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Sonstiges

Zusammenfassung möglicher Ursachen für rote Augen (Hyperämie)

Die Rötung des Auges (Erythem) ist eine der häufigsten Beschwerden in der augenärztlichen Praxis. Sie entsteht durch Erweiterung oder Blutung der oberflächlichen Blutgefäße des Auges, und ihre Ursachen reichen von leichter allergischer Konjunktivitis oder trockenem Auge bis hin zu schweren, das Sehvermögen bedrohenden Erkrankungen wie akutem Winkelblockglaukomanfall, Hornhautulkus oder Endophthalmitis 1).

Nach Übersichtsarbeiten aus der Allgemeinmedizin und Augenheilkunde in Europa und den USA ist die häufigste Ursache für Rötungen die infektiöse oder allergische Konjunktivitis, gefolgt von trockenem Auge, Traumata und Kontaktlinsen-assoziierten Erkrankungen 1). Erkrankungen mit ziliarer Injektion (Iridozyklitis, akuter Glaukomanfall, Keratitis) sind dagegen unter den Patienten mit Rötung in der Minderheit, aber ihre Sehprognose ist bei Übersehen schwerwiegend, weshalb die Unterscheidung der Dringlichkeit besonders wichtig ist.

Durch systematische Überprüfung des Rötungsmusters und der Begleitsymptome (Augenschmerzen, Sehveränderungen, Art des Sekrets, Kontaktlinsengebrauch) können dringliche Erkrankungen effizient eingegrenzt werden. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Differenzialdiagnose basierend auf der anatomischen Klassifikation der Rötung und die Beurteilung der Dringlichkeit einer Vorstellung.

Die Rötung wird je nach Ort und Tiefe des Auftretens in vier Muster eingeteilt. Diese Klassifikation ist der wichtigste erste Schritt zur Differenzialdiagnose der ursächlichen Erkrankungen.

① Konjunktivale Injektion

Entstehungsmechanismus: Erweiterung der oberflächlichen Bindehautgefäße (Konjunktivalarterien und -venen)

Merkmale: Diffuse Rötung, die im Fornix (Innenseite des Augenlids) stärker ist und zum Limbus corneae hin schwächer wird. Die Rötung verschiebt sich, wenn das Auge nach außen bewegt wird.

Hinweis auf Erkrankungen: Bakterielle, virale oder allergische Konjunktivitis, trockenes Auge, Pterygium/Pinguecula, Fremdkörper

Häufigkeit: Häufigste Form der Rötung

② Ziliare Hyperämie (Ziliarkörperhyperämie)

Entstehungsmechanismus: Erweiterung der vorderen Ziliararterie (tiefe Gefäße)

Merkmale: Starke bläulich-violette Rötung am Limbus corneae (Rand der Hornhaut). Die Rötung verschiebt sich nicht bei Augenbewegungen. Zeigt eine tiefe Entzündung an.

Hinweis auf Erkrankungen: Akuter Winkelblockglaukomanfall, anteriore Uveitis (Iridozyklitis), Keratitis/Hornhautulkus

Bedeutung: Starker Hinweis auf dringliche Erkrankungen

③ Sklerale Hyperämie

Vorderabschnittsfoto einer anterioren diffusen Skleritis (dunkelrote lokalisierte Rötung temporal am linken Auge)
Vorderabschnittsfoto einer anterioren diffusen Skleritis (dunkelrote lokalisierte Rötung temporal am linken Auge)
Sauer A, et al. Scleritis: a review. J Clin Med. 2023 Jul 21;12(14):4825. Figure 1. PMCID: PMC10381547. License: CC BY.
Vorderabschnittsfoto einer anterioren diffusen Skleritis temporal am linken Auge mit lokalisierter dunkelroter Rötung und Gefäßerweiterung. Entspricht der skleralen Hyperämie (dunkelrote lokalisierte Rötung durch tiefe Gefäßstauung), die im Abschnitt „2. Arten der Rötung (anatomische Klassifikation)“ behandelt wird.

