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Hornhaut und äußeres Auge

Bakterielle Konjunktivitis (Bacterial Conjunctivitis)

Die bakterielle Konjunktivitis ist eine entzündliche Erkrankung der Bindehaut, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Die Bindehaut ist eine Schleimhaut, die die Innenseite der Augenlider (Lidbindehaut) über den Fornix hinweg auf der Augenoberfläche (Bulbärbindehaut) bis zum Hornhautrand überzieht, wo sie in die Hornhaut übergeht.

Diese Erkrankung ist eine der häufigsten Infektionen in der Augenheilkunde. In den USA macht die akute infektiöse Konjunktivitis etwa 1 % aller Konsultationen in der Grundversorgung aus, mit schätzungsweise rund 4 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr 1). Sie kann in jedem Alter auftreten, ist jedoch häufiger bei Kindern und älteren Menschen.

Die meisten Fälle verlaufen akut und selbstlimitierend und führen selten zu schweren Komplikationen. Aufgrund der hohen Prävalenz sind die sozialen Auswirkungen durch Schul- und Arbeitsausfälle jedoch erheblich. Die direkten und indirekten Gesundheitskosten werden allein in den USA auf über 500 Millionen US-Dollar pro Jahr geschätzt 1).

Klinisch wird zwischen der akuten Form (häufige bakterielle Konjunktivitis), der hyperakuten Form (v. a. gonokokkenbedingt) und der chronischen Form (v. a. chlamydienbedingt) unterschieden. Dieser Artikel konzentriert sich auf die akute bakterielle Konjunktivitis.

Eitriges Sekret bei bakterieller Konjunktivitis
Eitriges Sekret bei bakterieller Konjunktivitis
Azari AA, Barney NP. Conjunctivitis: A Systematic Review. J Ophthalmic Vis Res. 2020 Jul 29;15(3):372-395. Figure 4. PMCID: PMC7431717. License: CC BY.
Fadenziehendes dickflüssiges eitriges Sekret am Lidrand, das die typische starke Sekretion bei akuter bakterieller Konjunktivitis zeigt. Dieses Bild verdeutlicht auf einen Blick den Unterschied zu viralen oder allergischen Formen.
  • Fremdkörpergefühl: raues, sandiges Gefühl auf der Augenoberfläche
  • Rötung: beginnt einseitig und breitet sich häufig auf beide Augen aus
  • Sekret (Augenausfluss): anfangs wässrig, wird allmählich schleimig-eitrig; typischerweise gelb-grünlich
  • Brennen und Reizung: Begleitet von Stechen und Unbehagen im Auge
  • Tränenfluss: aufgrund gesteigerter reflektorischer Tränensekretion
  • Morgendliche Lidverklebung: Die Lider sind beim Aufwachen aufgrund von mukopurulentem Sekret verklebt. Dies ist ein Hinweis auf eine bakterielle Ursache.

Klinische Befunde (vom Arzt bei der Untersuchung festgestellte Befunde)

Abschnitt betitelt „Klinische Befunde (vom Arzt bei der Untersuchung festgestellte Befunde)“
  • Bulbäre Konjunktivalinjektion: Diffuse Erweiterung der Konjunktivalgefäße
  • Hyperämie und Ödem der tarsalen Konjunktiva: Papilläre Reaktion ist vorhanden, jedoch ohne ausgeprägte Follikelbildung
  • Mukopurulentes Sekret: Die Menge ist mäßig, die Beschaffenheit variiert je nach Erreger
  • Chemosis: In schweren Fällen schwillt die bulbäre Konjunktiva an
  • Liderythem und -schwellung: Bei der hyperakuten Form (Gonokokken) zeigt sich eine ausgeprägte Lidschwellung

Die hyperakute Form (Gonokokken-Konjunktivitis) bricht mit einer Inkubationszeit von einem halben bis drei Tagen aus. Charakteristisch ist reichlich weiß-gelber, cremiger eitriger Ausfluss, auch als „Blennorrhoe” bezeichnet. Frühzeitig kann sich ein Hornhautgeschwür bilden, das bis zur Hornhautperforation führen kann.

Unter den bakteriellen Konjunktivitiden gibt es klinisch wichtige, wenn auch weniger häufige Formen. Die Gonokokken-Konjunktivitis und die Chlamydien-Konjunktivitis unterscheiden sich im Verlauf, in der Diagnostik und im Behandlungsansatz von der gewöhnlichen akuten bakteriellen Konjunktivitis.

