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Hornhaut und äußeres Auge

Meibomdrüsenfunktionsstörung (MGD)

Die Meibom-Drüsen-Funktionsstörung (MGD: Meibomian Gland Dysfunction) ist eine chronische, diffuse Funktionsstörung der Meibom-Drüsen. Die japanische MGD-Arbeitsgruppe (2010) definierte sie als „einen Zustand, bei dem die Funktion der Meibom-Drüsen diffus beeinträchtigt ist und der mit chronischen Beschwerden einhergeht“4). Die 2023 veröffentlichte „Leitlinie zur Diagnose und Behandlung der Meibom-Drüsen-Funktionsstörung (J Jpn Ophthalmol Soc 127(2))“ stuft MGD als Hauptursache des verdunstungsbedingten trockenen Auges ein und liefert evidenzbasierte, umfassende Behandlungsempfehlungen3).

International wird die Meibom-Drüsen-Dysfunktion (MGD) vom International Workshop on Meibomian Gland Dysfunction (IWMGD 2011) als „chronische diffuse Anomalie, die durch eine Verstopfung der Endausführungsgänge und/oder qualitative sowie quantitative Veränderungen des Drüsensekrets gekennzeichnet ist“ definiert1), 10). Auch im TFOS DEWS III (2025) wird MGD als wesentlicher Beitragsfaktor des Trockenen Auges eingestuft, und devicegestützte Therapien wie Warmkompressen, Lidhygiene, IPL und Low-Level-Laser sind in den Behandlungsalgorithmus integriert8). Die japanische Dry Eye Research Group hat die „Leitlinie zur Diagnose und Behandlung des Trockenen Auges“ (2019) erstellt und misst der MGD als Ursache des evaporativen Trockenen Auges große Bedeutung bei9).

Die Meibom-Drüsen sind eine Art großer Talgdrüsen, die in den Tarsalplatten der Augenlider lokalisiert sind. In einer nichtkontaktiven Meibographie sind bei gesunden Augen 25–30 Drüsen im Oberlid und 15–20 Drüsen im Unterlid zu erkennen5). Jede Drüse besteht aus einem zentralen Ausführungsgang, von dem zahlreiche Drüsenläppchen (Acini) abzweigen, deren Azinusepithelzellen (Meibozyten) das Meibum (Drüsensekret) auf holokrine Weise produzieren. Das Meibum enthält über 100 verschiedene Lipide (hauptsächlich Wachsester, Cholesterinester, polare Phospholipide und Sphingolipide) sowie über 90 verschiedene Proteine. Es bildet die äußerste Lipidschicht des Tränenfilms, die die Verdunstung der wässrigen Phase hemmt, die Oberflächenspannung senkt und die Ausbreitung des Tränenfilms stabilisiert1). Die normale Dicke der Lipidschicht (LLT) des Tränenfilms beträgt 60–100 nm, bei MGD ist sie verringert1).

Gemäß der von der japanischen ophthalmologischen Fachzeitschrift (Nippon Ganka Gakkai Zasshi) 2023 veröffentlichten Leitlinie BQ-4, die eine japanische bevölkerungsbasierte Studie (Probanden im Alter von 6–96 Jahren) zitiert, ergeben sich folgende altersspezifische MGD-Prävalenzraten3).

AltersgruppeMGD-Prävalenz
≤19 Jahre0%
20–29 Jahre11,8%
30–39 Jahre5,6%
40–49 Jahre21,6%
50–59 Jahre32,8%
60–69 Jahre41.9%
70–79 Jahre48.4%
80–89 Jahre63.9%

Zahlreiche Studien zeigen, dass MGD mit zunehmendem Alter häufiger auftritt und sich verschlimmert. Geschlechtsspezifisch sind Männer und postmenopausale Frauen häufiger betroffen3). Eine Studie von Arita et al. mittels nichtkontaktiver Meibographie berichtete, dass bei etwa 86% der Patienten mit trockenem Auge gleichzeitig eine MGD vorliegt5). Auch ethnische Unterschiede wurden festgestellt, wobei bei Asiaten eine höhere Prävalenz (3,5–19,9%) als bei Kaukasiern berichtet wird1). In Japan wird die Zahl der Patienten, einschließlich derjenigen mit potenzieller Erkrankung, von der Forschungsgruppe für Trockenes Auge auf mehrere zehn Millionen geschätzt, was MGD zu einer der häufigsten chronischen Erkrankungen in der täglichen Praxis macht3).

Die Klassifikation der MGD durch die japanische MGD-Arbeitsgruppe lautet wie folgt4):

  • Sekretionsverminderter Typ (Low-Delivery-Typ)
  • Sekretionsvermehrter Typ (High-Delivery-Typ)
    • Primär
    • Sekundär: Augeninfektionen, seborrhoische Dermatitis usw.

Klinisch überwiegt der sekretionsverminderte Typ, wobei die obstruktive MGD (oMGD) am häufigsten ist. Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 BQ-1 fasst die Hauptpathologie der sekretionsverminderten MGD als „Hyperkeratose des Gangepithels und Atrophie der Azini“ zusammen3). Die atrophische MGD ist durch eine diffuse Atrophie der Azini gekennzeichnet; es werden sowohl sekundäre obstruktive als auch primäre Azinuszellschädigungsmechanismen vorgeschlagen.

Die hypersekretorische MGD umfasst die seborrhoische Meibom-Drüsenentzündung (seborrheic MGD: sMGD), die auch im Gegensatz zur obstruktiven Meibomitis bekannt ist. Bei leichtem Druck auf die tarsale Platte des oberen Augenlids tritt bei gesunden Personen klares Meibum aus, während bei der seborrhoischen MGD die Sekretion abnormal erhöht ist und entlang des unteren Lidrands Schaumbildung in der Tränenflüssigkeit zu beobachten ist. Zu den verwandten Erkrankungen gehören die hintere Blepharitis, die Meibomitis und die meibomitisbedingte Keratokonjunktivopathie (meibomitis-related keratoconjunctivitis: MRKC). Die Bedeutung der Vereinheitlichung dieser Konzepte wird im JOS GL 2023 BQ-3 hervorgehoben3).

International wurde die MGD durch das IWMGD 2011 in die Kategorien ‚Low-Delivery‘ (verringerte Sekretion) und ‚High-Delivery‘ (vermehrte Sekretion) eingeteilt, wobei der obstruktive Typ den häufigsten Subtyp der Low-Delivery-MGD darstellt1).

