Spaltlampenuntersuchung des vorderen Augenabschnitts der Hornhaut und korrespondierendes AS-OCT-Bild
Barrientos LC, Wildes M. Linear Interstitial Keratitis: A Report of Two Cases and Review of Literature. Cureus. 2025. Figure 1. PMCID: PMC12010693. DOI: 10.7759/cureus.80985. License: CC BY 4.0.
Gezeigt werden Bilder der Untersuchung des vorderen Augenabschnitts mit einem Spaltlicht auf der Hornhaut (oben links und unten links) und die entsprechenden AS-OCT-Schnittbilder (oben rechts und unten rechts). Dies entspricht der Beobachtung des optischen Schnitts der Hornhaut durch Spaltlicht, die im Abschnitt „1. Was ist die Spaltlampenuntersuchung?” behandelt wird.
Die Spaltlampe (slit lamp; Biomikroskop, Abk. SL/BM) ist ein Biomikroskop, das aus einem Beleuchtungssystem (Spaltlampe) und einem Beobachtungssystem (Mikroskop) besteht. Es ist das am häufigsten verwendete grundlegende Untersuchungsgerät in der augenärztlichen Praxis, um Läsionen und Auffälligkeiten des vorderen Augenabschnitts und der durchsichtigen Medien zu erkennen und deren Ausmaß, Bereich und Beschaffenheit zu erfassen. Mit einer Vorsatzlinse kann der Beobachtungsbereich auf Netzhaut und Glaskörper erweitert werden, und mit einem Goldmann-Dreispiegelglas kann der Kammerwinkel direkt beobachtet werden.
Durch Ändern des Winkels, der Breite und der Höhe des Spaltlichts können optische Schnitte von der Hornhaut bis zum vorderen Glaskörper beobachtet werden, was die Unterscheidung von Gewebetiefe und Schichtstruktur ermöglicht. Die Vergrößerung kann normalerweise kontinuierlich von 6,3- bis 40-fach umgeschaltet werden (repräsentative Modelle wie Haag-Streit BQ900 und ZEISS SL 800 bieten 5 Stufen: 6,3×/10×/16×/25×/40×).
1911 entwickelte der schwedische Physiker Allvar Gullstrand in Zusammenarbeit mit Carl Zeiss die Spaltlampe und erwähnte sie in seinem Nobelvortrag desselben Jahres. In den 1920er- und 1930er-Jahren etablierte Hans Goldmann das parfokale Design, bei dem die Brennpunkte von Beleuchtungs- und Beobachtungssystem auf dieselbe Ebene fallen, und vervollständigte damit die Grundform der modernen Spaltlampe. Die Firma Haag-Streit begann 1958 mit dem Vertrieb.
Tischmodell (Standard): Haag-Streit BQ900, ZEISS SL 800, RO8000 usw. Wird standardmäßig in der täglichen Praxis verwendet.
Handmodell (tragbar): Für Hausbesuche, Operationssäle, bettlägerige Patienten und Kinderuntersuchungen.
Smartphone-Montagemodell (mobil): METORI-50 usw. Anwendungen in der Gemeinschaftsmedizin und Telemedizin nehmen zu.
QIst die Spaltlampenuntersuchung schmerzhaft?
A
Die normale Beobachtung des vorderen Augenabschnitts erfolgt berührungslos und ist daher schmerzfrei. Auch die Fundusbeobachtung mit einer Vorsatzlinse ist berührungslos. Nur bei Verwendung des Goldmann-Dreispiegelglases oder eines Gonioskops kommt es zu einem Kontakt mit der Augenoberfläche, sodass eine Tropfanästhesie (z. B. 0,4 % Oxybuprocain-Augentropfen) erforderlich ist.
Die Beobachtungsmethoden der Spaltlampe werden basierend auf der Beziehung zwischen Beleuchtungs- und Beobachtungssystem in die folgenden sieben Typen eingeteilt. Die Auswahl der geeigneten Beleuchtungsmethode entsprechend der Zielläsion verbessert die diagnostische Genauigkeit.
Direkte Beleuchtung, indirekte Beleuchtung, diffuse Beleuchtung
Direkte Beleuchtung : Die Foki von Beleuchtungs- und Beobachtungssystem werden zur Deckung gebracht. Die durchsichtigen Medien werden als optischer Schnitt beobachtet, um Dicke, Tiefe und Trübungstiefe des Gewebes zu beurteilen. Trübungen von Hornhaut und Linse können mit hohem Kontrast dargestellt werden. Durch Änderung von Spaltbreite und -winkel erhält man optische Schnitte.
