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Neuroophthalmologie

Augenärztliche Zeichen von Autoimmunerkrankungen

1. Was sind die ophthalmologischen Anzeichen von Autoimmunerkrankungen?

Abschnitt betitelt „1. Was sind die ophthalmologischen Anzeichen von Autoimmunerkrankungen?“

Systemische Autoimmunerkrankungen bedrohen das Sehvermögen direkt über immunologische Mechanismen oder indirekt über sekundäre Pathologien wie Hyperkoagulabilität, Arteriitis, Bluthochdruck sowie Nebenwirkungen der Behandlung (steroidinduzierter Katarakt, Glaukom).

Die wichtigsten neuroophthalmologischen Anzeichen werden in die folgenden sechs Kategorien eingeteilt.

  • Optikusneuritis (Optic neuritis): Sehnervenschädigung durch entzündliche Demyelinisierung oder Vaskulitis.
  • Ischämische Optikusneuropathie (ION): Unterteilt in arteriitische (AAION), nicht-arteriitische (NAION) und posteriore (PION) Form.
  • Orbitales inflammatorisches Syndrom (OIS): Unspezifische Entzündung des Orbitagewebes.
  • Retinale Vaskulitis (Retinal vasculitis): Entzündliche Veränderungen der Netzhautgefäße.
  • Vaskuläre Verschluss-Retinopathie: Netzhautvenenverschluss (BRVO/CRVO) oder Arterienverschluss (CRAO/BRAO).
  • Amaurosis fugax: Vorübergehender Sehverlust.

Die wichtigsten assoziierten Autoimmunerkrankungen sind vielfältig. Dazu gehören SLE, Multiple Sklerose (MS), Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD), MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankungen (MOGAD), Riesenzellarteriitis (GCA), Morbus Behçet, Sarkoidose, Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), Polyarteriitis nodosa (PAN), eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), Antiphospholipid-Syndrom (APLS), Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis, systemische Sklerose, Dermatomyositis und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED).

Q Welche Augensymptome können bei Autoimmunerkrankungen auftreten?
A

Von plötzlichem Sehverlust und Augenschmerzen durch Optikusneuritis über schmerzlosen Sehverlust durch ischämische Optikusneuropathie bis hin zu Exophthalmus und Doppelbildern durch orbitale Entzündungen sowie Gesichtsfeldausfällen durch Netzhautvaskulitis oder Gefäßverschlüsse reichen die vielfältigen Symptome. Augensymptome können das erste Anzeichen einer systemischen Erkrankung sein.

Die charakteristischen subjektiven Symptome der einzelnen neuroophthalmologischen Zeichen sind wie folgt.