Entstehungsmechanismus: Stauung der intrakleralen Gefäße (häufig autoimmune Mechanismen)

Merkmale: Lokalisierte tiefe dunkelrote Rötung. Verschwindet nicht bei Druck auf das Auge. Skleritis verursacht starke Augenschmerzen. Episkleritis verursacht leichte Schmerzen.

Hinweis auf Erkrankungen: Anteriore Skleritis/Episkleritis. Häufig assoziiert mit systemischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis, entzündlichen Darmerkrankungen.

Epinephrin-Augentropfentest: Die konjunktivale Hyperämie bildet sich zurück, die der Skleritis jedoch nicht.

④ Subkonjunktivale Blutung

Spaltlampenfoto einer subkonjunktivalen Blutung (nasenseitige, hellrote, umschriebene Blutung)
Spaltlampenfoto einer subkonjunktivalen Blutung (nasenseitige, hellrote, umschriebene Blutung)
Nagumo Y, et al. Subconjunctival hemorrhage during menstruation causing corneal dellen: a case report. GMS Ophthalmol Cases. 2023 Jan 30;13:Doc05. Figure 1. PMCID: PMC9979076. License: CC BY.
Spaltlampenbild des rechten Auges einer Patientin zu Beginn der Menstruation, das nasal eine scharf begrenzte, hellrote subkonjunktivale Blutung zeigt. Entspricht der subkonjunktivalen Blutung (umschriebene Blutung durch Gefäßruptur), die im Abschnitt „2. Arten der Hyperämie (anatomische Klassifikation)“ behandelt wird.

Entstehungsmechanismus: Ruptur subkonjunktivaler Gefäße (Blutansammlung zwischen Konjunktiva und Sklera)

Merkmale: Umschriebene, hellrote, scharf begrenzte Blutung. Eher „fleckige“ als diffuse Rötung. Meist ohne Sehverschlechterung oder Augenschmerzen.

Hinweis auf Erkrankungen/Auslöser: Hypertonie, Antikoagulanzien, Husten, Niesen, Trauma. In der Regel spontane Resorption innerhalb von 1–2 Wochen6).

Achtung: Bei Schmerzen oder Sehverschlechterung Trauma oder Bulbusperforation ausschließen.

Hyperämie-TypLokalisation und FarbeAugenbewegungDringlichkeitTypische Erkrankungen
Konjunktivale HyperämieStark im Fornix, hellrotHyperämischer Bereich verschiebt sichNiedrig bis mittelKonjunktivitis, trockenes Auge
Ziliare InjektionStark am Limbus, blau-violettNicht verschieblichHochGlaukomanfall, Iritis, Keratitis
Sklerale InjektionLokalisiert, dunkelrotNicht verschieblichMittel bis hochSkleritis, Episkleritis
Subkonjunktivale BlutungLokalisiert, hellrotNiedrig (falls schmerzlos)Hypertonie, Antikoagulanzien, Husten
GemischtLimbus + gesamte BindehautTeilweise verschieblichHochKeratitis, schwere Uveitis1)
Q Was ist der Unterschied zwischen einer subkonjunktivalen Blutung und einer Hyperämie?
A

Hyperämie ist ein Zustand, bei dem sich die Bindehautgefäße erweitern und diffus rot erscheinen. Eine subkonjunktivale Blutung hingegen entsteht durch das Platzen eines Gefäßes unter der Bindehaut mit lokaler Blutansammlung, gekennzeichnet durch eine scharf begrenzte, leuchtend rote Blutung. Eine subkonjunktivale Blutung ohne Schmerzen oder Sehverschlechterung resorbiert sich innerhalb von 1–2 Wochen spontan und bedarf in der Regel keiner Behandlung6). Häufige Auslöser sind Bluthochdruck oder die Einnahme von Antikoagulanzien (Warfarin, direkte orale Antikoagulanzien). Bei wiederholtem Auftreten oder Begleitsymptomen wie Schmerzen oder Sehstörungen wird eine augenärztliche Untersuchung empfohlen.

