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Glaukom

Glaukom nach ICL-Operation (ICL-assoziiertes Glaukom)

Die ICL (Implantable Collamer Lens) ist eine phake Hinterkammerlinse, die häufig zur Korrektur hoher Myopie eingesetzt wird. Sie besteht aus Collamer (Kollagen-HEMA-Copolymer) und wird zwischen Iris und Linse (im Sulcus ciliaris) fixiert. Die Indikation umfasst Myopie ab einem sphärischen Äquivalent von 6 Dioptrien; bei mittlerer Myopie von 3 bis unter 6 Dioptrien und hoher Myopie über 15 Dioptrien ist eine sorgfältige Abwägung erforderlich 1). Das Operationsalter liegt in der Regel zwischen 21 und 45 Jahren, wobei altersbedingte Linsenveränderungen zu berücksichtigen sind 1).

In Japan ist nur die ICL aus Hinterkammer-Collamer zugelassen; seit der Zulassung im Jahr 2010 hat sie sich als Korrekturmethode für hohe Myopie verbreitet. Durch aktuelle Leitlinienrevisionen kann sie nun auch bei nicht fortgeschrittenem mildem Keratokonus und mittlerer Myopie vorsichtig eingesetzt werden. Eine Korrektur von Astigmatismus von 1 bis 4 Dioptrien ist ebenfalls möglich.

Das Glaukom nach ICL-Operation ist ein Sammelbegriff für sekundäre Glaukome, die durch eine abnorme Lagebeziehung der ICL zu intraokulären Strukturen (Iris, Linse, Kammerwinkel) oder durch postoperative Komplikationen entstehen. Die Leitlinie für refraktive Chirurgie (8. Auflage) nennt als postoperative Komplikationen der phaken Intraokularlinsenchirurgie „vorübergehenden Augeninnendruckanstieg und Steroidglaukom“ sowie „Winkelblockglaukom“ 1).

Bei herkömmlichen ICLs war eine präoperative Laser-Iridotomie (LPI) obligatorisch. Dies lag daran, dass die ICL an der Rückseite der Iris anliegen und den Fluss des Kammerwassers in die Vorderkammer behindern konnte, was das Risiko eines Pupillarblocks birgt. Später wurde die zentrierte Loch-ICL (Hole ICL / EVO ICL) mit einer Mikroöffnung (KS-AquaPORT) in der Linsenmitte entwickelt, die so konstruiert ist, dass Kammerwasser durch das zentrale Loch in die Vorderkammer fließen kann 5). Dadurch ist eine präoperative LPI im Allgemeinen nicht mehr erforderlich, und das Risiko eines Pupillarblocks mit erhöhtem Augeninnendruck wurde verringert 5, 6). Allerdings bestehen auch bei der zentrierten Loch-ICL weiterhin Risiken für ein Winkelblockglaukom durch übermäßige Vault oder ein Pigmentdispersionsglaukom, sodass eine regelmäßige postoperative Überwachung weiterhin wichtig ist.

Der postoperative Augeninnendruckanstieg nach ICL kann je nach Pathomechanismus in die folgenden drei Kategorien eingeteilt werden.

  • Winkelblocktyp (übermäßige Vault): Wenn die ICL im Verhältnis zum Auge zu groß ist, ist die Vault (Abstand zwischen ICL-Hinterfläche und Linsenvorderfläche) übermäßig, die Iris wird nach vorne gedrückt und der Kammerwinkel mechanisch blockiert. Dies führt zu einem ähnlichen Krankheitsbild wie ein Winkelblockglaukom und kann akute Anfälle verursachen.
  • Pigmentdispersionsglaukom (Offenwinkeltyp): Durch Reibung zwischen der ICL-Hinterfläche und der Iris/Linse wird Pigment aus dem Irispigmentepithel freigesetzt, das sich im Trabekelwerk ablagert und den Abflusswiderstand des Kammerwassers erhöht. Dies ähnelt dem Krankheitsbild eines Pigmentglaukoms.
  • Steroidinduzierter Typ (medikamentös): Augeninnendruckanstieg als Steroid-Responder durch die nach ICL-Operation verwendeten steroidhaltigen Augentropfen.

Darüber hinaus kann unmittelbar nach der Operation ein vorübergehender Augeninnendruckanstieg durch Reste von Viskoelastikum auftreten, der sich in der Regel konservativ bessert 1).