Reichlich eitriger Ausfluss bei Gonokokken-Konjunktivitis
Reichlich eitriger Ausfluss bei Gonokokken-Konjunktivitis
Albear S, LoBue S, Cooley A, Brandenburg T, Friedes R, Park J. Povidone-Iodine as an Adjuvant Therapy for Refractory Gonorrhea Keratoconjunctivitis: A Case Report. Cureus. 2025;17(5):e83676. Figure 1. PMCID: PMC12143893. License: CC BY.
A) Am rechten Auge und B) am linken Auge zeigen sich reichlich eitrige Sekretion, leichte Schwellung und Hyperämie der Lidränder. Dies entspricht dem eitrigen Ausfluss der Gonokokken-Konjunktivitis, der im Abschnitt „2. Hauptsymptome und klinische Befunde” behandelt wird.

Die Gonokokken-Konjunktivitis beginnt akut. Sie ist bei Vorliegen folgender Befunde in Kombination zu vermuten.

  • Akuter Beginn: Verschlechterung innerhalb weniger Tage
  • Starker Augenausfluss: Sammelt sich sofort nach dem Abwischen erneut an
  • Starke Lidödeme: Ähnelt einer Lidphlegmone
  • Ausgeprägte Chemosis: Die Bindehaut wölbt sich vor
  • Mit Hornhautbeteiligung: Schmerzen, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung
  • Präaurikuläre Lymphknotenschwellung: Deutlicher als bei akuter bakterieller Konjunktivitis

Bei Erwachsenen erfolgt die Infektion über Genitalsekret und die Hände. Es handelt sich nicht nur um eine Erkrankung Neugeborener. Bei verzögerter Diagnose kann sich ein Hornhautulkus oder eine Hornhautperforation entwickeln7). Vor Therapiebeginn sollte eine Bindehautkultur entnommen werden. Bei Verdacht auf Gonokokkeninfektion wird die systemische Therapie ohne Abwarten der Kulturergebnisse eingeleitet8).

Klinisches Bild einer Chlamydienkonjunktivitis
Klinisches Bild einer Chlamydienkonjunktivitis
Trobe J. Chlamydial-conjunctivitis.jpg. The Eyes Have It, University of Michigan Kellogg Eye Center. 2011. Source ID: Wikimedia Commons File:Chlamydial-conjunctivitis.jpg. License: CC BY 3.0.
Klinisches Bild einer Chlamydienkonjunktivitis mit evertiertem Unterlid. Es entspricht der follikulären Chlamydienkonjunktivitis aus Abschnitt «2. Hauptsymptome und klinische Befunde».

Die Chlamydienkonjunktivitis verläuft meist subakut bis chronisch. Bei der adulten Einschlusskörperchenkonjunktivitis sind Chlamydia trachomatis der Serotypen D–K beteiligt9).

  • Häufig einseitig: Kann später beidseits auftreten
  • Länger als 2 Wochen anhaltend: Spricht schlecht auf normale antibiotische Augentropfen an
  • Ausgeprägte Follikelbildung: Große Follikel im unteren Bindehautsack
  • Mukopurulenter Ausfluss: Eitriger als bei viralen Infektionen
  • Präaurikuläre Lymphknotenschwellung: Kann druckschmerzhaft sein
  • Hornhautbeteiligung: Oberflächliche Keratitis und superiore Limbusinfiltrate

Bei Erwachsenen kann eine genitale Chlamydieninfektion vorliegen. Systematische Übersichten zeigen, dass sie 1,8–5,6 % der akuten Konjunktivitiden ausmacht10). Bei 54 % der Männer und 74 % der Frauen wird eine begleitende genitale Infektion berichtet10). Sie wird als Infektion behandelt, die nicht auf das Auge beschränkt ist.

Q Ist bakterielle Konjunktivitis ansteckend?
A

Die bakterielle Konjunktivitis wird durch Kontaktinfektion übertragen. Der Kontakt von der Hand zum Auge oder das Teilen von Handtüchern und Kissen stellen Infektionswege dar. Regelmäßiges Händewaschen und die Vermeidung des Teilens persönlicher Gegenstände sind wichtig, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern.

Die bakterielle Konjunktivitis zeigt je nach Altersgruppe unterschiedliche Erregertendenzen.