Q Wie hängen MGD und trockenes Auge zusammen?
A

MGD ist die häufigste Ursache für das evaporative trockene Auge. Eine verminderte Funktion der Meibom-Drüsen führt zu einer Verdünnung der Lipidschicht des Tränenfilms, was die Tränenverdunstung verstärkt, den osmotischen Druck der Tränenflüssigkeit erhöht und Entzündungen der Augenoberfläche auslöst. Auch im JOS GL 2023 wird dargelegt, dass MGD zu trockenem Auge und chronischen Augenbeschwerden führt.

Meibographie der Meibom-Drüsenfunktionsstörung. Die Meibom-Drüsen des oberen und unteren Augenlids zeigen Schlängelung, Deformation und Verlust.
Meibographie der Meibom-Drüsenfunktionsstörung. Die Meibom-Drüsen des oberen und unteren Augenlids zeigen Schlängelung, Deformation und Verlust.
Li B, et al. Comparison of the therapeutic effect of Meibomian Thermal Pulsation LipiFlow® on obstructive and hyposecretory meibomian gland dysfunction patients. Int Ophthalmol. 2020. Figure 1. PMCID: PMC7669766. License: CC BY.
Meibographie des oberen und unteren Augenlids mit Schlängelung, unregelmäßiger Anordnung und teilweisem Verlust der Meibom-Drüsen. Sie zeigt direkt die für MGD charakteristischen morphologischen Anomalien und eignet sich zur Veranschaulichung der wichtigsten klinischen Befunde.

Das JOS GL 2023 CQ-2 nennt die folgenden subjektiven Symptome der MGD und empfiehlt dringend, diese zu erfragen3).

  • Augenbeschwerden/Fremdkörpergefühl: die häufigste Beschwerde
  • Trockenheitsgefühl/Druckgefühl: tritt oft morgens verstärkt auf
  • Schmerzen/Brennen: manchmal wird ein brennendes Gefühl entlang des Lidrands beschrieben
  • Tränenfluss/Augenermüdung: aufgrund vermehrter reflexbedingter Tränensekretion
  • Verschwommensehen und Visusschwankungen: Folge der Tränenfilm-Instabilität
  • Juckreiz, Sekretion und Lichtscheu: entzündliche Begleitsymptome

Ein als «klebriges Gefühl» beschriebenes Viskositätsgefühl ist ebenfalls charakteristisch4). Die Symptome sind oft morgens stärker ausgeprägt, und es kann zu Schwankungen der Sehfunktion kommen. Allerdings wurden bislang keine pathognomonischen subjektiven Symptome identifiziert, die eine Abgrenzung der MGD von anderen Erkrankungen der Augenoberfläche ermöglichen3). Zur Erfassung subjektiver Symptome wird häufig der OSDI-Fragebogen (Ocular Surface Disease Index) verwendet. Da MGD-Symptome die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und nicht nur Augenreizungen, sondern auch eine verminderte Sehfunktion verursachen, ist eine systematische Erfassung des Beeinträchtigungsgrads im Alltag wichtig1).

Die Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 CQ-3 empfiehlt vier Befunde als nützlich für die MGD-Diagnose: Verstopfung der Meibomdrüsenöffnungen, Gefäßerweiterung am Lidrand, Verschiebung der mukokutanen Grenzzone und Lidrandunregelmäßigkeiten3).

Lidrandbefunde

Verschluss der Drüsenöffnungen: Plugging (Pfropfbildung), Pouting (spitz zulaufende Erhebungen um die Öffnung), Ridge (wallartige Struktur, die mehrere Öffnungen bedeckt).

Gefäßerweiterung am Lidrand: Kapillarerweiterung und Teleangiektasien um die Drüsenöffnungen.

Verschiebung der mukokutanen Übergangszone (MCJ): Abweichung nach vorne oder hinten. Leicht mit Fluorescein-Färbung zu beobachten.

Lidrandunregelmäßigkeiten: Unebenheiten der Kontaktlinie mit der Hornhaut.

Beurteilung der Meibomdrüsen

Meibum-Beschaffenheit: Normalerweise klares Öl. Bei MGD trübe, körnige oder zahnpastaartige Konsistenz.

Shimazaki-Klassifikation: Die Ausdrückbarkeit bei mittlerem Daumendruck wird mit Grad 0 bis 3 bewertet, Grad 2 und höher gelten als pathologisch.

Meibographie: Mit einer Infrarotkamera werden Drüsenverlust (Dropout), Verkürzung und Schlängelung der Drüsen beobachtet.

Verdünnung der Lipidphase des Tränenfilms: Die Lipidschichtdicke (LLT) kann mittels Interferometrie beurteilt werden.

Der Meibum-Grad nach Shimazaki wird wie folgt in vier Stufen bewertet4), 12).

  • Grad 0: Bei leichtem Druck wird klare Meibum-Flüssigkeit leicht exprimiert
  • Grad 1: Bei leichtem Druck wird trübe Meibum-Flüssigkeit exprimiert
  • Grad 2: Bei mäßigem bis stärkerem Druck wird trübe Meibum-Flüssigkeit exprimiert
  • Grad 3: Selbst bei starkem Druck kann keine Meibum-Flüssigkeit exprimiert werden

Die von Arita et al. im Jahr 2008 entwickelte nicht-kontaktierende Meibographie ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem lediglich ein Infrarot-Transmissionsfilter (700–850 nm) und eine kleine Infrarot-CCD-Kamera an der Spaltlampe angebracht werden5), 11). Infrarotlicht durchdringt die Lidplatte und wird vom Meibum reflektiert, sodass die Meibom-Drüsen als hyperreflektive (weiße) Strukturen erscheinen. Bei MGD-Patienten zeigen sich verschiedene Befunde wie Drüsenverlust (Dropout), Verkürzung, Schlängelung, fleckige Veränderungen und Erweiterung der Meibom-Drüsen5).

Der Schweregrad des Drüsenverlusts wird nach dem Arita-Meiboscore in die folgenden 4 Stadien eingeteilt5):

MeiboscoreDrüsenverlustfläche
Grad 0Kein Verlust
Grad 1Weniger als 1/3 der Gesamtfläche
Grad 21/3 bis 2/3
Grad 32/3 oder mehr

Bei Kontaktlinsenträgern wird über einen stärkeren Meibomdrüsenverlust berichtet als bei Nichtträgern. Die Veränderungen sind mit zunehmender Tragedauer ausgeprägter und werden sowohl bei weichen als auch bei harten Kontaktlinsen beobachtet16).