  • Optikusneuritis: Akute, über Tage fortschreitende Sehverschlechterung (meist einseitig). Begleitet von Photopsien, Farbsehstörungen (insbesondere verminderte Rotwahrnehmung) und Schmerzen bei Augenbewegungen.
  • Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (nichtarteriitische AION): Plötzlicher, einseitiger, schmerzloser schwerer Sehverlust. Wird oft beim Aufwachen bemerkt.
  • GCA (AAION): Plötzlicher einseitiger oder beidseitiger Sehverlust. Begleitet von Kopfschmerzen, Kieferclaudicatio, Kopfhautempfindlichkeit, Gelenkschmerzen und Müdigkeit.
  • Orbitales entzündliches Syndrom: Akut einsetzende tiefe, stechende Orbitaschmerzen, Doppelbilder, Kopfschmerzen und progrediente Sehverschlechterung. Schmerzen bei Augenbewegungen deuten auf eine Orbitamyositis hin.
  • Retinale Vaskulitis: Schmerzlose Sehverschlechterung, verschwommenes Sehen, Skotome, Mouches volantes, Photopsien. Bei peripheren Läsionen kann es asymptomatisch sein.
  • Vaskulär-okklusive Retinopathie: CRVO → akute schmerzlose Verschwommenheit. CRAO → plötzlicher schmerzloser schwerer Sehverlust auf einem Auge. BRVO → asymptomatisch bis Gesichtsfeldausfall mit Skotom.
  • Amaurosis fugax: Vorübergehender Sehverlust (Verschwommenheit bis völlige Dunkelheit) für Sekunden bis Minuten.
  • Optikusneuritis: positiver relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD), unterschiedlich starke Sehminderung, Gesichtsfeldausfälle (zentrales Skotom, Nervenfaserbündeldefekte), Farbsehstörungen. Teilweise Papillenödem, jedoch bei retrobulbärer Neuritis normale Papille.
  • AAION: blasses Papillenödem (chalky pallor) und peripapilläre streifige Blutungen. Nach Abklingen des Ödems Exkavation der Papille.
  • Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie: hyperämisches, ödematöses Papillenödem und peripapilläre streifige Blutungen. Exkavation selten.
  • PION: initial normale Papille, nur RAPD. Endgültig Optikusatrophie.
  • Orbitales Entzündungssyndrom: Exophthalmus, konjunktivale Injektion, Ptosis, tastbare orbitale Raumforderung, eingeschränkte Augenbeweglichkeit, Chemosis. Die Verdickung der Ansatzstellen der äußeren Augenmuskeln ist ein Unterscheidungsmerkmal zur endokrinen Orbitopathie.
  • Retinale Vaskulitis: Perivaskuläre Scheidenbildung, weiche Exsudate (Cotton-Wool-Flecken), frostzweigartige Vaskulitis, Netzhautblutungen, Papillenödem.
  • SLE-Retinopathie: Cotton-Wool-Flecken, Netzhautblutungen, Roth-Flecken, retinale Venen- und Arterienverschlüsse, seröse Netzhautablösung. SLE-Retinopathie tritt bei etwa 10–30 % auf, ist bilateral und tritt häufiger in Phasen hoher Krankheitsaktivität auf. Das häufigste okuläre Symptom bei SLE ist die Keratokonjunktivitis sicca (ca. 30 %).
  • Vaskulär-okklusive Retinopathie: Makulaödem (Hauptursache für Sehverschlechterung), intraretinale Blutungen, venöse Dilatation und Tortuositas, kirschroter Fleck (CRAO).

Charakteristische klinische Befunde der Anti-AQP4-Antikörper-positiven Optikusneuritis:

  • Sie zeigt einen akuten Sehverlust und ist resistent gegenüber einer Steroidtherapie.
  • Sie tritt häufig auch am anderen Auge auf und neigt zur Bilateralität.
  • Etwa die Hälfte der Patienten klagt über Augenschmerzen.
  • Zu den Gesichtsfeldausfällen gehören neben dem Zentralskotom auch horizontale Hemianopsie, bitemporale Hemianopsie und homonyme Hemianopsie. Die Läsion kann auf das Chiasma opticum und den Tractus opticus übergreifen.
  • Es kann das Erstsymptom einer NMO sein. Die Befragung zu Taubheitsgefühl, Temperatur- und Schmerzempfindungsstörungen sowie Schluckauf ist wichtig.

Charakteristische klinische Befunde der Anti-MOG-Antikörper-positiven Optikusneuritis:

  • Beidseitigkeit, Papillenschwellung, im MRI längs ausgedehnte Hyperintensität des Sehnervs und Perineuritis.
  • Bei CRION-diagnostizierten Fällen ist die MOG-Antikörper-Positivitätsrate hoch.
Q Wie unterscheidet sich die anti-AQP4-Antikörper-positive Optikusneuritis von der gewöhnlichen Optikusneuritis?
A

Im Gegensatz zur gewöhnlichen Optikusneuritis ist die anti-AQP4-Antikörper-positive Optikusneuritis oft steroidresistent und hat eine schlechtere Sehprognose. Sie tritt häufiger beidseitig auf, die Gesichtsfeldausfälle sind vielfältig und können horizontale Hemianopsie oder homonyme Hemianopsie umfassen. Bei etwa 10 % der Fälle reicht eine alleinige Steroid-Pulstherapie nicht aus, und es besteht die Möglichkeit einer Erblindung.