Die genaue Inzidenz des Augeninnendruckanstiegs nach ICL variiert je nach ICL-Generation (konventionell vs. zentral perforiert), Sizing-Methode, Nachbeobachtungszeitraum und Definition des Berichts. Bei konventionellen ICLs wurden trotz präoperativer LPI gelegentlich Augeninnendruckanstiege durch Pupillarblock berichtet, aber nach der Verbreitung der zentral perforierten ICLs ist die Häufigkeit deutlich zurückgegangen 7). Ein vorübergehender postoperativer Augeninnendruckanstieg ist eine relativ häufige Komplikation, und die Leitlinien empfehlen eine Nachbeobachtung von mindestens 2 Stunden nach der Operation 1). In einer Übersichtsarbeit von Packer wurde berichtet, dass das Risiko eines akuten Augeninnendruckanstiegs bei zentral perforierten ICLs signifikant niedriger ist als bei konventionellen ICLs 7). Langfristig ist auch auf eine chronische Kammerwinkelverengung durch übermäßiges Vaulting und einen langsamen Augeninnendruckanstieg durch Pigmentdispersion zu achten.

Q Kann man nach einer ICL-Operation ein Glaukom entwickeln?
A

Nach einer ICL-Operation besteht die Möglichkeit, ein Glaukom zu entwickeln. Die Hauptmechanismen sind: Kammerwinkelblockade durch ICL-Größenfehlanpassung, Pigmentdispersion durch Reibung zwischen ICL und Iris sowie medikamentös bedingt durch postoperative Steroid-Augentropfen. Durch die Verbreitung der zentral perforierten ICLs ist das Risiko eines Pupillarblocks gesunken, aber regelmäßige Messungen des Augeninnendrucks und des Vaultings sind unerlässlich 1). Durch geeignete ICL-Größenauswahl und postoperative Nachsorge kann das Risiko minimiert werden.

Die Symptome eines Glaukoms nach ICL-Operation variieren stark je nach Mechanismus und Akuität des Verlaufs. Während der Kammerwinkelblock-Typ akute und heftige Symptome verursacht, verlaufen der Pigmentdispersionstyp und der steroidinduzierte Typ oft symptomlos und fortschreitend.

Wenn die Kammerwinkelblockade durch übermäßiges Vaulting schnell fortschreitet, treten ähnliche Symptome wie bei einem akuten Glaukomanfall auf.

  • Starke Augenschmerzen und Kopfschmerzen: Ausstrahlung in die Stirn- und Schläfenregion
  • Übelkeit und Erbrechen: Treten als Allgemeinsymptome auf und können fälschlicherweise als Magen-Darm-Erkrankung diagnostiziert werden
  • Verschwommenes Sehen und Sehverschlechterung: Akute Sehstörung durch Hornhautödem
  • Halos (Regenbogensehen): Farbige Ringe um Lichtquellen

Bei anhaltend hoher Vault-Konfiguration können sich trotz geringer subjektiver Beschwerden periphere anteriore Synechien (PAS) bilden, was zu einem chronischen Winkelblockglaukom führen kann.

Wie beim primären Offenwinkelglaukom verläuft es oft asymptomatisch. Allerdings kann es bei Druckschwankungen zu verschwommenem Sehen kommen. Besonders nach körperlicher Anstrengung wird die Pigmentdispersion verstärkt, sodass Patienten unmittelbar nach dem Sport über verschwommenes Sehen oder Augenschmerzen klagen. Im fortgeschrittenen Stadium werden Gesichtsfeldausfälle bemerkt, im Frühstadium jedoch oft nicht wahrgenommen.

Es gibt fast keine subjektiven Symptome; der erhöhte Augeninnendruck wird oft zufällig bei der regulären Augeninnendruckmessung entdeckt. Bei starkem Anstieg des Augeninnendrucks können verschwommenes Sehen und Augenschmerzen auftreten.

Klinische Befunde (vom Arzt bei der Untersuchung festgestellte Befunde)

Abschnitt betitelt „Klinische Befunde (vom Arzt bei der Untersuchung festgestellte Befunde)“

Wenn nach einer ICL-Operation ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wird, werden die folgenden drei klinischen Befunde zur Ursachenabklärung herangezogen.

