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Uveitis

Konjunktivalbiopsie bei okulärer Sarkoidose

1. Was ist die Bindehautbiopsie bei okulärer Sarkoidose?

Abschnitt betitelt „1. Was ist die Bindehautbiopsie bei okulärer Sarkoidose?“

Sarkoidose ist eine chronische granulomatöse Erkrankung, die mehrere Organsysteme betrifft. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung unbekannter Ursache, bei der angenommen wird, dass eine Th1-Zell-vermittelte Immunantwort (Typ-IV-Allergie) auf Antigenstimulation zur Bildung von Granulomen in verschiedenen Organen des Körpers führt.

Augenbeteiligung tritt bei etwa 25–38 % der Sarkoidose-Fälle auf. 1) Bei etwa 20 % der Fälle sind Augensymptome das erste Anzeichen der Erkrankung. 1) In Japan ist sie relativ häufig und die häufigste Ursache für Uveitis und Endophthalmitis.

Für die definitive Diagnose ist der histologische Nachweis nicht-verkäsender Granulome erforderlich, aber eine Biopsie ist nicht immer leicht durchführbar. Die Konjunktivalbiopsie trägt als minimalinvasives Verfahren zur histologischen Diagnose der okulären Sarkoidose bei.

Vorteile der Konjunktivalbiopsie

Minimale Invasivität: Kann unter Lokalanästhesie in kurzer Zeit durchgeführt werden.

Direkter diagnostischer Nachweis: Gewebebestätigung eines nicht-verkäsenden Granuloms möglich

Vermeidung anderer invasiver Verfahren: Sollte vor Bronchoskopie und Mediastinoskopie versucht werden

Grenzen und Vorsichtsmaßnahmen

Falsch-negativ unter Steroidtherapie: Kann durch Steroid-Augentropfen vor der Biopsie negativ werden

Knötchen sind nicht immer sichtbar: Die blinde Biopsie hat eine geringere diagnostische Aussagekraft

Auch eine systemische Abklärung ist erforderlich: Eine definitive Diagnose allein anhand der Augenuntersuchung ist nicht möglich

  • Rötung, Augenschmerzen, Lichtscheu (Entzündung des vorderen Augenabschnitts)
  • Verschwommenes Sehen, verminderte Sehschärfe
  • Mouches volantes (Glaskörpertrübungen)
  • Gesichtsfeldausfälle (Sehnervenschädigung, Makulaödem)

Charakteristische Befunde der okulären Sarkoidose:

LokalisationTypische Befunde
VorderkammerMutton-Fett-KP (mutton-fat KP), Irisknötchen (Koeppe-/Busacca-Knötchen)
KammerwinkelKammerwinkelknötchen, zeltförmige periphere anteriore Synechien
GlaskörperSchneeball- oder perlschnurartige Trübungen (snowballs/string of pearls)
AugenhintergrundWachsartige chorioretinale Exsudatherde, Periphlebitis retinae, Granulom der Papille
BindehautKleine gelbe bis hellbraune Knötchen (bevorzugt im unteren Fornix)

Die Fundusbefunde sind vielfältig und umfassen diffuse Glaskörpertrübungen, photokoagulationsartige chorioretinale Atrophieherde, zystoides Makulaödem, choroidale Granulome und mehr. Ein relativ spezifischer Befund ist das Kammerwinkelknötchen, das zu einem erhöhten Augeninnendruck bei Erkrankungsbeginn führt.

IWOS-Diagnosekriterien (7 intraokulare Befunde):2)

  1. Speckige Keratopräzipitate (KP) und/oder Irisknötchen
  2. Trabekelknötchen und/oder zeltförmige periphere anteriore Synechien
  3. Schneeball- oder perlschnurartige Glaskörpertrübungen
  4. Periphere chorioretinale Läsionen
  5. Noduläre oder segmentale retinale Periphlebitis und/oder Makroaneurysmen
  6. Knötchen an der Papille oder der Aderhaut
  7. Beidseitig

Die diagnostischen Kategorien sind wie folgt: 2)

  • Definite okuläre Sarkoidose (Definite OS): Biopsie positiv + passende Uveitis
  • Vermutete okuläre Sarkoidose (Presumed OS): Bilaterale hiläre Lymphadenopathie + 2 der oben genannten 7 Befunde
  • Wahrscheinliche okuläre Sarkoidose (Probable OS): Keine Biopsie oder hiläre Lymphadenopathie, 3 der oben genannten Befunde + 2 systemische Befunde
Q Ist bei okulärer Sarkoidose immer das vordere Augensegment betroffen?
A

Nein. Es kann nur eine Entzündung des vorderen Augenabschnitts vorliegen, aber die Entzündung kann sich auch auf den mittleren, hinteren Abschnitt oder eine Panuveitis ausdehnen. Besonders bei älteren Patienten und schweren Fällen wird häufig ein Fortschreiten in den hinteren Abschnitt beobachtet. Zudem wird in etwa 20% der Fälle berichtet, dass die Augensymptome bei Ausbruch der erste Anlass für eine systemische Untersuchung sind.