3. Hauptursachen der Hyperämie (Differenzialdiagnosen)

Abschnitt betitelt „3. Hauptursachen der Hyperämie (Differenzialdiagnosen)“
ErkrankungHyperämie-TypHauptbegleitsymptomeDringlichkeit
Bakterielle KonjunktivitisKonjunktivale HyperämieEitriges Sekret, Hyperämie der LidbindehautNiedrig bis mittel
Virale Konjunktivitis (EKC usw.)Konjunktivale InjektionWässriges Sekret, präaurikuläre Lymphadenopathie, hochansteckend2)Niedrig bis mittel
Allergische KonjunktivitisKonjunktivale InjektionAugenjucken, zähes Sekret, RhinitisNiedrig
Trockenes AugeKonjunktivale InjektionFremdkörpergefühl, Trockenheitsgefühl, chronische leichte InjektionNiedrig
Kontaktlinsen-assoziiertKonjunktivale bis gemischte InjektionAugenschmerz, Fremdkörpergefühl, Hornhautinfiltrat3)Mittel bis hoch
Akuter Winkelblock-Glaukom-AnfallZiliare InjektionStarke Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, verschwommenes Sehen, plötzlicher Anstieg des AugeninnendrucksHöchste Dringlichkeit
Vordere Uveitis (Iridozyklitis)Ziliare InjektionAugenschmerzen, Lichtscheu, Miosis, VorderkammerflareHoch
Infektiöse Keratitis, HornhautulkusZiliare bis gemischte InjektionAugenschmerzen, Sehverschlechterung, weißes Hornhautinfiltrat 4)Hoch
SkleritisSklerale InjektionStarke Augenschmerzen, Begleiterkrankung systemischer ErkrankungenMittel bis hoch
EpiskleritisSklerale HyperämieLeichte Schmerzen, lokalisierte Rötung, RezidivneigungNiedrig bis mittel
Subkonjunktivale BlutungSubkonjunktivale BlutungKeine Schmerzen, keine Sehveränderung (in der Regel) 6)Niedrig
Chemisches TraumaKonjunktivale bis vollschichtige HyperämieStarke Schmerzen, Tränenfluss, HornhauttrübungHöchste Dringlichkeit 5)
Pterygium / PingueculaKonjunktivale Hyperämie (lokalisiert)Chronische leichte Rötung, FremdkörpergefühlNiedrig

Differenzialdiagnose der infektiösen Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Differenzialdiagnose der infektiösen Konjunktivitis“
Eitriges Sekret einer akuten bakteriellen Konjunktivitis (klinisches Foto)
Eitriges Sekret einer akuten bakteriellen Konjunktivitis (klinisches Foto)
Azari AA, Arabi A. Conjunctivitis: a systematic review. J Ophthalmic Vis Res. 2020 Jul 29;15(3):372-395. Figure 4. PMCID: PMC7431717. License: CC BY.
Klinisches Bild eines dicken eitrigen Augenausflusses bei einem Patienten mit akuter bakterieller Konjunktivitis. Entspricht der bakteriellen Konjunktivitis (infektiöse Konjunktivitis, die durch eitrigen Ausfluss gekennzeichnet ist), die im Abschnitt „3. Hauptursachen für Rötung (Differenzialdiagnose)“ behandelt wird.

Die Beschaffenheit des Sekrets ist für die Differenzialdiagnose nützlich.