Winkelblock-Typ

Übermäßiges Vault: Ein übermäßiges Vault von 750 µm oder mehr im vorderen Augenabschnitt-OCT oder UBM.

Abflachung der Vorderkammer: Die Iris wird durch die ICL nach vorne verlagert.

Verschlossener Kammerwinkel: Weitgehender Verschluss des Kammerwinkels in der Gonioskopie.

Periphere anteriore Synechien (PAS): Bildung bei chronischen Fällen.

Pigmentdispersionstyp

Krukenberg-Spindel: Vertikale Pigmentablagerung auf der Hornhautrückfläche.

Kammerwinkel-Pigmentierung: Gonioskopisch zirkuläre starke Pigmentierung.

Posteriore Verlagerung des mittleren Irisbereichs: Konkave Verformung der Iris.

Irisatrophie: Erhöhte Transparenz durch Verlust des Pigmentepithels.

Steroidinduzierter Typ

Offener Kammerwinkel: Keine Kammerwinkelblockade oder Pigmentierung.

Normales Vault: ICL-Position ist angemessen.

Anamnese der Steroidanwendung: Die Überprüfung der postoperativen Augentropfenanamnese ist wichtig.

Beim Überschuss-Vault-Typ ist eine quantitative Bewertung des Vaults mittels Vorderabschnitts-OCT oder UBM (Ultraschall-Biomikroskopie) unerlässlich. Im Allgemeinen ist bei einem Vault über 750 µm die ICL wahrscheinlich zu groß, während ein Vault unter 250 µm das Kataraktrisiko erhöht 8, 9). Schmidinger et al. berichteten, dass sich der Vault von phaken Hinterkammerlinsen im Laufe der Zeit verändert, sodass auch bei unmittelbar postoperativ korrektem Vault eine langfristige Überwachung erforderlich ist 12).

Beim Pigmentdispersions-Typ ist die Diagnose bei erhöhtem Augeninnendruck, zusätzlich posteriorer Verlagerung der mittleren Irisperipherie, Pigmentdispersionsbefunden im Vorderabschnitt (Pigmentablagerungen auf Hornhaut, Linse und Kammerwinkel) und Irisatrophie zu vermuten.

Q Ich habe nach dem Sport verschwommenes Sehen. Hat das etwas mit der ICL zu tun?
A

Verschwommenes Sehen nach dem Sport bei ICL-Augen ist ein wichtiges Symptom, das auf ein Pigmentdispersionsglaukom hindeutet. Durch die Bewegung nimmt die Reibung zwischen ICL und Iris zu, was die Pigmentdispersion fördert und einen vorübergehenden Augeninnendruckanstieg verursachen kann. Bei solchen Symptomen sollten der Augeninnendruck unmittelbar nach dem Sport und der Kammerwinkel untersucht werden, um das Ausmaß der Pigmentablagerungen zu beurteilen. Eine frühzeitige augenärztliche Untersuchung wird empfohlen.

Die Ursachen und Risikofaktoren des Glaukoms nach ICL-Implantation variieren je nach Pathomechanismus.

Der wichtigste Faktor ist die Fehlanpassung der ICL-Größe.

  • Übermäßiges Vault: Wenn die ICL im Verhältnis zur Breite des Sulcus ciliaris zu groß ist, wölbt sich die Linse nach vorne, drückt die periphere Iris nach oben und blockiert mechanisch den Kammerwinkel. Ein angemessenes Vault liegt in der Regel zwischen 250 und 750 µm; wird dieser Wert deutlich überschritten, steigt das Risiko8, 9)
  • Zu geringes Vault: Ist die ICL hingegen zu klein, besteht das Risiko, dass die ICL-Hinterfläche die Linsenvorderfläche berührt und einen Katarakt verursacht.
  • Grenzen der präoperativen Beurteilung des Sulcus-ciliaris-Durchmessers: Die präoperative OCT des vorderen Augenabschnitts oder UBM haben Grenzen bei der genauen Messung des Sulcus ciliaris, sodass eine Unsicherheit bei der ICL-Größenauswahl bestehen bleibt10, 11)
  • Kontakt zwischen ICL und Irisrückfläche: Die mechanische Reibung zwischen der ICL-Hinterfläche und dem Irispigmentepithel ist die Hauptursache der Pigmentdispersion.
  • Umgekehrter Pupillarblock: Durch die ICL kann der Kammerwasserfluss von der Hinterkammer in die Vorderkammer behindert werden, wodurch die Iris nach hinten gedrückt und die Bildung eines umgekehrten Pupillarblocks begünstigt werden kann.
  • Myopie und junges Alter: Das Pigmentdispersionsglaukom tritt in der Regel häufiger bei jungen Menschen mit Myopie auf. Da ICL-Kandidaten stark myop sind, handelt es sich um eine Population, die bereits ein Risiko für Pigmentdispersion aufweist.
  • Bewegung: Mikrovibrationen der ICL bei körperlicher Aktivität können die Pigmentdispersion fördern
  • Steroid-Responder: Patienten mit genetischer Veranlagung zeigen unter Steroid-Augentropfen einen Augeninnendruckanstieg
  • Postoperative Steroid-Augentropfen: Nach ICL-Operation werden Steroid-Augentropfen zur Entzündungshemmung eingesetzt, aber eine Langzeitanwendung erhöht das Risiko eines Steroidglaukoms1)