JOS GL 2023 BQ-5 und BQ-6 fassen die mit der Entstehung von MGD assoziierten Faktoren systematisch zusammen3).

Alter und hormonelle Faktoren

  • Alter: Der wichtigste Risikofaktor. Führt zur Atrophie der Azini und Funktionsminderung
  • Männer und postmenopausale Frauen: Hohe Prävalenz
  • Androgenmangel: Androgene fördern die Lipidsynthese der Meibomdrüsen und unterdrücken die Verhornung. Mangel, Rezeptoranomalien und Antiandrogen-Medikamente werden mit obstruktiver MGD in Verbindung gebracht1)
  • Östrogen: Hemmt die Lipidsekretion und zeigt proinflammatorische Wirkungen auf der Augenoberfläche1)

Okuläre Faktoren und äußere Faktoren

  • Tragen weicher Kontaktlinsen: Fördert den mechanischen Verschluss der Öffnungen
  • Bildschirmarbeit (VDT): Erhöhte Verdunstung durch verminderten Lidschlag
  • Rauchen, ländliches Wohnen, asiatische Ethnie: In JOS GL 2023 als Risikofaktoren aufgeführt3)
  • Langzeitanwendung von Glaukom-Augentropfen: Toxizität von Konservierungsmitteln und des Medikaments selbst
  • Augenoperationen in der Vorgeschichte: Über eine Verschlechterung der MGD nach Katarakt- und refraktiver Chirurgie wurde berichtet
  • Medikamente: Isotretinoin, Antihistaminika, Antidepressiva u.a.

Systemische Erkrankungen

  • Diabetes mellitus: In Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 als Risikofaktor für MGD beschrieben3). In einer Querschnittsstudie an 302 Augen mit Typ-2-Diabetes und trockenem Auge war die DED-DM-Gruppe im Vergleich zur DED-Gruppe signifikant schwerer betroffen hinsichtlich Öffnungsverschlussgrad (P<0.0001), Lidrandgefäßerweiterung (P<0.0001), Meibom-Drüsenverlust des Oberlids (P=0.003) und nicht-invasiver Tränenfilmaufreißzeit (P=0.011)7)
  • Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Hyperthyreose: In Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 BQ-6 beschrieben3)
  • Rosacea, Sjögren-Syndrom, Stevens-Johnson-Syndrom, Graft-versus-Host-Krankheit: Über Augenentzündung mit MGD assoziiert3)

Demodex-Infektion

Demodex folliculorum parasitiert in den Wimpernfollikeln, Demodex brevis in den Meibom-Drüsen und Talgdrüsen1). Die Parasitenrate steigt mit dem Alter und erreicht bei über 70-Jährigen 100 %1). In einer Kohortenstudie mit 150 Fällen wurde Demodex bei 90 % der Patienten mit anteriorer Blepharitis und bei 60 % der MGD-Patienten nachgewiesen1). D. folliculorum schädigt direkt die Basalzellen der Haarfollikel und verursacht eine reaktive Hyperkeratose, die zylindrische Schuppen bildet. D. brevis verschließt die Meibom-Drüsen physikalisch und induziert eine granulomatöse Reaktion, die die Entstehung von Hagelkörnern fördert1). Demodex wirkt zudem als bakterieller Vektor und löst Entzündungen aus; bei Patienten mit Rosacea kann eine verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion ausgelöst werden1). Zhang et al. berichteten über einen MGD-Fall bei einem 46-jährigen Mann, bei dem trotz unauffälliger äußerer Befunde 15 Demodex brevis im ausgedrückten Meibum nachgewiesen wurden, und zeigten damit die Nützlichkeit der direkten Meibum-Mikroskopie6).

Q Besteht ein Zusammenhang zwischen Kontaktlinsen und MGD?
A

In der Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 wird das Tragen von weichen Kontaktlinsen als Risikofaktor für MGD aufgeführt. Durch die mechanische Reibung beim Blinzeln können die Meibom-Drüsen verkürzen, ausfallen und die Öffnungen verstopfen. MGD kann auch eine Ursache für KL-Unverträglichkeit sein, und eine MGD-Behandlung kann den Tragekomfort verbessern.

Die 2010 von der japanischen MGD-Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Diagnosekriterien für den sekretionsarmen MGD-Typ fordern, dass alle folgenden 3 Punkte positiv sind4). Die Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 CQ-1 stellt fest, dass diese Kriterien in Japan weit verbreitet sind3).

KriteriumInhalt
1. Subjektive SymptomeAugenbeschwerden, Fremdkörpergefühl, Trockenheitsgefühl, Druckgefühl usw.
2. Auffälligkeiten um die ÖffnungenMindestens einer der folgenden Befunde: Gefäßerweiterung, Verschiebung der mukokutanen Übergangszone, Unregelmäßigkeit des Lidrandes
3. Verschluss der ÖffnungenSowohl Verschlusszeichen wie Plugging/Pouting/Ridge als auch eine verminderte Expression von Grad 2 oder höher nach Shimazaki

Standarduntersuchungsmethoden (nach japanischer GL)

Abschnitt betitelt „Standarduntersuchungsmethoden (nach japanischer GL)“

Die von der Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 empfohlenen Untersuchungen sind wie folgt3).

  • Beobachtung des Meibums mittels Spaltlampenmikroskopie (CQ-6, empfohlen): semiquantitative Beurteilung der Qualität und Quantität des Meibums
  • Anatomische Beobachtung des Lidrands (CQ-3, nützlich): Die 4 zuvor genannten Befunde bestätigen
  • Meibographie (CQ-8, empfohlen): Die kontaktlose Methode ist der internationale Standard, kurz und minimalinvasiv5). Quantifizierung mittels Meibo-Score
  • Tränenfilmaufreißzeit (BUT) (CQ-4): Bei MGD verkürzt, aber kein spezifischer Test
  • Fluorescein-Färbung (CQ-17): Am vielseitigsten zur Beurteilung von Hornhaut- und Bindehautepithelschäden
  • Messung der Lipidschichtdicke des Tränenfilms (LLT) (CQ-9): Interferometrie zeigt eine dünnere LLT bei MGD-Patienten, aber Grenzwerte sind nicht etabliert
  • Messung der Tränenosmolarität (CQ-12): Derzeit von begrenztem klinischem Nutzen

Die konfokale Mikroskopie (CQ-11), die Messung der Tränenverdunstung (CQ-10), entzündliche Biomarker in der Tränenflüssigkeit (CQ-15), bakteriologische Untersuchungen (CQ-16) und die biochemische Analyse des Meibums (CQ-14) werden derzeit nicht als Routineuntersuchungen empfohlen3). Erhöhte Werte von IL-1α, IL-1β und MMP-9 in der Tränenflüssigkeit sind pathogenetisch bedeutsam, aber da die Untersuchungsgeräte und -bedingungen nicht standardisiert sind, haben sie noch keine klinische Anwendung gefunden1).

