fundus nahezu normal)
Merkmale der weißen FundusfleckenGroße cremefarbene Flecken im hinteren Pol (1/4 bis 1/2 Papillendurchmesser)Blassgrau-weiße multiple kleine Flecken vom hinteren Pol bis zum Äquator (100–200 μm)Gelb-weiße kleine Flecken im hinteren Pol (100–300 μm), 12–25Gelb-graue Flecken vom hinteren Pol bis zur Peripherie (45–350 μm), mit GlaskörperentzündungSchrotkornartige cremefarbene Flecken vom hinteren Pol bis zum Äquator (1/4 bis 1/2 Papillendurchmesser)Landkartenartige grau-gelbe Läsionen, die sich schlangenförmig von der Papillenumgebung ausbreitenFundus fast normal (Akutphase), späte äußere Schichtatrophie
OCT-BefundeEllipsoid-Zone gestört + äußere Netzhaut hyperreflektiv, nach Erholung teilweise Atrophie verbleibendEllipsoid-Zone deutlich gestört/verschwunden (Akutphase) → ErholungHyperreflektive Erhebung unter RPE + EZ-Riss (5-Stufen-Entwicklung)Hyperreflektivität unter RPE + EZ-Riss (ähnlich PIC)Aderhautläsionen, zystoides Makulaödem, EZ-Verschwinden mit schlechter PrognoseAktivphase: äußere Netzhaut hyperreflektiv + subretinale Flüssigkeit. Narbenphase: RPE-AtrophieEZ (IS/OS)-Verschwinden ist der wichtigste Befund (korrespondiert mit Gesichtsfeldausfällen)
FA-BefundeFrühe Hypofluoreszenz → späte Hyperfluoreszenz (Fluoreszenz-Umkehrphänomen)Von Anfang an anhaltende kranzförmige (wreath-like) HyperfluoreszenzAktive Phase: frühe Hyperfluoreszenz in der arteriellen Phase → spätes LeckAktive Phase: frühe Hypofluoreszenz → spätes LeckLäsionshyperfluoreszenz (ohne Leck) + vaskuläres Leck und papilläre HyperfluoreszenzAktive Phase: frühe Hypofluoreszenz → späte Hyperfluoreszenz (Leck)Normalerweise normal oder geringfügige Anomalien
ICGA-BefundeHypofluoreszenz in allen Phasen (spiegelt direkt eine Ischämie der Choriokapillaris wider)Späte Hypofluoreszenz (ausgedehnter als die weißen Punkte)Mittlere Hypofluoreszenz, nützlich zur Erkennung subklinischer LäsionenFrühe bis alle Phasen HypofluoreszenzFrühe und mittlere Hypofluoreszenz → späte Isofluoreszenz (initial) → fortgeschrittenes Stadium: Hypofluoreszenz in allen PhasenHypofluoreszenz in allen Phasen (spiegelt eine choroidale Durchblutungsstörung wider)Normalerweise normal
FAF-BefundeAkutphase: niedrige oder übermäßige Autofluoreszenz. Remissionsphase: niedrige AutofluoreszenzAkutphase: hohe Autofluoreszenz (überwiegend Hyperfluoreszenz). Nach Erholung: NormalisierungAktive Phase: niedrige Autofluoreszenz (hypoAF), Rand mit hoher Autofluoreszenz-HaloAktive Phase: niedrige AutofluoreszenzPeripapilläre konfluierende niedrige Autofluoreszenz (in 73% der Fälle)Aktive Phase: hohe Autofluoreszenz am Rand + niedrige Autofluoreszenz-Halo. Ruhephase: niedrige AutofluoreszenzBandförmige hohe bis niedrige Autofluoreszenzanomalien
OCT-A-BefundeChoriokapillaris-Flow-Void (hohe Übereinstimmung mit FA/ICGA)Choriokapillaris prinzipiell erhalten (teilweise transienter Flow-Void)Choriokapillaris-Flow-Void (Entzündungsherd)Choriokapillaris-Flow-VoidHaller-Schicht-Flow-Void (früh) → fortgeschritten: vollschichtiger Flow-VoidChoriokapillaris-Flow-Void (schwer)Choriokapillaris prinzipiell erhalten
RezidivierendSelten (im Grunde einmalig)Rezidiv bei ca. 10%Hoch (chronisch rezidivierend)Hoch (wiederkehrende Entzündungsepisoden)Hoch (chronisch, mit Rückfällen und Remissionen)Hoch (Wiederholung alle 3 Monate bis 4 Jahre)Meist innerhalb von 6 Monaten stabil. Bei einigen fortschreitend
CNV-Komorbiditätsrateseltenselten40–76 % (hohes Risiko)Bis zu 60 %Subretinale CNV: seltenBis zu 35 %Kaum vorhanden
HLA-assoziiertKeineHLA-B51 (vorläufiger Bericht)HLA-DR2 · HLA-DRB1*15IL-10-Haplotyp-assoziiertHLA-A29 (bei Kaukasiern 80–98%)HLA-B7 · HLA-A2 (Assoziationsbericht)Keine (immunologische Prädisposition)
BehandlungsstrategieBeobachtung (spontane Besserung), schwer: SteroideBeobachtung, schwer: kurzfristige Steroide, CNV: Anti-VEGFBeobachtung (keine CNV), CNV: Anti-VEGF + Steroide, ImmunsuppressivaSteroide + immunmodulatorische Therapie, CNV: Anti-VEGFSteroide + Mycophenolatmofetil / Adalimumab (langfristig)Steroide + Immunsuppressiva (einschließlich Alkylanzien), CNV: Anti-VEGFBeobachtung, schwer: Steroid-Pulstherapie
SehprognoseGut (häufig spontane Besserung)Gut (bei Rezidiven und CNV Vorsicht geboten)Hohes Risiko einer schlechten Prognose bei CNV-BeteiligungRisiko einer schlechten Prognose bei CNV und MakulaödemOhne Behandlung haben nach 10 Jahren 16–22 % eine Sehschärfe ≤ 0,1Irreversibel bei Beteiligung der Fovea, bei bis zu 25 % der Augen endgültige Sehschärfe < 20/200Meist stabil. Schlecht bei fortschreitender Schädigung der äußeren Schichten
Q Welche Erkrankung des White-Dot-Syndroms hat die schlechteste Sehprognose?
A

Die serpiginöse Choroiditis und die Birdshot-Retinochoroidopathie haben die schlechteste Sehprognose. Bei der serpiginösen Choroiditis erreicht in bis zu 25% der Augen der endgültige Visus weniger als 20/200, und bei der Birdshot-Retinochoroidopathie sinkt der Visus ohne Behandlung bei 16–22% der Patienten innerhalb von 10 Jahren auf 0,1 oder weniger2, 4). PIC und MFC haben bei Komplikation durch CNV ein hohes Risiko für einen schlechten Verlauf. APMPPE und MEWDS zeigen eine starke Tendenz zur spontanen Besserung und haben eine gute Prognose.