Ursachen des postoperativen vorübergehenden Augeninnendruckanstiegs

Abschnitt betitelt „Ursachen des postoperativen vorübergehenden Augeninnendruckanstiegs“
  • Rückstände viskoelastischer Substanzen: Während der Operation verwendete viskoelastische Substanzen (z. B. Natriumhyaluronat) können in der Vorderkammer verbleiben und das Trabekelwerk vorübergehend verstopfen1)
  • Flache Vorderkammer: Fälle mit unzureichender Vorderkammertiefe sind eine Kontraindikation für die phake Intraokularlinsen-Operation1)
  • Hornhautendothelschädigung: Ebenfalls ein Ausschlusskriterium 1)
  • Iridoziliare Zyste (Iridociliary Cyst): An der Kontaktstelle der ICL-Haptiken mit dem Ziliarsulkus können sich Zysten bilden; selten wurde über eine Vorderkammerblutung durch Zystenruptur berichtet 2)

Präoperatives Screening (Beurteilung vor ICL-Operation)

Abschnitt betitelt „Präoperatives Screening (Beurteilung vor ICL-Operation)“

Für die sichere Durchführung einer ICL-Operation ist eine präoperative Beurteilung einschließlich des Glaukomrisikos unerlässlich. Die Leitlinien für refraktive Chirurgie (8. Auflage) schreiben für die Implantation phaker Intraokularlinsen die Durchführung folgender Untersuchungen vor 1).

Zusätzlich zu den üblichen präoperativen Untersuchungen bei refraktiver Chirurgie (Sehschärfe, Refraktion, Hornhautkrümmungsradius, Spaltlampenmikroskopie, Hornhauttopographie, Hornhautdicke, Tränenfilm, Augenhintergrund, Augeninnendruck, Pupillendurchmesser, Hornhautdurchmesser) werden folgende ergänzt.

  • Vorderabschnittsbildgebung (einschließlich Vorderkammertiefe): Die Beurteilung der Vorderkammertiefe ist für die Risikostratifizierung eines Winkelblocks unerlässlich. Fälle mit unzureichender Vorderkammertiefe sind eine Kontraindikation für die Operation 1)
  • Hornhautendothelzelluntersuchung: Beurteilung der langfristigen Auswirkungen der ICL auf das Hornhautendothel. Hornhautendothelschäden sind eine Kontraindikation für die Operation 1)
  • Horizontaler Hornhautdurchmesser: Besondere Beachtung des horizontalen Durchmessers als Referenz für die ICL-Größenauswahl 1)

Für das Augeninnendruckmanagement nach ICL-Operation werden die folgenden Untersuchungen regelmäßig durchgeführt.