Die Augenveränderungen variieren je nach Autoimmunerkrankung. Die ophthalmologischen Beteiligungen der vier wichtigsten Erkrankungen sind im Folgenden aufgeführt.

SLE

Häufigkeit der Augensymptome: Keratoconjunctivitis sicca (ca. 30%) am häufigsten. Retinopathie tritt bei 10–30% auf.

Merkmale der Retinopathie: Beidseitig, mit Krankheitsaktivität assoziiert. Hauptbefunde sind watteartige Flecken, Netzhautblutungen und Roth-Flecken.

Häufigkeit: Frauen in den 20ern und 30ern.

Multiple Sklerose

Zusammenhang mit Optikusneuritis: Etwa 30 % der Patienten zeigen bei Ausbruch Sehstörungen.

MS-Konversionsrisiko: Die kumulative MS-Konversionswahrscheinlichkeit 15 Jahre nach Optikusneuritis beträgt 72 % bei Hirnläsionen und 25 % ohne.

Sonstiges: Internukleäre Ophthalmoplegie (Doppelbilder) ist ebenfalls ein charakteristischer Befund.

NMOSD (Anti-AQP4-Antikörper)

Epidemiologie: Über 90 % der Betroffenen sind Frauen, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen Ende 30 und Anfang 40.

Merkmale: Im Vordergrund stehen therapieresistente, rezidivierende Optikusneuritis und Myelitis. Eine alleinige Steroidtherapie ist oft unzureichend.

Riesenzellarteriitis

Auswirkungen auf das Auge: Eine Vaskulitis der Endarterien der Sehnervenpapille führt zu einer AAION. Eine Beteiligung der Augenarterie kann zu einem Zentralarterienverschluss (CRAO) und vollständiger Erblindung führen.

AAION: Die wichtigste Ursache der AAION, die zu einem dauerhaften Sehverlust führt.

Autoimmunerkrankungs-spezifische Muster der retinalen Vaskulitis:

Je nach Autoimmunerkrankung sind eher Arterien oder Venen von Entzündungen betroffen.

MusterHauptassoziierte Erkrankungen
Hauptsächlich ArteriitisSLE, PAN, EGPA, Riesenzellarteriitis
Hauptsächlich PhlebitisMorbus Behçet, Multiple Sklerose, Sarkoidose
Gemischter TypGranulomatose mit Polyangiitis, CED

Mit orbitalem inflammatorischem Syndrom (OIS) assoziierte Erkrankungen: Granulomatose mit Polyangiitis, Riesenzellarteriitis, CED, SLE, EGPA, Sklerodermie, Sarkoidose, Dermatomyositis, rheumatoide Arthritis.

Mit Amaurosis fugax assoziierte Erkrankungen: SLE, GCA, Morbus Crohn, APLS, Takayasu-Arteriitis.

Mit vaskulär-okklusiver Retinopathie assoziierte Erkrankungen: SLE, Sarkoidose, APLS, Morbus Crohn, Granulomatose mit Polyangiitis, EGPA, PAN.

Q Warum sollte bei unklarer retinaler Vaskulitis eine systemische Erkrankung vermutet werden?
A

Berichten zufolge haben bis zu 42,5 % der Patienten mit retinaler Vaskulitis eine nicht diagnostizierte systemische Erkrankung. Daher ist bei retinaler Vaskulitis ohne offensichtliche lokale Ursache eine Abklärung auf systemische Erkrankungen wie SLE, Morbus Behçet und Sarkoidose unerlässlich.