APMPPE (akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie)

Abschnitt betitelt „APMPPE (akute posteriore multifokale plakoide Pigmentepitheliopathie)“

Die APMPPE tritt bevorzugt im Alter von 20–30 Jahren (Durchschnitt 25 Jahre) auf, ohne Geschlechtsunterschied. Als Ursache wird eine obliterative Vaskulitis der zuführenden Arteriolen der chorioidalen Kapillarschicht angenommen, und eine Virusinfektion wird als Auslöser vermutet1, 2).

Prodromalsymptome und Verlauf

  • Etwa die Hälfte der Patienten zeigt grippeähnliche Symptome (Influenza, EB-Virus, Windpocken, Streptokokkeninfektion usw.).
  • Im hinteren Pol beider Augen treten multiple cremefarbene, scheibenförmige weiße Flecken von 1/4 bis 1/2 Papillendurchmesser auf.
  • Die weißen Flecken beginnen innerhalb weniger Tage von der Mitte aus zu verschwinden und verschwinden nach 7–12 Tagen, wobei eine leichte Depigmentierung zurückbleibt.
  • In der Regel heilt eine einzelne Episode spontan aus (Rückfälle sind selten).
  • Die Sehprognose ist in der Regel gut, kann aber bei schweren Fällen oder bei Übergang in eine landkartenartige Chorioiditis schlecht sein.

Spezifische Komplikation: Zerebrale Vaskulitis (MCAT)

APMPPE と中枢神経血管炎の合併(MCAT: multiple cerebral arterial thrombosis)は重篤な合併症であり、頭痛・発熱・神経症状が出現した場合は緊急で脳 MRI・MRA を施行する必要がある。脳血管炎合併例ではメチルプレドニゾロンパルス療法と神経内科連携が必要となる2)

placoid chorioretinitis spectrum との関連

APMPPEPPM(persistent placoid maculopathy)・RPC(relentless placoid chorioretinitis)とともに「placoid chorioretinitis spectrum」を形成し、脈絡膜毛細血管板虚血を共通病態基盤とする5)

APMPPEのマルチモーダル画像。両眼後極に多発する斑状病変がICGA・OCTA・OCTで示される。

Oliveira MA, et al. Management of Acute Posterior Multifocal Placoid Pigment Epitheliopathy (APMPPE): Insights from Multimodal Imaging with OCTA. Case Rep Ophthalmol Med. 2020. Figure 5. PMCID: PMC7094199. License: CC BY.
両眼後極部に多発する地図状・斑状の病変がICGAでは低蛍光、OCTAでは脈絡毛細血管板の血流低下領域、OCTでは外網状層からRPEにかけての高反射変化として描出されている。本文「APMPPE(急性後部多発性斑状色素上皮症)」の項で扱うplacoid病変のマルチモーダル所見に対応する。


MEWDS (Multiple evaneszente weiße Punkte-Syndrom)

Abschnitt betitelt „MEWDS (Multiple evaneszente weiße Punkte-Syndrom)“

MEWDS tritt bevorzugt bei Frauen im Alter von 20–50 Jahren auf (Geschlechterverhältnis 1:4) und ist gekennzeichnet durch einseitiges, akutes Auftreten und spontane Rückbildung.

Charakteristisches klinisches Bild

  • Blasse, grau-weiße multiple kleine Flecken (100-200 μm) in den tiefen Netzhautschichten bis zur RPE-Ebene, vom hinteren Pol bis zur Äquatorregion
  • foveal granularity (foveale Granularität) : Bei 74–96 % der Patienten vorhanden, kann sie nach dem Verschwinden der weißen Punkte der einzige verbleibende Befund sein. Zeigt ein charakteristisches Muster in der Nahinfrarot-FAF (NIR-FAF)9)
  • Orange-Punkt-Erscheinung (orange-dot appearance) : charakteristischer Befund in Fundusfotografie und Nahinfrarot-Fundusbildgebung
  • Elfenbeinläsion (ivory lesion): blasse, verschwommene weiße Veränderung am hinteren Augenpol
  • Bei etwa 50 % der Fälle treten grippeähnliche Prodromi auf
  • Die jährliche Inzidenz beträgt etwa 0,22 Fälle pro 100.000 Personen, bei 10 % kommt es zu einem Rezidiv

Kranzförmige (wreath-like) Hyperfluoreszenz in der FA

Die charakteristische kranzförmige Hyperfluoreszenz bereits in der frühen FA ist ein Schlüsselpunkt für die Diagnose des MEWDS. Die weißen Punktläsionen werden in der frühen FA hyperfluoreszent und zeigen keine späte Ausdehnung. Diese frühe Hyperfluoreszenz ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur frühen Hypofluoreszenz der APMPPE (Fluoreszenzinversionsphänomen)1, 9).

Kontinuität mit dem AZOOR-Komplex

MEWDS ist hauptsächlich durch eine vorübergehende Zerstörung der Ellipsoidzone (IS/OS-Linie) der Photorezeptoren gekennzeichnet und wird als eine zum AZOOR-Komplex gehörende Erkrankung verstanden. Im OCT zeigt sich in der akuten Phase eine Störung/Verlust der Ellipsoidzone, die sich mit der Erholung des Sehvermögens bessert3).

Multimodales Fundusbild des multiplen evaneszenten weißen Punktsyndroms. Weiße punktförmige Läsionen am hinteren Pol, ICGA-Hypofluoreszenzpunkte, FAF-Hyperautofluoreszenz.