  • Augeninnendruckmessung: Unmittelbar nach der Operation wird eine Nachbeobachtung von mindestens 2 Stunden empfohlen 1). Auch bei späteren regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ist die Augeninnendruckmessung jedes Mal obligatorisch
  • Vault-Messung: Messung des Abstands zwischen der ICL-Hinterfläche und der Linsenvorderfläche mittels Vorderabschnitts-OCT oder UBM. Die Vorderabschnitts-OCT ist nicht-invasiv und leicht wiederholbar, daher für das Screening geeignet. Die UBM ermöglicht auch die Beurteilung des Kontakts der ICL-Haptiken mit dem Ziliarsulkus und bietet eine detailliertere Bewertung 10)
  • Gonioskopie: Direkte Beobachtung des Kammerwinkelöffnungsgrads, des Vorhandenseins von peripheren anterioren Synechien (PAS) und des Ausmaßes der Pigmentablagerungen
  • Gesichtsfelduntersuchung: Beurteilung des Fortschreitens glaukomatöser Sehnervenschäden. Verfolgung der zeitlichen Veränderung des MD-Werts mittels Humphrey-Gesichtsfeldperimeter
  • OCT-Papillenanalyse (RNFL-Dicke): Quantitative Bewertung der Ausdünnung der retinalen Nervenfaserschicht zur Früherkennung glaukomatöser Veränderungen

Bei Verdacht auf Pigmentdispersionsglaukom sind folgende zusätzliche Untersuchungen hilfreich.

  • Augenbefund nach Belastung: Da körperliche Belastung die Pigmentdispersion fördert, kann unmittelbar nach Belastung eine Augeninnendruckmessung und Gonioskopie durchgeführt werden, um das Ausmaß der Pigmentdispersion zu beurteilen
  • Gonioskopische Pigmentierungsgraduierung: Quantitative Bewertung der Pigmentierung nach der Scheie-Klassifikation

Bei Augeninnendruckerhöhung nach ICL-Implantation ist eine Abgrenzung zu folgenden Erkrankungen erforderlich.

DifferenzialdiagnosenDifferenzialdiagnostische Kriterien
Primäres WinkelblockglaukomNachweis der ICL (UBM)
Malignes GlaukomHoher Augeninnendruck mit hochgradig flacher Vorderkammer
Pigmentglaukom (idiopathisch)Auftreten in Augen ohne ICL
Sekundärglaukom durch UveitisVorhandensein von Entzündungszellen/Flare
SteroidglaukomÜberprüfung der Anwendungsgeschichte

Die Abgrenzung zum Sekundärglaukom durch Uveitis ist besonders wichtig. Die Entzündungsreaktion nach ICL und die Uveitis werden anhand des Ausmaßes von Flare und Zellen in der Vorderkammer unterschieden.

Q Wie oft sind nach einer ICL-Operation regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich?
A

Nach einer ICL-Operation werden in der Regel Kontrolluntersuchungen am nächsten Tag, nach einer Woche, nach einem Monat, nach drei Monaten und nach sechs Monaten empfohlen. Danach ist mindestens eine jährliche Kontrolluntersuchung erforderlich. Bei der Untersuchung werden Augeninnendruckmessung, Vault-Beurteilung, Hornhautendothelzelluntersuchung und Sehtest durchgeführt, um Fehlstellungen der ICL oder frühe Anzeichen eines Glaukoms zu erkennen. Bei Symptomen wie Augenschmerzen, verschwommenem Sehen oder Sehverschlechterung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, ohne auf den regulären Kontrolltermin zu warten 1).

Die Behandlung des Glaukoms nach ICL-Operation beginnt mit der Identifizierung des Entstehungsmechanismus, da die Therapiestrategie je nach Mechanismus stark variiert.

Bei einem Anstieg des Augeninnendrucks nach ICL-Operation wird der Mechanismus gemäß folgendem Ablauf unterschieden und die Behandlung ausgewählt.

  • Augeninnendruckanstieg innerhalb weniger Stunden nach der Operation → Verdacht auf Reste von Viskoelastikum, Beobachtung
  • Übermäßiges Vault + Kammerwinkelblockade → Notfall-Augendrucksenkung → Austausch der ICL-Größe
  • Normales Vault + Pigmentablagerungen im Kammerwinkel → Pigmentdispersionsglaukom → Medikamentöse Therapie ± Laser
  • Steroidgebrauch in der VorgeschichteSteroidglaukom → Absetzen von Steroiden

Bei einem akuten Winkelblockanfall aufgrund übermäßiger Vault wird zunächst eine medikamentöse Notfall-Augendrucksenkung durchgeführt.

  • Carboanhydrasehemmer (CAI): Acetazolamid 250–500 mg oral oder intravenös. Hemmt die Kammerwasserproduktion.
  • Betablocker: 0,5% Timololmaleat Augentropfen. Hemmt die Kammerwasserproduktion.
  • Hyperosmotika: 20% Mannitol 300 ml intravenöse Infusion (schwere Fälle).
  • 1–2% Pilocarpinhydrochlorid Augentropfen: Pupillenverengung zur Erweiterung des Kammerwinkels (bei ICL-Augen jedoch möglicherweise nur begrenzt wirksam).