Kinder

Säuglinge: Haemophilus influenzae am häufigsten. Bei sekundärer Dakryozystitis aufgrund einer angeborenen Tränenwegsstenose werden Streptokokken und Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) nachgewiesen.

Kleinkinder bis Schulalter: Streptococcus pneumoniae ist der typische Erreger. Häufig im Winter, beidseitig beginnend, begleitend zu einer Infektion der oberen Atemwege. Kann zu kleinen Epidemien führen.

Kinder insgesamt: Haemophilus influenzae macht 29–42 %, Streptococcus pneumoniae 13–30 % der Fälle aus1).

Erwachsene

Staphylococcus aureus: Der häufigste Erreger der Konjunktivitis bei Erwachsenen. Sie zeigt sich als akute bis subakute katarrhalische Konjunktivitis.

Blepharokonjunktivitis: Häufig begleitet von einer Entzündung des Lidrandes, in Form einer chronischen Blepharokonjunktivitis. Gelegentlich kann das untere Korneadrittel von einer oberflächlichen Keratitis betroffen sein.

Ältere Erwachsene

Staphylokokken: Am häufigsten. Häufig begleitende Blepharitis.

Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae: Sie treten als akute katarrhalische Konjunktivitis auf.

Corynebacterium-Arten: In den letzten Jahren wurden sie zunehmend als Ursache für therapieresistente chronische Konjunktivitis problematisch.

  • Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae): Ursache der hyperakuten Konjunktivitis. Es ist das einzige Bakterium, das ein gesundes Hornhautepithel infizieren kann und zu einer Hornhautperforation führen kann. Bei Erwachsenen tritt es als sexuell übertragbare Infektion auf
  • Chlamydia trachomatis: Ursache der chronischen follikulären Konjunktivitis. Bei langanhaltender follikulärer Konjunktivitis, die auf Antibiotika nicht anspricht, sollte dieser Erreger in Betracht gezogen werden
  • Moraxellen (Moraxella catarrhalis): Kann bei Neugeborenen einen schweren Verlauf nehmen und eine der gonokokkenbedingten ähnlichen eitrigen Konjunktivitis (pseudogonococcal conjunctivitis) hervorrufen

Bei Neugeborenen haben sich die Präventionsmaßnahmen gegen Gonokokken und Chlamydien in den letzten Jahren verbreitet, dennoch wird zunehmend über eine Neugeborenenkonjunktivitis durch Escherichia coli berichtet4). Die durch E. coli verursachte Neugeborenenkonjunktivitis tritt innerhalb der ersten 3 Lebenstage auf und äußert sich in eitrigem Augensekret und Lidödem4).

In den letzten Jahren ist ein zunehmender Trend bei resistenten Erregern wie Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA), Penicillin-resistentem Streptococcus pneumoniae (PRSP) und arzneimittelresistentem Haemophilus influenzae (BLNAR) zu verzeichnen. Auch bei Gonokokken schreitet die Fluorchinolon-Resistenz voran. Sind resistente Erreger beteiligt, kann die Konjunktivitis einen therapieresistenten Verlauf nehmen.

  • Unzureichende Hygiene: Mangelndes Händewaschen, unsachgemäße Kontaktlinsenpflege
  • Enge Gemeinschaftseinrichtungen: Schulen, Kindertagesstätten, Kasernen u. a.
  • Anomalien der Augenoberfläche: Trockenes Auge, Blepharitis, anatomische Anomalien der Augenoberfläche
  • Immunschwäche: Systemisch herabgesetzte Immunität
  • Nach Augenoperationen: Erhöhtes postoperatives Infektionsrisiko
Q Warum unterscheiden sich die auslösenden Bakterien je nach Alter?
A

Dies liegt daran, dass sich die normale Bindehautflora und die Immunfunktion mit dem Alter unterscheiden. Kinder haben eine geringe Antikörperproduktion gegen das Kapselantigen von Haemophilus influenzae und sind daher anfällig für Infektionen durch dieses Bakterium. Bei älteren Menschen nehmen die Abwehrmechanismen der Augenoberfläche ab, und Infektionen durch Staphylokokken nehmen zu.