Papasavvas I, et al. Choroidal vasculitis as a biomarker of inflammation of the choroid. Indocyanine Green Angiography (ICGA) spearheading for diagnosis and follow-up, an imaging tutorial. J Ophthalmic Inflamm Infect. 2024. Figure 5. PMCID: PMC11618284. License: CC BY.
Am hinteren Pol sind blasse weiße punktförmige Läsionen verstreut, in FA und ICGA zeigen sich punktförmige Durchblutungsstörungen, in FAF korrespondierende Hyperautofluoreszenz. Entspricht den multimodalen Befunden von FA-wreath-artiger Hyperfluoreszenz und ICGA-Hypofluoreszenzpunkten, die im Abschnitt «MEWDS (multiples evaneszentes weißes Punktsyndrom)» des Textes behandelt werden.


PIC tritt vor allem bei jungen Frauen (ca. 90 %) im Alter von 18–40 Jahren mit Myopie (durchschnittlich etwa -5 D) auf.

Charakteristisches klinisches Bild

  • Auf den hinteren Pol beschränkte 100–300 μm große gelb-weiße Flecken, meist 12–25
  • Keine Vorderkammerentzündung oder Glaskörperentzündung (wichtigster Unterschied zur MFC)
  • Aktive Läsionen sind im OCT als hyperreflektive Erhebungen unter dem RPE sichtbar
  • Narbenbildung hinterlässt kleine atrophische Läsionen

CNV-Komplikation (40–76 %) ist das größte klinische Problem

Die wichtigste Komplikation der PIC ist die CNV, deren Komplikationsrate mit 40–76 % angegeben wird7, 8). Die CNV tritt leichter aufgrund folgender Faktoren auf:

  • Brüchigkeit der Bruch-Membran durch myopische Aderhautverdünnung
  • Zerstörung der Bruch-Membran durch Entzündung unter dem RPE
  • Erhöhte lokale Produktion von Entzündungszytokinen (VEGF usw.)

Die OCT-A hat sich als sensitiver als die FA für das CNV-Screening erwiesen, und eine regelmäßige OCT-A-Überwachung wird empfohlen. Eine plötzliche Verschlechterung der Metamorphopsie ist ein Zeichen für eine CNV-Entwicklung und erfordert eine sofortige Abklärung.

Assoziation mit systemischen Erkrankungen

Es wurde über ein gleichzeitiges Auftreten von PIC und Sarkoidose berichtet; bei Patienten mit multiplen Lungenläsionen sollten eine CT-Thorax, Serum-ACE und Lysozym untersucht werden. Auch eine Assoziation mit HLA-DR2 und HLA-DRB1*15 wurde berichtet3).


Die MFC (multifokale Choroiditis mit Panuveitis; MFCwP) ist eine Erkrankung desselben Spektrums wie die PIC, aber das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist das Vorhandensein von Vitritis und Vorderkammerentzündung7).

Charakteristisches klinisches Bild

  • Multiple gelb-graue Flecken von 45–350 μm treten nicht nur am hinteren Pol, sondern auch in der mittleren Peripherie auf.
  • Chronisch rezidivierender Verlauf (wiederholte Entzündungsepisoden) charakteristisch
  • Hohe Komplikationsrate der epiretinalen Membran (ERM) (bis zu 35 %), die die langfristige Sehprognose beeinflusst
  • In einigen Fällen kann die Entzündung ohne Immunsuppression nicht kontrolliert werden

Behandlungshinweise

Die MFC neigt nicht zur spontanen Rückbildung und erfordert oft eine langfristige immunmodulatorische Therapie. Wenn Steroide allein nicht ausreichen, werden Methotrexat (MTX), Azathioprin (AZA) oder Mycophenolatmofetil (MMF) eingesetzt. Bei Komplikation durch CNV ist ein bidirektionaler Ansatz mit Anti-VEGF-Therapie und immunmodulatorischer Therapie wichtig7, 8).


Birdshot-Chorioretinopathie (Schrotschuss-Chorioretinitis)

Abschnitt betitelt „Birdshot-Chorioretinopathie (Schrotschuss-Chorioretinitis)“

Birdshot tritt bei Personen mittleren bis höheren Alters (40–60 Jahre, Durchschnitt 50 Jahre) auf, mit einer leichten weiblichen Prädominanz (1,5:1). Sie ist häufiger bei Kaukasiern und stellt eine der stärksten bekannten genetischen Assoziationen mit HLA-A29 dar (relatives Risiko 50- bis 224-fach bei Kaukasiern)4).

Charakteristische Fundusbefunde

  • Cremefarbene Flecken (1/4 bis 1/2 Papillendurchmesser) in Schrotschussmuster, die symmetrisch beidseits vom hinteren Pol bis zum Äquator auftreten.
  • Die Flecken entwickeln sich zu Narbenläsionen ohne Pigmentierung.
  • Eine retinale Vaskulitis und Papillenschwellung können begleitend auftreten.

Charakteristische Funktionsveränderungen

  • Nachtblindheit und Farbsehstörungen : treten früh auf, manchmal vor der Sehverschlechterung
  • Negativer Ganzfeld-ERG-Typ : früh nachweisbar, mit fortschreitender Erkrankung nimmt die a-Wellen-Amplitude ab
  • Verzögerung des 30-Hz-Flicker-ERG : empfindlichster Indikator für die Aktivitätsüberwachung, erkennt Anomalien vor der Sehverschlechterung17)

Hinweise für japanische Patienten

Da die HLA-A29-Frequenz bei Japanern niedrig ist, ist die diagnostische Sensitivität von HLA-A29 eingeschränkt. Die Diagnose sollte auf den klinischen Befunden der SUN-2021-Klassifikationskriterien (Schrotschussläsionen im Fundus, geringe Vorderkammerentzündung, Vorhandensein einer Vitritis) basieren10).

Langzeitkomplikationen

  • Zystoides Makulaödem (CMÖ): Hauptursache für Sehverschlechterung
  • Papillenschwellung und Optikusatrophie
  • Bei Verwendung von Steroidimplantaten (Fluocinolon) tritt bei bis zu 40 % der Patienten ein erhöhter Augeninnendruck auf, der eine Trabekulektomie erforderlich machen kann

Serpiginöse Choroidopathie (Serpiginous choroidopathy)

Abschnitt betitelt „Serpiginöse Choroidopathie (Serpiginous choroidopathy)“

Die serpiginöse Choroiditis ist eine bilaterale chronische Aderhautentzündung im Alter von 30–50 Jahren (Männer etwas häufiger), gekennzeichnet durch landkartenartige grau-gelbe Läsionen, die sich von der Papillenumgebung aus schlangenförmig ausbreiten.