In der ambulanten Versorgung in Japan wird empfohlen, die kontaktlose Meibographie in den Arbeitsablauf der Spaltlampenuntersuchung zu integrieren5).

  1. Der Patient legt sein Kinn auf die Kinnstütze der Spaltlampe
  2. Beobachtung des Bereichs um die Meibom-Drüsenöffnungen und des Lidrands im Streulicht (Plugging/Pouting/Ridge, Gefäßerweiterung, MCJ-Verschiebung, Lidrandunregelmäßigkeit)
  3. Durchführung der Fluorescein-Färbung und Messung der Hornhaut-Bindehaut-Epithelschäden (SPK) sowie der Tränenfilmaufreißzeit (BUT) mit Blaufilter
  4. Umschalten auf Infrarot-Transmissionsfilter, Beobachtung der oberen und unteren Meibom-Drüsen mittels Meibographie, Aufzeichnung als Standbild oder Video. Beurteilung des Meibo-Scores
  5. Zurückschalten auf Streulicht, Kompression des mittleren Lidbereichs mit dem Daumen oder einer Expressionspinzette zur Beurteilung der Qualität und Expresierbarkeit des Meibums (Shimazaki-Klassifikation)

Die gesamte Untersuchungsreihe ist in der Regel innerhalb von 3–5 Minuten abgeschlossen und stellt eine geringe Belastung für den Patienten dar. Die Meibographie dient als visuelles Feedback für den Patienten und trägt zur Steigerung der Behandlungsmotivation bei5).

  • Tränenmangel-bedingter trockener (ADDE): Verminderter Schirmer-Wert, ergänzende Beurteilung auf Sjögren-Syndrom. Nach TFOS DEWS II machen der evaporative und gemischte Typ die Mehrheit der Fälle aus
  • Talgdrüsenkarzinom: Bei wiederkehrenden Hagelkörnern oder Wimpernverlust muss dies durch eine pathologische Untersuchung ausgeschlossen werden. Talgdrüsenkarzinome können sich als therapieresistente Blepharitis oder Hagelkörner tarnen
  • Hintere Blepharitis/Meibomdrüsenentzündung: Verwandte Erkrankungen, die mit MGD ein kontinuierliches Spektrum bilden. Die Bedeutung der konzeptuellen Vereinheitlichung wird auch im JOS GL 2023 BQ-3 betont3)
  • Meibomdrüsenentzündungs-assoziierte Keratokonjunktivalepitheliopathie (MRKC): Ein in Japan häufig verwendeter Begriff für Hornhaut- und Bindehautepithelschädigung als Folge einer Meibomdrüsenentzündung
  • Allergische Konjunktivitis/infektiöse Blepharitis: Häufig mit MGD assoziiert
  • Trichiasis/Entropium: Kann Fremdkörpergefühl verursachen, daher durch Spaltlampenuntersuchung ausschließen
  • Hagelkorn (Chalazion): Wird auch als lokalisierte Läsionsform der MGD angesehen3)

Im Jpn J Ophthalmol Soc GL 2023 werden die Behandlungsmethoden für MGD in 13 CQs (CQ-18 bis CQ-30) evidenzbasiert bewertet3). Es gibt keine einzelne Goldstandard-Behandlung; ein gestufter, kombinierter Ansatz ist grundlegend1). Auch die japanischen Leitlinien zur Diagnose und Behandlung des Trockenen Auges 2019 führen MGD als Hauptursache des evaporativen Trockenen Auges auf und zeigen einen Behandlungsalgorithmus mit Warmkompressen und Lidhygiene als Erstlinientherapie9). Der TFOS DEWS III Management- und Behandlungsbericht (2025) empfiehlt einen gestuften Managementansatz für MGD, der Warmkompressen, In-Office-Gerätebehandlungen, IPL, Low-Level-Lichttherapie (LLLT), Lidpflege, Anti-Demodex-Therapie und Blepharoexfoliation kombiniert8).

Konservative Behandlung (First-Line)

Warmkompresse: Im Jpn J Ophthalmol Soc GL 2023 CQ-18 wird die Anwendung stark empfohlen. Sie erhöht die Lidtemperatur über den Schmelzpunkt des Meibums und fördert die Sekretion. Es wird empfohlen, handelsübliche Wärmeaugenmasken zweimal täglich für mindestens 5 Minuten anzuwenden.

Lidreinigung: In CQ-19 schwach empfohlen. Die Lidränder werden mit einem angefeuchteten Wattebausch oder einem handelsüblichen Reinigungsmittel gereinigt. Die tägliche Fortsetzung ist das Prinzip.

Meibum-Expression: In CQ-20 schwach empfohlen. Sie wird im Abstand von 10 Tagen bis 1 Monat ambulant mit der Arita-Meiobomdrüsen-Expressionspinzette durchgeführt. Die obstructive MGD ist eine gute Indikation.

Künstliche Tränen: Werden zur Tränenersatz und Befeuchtung der Augenoberfläche verwendet.

Medikamentöse Behandlung (Achtung: Kostenübernahme durch Krankenkasse beachten)

Azithromycin-Hydrat-Augentropfen: In CQ-22 schwach empfohlen, aber in Japan nicht von der Krankenkasse übernommen. Sie verbessern subjektive Symptome, Lidrandbefunde und den Meibum-Grad.

Orale Tetrazykline: In CQ-27 schwach empfohlen, nicht von der Krankenkasse übernommen. Doxycyclin 100 mg zweimal täglich wird angewendet, mit einer Dosisreduktion über 3–4 Monate.