Die meisten Fälle können auf der Grundlage klinischer Befunde diagnostiziert werden und erfordern keine Labortests. Bei bulbärer konjunktivaler Hyperämie, mukopurulentem Ausfluss und papillärer Reaktion der Lidbindehaut ohne ausgeprägte Follikelbildung oder präaurikuläre Lymphadenopathie ist eine bakterielle Konjunktivitis zu vermuten.

Die Unterscheidung zwischen bakterieller und viraler Konjunktivitis ist klinisch wichtig.

BefundBakteriellViral
AusflussMukopurulentSerös (wässrig)
Konjunktivale ReaktionPapilläre ReaktionFollikuläre Reaktion
Präaurikulärer LymphknotenKeine SchwellungSchwellung vorhanden
  • Abstrichtest: Nützlich für die schnelle Diagnose. Mit Gram-Färbung und Giemsa-Färbung werden von Neutrophilen phagozytierte Bakterien beobachtet und der Erreger bestimmt. Einfachfärbekits (Diff-Quick, Favor G usw.) sind ebenfalls verwendbar.
  • Kulturuntersuchung: Identifikation des Erregers und Durchführung eines Antibiogramms. Allerdings kann die Kultur nur in etwa der Hälfte der Fälle den Erreger nachweisen.
  • Indikationen für eine Kultur: Nicht bei allen Patienten wird eine Kultur durchgeführt. Sie erfolgt bei Neugeborenen, bei therapieresistenten oder rezidivierenden Fällen sowie bei Verdacht auf Gonokokken.

Bei Verdacht auf Gonokokken wird ein Konjunktivalabstrich zur Kultur eingesandt. Da Gonokokken empfindlich gegenüber Austrocknung sind, ist der Zielerreger bei der Probenentnahme anzugeben. Die Kultur ist nicht nur für die Diagnose, sondern auch für die Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit wichtig. Selbst in Kombination mit einem Nukleinsäureamplifikationstest kann die Empfindlichkeit nicht beurteilt werden.8)

Bei Verdacht auf Chlamydien wird eine Probe benötigt, die nicht nur Augensekret, sondern auch Konjunktivalepithelzellen enthält. Bei persistierender follikulärer Konjunktivitis sollten ein Chlamydien-Antigentest oder ein Nukleinsäureamplifikationstest aus einem Konjunktivalabstrich in Betracht gezogen werden. Die Untersuchung auf gleichzeitige Infektionen von Genitalien, Rachen und Rektum ist ebenfalls wichtig.8)

Die Leitlinie für die Diagnose und Behandlung der infektiösen Keratitis (3. Auflage) empfiehlt nachdrücklich die Kombination von Mikroskopie und Kultur bei der Diagnose der bakteriellen Keratitis.6) Die Positivitätsrate der Kultur liegt bei 37,6–74,3 %, die der Mikroskopie bei 58,1–73,7 %.6) Bei Patienten, die vor der Untersuchung keine Antibiotika erhalten haben, beträgt die Kulturpositivitätsrate 77,3 %, sinkt jedoch nach Antibiotikagabe auf 37,8 %. Daher sollte die Probenentnahme möglichst vor der Antibiotikagabe erfolgen.6)

  • Virale Konjunktivitis: Gekennzeichnet durch follikuläre Konjunktivitis, seröses Augensekret und präaurikuläre Lymphknotenschwellung. Ein schneller Adenovirus-Test ist hilfreich.
  • Allergische Konjunktivitis: Hauptsymptom ist Augenjucken. Charakteristisch ist eine Infiltration mit Eosinophilen.
  • Abgrenzung zur gonokokkalen Konjunktivitis: Da Moraxella spp. ebenfalls gramnegative Diplokokken sind, ist die Unterscheidung von Gonokokken allein durch Mikroskopie schwierig. Eine Kultur ist zwingend erforderlich.
  • Nichtinfektiöse Erkrankungen: Bei einer auf Antibiotika nicht ansprechenden „Konjunktivitis“ kommen auch vaskuläre Läsionen wie eine Karotis-Sinus-cavernosus-Fistel (CCF) als Differenzialdiagnose in Betracht5). Bei konjunktivaler Hyperämie, Chemosis, Augenbewegungsstörungen und erhöhtem Augeninnendruck, die auf Antibiotika nicht ansprechen, sollte eine Karotis-Sinus-cavernosus-Fistel vermutet und eine Bildgebung durchgeführt werden5).