Charakteristisches Ausbreitungsmuster

  • Beginnt zentripetal um die Sehnervenpapille (peripapillär) und breitet sich allmählich schlangenförmig am Läsionsrand aus
  • Aktive Phase: Auftreten eines grau-weißen Randsaums am Läsionsrand
  • Narbenphase: Fixierung als chorioretinale Atrophieläsion
  • Bei Rezidiven tritt eine neue Entzündung immer am Rand der bestehenden Narbe auf (dies ist charakteristisch)
  • Das Rezidivintervall variiert stark von 3 Monaten bis zu 4 Jahren.

Am wichtigsten: Abgrenzung zum tuberkuloseassoziierten Typ (SLC)

Die tuberkulöse serpiginöse Choroiditis (serpiginous-like choroiditis; SLC) ähnelt der serpiginösen Choroiditis in der Bildgebung, unterscheidet sich jedoch grundlegend in der Therapie:

UnterscheidungsmerkmalSerpiginöse ChoroiditisTuberkuloseassoziierter Typ (SLC)
LäsionsverteilungPapillenzentriert, zentripetalHinterpol bis Peripherie, multipel
IGRA/TSTNegativPositiv
Form der LäsionLandkartenartig, kontinuierlichMultiple diskontinuierliche kleine Läsionen
BehandlungSteroid + ImmunsuppressivaAntituberkulotika obligatorisch

Da die Anwendung von Immunsuppressiva bei SLC die Tuberkulose deutlich verschlimmert, ist ein IGRA-Test (Quantiferon) vor der Behandlung absolut unverzichtbar 2).

Management bei CNV-Komplikation (bis zu 35%)

Bei der Serpiginösen Choroidopathie tritt in bis zu 35% der Fälle eine CNV auf, die bei Beteiligung der Fovea zu irreversiblen Sehverlust führt. Intravitreale Injektionen von Anti-VEGF (Bevacizumab, Ranibizumab) sind wirksam 18).

Multimodales Bild der Serpiginösen Choroidopathie. Serpiginöse chorioretinale Läsionen um die Papille.

Macedo S, et al. Optical coherence tomography angiography (OCTA) findings in Serpiginous Choroiditis. BMC Ophthalmol. 2020. Figure 1. PMCID: PMC7325353. License: CC BY.
Fundusautofluoreszenz, Fluoreszenzangiographie und OCT zeigen serpiginöse chorioretinale Läsionen, die sich von der Papille aus zentrifugal ausbreiten. Dies entspricht dem im Abschnitt „Serpiginöse Choroidopathie“ beschriebenen peripapillären serpiginösen Ausbreitungsmuster.


AZOOR (akute zonale okkulte äußere Retinopathie)

Abschnitt betitelt „AZOOR (akute zonale okkulte äußere Retinopathie)“

AZOOR ist ein von Gass 1992 vorgeschlagenes Krankheitskonzept. Es handelt sich um eine äußere Retinopathie, die trotz nahezu normalem Fundus zu plötzlichem Sehverlust, Gesichtsfeldausfällen und Photopsie führt3).

Konzept des AZOOR-Komplexes

Der von Jampol et al. vorgeschlagene AZOOR-Komplex ist ein Konzept, das MEWDS, AZOOR, PIC, MFC, AMN (akute makuläre Neuroretinopathie), AIBSE und AAOR als ein Kontinuum mit gemeinsamer autoimmuner/entzündlicher genetischer Grundlage versteht3).

Charakteristische klinische Merkmale

  • Tritt vorwiegend bei jungen myopen Frauen im Alter von 20–50 Jahren auf.
  • Photopsie (Lichtsehen) tritt häufig im Frühstadium auf (insbesondere band- oder bogenförmige Lichter)
  • Beginnt einseitig und wird schließlich in 76 % der Fälle beidseitig
  • Der Augenhintergrund ist in der akuten Phase nahezu normal (charakteristisch ist die Diskrepanz zwischen Sehverschlechterung und Fundusbefund)
  • Gesichtsfeldausfälle zeigen ein unregelmäßiges bandförmiges Muster (oft an den blinden Fleck angrenzend)
  • Autoimmunerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, Multiple Sklerose) können begleitend auftreten

OCT und ERG sind der Schlüssel zur Diagnose

  • Das Verschwinden oder die Unschärfe der Ellipsoidzone (IS/OS-Linie) im OCT ist der wichtigste Befund.
  • Eine funktionelle Erholung der Bereiche, in denen die äußere Schicht im OCT verschwunden ist, ist nicht zu erwarten (auch für die Prognose nützlich).
  • Eine Amplitudenminderung im multifokalen ERG kann auch bei normalem Augenhintergrund nachgewiesen werden (multifokales ERG ist empfindlicher als Ganzfeld-ERG).
  • Infrarot-FAF kann manchmal die Grenze zwischen Läsion und normalem Bereich darstellen.

Behandlung und Prognose

Es gibt keine etablierte Behandlung für AZOOR. Leichte Fälle können nur beobachtet werden, aber schwere Fälle (Sehverschlechterung oder ausgedehnter Gesichtsfeldausfall) werden mit einer Methylprednisolon-Pulstherapie (1.000 mg × 3 Tage) gefolgt von oralem Prednisolon behandelt2). Die meisten Fälle stabilisieren sich innerhalb von 6 Monaten, aber das Gesichtsfeld erholt sich nicht in Bereichen mit verbleibenden Schäden der äußeren Schicht.

Q Wie unterscheidet man AZOOR von retrobulbärer Neuritis?
A

AZOOR und retrobulbäre Neuritis müssen unterschieden werden, da beide einen nahezu normalen Fundus mit verminderter Sehschärfe und Gesichtsfeldausfällen aufweisen. Die Unterscheidungspunkte sind: ① Bei AZOOR liegt eine verminderte Amplitude im multifokalen ERG vor, während bei retrobulbärer Neuritis das ERG normal ist; ② Bei AZOOR zeigen die Gesichtsfeldausfälle ein unregelmäßiges band- oder bogenförmiges Muster, während bei retrobulbärer Neuritis ein Zentralskotom häufig ist; ③ Bei AZOOR ist der RAPD in der Regel gering, während bei retrobulbärer Neuritis ein deutlicher RAPD vorliegt; ④ Im OCT zeigt AZOOR ein Verschwinden der Ellipsoidzone, während retrobulbäre Neuritis eine Papillenschwellung oder RNFL-Verdünnung zeigt, was zur Unterscheidung beiträgt2, 3).