Wenn die Linse zu nah an der natürlichen Linse ist, besteht das Risiko einer Kataraktentwicklung; wenn sie zu weit vorne steht, kann es zu Winkelblock und Augeninnendruckerhöhung kommen. Falls keine Besserung zu erwarten ist, sollte die Linsengröße überdacht und ein Linsenaustausch durchgeführt werden.

Der ICL-Größenwechsel ist ein Verfahren, bei dem die ICL basierend auf einer erneuten Messung des Sulcus ciliaris (z. B. mittels UBM) gegen eine geeignete Größe ausgetauscht wird, und stellt die grundlegende Lösung für den übermäßigen Vault dar.

Die medikamentöse Behandlung des Pigmentdispersionstyps erfolgt analog zum primären Offenwinkelglaukom3).

Die wichtigsten augendrucksenkenden Medikamente sind im Folgenden aufgeführt.

MedikamentenklasseRepräsentative WirkstoffeAnwendung
PG-AnalogaLatanoprost 0,005% Augentropfen1-mal täglich vor dem Schlafengehen
Betablocker0,5% Timololmaleat2-mal täglich
CAI1% Dorzolamid Augentropfen3-mal täglich
CAI1% Brinzolamid Augentropfen2-mal täglich
α2-Agonist0,1% Brimonidin Augentropfen2-mal täglich

Prostaglandinanaloga (Latanoprost 0,005%, Tafluprost 0,0015% usw.) werden häufig als erste Wahl eingesetzt. Mydriatika sind kontraindiziert, da sie eine Pigmentdispersion verursachen und den Kammerwasserabfluss verschlechtern können 3).

  • Laser-Iridotomie (LPI): Die Auflösung des inversen Pupillarblocks durch Laser-Iridotomie und Kataraktoperation kann den Pigmentabrieb durch Iris-Linsen-Kontakt reduzieren und irreversible Schädigungen des Trabekelwerks verhindern (Evidenzgrad 2B)3). Auch bei ICL-implantierten Augen wird bei Vorliegen eines inversen Pupillarblocks eine Unterdrückung des Pigmentabriebs durch LPI erwartet.
  • Selektive Laser-Trabekuloplastik (SLT) / Argon-Laser-Trabekuloplastik (ALT): Aufgrund der starken Pigmentierung des Trabekelwerks wird die Behandlung mit einer niedrigeren als der üblichen Energie durchgeführt. Postoperative Augeninnendruckspitzen (vorübergehender Anstieg) sind zu beachten. Die Drucksenkung kann stark variieren4).

Wenn medikamentöse und Lasertherapie eine unzureichende Augeninnendruckkontrolle bieten, werden folgende operative Eingriffe in Betracht gezogen.

  • ICL-Entfernung: Entfernung der ICL als Ursache des Pigmentabriebs. Auch nach ICL-Entfernung kann ein erhöhter Augeninnendruck durch verbleibende Pigmentablagerungen im Trabekelwerk bestehen bleiben.
  • Kammerwasserabflusswegsrekonstruktion (Trabekulotomie): Inzision des Trabekelwerks zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses in den Schlemm-Kanal. Beim Pigmentdispersionssyndrom liegt eine Funktionsstörung des Abflusswegs vor, und die Wirksamkeit dieses Verfahrens wurde berichtet3).
  • Filtrationschirurgie (Trabekulektomie): Schaffung eines neuen Kammerwasserabflusses durch die Sklera. Häufig wird ein Antimetabolit wie Mitomycin C eingesetzt3).
  • Tube-Shunt-Operation: Wird bei therapierefraktären Fällen in Betracht gezogen, die auf die oben genannten Behandlungen nicht ansprechen.
  • Absetzen oder Reduzierung von Steroid-Augentropfen: Dies ist die wichtigste und wirksamste Behandlung. Steroide sollten nur für den minimal notwendigen Zeitraum zur Entzündungskontrolle nach ICL-Operation verwendet werden.
  • Augendrucksenkende Medikamente: Wenn der erhöhte Augeninnendruck nach dem Absetzen anhält, werden Augentropfen analog zur Behandlung des primären Offenwinkelglaukoms hinzugefügt.
  • In der Regel normalisiert sich der Augeninnendruck innerhalb weniger Wochen bis Monate nach Absetzen der Steroide.