Die Behandlung der bakteriellen Konjunktivitis basiert auf der lokalen Anwendung von Antibiotika. Die initiale Therapie wird als empirische Therapie durchgeführt und basierend auf den Ergebnissen von Abstrichen und Kulturen auf ein geeignetes Medikament umgestellt.

Etwa 60 % der Fälle heilen spontan aus, jedoch kann die Krankheitsdauer durch die Gabe von Antibiotika verkürzt werden. Die Dauer bis zur Heilung ist in der Antibiotikagruppe im Vergleich zur unbehandelten Gruppe um etwa 1,9 Tage verkürzt (3,8 Tage vs. 5,7 Tage)2). Es wurde berichtet, dass bereits künstliche Tränen (Carboxymethylcellulose-Natrium) allein die lokale Erregerlast reduzieren und die Heilung fördern können2).

ZielgruppeMedikamentDosierung
NeugeboreneBestron 0,5 %4-mal täglich
KleinkinderOzeX 0,3 %3-mal täglich
Erwachsene und ältere PatientenCravit 1,5 %3-mal täglich Augentropfen

Unter den Fluorchinolon-Antibiotika ist Tosufloxacin (OzeX, Tosuflo) für Kinder zugelassen. Bei Erwachsenen werden Fluorchinolone oder Cepheme unter Berücksichtigung von Staphylokokken ausgewählt.

Gram-positive Kokken

Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken: β-Lactame (Bestron) sind Mittel der ersten Wahl. Fluorchinolone sind ebenfalls wirksam.

PRSP: Kann gegenüber Aminoglykosiden resistent sein. Cepheme (Bestron) oder Fluorchinolone der vierten Generation (Gatiflo, Vegamox) werden gewählt.

Aminoglykoside: Unwirksam gegen Streptokokken und Pneumokokken.

Gram-negative Bakterien

Haemophilus influenzae: Penicilline und Cepheme sind Mittel der ersten Wahl. Fluorchinolone sind ebenfalls geeignet. In den letzten Jahren sind β-Lactam-resistente Stämme (BLNAR) aufgetreten.

Neisseria gonorrhoeae: Die Fluorchinolon-Resistenz nimmt zu, daher sind Cepheme Mittel der ersten Wahl. Bei multiresistenten Gonokokken wird Ceftriaxon (Rocephin) intravenös infundiert.

  • MRSA: Zunächst wird Chloramphenicol-Augentropfen (Ophthalon) versucht. Chloramphenicol entwickelt selten Resistenz gegen Staphylokokken. Bei unzureichender Wirkung wird Vancomycin-Augensalbe verwendet (Fallregistrierung erforderlich). Auch selbst hergestellte Arbekacin-Augentropfen gelten als nützlich.
  • Gonokokken-Konjunktivitis: Zusätzlich zu antibiotischen Augentropfen ist eine systemische Verabreichung von Ceftriaxon erforderlich. Aufgrund des Risikos einer Hornhautperforation ist eine Nachsorge alle 1–2 Tage erforderlich.
  • Azithromycin (Azimycin) Augentropfen: 2019 auf den Markt gekommen. Sie haben ihre Berechtigung als Maßnahme gegen Fluorchinolon-resistente Bakterien. Bei Konjunktivitis: 2-mal täglich für 2 Tage, dann 1-mal täglich für 5 Tage.

Wichtige Punkte zur Behandlung von sexuell übertragbarer Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Wichtige Punkte zur Behandlung von sexuell übertragbarer Konjunktivitis“

Bei der gonokokkalen Konjunktivitis reicht eine alleinige lokale Antibiotikatherapie nicht aus; eine systemische Behandlung ist erforderlich. Bei Erwachsenen und Jugendlichen ist Ceftriaxon 1 g als einmalige intramuskuläre Injektion eine Behandlungsoption8). Auch eine einmalige Augenspülung mit Kochsalzlösung wird in Betracht gezogen8). Bei Patienten mit Hornhautepitheldefekten oder Hornhautverdünnung sind stationäre Aufnahme und häufige Kontrolluntersuchungen erforderlich11).

Bei der Chlamydien-Konjunktivitis ist nicht nur die lokale, sondern auch die systemische Infektion zu beurteilen. Doxycyclin 100 mg zweimal täglich für 7 Tage oral ist die Standardbehandlung8). Azithromycin 1 g als einmalige orale Gabe ist eine Alternative, wobei Begleitinfektionen und eine mögliche Schwangerschaft zu berücksichtigen sind8).