Die klare Erfassung der Rolle jeder bildgebenden Untersuchung ist für die genaue Diagnose und Aktivitätsbeurteilung des White-Dot-Syndroms unerlässlich1, 5).

ModalitätStärkste Indikation/Rolle
FA (Fluoreszein-Angiographie)Beurteilung von Leckagen der Netzhautgefäße, des RPE und der Choriokapillaris. Bestätigung des Fluoreszenz-Umkehrphänomens bei APMPPE. Bestätigung der kranzförmigen Hyperfluoreszenz bei MEWDS. Beurteilung von Vaskulitis (Birdshot).
ICGA (Indocyaningrün-Angiographie)Direkte Beurteilung von Störungen der Aderhautdurchblutung. Frühere Erkennung von Läsionen als FA (insbesondere Birdshot, APMPPE, serpiginös). Erkennung von ausgedehnteren Läsionen als klinisch ersichtlich (MEWDS, PIC). Am empfindlichsten für die Erkennung aktiver Läsionen.
FAF (Fundus-Autofluoreszenz)Nicht-invasive Beurteilung von RPE-Schäden. Aktivitätsbestimmung (APMPPE, Serpiginosa). Diagnose von MEWDS (frühe weiße Punkte mit hoher Autofluoreszenz). Beurteilung der Chronizität bei Birdshot (peripapilläre Hypoautofluoreszenz 73%)
OCT (Optische Kohärenztomographie)Beurteilung der Ellipsoidzone (diagnostische Befunde bei MEWDS und AZOOR). 5-stufige Beurteilung der Läsionsevolution (PIC). Beurteilung von CNV und Makulaödem. Prognose (EZ-Verlust → schlechte Sehprognose)
OCT-ANicht-invasiver Nachweis von Choriokapillaris-Flow-Voids (APMPPE, Serpiginosa, PIC). Früher und sensitiver Nachweis von CNV (höhere Sensitivität als FA bei PIC und MFC). Schichtspezifische Beurteilung des choroidalen Blutflusses bei Birdshot. Therapieüberwachung
Multifokales ERG / Ganzfeld-ERGDiagnose von AZOOR (ERG-Amplitudenreduktion auch bei nahezu normalem Fundus). Aktivitätsüberwachung bei Birdshot (30-Hz-Flicker-Verzögerung am sensitivsten). Beurteilung des Therapieansprechens.

Krankheitsspezifischer Leitfaden „Welche Untersuchung zuerst?“

Abschnitt betitelt „Krankheitsspezifischer Leitfaden „Welche Untersuchung zuerst?““

Bei Verdacht auf MEWDS

  1. Zuerst FAF durchführen (höchste Sensitivität, auch bei nicht sichtbaren weißen Punkten nachweisbar)
  2. FA (Bestätigung der kranzförmigen Hyperfluoreszenz)
  3. OCT (Beurteilung der Ellipsoidzone)
  4. OCT-A (Beurteilung der Choriokapillaris, CNV-Suche)

Bei Verdacht auf APMPPE

  1. FA (Bestätigung des Fluoreszenz-Umkehrphänomens)
  2. ICGA (direkte Beurteilung der Choriokapillaris-Ischämie)
  3. OCT-A (Beurteilung des Flow Void)
  4. Bei neurologischen Symptomen: MRT/MRA des Gehirns (zum Ausschluss einer Vaskulitis)

Bei Verdacht auf PIC/MFC

  1. OCT-A (Früherkennung von CNV)
  2. FA (Beurteilung von Leckage und CNV-Netzwerk)
  3. ICGA (Erkennung subklinischer Läsionen)
  4. FAF (Aktivitätsüberwachung)

Bei Verdacht auf serpiginöse Chorioiditis

  1. IGRA (Tuberkulose-Ausschluss hat höchste Priorität)
  2. ICGA (Beurteilung der Läsionsaktivität)
  3. FAH (hohe Autofluoreszenz der aktiven Ränder)
  4. OCT-A (Suche nach Choriokapillaris-Flow-Void und CNV)
Q Sollte zuerst FA oder ICGA durchgeführt werden?
A

Die Strategie variiert je nach Erkrankung. Bei APMPPE und serpiginöser Choroiditis stellt die ICGA choroidale Durchblutungsstörungen direkter dar, daher vertieft die Durchführung der ICGA gleichzeitig oder nach der FA das Verständnis der Pathologie. Bei MEWDS ist die kranzförmige Hyperfluoreszenz in der FA diagnostisch wichtig. Da es sich jedoch um invasive Untersuchungen handelt, liefert die OCT-A mittlerweile viele alternative Informationen, und die Kombination von FAF und OCT-A wird als Erstbewertung genutzt1, 5).

Bedeutung von hypofluoreszenten Läsionen in der ICGA

Abschnitt betitelt „Bedeutung von hypofluoreszenten Läsionen in der ICGA“

Die Hypofluoreszenz von White-Dot-Syndrom-Läsionen in der ICGA ist ein direkter Hinweis auf eine Unterbrechung des choroidalen Blutflusses (Choriokapillaris-Verschluss)1). Die ICGA ist als Modalität zur Beurteilung des choroidalen Kreislaufs empfindlicher als die FA und weist folgende Merkmale auf:

  • Totale Hypofluoreszenz: tritt bei APMPPE, serpiginöser Choroiditis, PIC und MFC auf. Sie spiegelt einen schweren Verschluss der choroidalen Kapillaris-Ischämie wider.
  • Späte Hypofluoreszenz (FA normal) : Die späte Hypofluoreszenz im ICGA bei MEWDS wird durch eine veränderte ICG-Aufnahme aufgrund einer RPE-Anomalie erklärt, nicht durch eine Beteiligung der Choriokapillaris (die Choriokapillaris ist im OCT-A in der Regel erhalten)1).
  • Flow Void der Haller-Schicht → im fortgeschrittenen Stadium vollschichtiges Flow Void : Charakteristisches zweistufiges Fortschreiten bei Birdshot, beginnend im Aderhautstroma und dann auf die Choriokapillaris übergreifend14).

ICGA ist auch überlegen bei der Erkennung klinisch unsichtbarer subklinischer Läsionen im Vergleich zu FA und OCT-A, insbesondere bei MEWDS und PIC zeigt sie ausgedehntere Aderhautläsionen als die weißen Punkte1, 15).