  • Wässriges Sekret: deutet auf eine virale Ursache hin (Adenovirus, Herpes). Die epidemische Keratokonjunktivitis (EKC) ist eine hochansteckende Erkrankung durch Adenoviren, und die Prävention nosokomialer Infektionen ist wichtig2). Es ist notwendig, für zwei Wochen nach Symptombeginn von Schule oder Arbeitsplatz fernzubleiben.
  • Eitriges Sekret: deutet auf eine bakterielle Ursache hin (Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Gonokokken usw.). Behandlung mit antibakteriellen Augentropfen wie Levofloxacin 0,5 % oder Tobramycin. Die gonokokkenbedingte Konjunktivitis schreitet besonders schnell voran und birgt ein Risiko für Hornhautperforation.
  • Zähflüssiges, fadenziehendes Sekret: deutet auf eine allergische Ursache hin (einschließlich Frühlingskatarrh). Verwendung von antiallergischen Augentropfen und Antihistaminika-Augentropfen.

Bei Kontaktlinsen (KL)-Trägern mit Rötung ist das Risiko für bakterielle Keratitis, Pseudomonas-Hornhautulkus und Acanthamoeba-Keratitis im Vergleich zu Nicht-Trägern erhöht3). Eine große australische epidemiologische Studie berichtete eine jährliche Inzidenz mikrobieller Keratitis bei weichen KL-Trägern von etwa 25 Fällen pro 100.0003). Dauertragen erhöht das Risiko im Vergleich zu Einweg-KL um mehr als das 10-fache3).

Der RPS Adeno Detector (Adenovirus-Antigen-Schnelltest) hat eine Sensitivität von 89 % und eine Spezifität von 94 %, ermöglicht eine schnelle Diagnose und ist nützlich zur Prävention nosokomialer Infektionen2). Bei Verdacht auf EKC den Patienten isolieren und verwendete Instrumente desinfizieren.

4. Anamnese und Differenzialdiagnose – wichtige Punkte

Abschnitt betitelt „4. Anamnese und Differenzialdiagnose – wichtige Punkte“

Bei der Beurteilung eines Patienten mit Rötung kann die systematische Überprüfung der folgenden fünf Punkte die Ursache eingrenzen.

  • Beginn der Symptome: akut (Infektion, Trauma, Glaukomanfall) oder chronisch/rezidivierend (trockenes Auge, Allergie)
  • Art des Sekrets: wässrig (viral), eitrig (bakteriell), zähflüssig (allergisch) oder kein Sekret (trockenes Auge, Erkrankungen mit ziliarem Rötung)
  • Vorhandensein von Augenschmerzen und Photophobie : Ja → Möglichkeit von Erkrankungen mit ziliarem Injektionsbefund (Keratitis, Iritis, Glaukomanfall, Skleritis). Nein → häufig Konjunktivitis oder trockenes Auge.
  • Vorhandensein von Sehveränderungen : Ja → hohe Dringlichkeit. Verdacht auf Keratitis, Glaukomanfall, Iritis oder chemisches Trauma1).
  • Kontaktlinsentragegeschichte : Ja → Risiko einer Hornhautinfektion berücksichtigen3).
BegleitsymptomeHinweis auf ErkrankungDringlichkeit
Starke Augenschmerzen + Kopfschmerzen + ÜbelkeitAkuter Winkelblock-GlaukomanfallHöchste Dringlichkeit
Augenschmerzen + Sehverschlechterung + weißer Fleck auf der HornhautInfektiöse KeratitisHoch
Augenschmerzen + Photophobie + MiosisVordere UveitisHoch
Augenschmerz (stark) + lokalisierte RötungSkleritisMittel bis hoch
Chemikalienexposition in der VorgeschichteChemisches TraumaHöchste Dringlichkeit
Eitriges SekretBakterielle KonjunktivitisMittel
Wässriges Sekret + präaurikuläre LymphknotenschwellungVirale Konjunktivitis (EKC)Mittel
Augenjucken + zähes SekretAllergische KonjunktivitisNiedrig
Fremdkörpergefühl + Trockenheitsgefühl (chronisch)Trockenes AugeNiedrig
Asymptomatisch / schmerzfrei (lokalisierte Rötung)Subkonjunktivale Blutung6)Niedrig