Sowohl bei Gonokokken- als auch bei Chlamydieninfektionen ist die Behandlung des Partners wichtig. Eine alleinige Behandlung des Patienten kann zu einer erneuten Infektion führen. Eine gleichzeitige Untersuchung auf HIV, Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen sollte in Betracht gezogen werden8).

Q Heilt die Erkrankung auch ohne Antibiotika?
A

Etwa 60 % der akuten bakteriellen Konjunktivitis heilen spontan aus. Da Antibiotika jedoch die Krankheitsdauer um etwa 2 Tage verkürzen und die Keimbeseitigung fördern2), wird bei einem Arztbesuch in der Regel ein Rezept ausgestellt. Bei Kontaktlinsenträgern besteht ein Risiko für einen schweren Verlauf, daher wird eine aktive Behandlung empfohlen.

6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus“

Die bakterielle Konjunktivitis entsteht durch Hand-Augen-Kontakt oder durch die Besiedlung der angrenzenden Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut mit normaler Standortflora.

Auch die normale Bindehaut weist Standortflora wie Staphylokokken und Corynebakterien auf. Staphylococcus aureus wird bei 5–10 % der gesunden Bindehautsäcke nachgewiesen. Die Spülwirkung der Tränenflüssigkeit, die Schutzfunktion des Bindehautepithels sowie Immunfaktoren wie Lysozym und IgA in der Tränenflüssigkeit schützen vor Infektionen. Wenn diese Abwehrmechanismen versagen, kommt es zur Infektion.

  • Staphylococcus aureus: Neben direkter Gewebeschädigung durch Exotoxine löst er auch allergische Reaktionen durch Sensibilisierung aus. Er ist auch der Erreger von Hornhautrandulzera und Hornhautphlyktänen.
  • Koagulase-negative Staphylokokken (KNS): Einige Stämme produzieren Biofilme und zeigen Resistenz gegen Antibiotika.
  • Streptococcus pneumoniae: Besitzt eine Kapsel und zeigt Resistenz gegen Aminoglykoside. Aufgrund löslicher Kapselsubstanzen wird er in über 80 Serotypen eingeteilt, wobei Typ III die stärkste Virulenz aufweist.
  • Haemophilus influenzae: Ist ein häufiger Bewohner der oberen Atemwege. Kinder neigen aufgrund der geringen Fähigkeit zur Bildung von Antikörpern gegen das Kapselantigen dieses Bakteriums zu Infektionen. Da es bevorzugt das Plattenepithel befällt, ist die konjunktivale Injektion stark ausgeprägt und wird als Pink Eye bezeichnet.
  • Neisseria gonorrhoeae: Adhäriert durch Pili und Außenmembranproteine an Schleimhautepithelzellen und kann auch in das gesunde Hornhautepithel eindringen. Es ist wenig widerstandsfähig und verliert innerhalb weniger Stunden nach Verlassen der Schleimhaut seine Infektiosität.

Bei der bakteriellen Konjunktivitis kommt es zu einer neutrophilen-dominanten Entzündungsreaktion. Das Vorherrschen neutrophiler Infiltration im Augenabstrich ist ein Unterscheidungsmerkmal zur viralen Konjunktivitis, bei der die lymphozytäre Infiltration überwiegt. Durch die Beobachtung von Bakterien, die von Neutrophilen phagozytiert wurden, kann der Erreger abgeschätzt werden.

Auswirkungen des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs auf die Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Auswirkungen des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs auf die Konjunktivitis“

Howard & de St. Maurice stellen eine Studie vor, nach der die Einführung von PCV13 (13-valenter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff) die Konjunktivitis durch PCV13-Serotypen um 93 % und die Gesamtzahl der Konjunktivitsfälle um mehr als ein Drittel reduzierte1). Bemerkenswerterweise sank auch die Inzidenz der Konjunktivitis durch nicht kapselbildende Haemophilus influenzae (NTHi) nach der PCV13-Einführung signifikant1). Dieses Ergebnis deutet auf die Möglichkeit komplexer bakterieller Interaktionen zwischen Pneumokokken und Haemophilus influenzae in den Atemwegen hin.