Behandlung des vorübergehenden postoperativen Augeninnendruckanstiegs

Abschnitt betitelt „Behandlung des vorübergehenden postoperativen Augeninnendruckanstiegs“
  • Beobachtung: In den meisten Fällen bessert sich der Zustand durch natürliche Ausscheidung des Viskoelastikums innerhalb weniger Stunden bis 24 Stunden.
  • Kohlensäureanhydrasehemmer-Augentropfen: 1% Dorzolamid oder 1% Brinzolamid Augentropfen fördern die Senkung des Augeninnendrucks.
  • Vorderkammerspülung: Bei deutlichem Restviskoelastikum und anhaltendem stark erhöhtem Augeninnendruck wird eine Vorderkammerspülung durchgeführt.
Q Heilt das Glaukom aus, wenn die ICL entfernt wird?
A

Durch die Entfernung der ICL können die Ursachen für einen Winkelblock durch übermäßiges Vaulting oder Pigmentdispersion beseitigt werden. Bei winkelblockbedingten Fällen ist der Austausch oder die Entfernung der ICL die kausale Therapie. Auch bei pigmentdispersionsbedingten Fällen nimmt die Pigmentdispersion nach der Entfernung ab, jedoch kann ein erhöhter Abflusswiderstand durch bereits im Trabekelwerk abgelagerte Pigmente bestehen bleiben 3). Daher kann es auch nach ICL-Entfernung erforderlich sein, drucksenkende Medikamente fortzusetzen oder chirurgisch einzugreifen. Wenn bereits eine glaukomatöse Optikusneuropathie fortgeschritten ist, kann die ICL-Entfernung das verlorene Gesichtsfeld nicht wiederherstellen.

6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus“

Die Pathophysiologie des Glaukoms nach ICL-Operation wird hauptsächlich durch die physikalische Präsenz der ICL und ihre Auswirkungen auf die Kammerwasserdynamik sowie die Position von Iris und Linse verstanden.

Das Kammerwasser wird vom Ziliarkörperepithel produziert, fließt von der Hinterkammer durch die Pupille in die Vorderkammer und wird über das Trabekelwerk im Kammerwinkel und den Schlemm-Kanal abgeleitet. Da die ICL zwischen Iris und Linse (in der Hinterkammer) positioniert ist, beeinflusst sie diesen Kammerwasserflussweg physikalisch.

Bei der zentral gelochten ICL (EVO ICL) kann Kammerwasser durch die 0,36 mm kleine Öffnung in der Linsenmitte von der Hinterkammer in die Vorderkammer fließen, wodurch das Risiko eines Pupillarblocks verringert wird 5). Im peripheren Bereich der ICL (um die Haptiken) kann jedoch der Kontakt zwischen ICL, Iris und Linse im Sulcus ciliaris nicht vollständig vermieden werden.

Detaillierter Pathomechanismus des Winkelblocktyps

Abschnitt betitelt „Detaillierter Pathomechanismus des Winkelblocktyps“

Wenn die ICL im Verhältnis zur Breite des Sulcus ciliaris zu groß ist, kommt es zu folgender Kaskade:

  1. Vorwölbung der ICL nach vorne → übermäßiger Vault
  2. Die Iris wird nach vorne gedrückt
  3. Die periphere Iris berührt das Trabekelwerk
  4. Der Abflussweg des Kammerwassers wird mechanisch blockiert
  5. Der Vorderkammerdruck (Augeninnendruck) steigt an
  6. Bei anhaltendem Zustand bilden sich periphere anteriore Synechien (PAS), die zu einem irreversiblen Kammerwinkelverschluss führen.

Dieser Mechanismus ähnelt dem Pupillarblock-Mechanismus des primären Winkelverschlussglaukoms, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass die Ursache in der physischen Struktur der ICL liegt. Gonvers et al. berichteten über ein Dilemma: Ein zu geringer Abstand zwischen ICL-Hinterfläche und Linsenvorderfläche erhöht das Kataraktrisiko, während ein zu großer Abstand das Risiko eines Kammerwinkelverschlusses erhöht 8).