Krankheitskarte nach Hypo- und Hyperfluoreszenzmustern in der FAF

Abschnitt betitelt „Krankheitskarte nach Hypo- und Hyperfluoreszenzmustern in der FAF“

Die Muster der FAF (Fundusautofluoreszenz) spiegeln den Stoffwechselzustand des RPE wider und sind nützlich für die Diagnose und Aktivitätsbeurteilung von White-Dot-Syndromen16).

FAF-MusterKrankheit/StadiumBedeutung
Hyperautofluoreszenz (Hyper-AF)MEWDS Akutphase · Serpiginöser aktiver RandAkkumulation von Photorezeptor-Degenerationsprodukten (A2E etc.) im RPE
Hypoautofluoreszenz (Hypo-AF)APMPPE Narbenstadium · PIC aktive Läsion · Birdshot peripapillärRPE-Verlust/Funktionsverlust
Zentrale Hypo-AF mit peripherem Hyper-AF-HaloSerpiginöser aktiver Rand, PICRPE-Schädigungsmuster am aktiven Rand
Bandförmige abnorme AFAZOOREntspricht der Verteilung der Schädigung der äußeren Photorezeptorschicht
Foveale granuläre Hyper-AFMEWDS (NIR-FAF)Nicht-invasive Darstellung der fovealen Granularität

Bei Birdshot zeigt sich in 73 % der Fälle eine peripapilläre konfluente Hypo-AF, die als Indikator für Chronizität nützlich ist17).

Die Beurteilung der EZ (Ellipsoidzone, ehemals IS/OS-Linie) spielt eine zentrale Rolle bei der Aktivität und Prognose des White-Dot-Syndroms1).

EZ-BefundErkrankung/StadiumPrognose
EZ deutlich gestört → ErholungMEWDS akute Phase → ErholungsphaseGut (EZ-Erholung und Sehschärfenverbesserung sind gekoppelt)
EZ-Verlust (übereinstimmend mit Läsion)AZOOR aktive PhaseKeine funktionelle Erholung des verlorenen Bereichs
EZ-Unordnung + äußere Netzhaut-HyperreflektivitätAPMPPE akute PhaseTeilweise verbleibende Atrophie nach Erholung
Sub-RPE hyperreflektive Erhebung + EZ-RissPIC·MFC (5-Stufen-Entwicklung)Schlechte Prognose bei CNV-Beteiligung
EZ-Verlust (mit zystoidem Makulaödem)Fortgeschrittenes BirdshotRisikofaktor für schlechte Sehprognose

Die Choriocapillaris-Flow-Void in der OCT-A zeigt eine hohe Übereinstimmung mit FA- und ICGA-Befunden (besonders nützlich bei APMPPE und serpiginöser Chorioiditis) 5, 13).

Fluoreszenzmuster in der FA: Füllungsverzögerung vs. Hyperfluoreszenz vs. Leckage

Abschnitt betitelt „Fluoreszenzmuster in der FA: Füllungsverzögerung vs. Hyperfluoreszenz vs. Leckage“
FA-MusterErkrankungKlinische Bedeutung
Frühe Hypofluoreszenz → späte Hyperfluoreszenz (Fluoreszenzumkehrphänomen)APMPPEChoriokapillaris-Ischämie. Frühe Füllungsstörung → späte Farbstoffleckage aus dem umliegenden Gewebe.
Frühe kranzförmige (wreath-like) HyperfluoreszenzMEWDSSpiegelt direkt RPE/Photorezeptor-Schädigung wider. Vergrößert sich nicht in der Spätphase, Unterscheidungsmerkmal.
Frühe Hypofluoreszenz → spätes LeckSerpiginös / MFC in aktiver PhaseHinweis auf aktive Chorioiditis
Arterielle Frühhyperfluoreszenz → SpätleckagePIC aktive PhaseVerdacht auf entzündliche CNV
Gefäßleckage + Papillenhyperfluoreszenz (ohne Leckage)BirdshotDirekter Nachweis einer retinalen Vaskulitis
Normal bis leichtAZOORCharakteristisch ist die Diskrepanz: Gesichtsfeldausfälle und ERG-Anomalien trotz negativer FA

Die Behandlung des White-Dot-Syndroms variiert stark je nach natürlichem Verlauf, Schweregrad und Vorhandensein einer CNV.

Beobachtung (keine Behandlung erforderlich) als Grundsatz

Abschnitt betitelt „Beobachtung (keine Behandlung erforderlich) als Grundsatz“

MEWDS und APMPPE (leichte Fälle)

  • Starke Tendenz zur spontanen Besserung, oft ohne spezifische Behandlung2)
  • MEWDS: Weiße Punkte verschwinden innerhalb weniger Wochen, Sehkraft erholt sich. Nur bei schweren Fällen oder begleitendem Papillenödem orale Steroide.
  • APMPPE: Weiße Flecken bilden sich innerhalb von 7–12 Tagen zurück, Sehprognose in der Regel gut.

Erkrankungen, bei denen die Steroidtherapie im Vordergrund steht

Abschnitt betitelt „Erkrankungen, bei denen die Steroidtherapie im Vordergrund steht“

APMPPE (schwer, mit Papillitis) · PIC (aktive Läsion in Foveanähe) · AZOOR (schwere Fälle)

  • Beginn mit Prednisolon 30–60 mg/Tag, dann ausschleichend
  • Bei APMPPE mit zerebraler Vaskulitis ist Methylprednisolon-Pulstherapie und Zusammenarbeit mit der Neurologie erforderlich
  • Schwerekriterium für AZOOR: korrigierter Visus des besseren Auges < 0,3 (Diagnoseleitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft)

Erkrankungen, die eine langfristige immunsuppressive Therapie erfordern

Abschnitt betitelt „Erkrankungen, die eine langfristige immunsuppressive Therapie erfordern“

Birdshot-Retinochoroiditis, serpiginöse Choroiditis, MFC

Birdshot (Langzeitmanagement)

  • Prednisolon 0,5–1 mg/kg/Tag zu Beginn
  • Mycophenolatmofetil (MMF) 2–3 g/Tag (Immunsuppressivum der ersten Wahl)
  • Methotrexat (MTX) 10–25 mg/Woche
  • Azathioprin (AZA) 1–3 mg/kg/Tag
  • Therapieresistente Fälle: Adalimumab (93,2 % als Biologikum der ersten Wahl verwendet)
  • Ohne Behandlung erreichen 16–22 % innerhalb von 10 Jahren einen Visus ≤ 0,1