Therapeutische Wirkung von Antibiotika und künstlichen Tränen

Abschnitt betitelt „Therapeutische Wirkung von Antibiotika und künstlichen Tränen“

Liu & Kuo beschreiben eine randomisierte kontrollierte Studie, die Moxifloxacin, künstliche Tränen (Carboxymethylcellulose-Natrium) und keine Behandlung bei pädiatrischer akuter infektiöser Konjunktivitis vergleicht2). Die Moxifloxacin-Gruppe zeigte eine um 1,9 Tage verkürzte Heilungsdauer im Vergleich zur unbehandelten Gruppe (3,8 Tage vs. 5,7 Tage). Auch die Gruppe mit künstlichen Tränen (Placebo) verkürzte die Heilungsdauer signifikant gegenüber der unbehandelten Gruppe2). Eine Metaanalyse bestätigte, dass Antibiotika die Symptome an den Tagen 3–6 reduzieren (Odds Ratio 0,59)2).

Commiskey et al. berichteten über einen Fall einer bilateralen chronischen therapierefraktären Konjunktivitis bei einer 98-jährigen Frau3). Altersbedingte Atrophie des Orbitagewebes und Dehiszenz der Levator-Aponeurose führen zu einer Vergrößerung des oberen Fornix, in dem sich ein Infektionsherd bildet. Staphylococcus aureus ist der häufigste Erreger; die Spülung des Fornix, lokale und systemische Antibiotika sowie die Povidon-Iod-Spülung sind die Säulen der Behandlung3). Bei älteren Patienten mit therapierefraktärer chronischer Konjunktivitis sollte GFS in die Differenzialdiagnose einbezogen werden.

Saadeh-Jackson et al. berichteten über einen Fall neonataler Konjunktivitis durch Escherichia coli und argumentieren, dass E. coli mit der zunehmenden Verbreitung von Gonokokken- und Chlamydien-Prophylaxemaßnahmen als aufkommender Erreger an Bedeutung gewinnt4). Zu den klinischen Merkmalen zählten Beginn innerhalb der ersten 3 Lebenstage, normale Körpertemperatur, eitriges Augensekret und Lidödem4). Eine auf Kulturergebnissen basierende Behandlung mit Levofloxacin-Augentropfen war wirksam.

Q Kann eine Impfung vor bakterieller Konjunktivitis schützen?
A

Durch die Verbreitung des Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs (PCV13) wurde berichtet, dass die durch Impfstoff-Serotypen verursachte Konjunktivitis um 93 % zurückgegangen ist1). Es gibt jedoch keinen Impfstoff, der eine bakterielle Konjunktivitis direkt verhindert. Tägliches Händewaschen und Hygiene sind die wichtigsten Präventionsmaßnahmen.

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  2. Liu SH, Kuo IC. Topical antibiotics and artificial tears associated with reduced infective-conjunctivitis symptoms. J Pediatr. 2023;261:113320.
  3. Commiskey P, Bowers E, Dmitriev A, Mammen A. Bilateral, chronic, bacterial conjunctivitis in giant fornix syndrome. BMJ Case Rep. 2022;15:e245460.
  4. Saadeh-Jackson S, Rodriguez L, Leffler CT, et al. Ophthalmia neonatorum due to Escherichia coli: A rare cause or an emerging bacterial etiology of neonatal conjunctivitis? Clin Case Rep. 2022;10:e06201.
  5. Campos AL, Gonçalves FMF, Cardoso R, et al. A Rare and Surprising Case of Spontaneous Type B Carotid-Cavernous Fistula in an Internal Medicine Ward. Cureus. 2022;14(11):e31456.
  6. 日本眼感染症学会感染性角膜炎診療ガイドライン第3版作成委員会. 感染性角膜炎診療ガイドライン(第3版). 日眼会誌. 2024.
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  8. Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, et al. Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187.
  9. Abedifar Z, Fallah F, Asadiamoli F, Bourrie B, Doustdar F. Chlamydia trachomatis Serovar Distribution in Patients with Follicular Conjunctivitis in Iran. Turk J Ophthalmol. 2023;53(4):218-221.
  10. Azari AA, Arabi A. Conjunctivitis: A Systematic Review. J Ophthalmic Vis Res. 2020;15(3):372-395.
  11. Albear S, LoBue S, Cooley A, Brandenburg T, Friedes R, Park J. Povidone-Iodine as an Adjuvant Therapy for Refractory Gonorrhea Keratoconjunctivitis: A Case Report. Cureus. 2025;17(5):e83676.

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