Kortikosteroid-Augentropfen: Schwache Empfehlung in CQ-24. In Japan nur bei gleichzeitiger Blepharitis von der Krankenkasse übernommen. 0,1% Fluorometholon etc. kurzfristig kombiniert anwenden.

Orale Omega-3-Fettsäuren: Schwache Empfehlung in CQ-26. In Japan als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft und nicht von der Krankenkasse übernommen.

Behandlungsempfehlungen der Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023

Abschnitt betitelt „Behandlungsempfehlungen der Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023“
TherapieCQEmpfehlungsstärkeKrankenkasse (Japan)
WarmkompressenCQ-18Stark empfohlenÜbernommen
LidreinigungCQ-19Schwach empfohlenÜbernommen
Meibum-ExpressionCQ-20Schwach empfohlenAugenbehandlung
Diquafosol-AugentropfenCQ-21Nicht empfohlen (schwach)Nicht anwendbar
Azithromycin-AugentropfenCQ-22Schwach empfohlenNicht anwendbar
Steroid-AugentropfenCQ-24Schwach empfohlenNur bei begleitender Blepharitis
Ciclosporin-A-AugentropfenCQ-25Nicht durchführen (schwach)Nicht anwendbar
Orale Omega-3-FettsäurenCQ-26Schwach empfohlenNahrungsergänzungsmittel
Orale AntibiotikaCQ-27Schwach empfohlenNicht anwendbar
IPLCQ-28Schwach empfohlenNicht zugelassen
Thermal pulsationCQ-29Schwach empfohlenNicht erstattungsfähig
SondierungCQ-30Nicht durchführen (schwach)Nicht erstattungsfähig

Gerätegestützte Therapie (nicht erstattungsfähig)

Abschnitt betitelt „Gerätegestützte Therapie (nicht erstattungsfähig)“

Intense Pulsed Light (IPL)-Therapie (Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 CQ-28): Hierbei wird ein breitbandiges hochenergetisches Nicht-Laserlicht von 500–1200 nm um die Augenlider herum appliziert1), 8). Die vom Oxyhämoglobin in den Hautblutgefäßen absorbierte Lichtenergie erzeugt Wärme und induziert die Thermokoagulation abnormaler Gefäße, Bakterienreduktion, Demodex-Beseitigung, Meibum-Verflüssigung, Hemmung des epithelialen Turnovers, Aktivierung von Fibroblasten und Förderung der Kollagensynthese1). In einer RCT mit 88 Augen wurde nach drei aufeinanderfolgenden Behandlungssitzungen (im Abstand von 4 Wochen) ein signifikanter Rückgang von IL-17α und IL-6 in der Tränenflüssigkeit berichtet1). Mehrere RCTs zeigten Verbesserungen der subjektiven Symptome, Lidrandbefunde, des Meibum-Grades, der Tränenfilmaufreißzeit (BUT) und der Hornhautepithelschädigung. Die Evidenz spricht für eine starke Empfehlung, jedoch bleibt es in der Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 aufgrund des fehlenden Zulassungsstatus und fehlender Kostenerstattung in Japan zum Zeitpunkt der Manuskripterstellung bei einer schwachen Empfehlung3). Unerwünschte Ereignisse umfassen Lidrötung und -schwellung mit einer Rate von bis zu 13 %, die sämtlich mild und reversibel sind1).

Thermische Pulsationstherapie (LipiFlow etc.) (CQ-29): LipiFlow® (TearScience) ist ein Vektorthermalpulsationsgerät (VTP), das gleichzeitig 12 Minuten lang eine 42,5 °C Erwärmung von der Bindehautseite der Augenlider und eine distale→proximale pulsierende Kompression von der äußeren Augenlidsite aus anwendet1). Es ist das einzige Gerät, das Wärme direkt auf die innere Oberfläche der Meibom-Drüsen applizieren kann und die Temperatur des Oberlids von 36,9 °C auf 41,1 °C und die des Unterlids von 37,0 °C auf 42,0 °C erhöht1). Eine einmalige Behandlung verbesserte den Meibum-Sekretions-Score, OSDI, SPEED und TBUT nach einem Monat signifikant, und es wurde über eine bis zu 3 Jahre anhaltende Langzeitwirkung berichtet1). In einer RCT mit 400 Augen war eine einmalige LipiFlow-Behandlung einer zweimal täglich 10-minütigen Warmkompresse plus Lidhygiene signifikant überlegen; nach 12 Monaten benötigten 86 % keine zusätzliche Behandlung1). Im Vergleich zu einer 3-monatigen oralen Doxycyclin-Einnahme wurde eine gleichwertige oder bessere Wirksamkeit bestätigt1). Der neue halbtransparente Aktivator (Activator Clear) ermöglicht eine einfache Überprüfung der Position und es wurde eine Behandlungsabschlussrate von 100 % berichtet2). In Japan nicht von der Krankenversicherung abgedeckt. Das ähnliche Gerät MiBo Thermoflo® erwärmt mit einem externen Paddel auf 42,2 °C, der Temperaturanstieg der Augenlider ist jedoch geringer1).

Intraduktales Sondieren (CQ-30): Eine Maskin-Sonde (stufenweise 1 mm → 4/6 mm) wird in den verstopften Ausführungsgang eingeführt und mechanisch durchgängig gemacht1). In einer Kohorte von 25 Fällen erzielten 96 % eine sofortige Symptomverbesserung, jedoch war die Verbesserung objektiver Befunde in einer RCT mit 49 Fällen begrenzt1). Da es invasiv ist und nur eine geringe Verbesserung objektiver Befunde zeigt, wird es in den JOS-GL 2023 als „schwache Empfehlung, es nicht durchzuführen” geführt3).

Die wichtigsten ambulant durchgeführten Eingriffe sind wie folgt.