  • Die klinische Diagnose ist grundlegend. Eine gadoliniumverstärkte orbitale MRT zeigt eine Verstärkung des Sehnervs.
  • Die MRT ist auch nützlich zur Beurteilung des Risikos eines Übergangs zur MS.
  • Als ergänzende Untersuchungen werden visuell evozierte Potenziale (VEP), Lumbalpunktion und Röntgen-Thorax durchgeführt.
  • OCT ermöglicht die Erkennung und Quantifizierung der Optikusatrophie.

Diagnose der Anti-AQP4-Antikörper-positiven Optikusneuritis:

  • Der Nachweis von Serum-Anti-AQP4-Antikörpern ist obligatorisch.
  • Die ELISA-Methode ist erstattungsfähig, aber in Sensitivität und Spezifität dem CBA (Cell-Based Assay) etwas unterlegen.
  • Kontrast-MRT: Kontrastmittelanreicherung im Bereich des Sehnervs.
  • Auch eine Verminderung der kritischen Flimmerfrequenz (CFF) wird bestätigt.
  • Differenzialdiagnose: Da die Erkrankung häufiger in höherem Alter auftritt als eine typische Optikusneuritis, ist die Abgrenzung zur ischämischen Optikusneuropathie wichtig. Das Vorliegen von Lebensstilerkrankungen und eine partielle blasse Schwellung der Papille sind entscheidende Unterscheidungsmerkmale.

Diagnosekriterien für NMOSD (2015):

  • Anti-AQP4-Antikörper positiv + mindestens ein klinisches Kernsymptom + Ausschluss anderer Erkrankungen.
  • Bei negativem Anti-AQP4-Antikörper: mindestens zwei klinische Kernsymptome (davon mindestens eines: Optikusneuritis, akute Myelitis oder Area-postrema-Syndrom) + Erfüllung der festgelegten MRT-Kriterien erforderlich.

MS-Diagnosekriterien:

  • Verwendung der McDonald-Diagnosekriterien von 2010.
  • Nachweis der zeitlichen und räumlichen Multiplizität des Zentralnervensystems. MRT-Befunde spielen eine zentrale Rolle.
  • Fundusbefunde + Fluoreszenzangiographie (FA) sind nützlich.
  • MRT zur Unterscheidung zwischen AAION und nicht-arteriitischer anteriorer ischämischer Optikusneuropathie.
  • Bei PION keine Verstärkung des Sehnervs (Unterscheidungsmerkmal zur retrobulbären Neuritis).
  • Funduskopie in Mydriasis (DFE), Sehnervbeurteilung (Farbsehen, RAPD), Gesichtsfelduntersuchung.
  • MRT/CT: Tränendrüsenhypertrophie (am häufigsten), extraokulare Muskelhypertrophie, orbitale Fettinfiltration. Im MRT T1/T2-Hypointensität und Gadoliniumverstärkung bestätigen.
  • Ultraschall: Verdickung des Ansatzes der äußeren Augenmuskeln (nützlich zur Abgrenzung von endokriner Orbitopathie).
  • Orbitabiopsie: bei therapieresistenten oder diagnostisch unsicheren Fällen in Betracht ziehen.
  • Die klinische Diagnose basiert auf der Funduskopie.
  • FA: Nützlich zur Beurteilung des Leckagemusters (lokal vs. diffus). Bei SLE wichtig zur Beurteilung von retinaler Vaskulitis und Gefäßverschluss.
  • OCT: Beurteilung der intraretinalen Strukturen.

Nachweis von MOG-Antikörpern:

  • Serum-MOG-IgG wird mittels Live-Cell-Based-Assay nachgewiesen.
  • Nur Antikörper, die an MOG im nativen Konformationszustand binden, sind pathogen.
  • Bei über 90 % der Fälle bessert sich die Sehkraft durch systemische Steroidgabe oder Beobachtung.
  • Die Steroid-Pulstherapie ist die Grundlage (Methylprednisolon).