Indirekte Beleuchtung : Das umliegende Gewebe wird mit dem Streulicht des Spaltstrahls beobachtet. Da die an die Läsion angrenzende Region beleuchtet wird, ist sie wirksam zum Nachweis von leichten Trübungen, Hornhautödem, Vorderkammer-Flare, KP und Glaskörpertrübungen.
Diffuse Beleuchtung (Diffusormethode) : Flächenhafte Betrachtung. Wird zur Erfassung des Gesamtbildes von Lidbindehautpapillen, Follikeln, Meibom-Drüsenöffnungen, Irisstruktur usw. verwendet.
Rückstrahlbeleuchtung (hintere Beleuchtung) : Nutzt das von Iris oder Linse reflektierte Licht zur Beleuchtung der Hornhaut. Ermöglicht die Darstellung von hinteren Hornhautablagerungen (KP), Hornhautödem und feinen, blassen Läsionen.
Durchleuchtung (retrograde Beleuchtung) : Nutzt das vom Augenhintergrund reflektierte Licht (roter Reflex). Wirksam zur Beurteilung von Linsentrübungen (hintere subkapsuläre Katarakt, Retrodots), Intraokularlinsenverlagerung und Nachstar hinsichtlich Form und Ausdehnung.
Sklerastreulichtmethode : Die gesamte Hornhaut wird mit dem Streulicht beleuchtet, das durch Bestrahlung der Sklera um die Hornhaut entsteht. Nützlich zum Nachweis von leichten Hornhauttrübungen und feinen Läsionen wie radialer Keratitis.
Spiegelreflexmethode (spekulare Reflexion) : Einfallswinkel und Reflexionswinkel werden angeglichen, um ein Spiegelbild des Hornhautendothels zu erhalten. Angewandt zur Beobachtung von Form und Größe der Endothelzellen und als Prinzip des Spekularmikroskops.
Beurteilung der Vorderkammertiefe nach der Van-Herick-Methode
Methode, bei der ein Spaltlicht senkrecht auf die temporale Limbushornhaut gerichtet und aus einem Winkel von etwa 60° beobachtet wird. Die Vorderkammertiefe wird anhand des Verhältnisses des Abstands von der Hornhautrückfläche zur Irisoberfläche (PAC) zur Hornhautdicke (CT) beurteilt. Wird zum Screening auf enge Kammerwinkel verwendet.
Grad
PAC/CT
Beurteilung
Grad 4
>1/2
Weite Vorderkammer
Grad 3
1/4 bis 1/2
Normalbereich
Grad 2
1/4
Etwas eng. Erwägen Sie eine detaillierte Kammerwinkeluntersuchung
Grad 1
<1/4
Möglicherweise enger Kammerwinkel. Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie) obligatorisch
Ein PAC/CT ≤ 1/4 (Grad 2 oder weniger) deutet auf einen möglicherweise engen Kammerwinkel hin, was eine Kammerwinkeluntersuchung erforderlich macht.
Durch die Kombination von Vorsatzlinsen wie +60D/+78D/+90D mit einem Spaltlampenmikroskop können Netzhaut, Glaskörper und Sehnervenkopf unter Mydriasis dreidimensional beobachtet werden. Das Bild ist umgekehrt. Diese nicht-invasive und relativ einfache Methode wird in der täglichen klinischen Praxis häufig eingesetzt. Mit dem zentralen Teil des Goldmann-Dreispiegelglases ist eine direkte (Kontakt-)Beobachtung mit starker Vergrößerung möglich, und mit einem Spaltstrahl können Ausdehnung und Tiefe der Exkavation beurteilt werden 2).
Die Verwendung von rotfreiem Licht verbessert den Kontrast von Papillenblutungen und Defekten der retinalen Nervenfaserschicht und erhöht die Erkennungsgenauigkeit 1).
QWarum kann man allein durch das Aufleuchten eines Spaltlichts so viele Dinge erkennen?