  • Meibum-Expression: Wird durchgeführt, um Verschlüsse zu beseitigen und die Drüsenfunktion zu verbessern. Die Arta-Meibom-Drüsen-Pinzette (Inami) ist so konzipiert, dass sie Schmerzen während der Expression reduziert. Die Behandlung wird in Abständen von 10 Tagen bis 1 Monat fortgesetzt, in Kombination mit warmen Kompressen und Lidrandreinigung zu Hause. Das exprimierte Meibum ist bei hyposekretorischer MGD trüb oder zahnpastaartig.
  • Entfernung von Verschlüssen: Bei großen Verschlüssen mit Fremdkörpergefühl werden diese nach Tropfanästhesie mit einer Pinzette entfernt. Wenn die Öffnung tief verschlossen ist, wird der Lidrand mit einem Wattestäbchen gedrückt oder eine Meibum-Expressionspinzette verwendet. Wenn ein Meibomdrüsen-Infarkt wachsartig hervorsteht, wird er mit einer Injektionsnadel inzidiert und entfernt.
  • Punktion eines inneren Hordeolums: Wenn ein Eiterpunkt deutlich sichtbar ist, wird dieser mit einer 21–25G Injektionsnadel punktiert, nach der Drainage mit einem Wattestäbchen wird ein Antibiotikum verschrieben.
  • Steroidinjektion bei Chalazion: Mit einer 1-mL-Spritze und einer 27–28G Nadel werden 2 mg Triamcinolonacetonid (Kenacort-A® 40 mg/mL, 0,05 mL) von der konjunktivalen Seite in die Raumforderung injiziert. Die Heilungsrate beträgt 60–90 % nach 1–2 Injektionen und ist damit vergleichbar mit einer Chalazionexzision. Die Heilungsdauer beträgt etwa 5 Tage bis 2,5 Wochen. Die Injektion von der konjunktivalen Seite (nicht von der Hautseite) kann weiße Ablagerungen und Hautdepigmentierung verhindern. Bei fehlender Besserung nach zwei Injektionen wird eine IPL-Behandlung in Betracht gezogen. Bei Verdacht auf ein Talgdrüsenkarzinom wird eine chirurgische Exzision mit pathologischer Untersuchung durchgeführt.
  • Abrechnung: Warme Kompressen, Meibum-Expression, Entfernung von Verschlüssen und Punktion eines inneren Hordeolums werden als „Augenbehandlung” abgerechnet; Meibum-Expression und Entfernung von Verschlüssen werden unter der Diagnose „Meibomdrüseninfarkt” codiert. Kenacort-A® ist nicht durch die Krankenversicherung für die Diagnose „Chalazion” abgedeckt, kann jedoch als „symptomatische Therapie entzündlicher Erkrankungen des äußeren Auges” abgerechnet werden.

Details zu Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten

Abschnitt betitelt „Details zu Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten“

Tetrazykline: Doxycyclin und Minocyclin sind fettlöslicher als Tetracyclin und reichern sich in niedriger Dosierung im Augengewebe und in den Augenlidern an1). Sie werden primär wegen ihrer entzündungshemmenden statt antibakteriellen Wirkung eingesetzt und regulieren Entzündungen durch Hemmung von MMP-8, MMP-9, TNF-α, Lipase und freien Fettsäuren1). In einer RCT mit 60 Fällen zeigte die Minocyclin-Kombinationsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikante Verbesserungen aller klinischen Parameter sowie von IL-6, IL-1β, IL-17α, TNF-α und IL-12p701), 13). Zu den Nebenwirkungen zählen Photosensibilität und Magen-Darm-Beschwerden; das Mittel ist bei Schwangeren und Kindern kontraindiziert14).

Azithromycin: Dieses Makrolid bindet an die 23S-rRNA der 50S-Ribosomen und hemmt die bakterielle Proteinsynthese. Neben der antibakteriellen Wirkung unterdrückt es die Expression von NF-κB, IL-6, IL-8, TNF-α und MMP-9 und induziert das entzündungshemmende TGF-β11). Als Augentropfen ist eine 1%ige Formulierung (AzaSite®, USA) erhältlich, wobei eine kurze Behandlung eine drei Monate anhaltende Wirkung zeigt. Orales Azithromycin wird in Schemata von 500 mg über 3 Tage für 3 Zyklen (7-tägiges Intervall) oder 1 g einmal wöchentlich über 3 Wochen angewendet, birgt jedoch ein Risiko der QT-Verlängerung, das bei Patienten mit Herzerkrankungen Vorsicht erfordert1).

Cyclosporin A 0,05% Augentropfen: In den USA als Restasis® für den Tränenmangel-Trockenheitstyp zugelassen. Es hemmt die IL-2-Produktion von T-Zellen und entfaltet eine entzündungshemmende Wirkung1). Die Wirksamkeit bei isolierter MGD ist begrenzt; die JOS-GL 2023 empfiehlt schwach, darauf zu verzichten3).

Lifitegrast 5,0% Augentropfen: LFA-1-Antagonist, von der FDA in den USA zur Behandlung des Trockenen Auges zugelassen. Spezifische Evidenz für MGD liegt nicht vor1).

Orale Omega-3-Fettsäuren: Die Supplementierung von EPA/DHA verändert die Fettsäurezusammensetzung des Meibums1). In der DREAM-Studie (n=499) wurde 2018 berichtet, dass es zwischen der Omega-3-Gruppe und der Kontrollgruppe keine signifikanten Unterschiede bei OSDI, Schirmer und Tränenaufrisszeit gab, was die Evidenz widersprüchlich macht1). Die japanische ophthalmologische Leitlinie 2023 empfiehlt sie schwach, da sie in Japan als Nahrungsergänzungsmittel gelten3).

Demodex-Infektionen nehmen mit dem Alter zu und erreichen bei über 70-Jährigen 100 %1). Demodex folliculorum parasitiert den Wimpernfollikel, Demodex brevis die Meibom-Drüsen und Talgdrüsen. Erstere verursacht reaktive Hyperkeratose und zylindrische Schuppen, letztere Drüsenobstruktion und Granulombildung1).

Teebaumöl (TTO: Melaleuca alternifolia) ist wirksam gegen die Milben1). Ein Protokoll mit 50% TTO-Lid-Scrub einmal wöchentlich in der Klinik und 10% TTO täglich zu Hause über einen Monat zeigt eine Reduktion der Lidrandentzündung, eine Abnahme von IL-1β und IL-17 in der Tränenflüssigkeit sowie eine Verbesserung der okulären Symptome1). Der wirksame Bestandteil ist Terpinen-4-ol; kommerzielle Produkte wie Cliradex® sind erhältlich1). Orales Ivermectin 200 μg/kg als Einzeldosis (Tag 0 und Tag 7) verbesserte die Demodex-Zahl, den Schirmer-Test und die Tränenaufrisszeit bei refraktärer hinterer Blepharitis1).