Die Ursache der Sarkoidose ist unbekannt. Es wird angenommen, dass bei empfänglichen Individuen pathogene Antigene eine Th1-Immunantwort auslösen, die zur Bildung nicht-verkäsender Granulome führt.

Faktoren, die als relevant gelten:

  • Bakteriell: Eine Beteiligung von Propionibacterium acnes wurde berichtet
  • Viral: Ein Auftreten nach COVID-19-Impfung wurde berichtet. Zu den Mechanismen der impfstoffinduzierten Uveitis gehören Kreuzreaktionen zwischen Impfstoffpeptiden und Uveapeptiden, Entzündungsschäden durch Aluminiumsalze und eine Typ-IV-Überempfindlichkeit 3)
  • Medikamentös: TNF-α-Inhibitoren (insbesondere Etanercept) können eine sarkoidartige Granulomreaktion hervorrufen 4)
  • Umwelt- und genetische Faktoren: Es gibt Berichte über ein Auftreten bei Geschwistern (Eltern-Kind)

Arzneimittelinduzierte sarkoidoseähnliche Reaktion (DISR): 4)

TNF-α-Inhibitoren können paradoxerweise eine Sarkoidose auslösen, obwohl sie eigentlich zur Behandlung dieser Erkrankung eingesetzt werden (paradoxe unerwünschte Ereignisse). Eine Übersichtsarbeit mit über 100 Fallberichten ergab, dass etwa die Hälfte aller DISR auf Etanercept zurückzuführen war. Dies wird darauf zurückgeführt, dass Etanercept hauptsächlich lösliches TNF-α bindet und die Wirkung auf membrangebundenes TNF-α unvollständig ist, was zu einer unzureichenden Th1-Regulation führt. 4)

Wenn aufgrund der Augenuntersuchung der Verdacht auf Sarkoidose besteht, wird die folgende systemische Abklärung durchgeführt und der Patient an die Innere Medizin oder Dermatologie überwiesen. Eine systemische Steroidtherapie sollte vor der Diagnosebestätigung grundsätzlich vermieden werden (da sie die Läsionen verkleinern und die Diagnose erschweren kann).

UntersuchungBedeutung
Serum-ACE und löslicher IL-2-Rezeptor (sIL-2R)Aktivitätsmarker
Thorax-Röntgen und CTBestätigung einer beidseitigen hilären Lymphadenopathie
Gallium-SzintigraphieBeurteilung der Anreicherungsbefunde
Bronchoalveoläre LavageErhöhung des Lymphozytenanteils, CD4/CD8-Verhältnis ≥ 3,5
BlutuntersuchungBSG, CRP, Leberenzyme

OCT- und FAG-Befunde des Auges:5)

Im OCT werden präretinale Knötchen als hyperreflektive Strukturen (mit hinterem Schatten) dargestellt. In der Fluoreszenzangiographie zeigt sich eine Leckage aufgrund von retinaler Vaskulitis und Papillitis. Die Indocyaningrün-Angiographie ist nützlich zur Beurteilung von Aderhautveränderungen, kann aber bei retinal begrenzter Form normal sein.5)

Wenn ein Konjunktivalherd sichtbar ist, wird eine gezielte Biopsie (directed biopsy) in Betracht gezogen; wenn nicht, wird eine Blindbiopsie (non-directed biopsy) erwogen.

Vergleich der diagnostischen Genauigkeit:1)

  • Blindbiopsie der Konjunktiva: 20–70%
  • Gezielte Bindehautbiopsie: 36–75%
  • Standard-Schnittpräparationsmethode (Einrichtungsstandard): 43%
  • Mehrebenen-Schnittpräparationsmethode: 63% (Verbesserung durch erneute Schnittpräparation negativer Standardfälle)1)

Biopsietechnik (Standardverfahren):1)

  1. Nach Identifikation und Markierung des Konjunktivalknotens wird 1% Lidocain in den subkonjunktivalen Raum injiziert, um eine Ballonierung zu erzeugen
  2. Das untere Augenlid wird zurückgezogen und mit einer 0,12-Pinzette der untere Fornix entfernt vom Knoten gefasst
  3. Mit einer Westcott-Schere wird die erkrankte Konjunktiva streifenförmig exzidiert und flach auf Filterpapier gelegt
  4. Durch 2-3-minütige Kompression wird die Blutung gestillt und ein prophylaktisches antibiotisches Augentropfen verabreicht
  5. Nach Lufttrocknung in 10% neutral gepuffertem Formalin einbetten, Paraffinschnitt und HE-Färbung durchführen

Mehrebenen-Schnitttechnik:1)

Zusätzlich zur Standardmethode (5 Schnitte aus einer Ebene) werden Schnitte aus drei verschiedenen Ebenen im Abstand von 15 Mikrometern angefertigt. Dadurch können ungleichmäßig verteilte Granulome in unterschiedlichen Tiefen erkannt werden, was die kumulative Diagnosefähigkeit verbessert.