Auch die zeitliche Veränderung des Vaults ist ein wichtiger Faktor. In einer Langzeitnachbeobachtung von Schmidinger et al. zeigte sich, dass sich der Vault nach ICL-Implantation im Vergleich zur frühen postoperativen Phase verändert. Während die altersbedingte Linsendickenzunahme zu einer Verringerung des Vaults beiträgt, kann der Vault bei einigen Fällen zunehmen und das Risiko eines Kammerwinkelverschlusses erhöhen 12).

Detaillierter Pathomechanismus des Pigmentdispersions-Typs

Abschnitt betitelt „Detaillierter Pathomechanismus des Pigmentdispersions-Typs“

Die Pigmentdispersion nach ICL-Implantation entsteht durch folgende Mechanismen:

  1. Mechanische Reibung durch Kontakt der ICL-Haptiken mit der Irisrückfläche und den Ziliarfortsätzen
  2. Freisetzung von Pigmentgranula aus dem Irispigmentepithel
  3. Ausbreitung der Pigmentgranula im Kammerwasser in die Vorderkammer
  4. Pigment lagert sich im Maschenwerk des Trabekelwerks ab.
  5. Es kommt zur Phagozytose des Pigments durch Trabekelzellen und zur Degeneration der extrazellulären Matrix.
  6. Der Abflusswiderstand des Kammerwassers steigt, der Augeninnendruck erhöht sich.

Dieser Mechanismus ähnelt dem inversen Pupillarblockmechanismus beim idiopathischen Pigmentdispersionssyndrom und Pigmentglaukom. Beim Pigmentglaukom ist die mittlere Irisperipherie nach hinten verlagert (inverser Pupillarblock), und die Irisrückseite reibt an den Zonulafasern, was die Pigmentdispersion fördert 4). In Augen mit ICL-Implantation bietet die Linse selbst eine Kontaktfläche zur Iris, sodass eine ähnliche Pigmentdispersion auftritt.

Die Krukenberg-Spindel entsteht durch Ablagerung von im Kammerwasser schwebenden Pigmentgranula auf dem Hornhautendothel. Sie lagert sich entlang des Konvektionsmusters der Hornhautendotheloberfläche (Grenze zwischen aufsteigendem warmem und absteigendem kaltem Kammerwasser) in einer vertikalen Spindelform ab.

Die verstärkte Pigmentdispersion bei Bewegung wird auf eine erhöhte Reibung zwischen Iris, Linse und ICL zurückgeführt, die durch Pupillenerweiterung und -verengung sowie Akkommodationsschwankungen verursacht wird.

Steroid-Augentropfen wirken auf die Maschenwerkstruktur des Trabekelwerks und verursachen folgende Veränderungen.

  • Vermehrte Ansammlung extrazellulärer Matrix (insbesondere Glykosaminoglykane) in den Trabekelzellen
  • Morphologische Veränderungen der Trabekelzellen und Umstrukturierung des Zytoskeletts
  • Verengung der Maschenwerksspalten des Trabekelwerks
  • Infolgedessen steigt der Abflusswiderstand des Kammerwassers und der Augeninnendruck erhöht sich

Steroid-Responder haben eine genetische Prädisposition; ICL-Operationspatienten sind nicht besonders steroidempfindlich, aber da postoperativ Steroid-Augentropfen als entzündungshemmende Behandlung verabreicht werden, ergibt sich eine Gelegenheit für das Auftreten 1).

Durch langfristigen Kontakt der ICL-Haptiken mit dem Ziliarsulkus können sich Zysten (Iridoziliarzysten) bilden. Zhang et al. berichteten über einen Fall, bei dem nach ICL-Implantation eine Iridoziliarzyste in der Nähe der Haptik rupturierte und eine Vorderkammerblutung verursachte 2). Die Lagebeziehung zwischen Zyste und ICL-Haptik wurde mittels UBM bestätigt, und unter konservativer Behandlung mit 0,1% Tobramycin-Dexamethason-Augentropfen (4-mal täglich) und 1% Atropinsulfat-Augensalbe (2-mal täglich) wurde die Blutung innerhalb von 17 Tagen resorbiert 2). Die Vorderkammerblutung selbst birgt auch das Risiko, ein Glaukom auszulösen (Verstopfung des Trabekelwerks durch Blutzellen).

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