Zhang et al. berichteten über einen Fall eines 46-jährigen Mannes mit MGD, bei dem äußerlich kaum Befunde vorlagen und Demodex im Wimpernepilationstest nicht nachgewiesen wurde. Nach Desinfektion des Lidrandes wurden direkt 15 D. brevis im exprimierten Meibum nachgewiesen, und die Symptome besserten sich durch TTO Lid Scrub6). Dies ist ein wichtiger Fall, der zeigt, dass die direkte Mikroskopie des Meibums für den Demodex-Nachweis nützlich ist.

Q Mit welchen Untersuchungen wird MGD diagnostiziert?
A

Nach den Diagnosekriterien der japanischen MGD-Arbeitsgruppe von 2010 müssen alle drei folgenden Punkte positiv sein: (1) subjektive Symptome wie Augenunbehagen, (2) Auffälligkeiten um die Öffnungen (Gefäßerweiterung, MCJ-Verlagerung, Unregelmäßigkeit des Lidrandes – mindestens eines davon), (3) Verschluss der Öffnungen (Plugging und verminderte Expression mit Shimazaki-Grad ≥2). Das Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 empfiehlt die Durchführung einer Meibographie und Meibum-Beobachtung.

Q Wie sollte die warme Kompresse durchgeführt werden?
A

Befeuchten Sie ein sauberes Handtuch und erwärmen Sie es in der Mikrowelle, oder verwenden Sie eine handelsübliche warme Augenmaske für 5–10 Minuten auf beiden Augen. Es ist wichtig, die Lidtemperatur bei etwa 40 °C zu halten. Beachten Sie, dass heiße Handtücher durch Verdunstungskälte leicht abkühlen. Das Leitlinie der Japanischen Ophthalmologischen Gesellschaft 2023 CQ-18 empfiehlt mindestens zweimal täglich für mindestens 5 Minuten. Massieren Sie nach dem Erwärmen die Lider sanft, um die Ausscheidung des verflüssigten Meibums zu fördern.

6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus“

Die japanische Ophthalmologische Gesellschaft GL 2023 BQ-1 fasst die Hauptpathologie der hyposekretorischen MGD als „Hyperkeratose des Gangepithels und Atrophie der Azini“ zusammen3). Es wird festgestellt, dass eine Atrophie der Azini nicht nur sekundär durch eine Verstopfung der Meibomdrüsen auftreten kann, sondern auch durch eine primäre Schädigung der Drüsenzellen, etwa durch Alterung.

Progression von Gangverschluss zu Azinusatrophie

Die Hyperkeratose des Gangepithels und die erhöhte Viskosität des Meibums führen zum Verschluss der terminalen Gänge1). Der Verschluss führt zu erhöhtem intrazinärem Druck und schreitet zur Atrophie und zum Verlust der Azini fort. Durch den Verlust der Azini nimmt die Lipidsekretion ab und die Lipidschicht des Tränenfilms wird dünner.

Erhöhung des Schmelzpunkts von Meibum

Normales Meibum hat einen Schmelzpunkt von etwa 19–32 °C und bleibt bei einer Augenoberflächentemperatur von 33–37 °C fließfähig1). Bei MGD steigt der Schmelzpunkt des Meibums aufgrund einer Zunahme von Sphingolipiden wie Ceramiden an, sodass es in schweren Fällen ohne Erwärmung auf über 40 °C nicht verflüssigt werden kann1). Dies ist die therapeutische Grundlage für Warmkompressen und thermische Pulsation.

Einfluss der Geschlechtshormone

Androgene aktivieren in Meibozyten (Meibomdrüsenzellen) die Lipidsynthese-Gene und unterdrücken Keratinisierungs-assoziierte Gene1). Androgenmangel, Rezeptorfunktionsstörungen und die Verabreichung von Antiandrogenen stehen im Zusammenhang mit obstruktiver MGD. Östrogen hingegen fördert den Lipidkatabolismus und stimuliert die Produktion entzündlicher Zytokine wie IL-6 und TNF-α1). Der Zusammenhang zwischen postmenopausaler Hormonersatztherapie und trockenem Auge wird teilweise durch eine verminderte adrenale Androgenproduktion infolge einer Hemmung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse erklärt1).

Beitrag von Bakterien und Entzündung

Lipasen, die von den residenten Bakterien des Lidrands (hauptsächlich Staphylokokken) produziert werden, spalten die Lipide des Meibums, und der Anstieg freier Fettsäuren löst eine Entzündung aus1). Bei Patienten mit Blepharitis wurde eine erhöhte Lipaseaktivität sowie eine vermehrte Produktion von Matrix-Metalloproteasen (MMPs) nachgewiesen. In der Tränenflüssigkeit von MGD-Patienten sind die Konzentrationen von IL-1α, reifem IL-1β, MMP-9, IL-6, IL-8 und TNF-α erhöht und korrelieren mit dem Schweregrad der okulären Oberflächenschädigung1). IL-1 fördert die Proliferation und Hyperkeratinisierung von Epithelzellen und bildet so einen Teufelskreis der obstruktiven MGD.

PPAR-γ (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor γ) gehört zur nukleären Rezeptor-Superfamilie und ist als Transkriptionsfaktor an der Lipidsynthese und der Differenzierung von Talgdrüsenzellen beteiligt. Es wird angenommen, dass es in Melbozyten eine wichtige Rolle bei der Zelldifferenzierung und Lipidsynthese spielt und daher als Zielstruktur für die Aufklärung der MGD-Pathogenese von Interesse ist3).

Sphingolipide und Schmelzpunkt

Bei MGD steigt der Anteil von Ceramiden und Sphingolipiden im Meibum, wodurch die Stabilität des Meibum-Lipidfilms abnimmt1). Der Anstieg des Ceramidgehalts führt direkt zu einer Erhöhung des Schmelzpunkts des Meibums, sodass es erst bei Erwärmung auf über 40 °C verflüssigt werden kann. Sphingolipide verändern nicht nur die physikochemischen Eigenschaften des Meibums, sondern steuern auch zelluläre Prozesse wie Zellproliferation, Differenzierung, Apoptose und Entzündung, was die Pathogenese der MGD weiter verkompliziert1).