Zudem sollten folgende systemische Erkrankungen und Medikamenteneinnahmen bei der Anamnese erfragt werden:

  • Rheumatoide Arthritis, Psoriasis, entzündliche Darmerkrankungen: Risiko für Skleritis und Uveitis
  • Antikoagulanzien (Warfarin, direkte orale Antikoagulanzien): Auslöser einer subkonjunktivalen Blutung6)
  • Langzeitanwendung von Steroiden: Risiko für infektiöse Augenerkrankungen und Glaukom
  • HLA-B27-assoziierte Erkrankungen (Morbus Bechterew etc.): starke Assoziation mit anteriorer Uveitis (Iridozyklitis)
Q Was tun bei Rötung während des Tragens von Kontaktlinsen?
A

Entfernen Sie sofort die Kontaktlinsen. Wenn nach dem Entfernen der Linsen Augenschmerzen, Sehverschlechterung oder eine Trübung der Hornhaut anhalten, suchen Sie noch am selben Tag einen Augenarzt auf. Eine Rötung beim Tragen von Kontaktlinsen kann auf eine bakterielle oder Pseudomonas-Hornhautinfektion hinweisen, die unbehandelt zu einer Hornhautperforation führen kann3). Langes Tragen von weichen Kontaktlinsen oder Dauertragen von Einmallinsen erhöht das Risiko weiter. Es wird nicht empfohlen, bis zum Arztbesuch mit rezeptfreien Augentropfen zu behandeln, da dies den Beginn einer geeigneten Antibiotikatherapie verzögert.

5. Zeitpunkt der Konsultation und Dringlichkeitseinschätzung

Abschnitt betitelt „5. Zeitpunkt der Konsultation und Dringlichkeitseinschätzung“
DringlichkeitAnhaltspunktSymptome / SituationHauptkrankheiten
Höchste Dringlichkeit (sofortige Vorstellung)Innerhalb weniger StundenStarke Augenschmerzen + Kopfschmerzen + Übelkeit + verschwommenes SehenAkuter Winkelblock-Glaukom-Anfall
Höchste Dringlichkeit (sofortige Vorstellung)Sofort nach VerletzungChemikalienexposition (Augenspülung während der Vorstellung)Chemisches Trauma5)
Höchste Dringlichkeit (sofortige Vorstellung)Am selben TagRötung + Sehverschlechterung + weißer Fleck auf der HornhautInfektiöse Keratitis / Hornhautulkus4)
Hoch (am selben oder nächsten Tag)Am selben TagZiliarrötung + Augenschmerzen + LichtscheuVordere Uveitis
Hoch (noch heute oder morgen)HeuteRötung + Schmerz beim Tragen von Kontaktlinsen 3)KL-assoziierte Keratitis
Mittel (innerhalb von 2-3 Tagen)BaldmöglichstZiliarrötung (mäßige Schmerzen) · lokalisierte tiefe RötungEpiskleritis · leichte Skleritis
Niedrig (Beobachtung möglich)1-2 WochenLokalisiert · schmerzfrei · keine SehveränderungSubkonjunktivale Blutung 6)
Niedrig (Beobachtung möglich)1-2 WochenLeichter Juckreiz · wässriger Ausfluss · keine SehveränderungLeichte allergische Konjunktivitis

Bei Chemikalienspritzern ins Auge vor dem Arztbesuch mindestens 15 Minuten lang reichlich mit Leitungswasser spülen 5). Alkalische Substanzen (Schimmelentferner, Zement, Kalk, Bleichmittel) sind besonders schwerwiegend, da sie durch Verseifung von Fetten tief in das Gewebe eindringen und bis zum Hornhautstroma und zur Vorderkammer gelangen. Während des Spülens den Notdienst aufsuchen. Bei der augenärztlichen Untersuchung den pH-Wert überprüfen (Ziel-pH 7,0–7,4) 5).