Serpiginöse Chorioiditis (Langzeitmanagement)

  • Prednisolon 40–80 mg/Tag zu Beginn (ausschleichend)
  • Azathioprin 1–2,5 mg/kg/Tag (Erhaltungstherapie der ersten Wahl)
  • Mycophenolatmofetil / Methotrexat (Alternative)
  • Therapieresistente Fälle: Chlorambucil (stärkste Wirkung; ≤0,2 mg/kg/Tag, wöchentliches Blutbild obligatorisch)
  • Biologika: Adalimumab (91,0 % empfehlen es als Erstlinientherapie)
  • Tuberkulose ausschließen (bei positivem IGRA zuerst Antituberkulotika geben) und dann Immunsuppressivum einleiten

Da die MFC einen chronisch-rezidivierenden Verlauf nimmt, ist nach Ausschleichen der Steroide häufig eine immunmodulatorische Erhaltungstherapie erforderlich.

MedikamentDosierungsrichtwertBesonderheiten
Methotrexat (MTX)10–25 mg/WocheFolsäure 1 mg/Tag begleitend. Überwachung der Hepatotoxizität
Azathioprin (AZA)1–3 mg/kg/TagTPMT-Aktivitätsprüfung empfohlen. Achtung auf Myelosuppression
Mycophenolatmofetil (MMF)1–3 g/TagMagen-Darm-Beschwerden sind häufige Nebenwirkungen
Ciclosporin (CsA)3–5 mg/kg/TagÜberwachung von Nierenfunktion und Blutdruck erforderlich
Adalimumab40 mg/2 Wochen (subkutan)Therapierefraktäre oder steroidabhängige Fälle. Tuberkulose-Screening obligatorisch

Die CNV ist die wichtigste Komplikation, die die Sehprognose beeinflusst, und tritt besonders häufig bei PIC, MFC und serpiginöser Chorioiditis auf.

ErkrankungCNV-BegleitrateBehandlung
PIC40–76 %Intravitreale Anti-VEGF-Injektion (Bevacizumab, Ranibizumab, Aflibercept) + Steroide. OCTA-PRN-Strategie.
MFCBis zu 60%Intravitreale Anti-VEGF-Injektion + Immunmodulationstherapie
Serpiginöse ChorioiditisBis zu 35%Intravitreale Anti-VEGF-Injektion (Bevacizumab, Ranibizumab)
MEWDS·APMPPESeltenAnti-VEGF (bei bestätigter CNV)
BirdshotSeltenSystemische Immunsuppression + Anti-VEGF bei CNV
Q Reicht eine Anti-VEGF-Therapie allein bei CNV aus?
A

Die entzündliche CNV (iCNVM) unterscheidet sich von der CNV bei altersbedingter Makuladegeneration; die Kontrolle der zugrunde liegenden Entzündung ist auch wichtig, um ein Wiederauftreten der CNV zu verhindern. Bei PIC und MFC wird ein bidirektionaler Ansatz mit Anti-VEGF und Steroiden (oder Immunsuppressiva) als wirksam angesehen; eine alleinige Anti-VEGF-Therapie birgt ein Rezidivrisiko 7, 8).

HinweisBetroffene Erkrankung
Tuberkulose vorrangig ausschließen (vor Immunsuppression)Serpiginöse Chorioiditis · MFC
HLA-A29 berücksichtigen (Diagnose)Birdshot (geringe Sensitivität bei Japanern)
Risiko eines erhöhten Augeninnendrucks durch SteroidimplantatBirdshot (bis zu 40% benötigen Trabekulektomie)
Risiko von Knochenmarksuppression und malignen Tumoren durch ChlorambucilSerpiginöse Chorioiditis (wöchentliche Blutuntersuchung erforderlich)
Wiederaufflammen nach COVID-19-Infektion oder -ImpfungPICMEWDS (Rezidivbericht)
Notfallmaßnahmen bei zerebraler VaskulitisAPMPPE (Kopfschmerzen, neurologische Symptome → notfallmäßige MRT des Gehirns)
Q Welche Untersuchungen sollten zuerst durchgeführt werden, wenn Immunsuppressiva eingesetzt werden?
A

Vor Beginn einer Immunsuppression bei White-Dot-Syndrom sind folgende obligatorische Untersuchungen durchzuführen: ① Tuberkuloseausschluss mittels IGRA (Quantiferon) (höchste Priorität bei serpiginöser Chorioiditis), ② Virushepatitis-Screening mittels HBs-Antigen, HBc-Antikörper und HCV-Antikörper (Verhinderung einer Reaktivierung unter Immunsuppression), ③ Röntgen-Thorax und CT (Ausschluss von Tuberkulose und Sarkoidose), ④ großes Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktionstests (Bestimmung der Ausgangswerte). Bei Biologika wie Adalimumab ist das Tuberkulose-Screening laut Packungsbeilage ebenfalls obligatorisch19, 20).

Q Wie werden Anzahl und Verabreichungsplan der Anti-VEGF-Therapie festgelegt?
A

Im Gegensatz zur altersbedingten Makuladegeneration kann eine entzündliche CNV (iCNVM) bei guter Entzündungskontrolle spontan zurückgehen. Üblicherweise wird eine PRN-Strategie (bei Bedarf) angewendet, wobei injiziert wird, sobald eine aktive CNV im OCT-A bestätigt wird. Eine initiale Aufsättigungsdosis (3 aufeinanderfolgende Injektionen) kann erfolgen, aber in Kombination mit einer Immunsuppression kann die Anzahl der benötigten Injektionen reduziert werden. Bei alleiniger Anti-VEGF-Therapie ist das Rezidivrisiko hoch, daher ist ein bidirektionaler Ansatz mit Kontrolle der zugrunde liegenden Entzündung wichtig 7, 8).


Jede Erkrankung des White-Dot-Syndroms ist mit bestimmten systemischen Erkrankungen oder Infektionen assoziiert, daher ist eine systematische Ausschlussdiagnostik vor der Behandlung wichtig.