A
Das Beleuchtungs- und Beobachtungssystem des Spaltlampenmikroskops können unabhängig voneinander gedreht werden, aber ihre Drehachsen sind koaxial und die Fokusebenen identisch. Wenn das Spaltlicht auf das Gewebe trifft, entsteht ein optischer Schnitt, der die Tiefe und Schichtstruktur des Gewebes erkennen lässt. Durch Ändern des Winkels, der Breite und der Höhe des Spalts können die einzelnen Schichten des Hornhautepithels, des Stromas und des Endothels beobachtet oder die Tiefe der Vorderkammer gemessen werden.
3. Untersuchungsobjekte und Beobachtungsreihenfolge
Bei der Spaltlampenmikroskopie wird empfohlen, systematisch in der folgenden Reihenfolge zu beobachten. Die grundlegende Vorgehensweise besteht darin, das Gesamtbild bei niedriger Vergrößerung (6,3–10×) zu betrachten und dann die Läsionen bei hoher Vergrößerung (16–40×) genau zu untersuchen.
Die Untersuchung findet in einem dunklen oder halbdunklen Raum statt. Der Patient legt das Kinn auf die Kinnstütze und stellt die Höhe so ein, dass der äußere Augenwinkel mit der Höhenmarkierung (Markierung an der Stirnstütze) übereinstimmt. Haare, die das Gesichtsfeld beeinträchtigen, werden entfernt, und Kontaktlinsen werden vor der Untersuchung abgenommen.
Ablauf der Untersuchung des vorderen Augenabschnitts
Vergrößerungseinstellung: Bei 6,3–10× (geringe Vergrößerung) das gesamte Auge betrachten. In der Reihenfolge: Lider → Bindehaut → Hornhaut untersuchen.
Beleuchtungseinstellung: Spaltbreite, -höhe und -winkel (grundsätzlich 45°) je nach Ziel anpassen. Kobaltblaufilter (Fluoresceinfärbung) und rotfreien Filter (Beurteilung der RNFL und Blutungen) verwenden.
Fluoresceinfärbung: Nach Färbung mit 1% Fluorescein-Teststreifen oder Augentropfen die Hornhautepitheldefekte und das Tränenfilm-Muster unter kobaltblauem Licht beurteilen.
Beurteilung der Vorderkammerentzündung: Spalt auf etwa 1 mm Breite, 3 mm Höhe und maximale Helligkeit einstellen. Zellen (schwebende Leukozyten) und Flare (Proteinexsudat) nach der SUN-Klassifikation (0–4+) quantifizieren.
Linsenbeurteilung: Die Kernhärte nach der Emery-Little-Klassifikation (Grad 1–5) bestimmen. Die hintere subkapsuläre Katarakt mittels Retroillumination beurteilen. Für eine detaillierte Untersuchung ist eine maximale Pupillenerweiterung (Tropicamid 0,5% + Phenylephrin 0,5% Kombinations-Augentropfen) erforderlich.
Ablauf der Untersuchung von Fundus und Sehnervenkopf
Pupillenerweiterung: Tropicamid 0,5% + Phenylephrin 0,5% Kombinations-Augentropfen (Mydrin P®) einträufeln und ausreichende Mydriasis abwarten (in der Regel nach 20–30 Minuten).
Vorsatzlinsen-Haltung: Eine +78D (Standard) oder +90D (Weitwinkel) Linse einige mm vor der Hornhaut halten.
Fokussierung: Das Spaltlicht in das Auge projizieren und mit dem Joystick auf das umgekehrte Fundusbild fokussieren.
Nutzung des Spaltstrahls: Die Strahllänge auf 1 mm oder 2 mm einstellen und auf den Sehnervenkopf richten, um ein Gefühl für den vertikalen Durchmesser zu bekommen. Das C/D-Verhältnis (vertikaler Exkavationsdurchmesser / vertikaler Papillendurchmesser) beurteilen.
Dokumentation: Die Befunde durch Skizze oder digitale Fotografie (Spaltlampenkamera oder Smartphone-Adapter) dokumentieren.
QIst eine Pupillenerweiterung erforderlich?
A
Die Untersuchung des vorderen Augenabschnitts (Lider, Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer, Iris, vordere Linse) kann ohne Pupillenerweiterung durchgeführt werden. Für eine detaillierte Untersuchung des Augenhintergrunds, der hinteren Linsenfläche und des Glaskörpers wird eine Pupillenerweiterung empfohlen. Nach der Erweiterung bestehen für 4–6 Stunden Lichtempfindlichkeit und verschwommenes Sehen; daher sollte der Patient angewiesen werden, am selben Tag nicht Auto zu fahren. Bei Patienten mit Risiko eines Winkelblocks (flache Vorderkammer, Van-Herick-Grad 1–2) sollte vor der Pupillenerweiterung eine Winkelbeurteilung erfolgen.