Erstbehandlung:

  • Steroid-Pulstherapie (Methylprednisolon 1.000 mg, 3-tägige intravenöse Infusion). Da dies nicht von der Krankenversicherung abgedeckt ist, sind Aufklärung und Zustimmung des Patienten erforderlich.
  • Wenn nach 3–4 Tagen keine Besserung der Sehkraft eintritt, wird ein weiterer Zyklus durchgeführt.

Steroid-refraktäre Fälle (nach Bestätigung der Anti-AQP4-Antikörper-Positivität):

  • Eine Plasmapherese sollte in Betracht gezogen werden.
  • Die therapeutische Wirksamkeit ist in der Reihenfolge einfache Plasmapherese → Doppelfiltrationsplasmapherese → Immunadsorption am höchsten, aber die Belastung für den Körper nimmt in dieser Reihenfolge ebenfalls zu.
  • 1 Kur mit 5–6 Behandlungen. Zusammenarbeit mit Neurologen und Nephrologen ist unerlässlich.
  • Die Plasmapherese bei Optikusneuritis ist nicht von der Krankenkasse abgedeckt.
  • Da das körpereigene IgG abnimmt, verlängert sich der Krankenhausaufenthalt.

Erhaltungstherapie:

  • Kombination von niedrig dosiertem Prednisolon (5–10 mg/Tag) plus Azathioprin (50–100 mg/Tag).

Prognose: Ohne angemessene Behandlung bleibt die Sehfunktionsstörung dauerhaft bestehen. Bei etwa 10 % reicht eine alleinige Steroid-Pulstherapie nicht aus, und ohne Plasmaaustausch besteht die Gefahr der Erblindung.

  • Akutphase: Steroid-Pulstherapie (erste Wahl). Bei Nichtansprechen Plasmaaustausch.
  • Chronische Phase (Rezidivprophylaxe): Orale Steroide (niedrig dosiertes Prednisolon) werden empfohlen (Erstlinientherapie nicht etabliert).
  • Beachten Sie, dass sich das Behandlungskonzept deutlich von dem der MS-assoziierten Optikusneuritis unterscheidet.
  • Die Steroid-Pulstherapie spricht in der Regel gut an.
  • Es neigt zu Rückfällen, insbesondere bei der Ausschleichen von Steroiden.
  • Steroid ist oft wirksam, aber bei Ausschleichen kommt es zu Rückfällen und steroidabhängigem Verlauf.
  • Rückfallprophylaxe: niedrig dosiertes Steroid fortsetzen. Bei erneuten Rückfällen Immunsuppressiva einsetzen.
  • Nach Verbesserung der Sehkraft sollte eine Rezidivprophylaxe in Betracht gezogen und mit einem Neurologen zusammengearbeitet werden.
  • Optionen: Interferon beta, Glatirameracetat, Fingolimod, Natalizumab.
  • Die Behandlung erfolgt in Abstimmung mit der systemischen SLE-Therapie (Steroide, Immunsuppressiva).
  • Skleritis spricht in der Regel gut auf Steroide an.
Q In welchen Fällen ist eine Plasmapherese bei Anti-AQP4-Antikörper-positiver Optikusneuritis erforderlich?
A

Eine Plasmapherese wird in Betracht gezogen, wenn nach 1–2 Zyklen einer Steroid-Pulstherapie (Methylprednisolon 1.000 mg × 3 Tage) keine Verbesserung der Sehkraft eintritt. Bei etwa 10 % der Patienten reicht eine alleinige Steroidtherapie nicht aus, und ohne Plasmapherese kann es zur Erblindung kommen. Beide Verfahren sind nicht von der Krankenkasse abgedeckt und erfordern eine Zusammenarbeit mit Neurologen und Nephrologen.