Lokale Behandlung (Entzündung des vorderen Augenabschnitts)

Abschnitt betitelt „Lokale Behandlung (Entzündung des vorderen Augenabschnitts)“
  • Steroid-Augentropfen (z. B. Rinderon 0,1 %): 4- bis 6-mal täglich
  • Mydriatika (Mydrin P): Vorbeugung und Lösung von hinteren Synechien der Iris
  • Bei erhöhtem Augeninnendruck: Betablocker oder Carboanhydrasehemmer hinzufügen (Pilocarpin und Prostaglandin-Analoga grundsätzlich vermeiden)

Bei Vorderabschnittsentzündung, die durch häufige Tropfen nicht kontrolliert werden kann, wird eine subkonjunktivale Injektion von wasserlöslichen Steroiden durchgeführt. Bei Makulaödem, Glaskörpertrübung oder Entzündung des hinteren Pols ist eine subtenonale Injektion von Triamcinolon im hinteren Bereich nützlich.

Erste Wahl: Orale Steroide (Prednisolon)

Bei leichten Fällen kann man durch Augentropfen allein eine spontane Besserung erwarten, aber bei schweren Fällen und hinterer Uveitis sind systemische Steroide erforderlich. Der Verlauf ist oft chronisch, und eine langfristige Steroidanwendung ist häufig nötig.

Steroidsparende Therapie:2)

Bei steroidabhängigen oder therapieresistenten Fällen werden Immunmodulatoren hinzugefügt.

  • Methotrexat (am häufigsten verwendet; wird als Erstlinientherapie bei HLA-B27-assoziierter, juveniler idiopathischer Arthritis und Sarkoidose berichtet) 2)
  • Mycophenolatmofetil (1000 mg zweimal täglich)
  • Azathioprin

Biologika:

  • Adalimumab (TNF-α-Inhibitor): Wirksamkeit bei refraktärer okulärer Sarkoidose berichtet2)
  • Allerdings ist das Risiko zu beachten, dass TNF-α-Inhibitoren selbst DISR auslösen können4)

Beispiel für Therapieumstellung (PMC11584688):2)

Bei einem 47-jährigen Mann mit multisystemischer Sarkoidose wurde durch schrittweise Umstellung von Prednisolon + Adalimumab auf Methotrexat 7,5 mg einmal wöchentlich und dann auf Mycophenolatmofetil 1000 mg zweimal täglich eine endgültige Remission erreicht. In der FAST-Studie gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Mycophenolatmofetil und Methotrexat, jedoch betrug der Behandlungserfolg 74 % für Methotrexat und 55 % für Mycophenolatmofetil.2)

Management der medikamenteninduzierten Sarkoidose (DISR):4)

Bei Etanercept-induzierter Sarkoidose ist das Absetzen des auslösenden Medikaments die Grundlage. Eine systemische Steroidtherapie (Prednison 50 mg/Tag) führte zu einer teilweisen Besserung der Entzündung, aber bei einem Fall mit anhaltender Steroidabhängigkeit wurde Secukinumab (IL-17A-Inhibitor) eingeführt, wodurch eine vollständige Remission über vier Jahre erreicht wurde.4)

Q Treten bei Augenmanifestationen der Sarkoidose häufig Katarakt oder Glaukom auf?
A

Ja. Der Verlauf ist oft chronisch, und Komplikationen wie zystoides Makulaödem, epiretinale Membran, sekundäres Glaukom und begleitender Katarakt sind häufig. Die Ursachen des sekundären Glaukoms sind vielfältig: Kammerwinkelknötchen, periphere Irisverklebungen, Trabekulitis und Steroid-Responder. Zur Früherkennung dieser Komplikationen sind regelmäßige Augeninnendruckmessungen und Spaltlampenuntersuchungen wichtig.

Bei der Sarkoidose werden Antigene (von Krankheitserregern oder aus der Umwelt) von Makrophagen aufgenommen und verarbeitet, wodurch Th1-Lymphozyten aktiviert werden. Aktivierte Th1-Zellen produzieren IFN-γ und TNF-α, die Makrophagen zur Differenzierung in Epitheloidzellen anregen. Diese Zellen aggregieren und bilden Granulome.