Gemäß der Glaukom-Leitlinie (5. Auflage) sind die folgenden quantitativen Kriterien als Glaukomverdacht festgelegt2).
Vertikales C/D-Verhältnis ≥ 0,7 : Nur etwa 5 % der Normalpersonen überschreiten 0,7
R/D-Verhältnis ≤ 0,1: Der Rand ist extrem verdünnt
Seitenunterschied ≥ 0,2: Tritt bei weniger als 3 % der Normalpersonen auf
Eine Abweichung von der ISNT-Regel (Randbreite: inferior > superior > nasal > temporal), Papillenblutungen und eine Vergrößerung der β-Zone peripapillären Atrophie (PPA) sind ebenfalls Hinweise auf glaukomatöse Veränderungen1)3). Morphologische Veränderungen des Sehnervenkopfes und retinale Nervenfaserschichtdefekte (RNFLD) können vor Gesichtsfeldausfällen auftreten und sind wichtige Befunde für die Früherkennung1).
Das optische System des Spaltlampenmikroskops besteht aus einer Kombination von Beleuchtungs- und Beobachtungssystem. Die präzise Konstruktion beider Systeme ermöglicht die Echtzeit-Querschnittsbeobachtung von lebendem Gewebe.
Beleuchtungssystem: Ein konvergierender Lichtstrahl wird von einer Halogenlampe (traditionell) oder einer LED-Quelle (heute vorherrschend) durch eine Spaltblende projiziert. LED mit einem großen kurzwelligem Anteil ist vorteilhaft für die Beobachtung von Vorderkammerentzündungen und feinen Glaskörperbefunden. Die Spaltbreite ist kontinuierlich von 0 bis 14 mm (je nach Modell) variabel.
Beobachtungssystem: Kepler’sches Binokularmikroskop. Die Zoomvergrößerung beträgt 6,3–40-fach. Das Verhältnis von Beobachtungsvergrößerung und Auflösung wird je nach Ziel angepasst.
Parfokales Design: Beleuchtungs- und Beobachtungssystem können unabhängig voneinander gedreht werden, aber die Drehachse ist koaxial und die Fokusebene identisch ausgelegt. Das Beleuchtungslicht befindet sich stets in der Mitte des beobachteten Feldes, sodass Läsionen in der Fokusebene sicher erfasst werden können.
Optischer Schnitt: Wenn das Spaltlicht schmal gemacht und schräg auf das Gewebe eingestrahlt wird, erhält man ein Schnittbild, als ob das Gewebe durchtrennt wäre. Dieses Prinzip ermöglicht die individuelle Identifizierung der einzelnen Schichten der Hornhaut: Epithel, Stroma und Endothel.
Gullstrand (1911): Erfinder der Spaltlampe. Seine optischen Einsichten als Physiker legten die Grundlage für die ophthalmologische Diagnostik.
Integrierte Geräte mit AS-OCT: Integrierte Systeme zur Echtzeit-quantitativen Bewertung von Hornhautschnitten, Kammerwinkelmorphologie und Fehlpositionen von Intraokularlinsen verbreiten sich. Die komplementäre Nutzung mit Spaltlampenbefunden nimmt zu.
KI-gestützte Bildanalyse des vorderen Augenabschnitts: KI wird für die automatisierte Kataraktgraduierung, quantitative Bewertung von Hornhauttrübungen und Klassifikation von KP-Mustern anhand von Spaltlampenfotos eingeführt. Zukünftig wird eine objektive und automatische Stadieneinteilung erwartet.
Digitale Spaltlampe und Fernkonsultation: Die standardisierte Fotografie mit einer digitalen Spaltlampe mit hochauflösender Kamera und die Verbreitung von Fernkonsultationssystemen über die Cloud schreiten voran.
Leistungssteigerung tragbarer Spaltlampen: Bei Smartphone-aufsetzbaren oder handgehaltenen Spaltlampen verbessert sich die optische Leistung weiter, was ihre Nutzung in der häuslichen Pflege, aufsuchenden Sprechstunden und der pädiatrischen Augenheilkunde ausweitet.