ErkrankungAssoziierte systemische Erkrankungen/ZuständeKlinische Bedeutung
APMPPEHirngefäßentzündung (MCAT) · Streptokokkeninfektion · EB-VirusKopfschmerzen · neurologische Symptome → notfallmäßige MRT des Gehirns
BirdshotHLA-A29 (80–98 % bei Weißen) · ähnlich wie SarkoidoseHLA-Test als Diagnosehilfe (geringe Sensitivität bei Japanern)
Serpiginöse ChorioiditisTuberkulose (SLC) · HLA-B7/A2IGRA positiv → Anti-Tuberkulose-Medikamente zuerst
PICSarkoidose · HLA-DRB1*15CT-Thorax und ACE-Messung erwägen
MFCIL-10-Haplotyp·EBV·SarkoidoseBei chronisch rezidivierenden Fällen erneute systemische Abklärung
MEWDSCOVID-19-Infektion·nach Impfung·HLA-B51SARS-CoV-2-Infektion fungiert als immunologischer Auslöser
AZOORHashimoto-Thyreoiditis, Multiple Sklerose, AutoimmunerkrankungenSchilddrüsenfunktion und Autoantikörpertests in Betracht ziehen

7. Besondere Hinweise und neueste Erkenntnisse zu den einzelnen Erkrankungen

Abschnitt betitelt „7. Besondere Hinweise und neueste Erkenntnisse zu den einzelnen Erkrankungen“

APMPPE und das Spektrum der Plakoid-Chorioretinitis

Abschnitt betitelt „APMPPE und das Spektrum der Plakoid-Chorioretinitis“

Die APMPPE wird heute zusammen mit der persistierenden Plakoid-Makulopathie (PPM) und der unerbittlichen Plakoid-Chorioretinitis (RPC) als „Plakoid-Chorioretinitis-Spektrum“ integriert verstanden. Bei diesen drei Erkrankungen zeigt die OCT-A ein gemeinsames Muster von Choriokapillaris-Flow-Void, was darauf hindeutet, dass eine Ischämie der Choriokapillaris eine gemeinsame pathologische Grundlage darstellt5).

Klufas et al. (2017) berichteten, dass OCT-A bei den drei Erkrankungen APMPPE, PPM und RPC mit hoher Übereinstimmung mit FA und ICGA Choriocapillaris-Flow-Voids nachweist und damit das Konzept des Placoid-Chorioretinitis-Spektrums unterstützt5).

Die foveale Granularität ist ein diagnostischer Befund, der bei 74–96 % der MEWDS-Patienten auftritt und nach dem Verschwinden der weißen Punkte als einziger Befund bestehen bleiben kann. Die Nahinfrarot-FAF (NIR-FAF) zeigt ein charakteristisches foveales granuläres Muster9).

PIC und MFC (MFCwP) teilen einen gemeinsamen genetischen Hintergrund (IL-10-Haplotyp, HLA-DRB1*15) und werden als unterschiedliche Phänotypen desselben Krankheitsspektrums angesehen. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind das Vorhandensein oder Fehlen von Vitritis und Vorderkammerentzündung sowie die Verteilung der Läsionen1, 3).

UnterscheidungsmerkmalPICMFC (MFCwP)
VitritisNicht vorhandenVorhanden (wichtiges Unterscheidungsmerkmal)
VorderkammerentzündungKeineLeicht vorhanden
LäsionsverteilungAuf hinteren Pol beschränktHinterer Pol + mittlere Peripherie
Läsionsgröße100–300 μm45–350 μm
CNV-Koinzidenzrate40–76 %Bis zu 60 %

Die Assoziation zwischen Birdshot und HLA-A29 ist eine der stärksten bekannten genetischen Assoziationen bei allen Erkrankungen, mit einem relativen Risiko von 50- bis 224-fach erhöht bei weißen Patienten4). Bei Japanern ist jedoch die Sensitivität der HLA-A29-Positivität für die Diagnose aufgrund der geringen Prävalenz von HLA-A29-Trägern begrenzt. Die Diagnose sollte sich auf die klinischen Befunde der SUN-2021-Klassifikationskriterien (Fundusbefunde, geringe Vorderkammerentzündung, Glaskörperentzündung) stützen10).

Es wird angenommen, dass AZOOR entsteht, wenn zu einer genetischen Prädisposition (IL-10-Haplotyp usw.) ein Umweltauslöser (Virusinfektion, Impfung, Medikament usw.) hinzukommt, und wird zusammen mit MEWDS, PIC, AMN und AIBSE als AZOOR-Komplex verstanden3). Weltweit nehmen Fälle von MEWDS nach COVID-19-Infektion oder Impfung zu, was darauf hindeutet, dass SARS-CoV-2 als Immunauslöser fungieren könnte11).

Q Kann das White-Dot-Syndrom nach einer COVID-19-Infektion oder Impfung auftreten?
A

Ja. Es wurden mehrere Fälle von Erstmanifestation oder Rezidiv von MEWDS, PIC und serpiginöser Chorioiditis nach einer COVID-19-Infektion berichtet, was darauf hindeutet, dass eine SARS-CoV-2-Infektion als immunologischer Auslöser fungieren könnte11, 12). Bei MEWDS gibt es eine systematische Übersicht über 27 Fälle nach COVID-19-Impfung, wobei der mRNA-Impfstoff (Pfizer-BioNTech) am häufigsten war. Personen mit entsprechender Vorgeschichte sollten vor und nach der Impfung einen Augenarzt zur Verlaufskontrolle konsultieren.

Q Welche Untersuchungen sollten bei erstmaligem Verdacht auf ein White-Dot-Syndrom priorisiert durchgeführt werden?
A

Die empfohlene Priorität der Untersuchungen bei erstmaligem Verdacht auf ein White-Dot-Syndrom ist wie folgt: ① FAF + OCT (nicht-invasiv, ermöglicht die initiale Beurteilung fast aller Erkrankungen; Darstellung der Hyper-AF bei MEWDS, Beurteilung der Ellipsoidzone, sub-RPE-Erhebung bei PIC) → ② OCT-A (frühe Erkennung einer CNV, Beurteilung von choriokapillären Flow-Voids) → ③ FA + ICGA (falls eine definitive Diagnose oder Aktivitätsbeurteilung erforderlich ist). Bei Verdacht auf serpiginöse Chorioiditis sollte vor der FA IGRA (Tuberkulose-Ausschluss) priorisiert werden. Bei Verdacht auf AZOOR ist ein ERG (multifokales ERG) obligatorisch1, 2).



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