Diabetes und okuläre Oberflächenveränderungen

2 Typ-2-Diabetes ist ein Risikofaktor für MGD. Die Querschnittsstudie von Hao et al. an 302 Augen zeigte, dass die DED-DM-Gruppe im Vergleich zur DED-Gruppe allein signifikant schlechtere Werte bei Unregelmäßigkeit des oberen Lidrands, Gefäßerweiterung des Lidrands, Verschluss der Drüsenöffnungen (Plugging-Grad), Lidrandverdickung, Verlust der Meibom-Drüsen am Oberlid, ziliarer Injektion und nicht-invasiver Tränenfilmaufreißzeit (NIBUT) aufwies. Der Blutzuckerspiegel korrelierte signifikant mit NIBUT, Lidrandverdickung und Lidrandunregelmäßigkeit7). Als zugrundeliegender Mechanismus wird ein Zusammenspiel von chronischer Entzündung und mikrovaskulärer Schädigung von Lidrand und Drüsengewebe angenommen.

7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven

Abschnitt betitelt „7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven“

LipiFlow Translucent Activator: Der neue halbtransparente Aktivator (Activator Clear) von LipiFlow ermöglicht durch sein halbtransparentes Material eine einfachere Überprüfung der Positionierung. In der Studie von Hu et al. wird eine Behandlungsabschlussrate von 100 % berichtet2). Eine Verbesserung der subjektiven Symptome und des Meibum-Scores wurde bis zu 3 Monate nach der Behandlung nachgewiesen. In einer Langzeitbeobachtungsstudie von Blackie et al. hielten die Verbesserungen der Meibum-Sekretion und der Trockenheitssymptome nach einer einmaligen LipiFlow-Behandlung bis zu 12 Monate an, wobei 86 % keine weitere Behandlung benötigten15).

Intranasale Neurostimulation: Die Pulserregung des vorderen Siebbeinnervs in der Nasenhöhle induziert über den nasotränen Reflexbogen die Tränendrüsensekretion. In Tierversuchen führte eine tägliche Stimulation von 3 Minuten über 3 Wochen zu einer Zunahme des Tränenvolumens, der Lipid- und Proteinkonzentration sowie zu einer Abnahme der Tränenosmolarität1). In einer RCT am Menschen wurde berichtet, dass der Allergan TrueTear® Intranasal Tear Neurostimulator (ITN) die Degranulation der konjunktivalen Becherzellen, eine Erhöhung des Tränenmeniskus, einen Temperaturanstieg der Meibom-Drüsen im zentralen Unterlid und eine Zunahme der Tränenlipidsschichtdicke induziert1). Eine nicht-randomisierte offene Studie berichtete ebenfalls, dass bei einer Anwendung von 180 Tagen mit mindestens 4-mal täglicher Nutzung die Schirmer-Werte, die korneokonjunktivale Färbung und die subjektiven Symptome verbessert wurden1). Es wurde auch gezeigt, dass die intranasale Stimulation die Morphologie (Fläche, Umfang) der Meibom-Drüsen sofort verändert, was eine neue Therapiestrategie zur Förderung der Meibum-Sekretion durch neuromodulatorische Mechanismen darstellen könnte1).

Sexualhormontherapie: In einer multizentrischen randomisierten Studie von Schiffman et al. zeigte eine lokale Testosteron-Augentropfenlösung (0,03 %) nach 6-monatiger Behandlung eine signifikante Verbesserung der Viskosität des Meibom-Drüsensekrets im Vergleich zur Kontrollgruppe, berichtet auf ARVO-Abstract-Ebene1). Es gibt auch Studien, die eine Zunahme der Tränenlipidsschichtdicke und der Tränenaufrisszeit durch lokale Androgene zeigen, jedoch sind derzeit weder in Japan noch in den USA zugelassene Augentropfenpräparate verfügbar1). Die Anwendung von 5 % Testosteron-Creme bei postmenopausalen Frauen (OSDI-Verbesserung), transdermales DHEA bei postmenopausalen Patientinnen und die ophthalmologische Anwendung der Hormonersatztherapie werden diskutiert, aber die Evidenz ist unzureichend und keine dieser Therapien wurde in die klinische Routinepraxis eingeführt1).

IL-1-Rezeptorantagonist (Anakinra): Das rekombinante humane IL-1RA (Kineret™) ist ein für Rheuma zugelassenes Biologikum, dessen Off-Label-Anwendung bei trockenem Auge Wirksamkeit gezeigt hat1). Da IL-1 in der Tränenflüssigkeit von MGD-Patienten eine zentrale Rolle in der Pathogenese spielt, stellt es ein vielversprechendes therapeutisches Ziel dar, jedoch wurden noch keine klinischen Studienergebnisse zu MGD veröffentlicht1).

Induktion von Drüsenmorphologieveränderungen durch IPL: Eine Kohortenstudie mit 35 Fällen berichtet, dass IPL eine Zunahme des längsten Azinusdurchmessers und der Einheitendichte induziert und die periglandulären Entzündungszellen reduziert hat1). Dies deutet auf eine mögliche Gewebereparaturwirkung hin, die über eine reine Symptombehandlung hinausgeht.

Genexpressionsprofil der Meibom-Drüsen: Bei MGD wurden Veränderungen in der Expression von über 400 Genen der Meibom-Drüsen berichtet. Androgen-responsive Gene, Verhornungs-assoziierte Gene und lipidbiosynthese-assoziierte Gene werden als Hauptziele angesehen, und die Möglichkeit einer molekularen Zielgerichteten Therapie wird erforscht1).

Mibo Thermoflo®・IRPL・Low-Level-Laser: Vergleichsstudien zu neuen Geräten wie externen Erwärmungsgeräten, IRPL (Breitbandlicht) und Low-Level-Lasern laufen, jedoch wurde bisher kein Gerät berichtet, das eine über LipiFlow hinausgehende Wirksamkeit gezeigt hat1).

Auch in den JOS-Leitlinien 2023 wurden die Grenzen der Evidenz bei zahlreichen CQs aufgezeigt, und der Aufbau von Evidenz durch von Japan initiierte RCTs wird als zukünftige Herausforderung angesehen3). Insbesondere sind die Etablierung eines standardisierten Protokolls für die in Japan durchführbaren konservativen Behandlungen (Warmkompressen, Lidreinigung, Meibum-Expression), nationale Studien zur Erweiterung der Kostenerstattung für Doxycyclin, Azithromycin u.a. sowie multizentrische Studien zur Zulassung von IPL und LipiFlow erforderlich.

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