Pathohistologische Merkmale des Konjunktivalgranuloms

Abschnitt betitelt „Pathohistologische Merkmale des Konjunktivalgranuloms“

In der Substantia propria finden sich nicht-verkäsende Granulome (Ansammlungen von Epitheloid-Histiozyten). 1) Rundherum ist ein minimaler „Manschette“ aus Lymphozyten und Plasmazellen zu sehen. Mehrkernige Riesenzellen können vorhanden sein oder fehlen.

Zusätzliche mikroskopische Merkmale (nicht spezifisch): 1)

  • Schaumann-Körperchen: Lamelläre Koagulate aus Kalzium und Proteinen
  • Asteroidkörperchen: Sternförmige Einschlusskörperchen in Riesenzellen

Die Aderhaut ist die bevorzugte Lokalisation für hintere Augenabschnitte. Im Aderhautgefäßsystem ist der Blutfluss hoch, und die Gefäßwände weisen Fensterungen auf, was die Interaktion zwischen Lymphozyten und Makrophagen begünstigt. 5) Auf die Netzhaut beschränkte Granulome sind selten, da die äußere Blut-Retina-Schranke vermutlich viele Entzündungen blockiert. 5) Berichte über präretinale und intraretinale Granulome deuten jedoch auf eine Assoziation mit neurologischen Symptomen hin. 5)

Impfstoffinduzierte Uveitis ist in der Regel mild und spricht gut auf lokale Steroide an. 3) Die starke Immunantwort, die durch BNT162b2 (mRNA-Impfstoff) ausgelöst wird, kann eine Uveitis verursachen. 3) Bei einem 35-jährigen Mann mit einer Vorgeschichte von Neurosarkoidose entwickelte sich zwei Jahre nach der Covishield-COVID-19-Impfung eine bilaterale anteriore und posteriore Uveitis (Vorderkammerzellen 2+, Periphlebitis, multifokale Chorioiditis), die sich unter Prednisolonacetat 1% Augentropfen 4-mal täglich + Timolol Augentropfen 2-mal täglich innerhalb von zwei Wochen besserte. 3)

7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven

Abschnitt betitelt „7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven“

Bei therapierefraktären Augenbeteiligungen der Sarkoidose mit DISR unter TNF-α-Inhibitoren wird Secukinumab (IL-17A-Inhibitor) als vielversprechende Option berichtet. 4) In der Proof-of-Concept-Studie von Hueber et al. zeigte Secukinumab Aktivität bei Psoriasis, rheumatoider Arthritis und Uveitis, und in der Studie von Letko et al. wurde eine steroidsparende Wirkung bei nichtinfektiöser Uveitis bestätigt (intravenöse Gabe war subkutaner Gabe überlegen). 4) Allerdings ist Secukinumab noch nicht für Uveitis zugelassen.

Mit der OCT ist die Darstellung von präretinalen und intraretinalen Granulomen möglich geworden, und die Ultraweitwinkel-Fundusfotografie trägt zur Beurteilung peripherer Läsionen bei. 5) Durch die Verbreitung der Mehrfachschnitt-Technik wird eine weitere Verbesserung der diagnostischen Aussagekraft der Konjunktivalbiopsie erwartet.

  1. Pasadhika S, Rosenbaum JT. Ocular sarcoidosis. Clin Chest Med. 2015;36(4):669-683. doi:10.1016/j.ccm.2015.08.009.
  2. Rao A, Hwang J, Wen J, et al. Clinico-pathologic correlation in ocular sarcoidosis. Am J Ophthalmol Case Rep. 2024;36:102220. doi:10.1016/j.ajoc.2024.102220.
  3. Gandhi S, Paranjpe R, Radhakrishnan O, et al. A Case of Ocular Sarcoidosis Post-COVID-19 Vaccination. Cureus. 2023;15(11):e49303. doi:10.7759/cureus.49303.
  4. Bonifazi T, Cerquaglia A, Iaccheri B. Etanercept-induced sarcoidosis presenting with bilateral panuveitis: diagnostic value of ocular signs and therapeutic response to IL-17A inhibition—a case-based review. Clin Rheumatol. 2025;44:5123-5128. doi:10.1007/s10067-025-07759-4.
  5. de Saint Sauveur G, Gratiot C, Debieb AC, et al. Retinal and pre-retinal nodules: A rare manifestation of probable ocular sarcoidosis. Am J Ophthalmol Case Rep. 2022;26:101525. doi:10.1016/j.ajoc.2022.101525.

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