6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus“

Die wichtigsten Mechanismen, durch die systemische Autoimmunerkrankungen Augenveränderungen verursachen, sind folgende:

  • Vaskulitis: Entzündliche Zellinfiltration der Gefäßwand führt zu Lumenverengung und -verschluss.
  • Gefäßkrampf: Durch Entzündungsmediatoren verursachte Vasokonstriktion.
  • Immunvermittelte Demyelinisierung: Zerstörung der Myelinscheide durch Autoantikörper oder zelluläre Immunität.
  • Immunkomplexablagerung: Gewebeschädigung durch Ablagerung von Immunkomplexen und Komplement in der Gefäßwand.
  • Hyperkoagulabilität: Entzündung reguliert prokoagulatorische Faktoren hoch und antikoagulatorische Faktoren herunter. Pathogene Antikörper wie Anticardiolipin-Antikörper und Lupus-Antikoagulans tragen ebenfalls zur Hyperkoagulabilität bei.

Pathophysiologie des SLE:

Charakteristisch ist eine Vaskulitis mit fibrinoider Nekrose kleiner Gefäße und Kapillaren. Das fibrinoidale Material besteht aus Fibrin, Immunkomplexen und Komplement.

Pathophysiologie der Anti-AQP4-Antikörper-positiven Optikusneuritis:

Anti-AQP4-Antikörper binden an Komplement und greifen Astrozyten an. Im Sehnerv und Chiasma opticum exprimieren Astrozyten viel AQP4 (Aquaporin 4), wodurch sie ein leichtes Angriffsziel darstellen.

Pathophysiologie der Optikusneuritis (demyelinisierend):

Eine entzündliche Demyelinisierung führt zu einem Leitungsblock und damit zu einer Sehverschlechterung. Eine Remyelinisierung ist möglich, aber anhaltende Demyelinisierung oder Axonverlust können zu einer unvollständigen Erholung führen.

Pathophysiologie der MOGAD (MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung):

Es handelt sich um eine eigenständige demyelinisierende Erkrankung, die sich von MS und NMOSD unterscheidet. Die Bindung von MOG-IgG an MOG im nativen Konformationszustand gilt als pathogenetisch wesentlich.

7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)

Abschnitt betitelt „7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)“

Validierung der internationalen MOGAD-Diagnosekriterien (2023)

Abschnitt betitelt „Validierung der internationalen MOGAD-Diagnosekriterien (2023)“

Die 2023 entwickelten internationalen Diagnosekriterien werden derzeit validiert.

In einer Validierungsstudie mit allen Patienten wurden eine Sensitivität von 96,5 %, eine Spezifität von 98,9 % und eine Genauigkeit von 98,5 % berichtet. Bei Kindern lagen Sensitivität und Spezifität nahe 100 %, bei Erwachsenen betrug die Sensitivität 91,9 % und die Spezifität 98,9 %. Im Vergleich zur alleinigen MOG-Antikörper-Testung wurde der Nutzen der Diagnosekriterien bestätigt.

Forschungsschwerpunkte zur MOG-ON (MOG-Antikörper-assoziierte Optikusneuritis)

Abschnitt betitelt „Forschungsschwerpunkte zur MOG-ON (MOG-Antikörper-assoziierte Optikusneuritis)“

Derzeit bestehen folgende ungelöste Fragen:

  • Etablierung einer optimalen Akuttherapie.
  • Rolle der steroidsparenden Immuntherapie zur langfristigen Rezidivprophylaxe.
  • Identifikation von Prädiktoren für einen rezidivierenden Verlauf (persistierende MOG-IgG-Positivität wird als Prädiktor für Rezidive diskutiert).
  • Nützlichkeit der OCT als Biomarker: Anwendung zur Erkennung von akuter Optikusneuritis-Schwellung und chronischer Atrophie.

Nach einer COVID-19-Impfung wurden Fälle von ION (ischämischer Optikusneuropathie) und MOG-Antikörper-positiver Optikusneuritis berichtet. Zur Bewertung des kausalen Zusammenhangs sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich.


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