Die oberflächlichen Blutgefäße der Bindehaut (Arterien, Venen, Kapillaren) erweitern sich aufgrund von Entzündungsmediatoren (Histamin, Prostaglandine, Zytokine) oder Allergenen. Bei allergischer Konjunktivitis führt die IgE-vermittelte Mastzelldegranulation zur Freisetzung großer Mengen Histamin, was sofortige Vasodilatation und Augenschmerzen verursacht. Bei trockenem Auge führt die Tränenfilm-Instabilität zu Reibung und Trockenheitsreizung, was eine anhaltende leichte Entzündung und konjunktivale Hyperämie hervorruft. Der pathophysiologische Bericht des TFOS DEWS II zeigt, dass Tränenhyperosmolarität Entzündungszytokine im Hornhaut- und Bindehautepithel induziert und einen Teufelskreis aus chronischer Rötung und Fremdkörpergefühl erzeugt 9).

Sie entsteht durch die Erweiterung der vorderen Ziliararterien (tiefe Gefäße, die die Sklera durchdringen und Ziliarkörper, Iris und Hornhaut versorgen). Da sie direkt Entzündungen oder Reizungen von Iris, Ziliarkörper und Hornhaut widerspiegelt, ist sie ein objektiver Indikator für schwere Vorderabschnittserkrankungen. Bei einem akuten Glaukomanfall führt der plötzliche Anstieg des Augeninnendrucks (60–80 mmHg) zu Hornhautödem und Ischämie der Iriswurzel, was eine starke ziliare Hyperämie und ein Hornhautepithelödem (Ursache für verschwommenes Sehen) verursacht.

Die meisten Skleritiden sind autoimmun bedingt (insbesondere die nekrotisierende Skleritis bei rheumatoider Arthritis). Die Gefäße in der Sklera erweitern sich und werden durch die Entzündung hyperämisch, und aufgrund der geringen Anastomose mit benachbarten Gefäßen ist die Rötung lokalisiert und dunkelrot. Die Episkleritis ist auf das episklerale Gewebe an der Skleraoberfläche beschränkt, hat eine bessere Prognose als die Skleritis, neigt aber zu Rezidiven. Im Epinephrin (Adrenalin)-Augentropfentest verschwindet die konjunktivale und episklerale Rötung durch Vasokonstriktion, die tiefe Skleritis jedoch nicht. Diese Eigenschaft kann zur Differentialdiagnose genutzt werden.

Kleine Gefäße unter der Konjunktiva reißen aufgrund von physischer oder Druckbelastung (Husten, Niesen, Pressen, Heben schwerer Gegenstände), Bluthochdruck oder Antikoagulanzien, und Blut sammelt sich im subkonjunktivalen Raum. Aufgrund der schnellen Gerinnselbildung über den extrinsischen Weg der Gerinnungsfaktoren kommt es selten zu massiven Blutungen. Die natürliche Resorption dauert in der Regel 1–2 Wochen 6). Da dies ein Zeichen für Bluthochdruck sein kann, wird bei wiederholtem Auftreten eine medizinische Abklärung empfohlen 6).

7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven

Abschnitt betitelt „7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven“

Schnelltests auf Adenovirus-Antigene wie der RPS Adeno Detector sind wirksam zur Verhinderung nosokomialer Infektionen der EKC, und die Entwicklung von Diagnosetools der nächsten Generation zur Verbesserung der Falsch-Negativ-Rate ist im Gange 2). Die schnelle Unterscheidung zwischen infektiöser und nicht-infektiöser Konjunktivitis wird im Hinblick auf die Reduzierung unnötiger Antibiotikaverordnungen immer wichtiger.

KI-Anwendung zur Unterscheidung von Rötung und trockenem Auge

Abschnitt betitelt „KI-Anwendung zur Unterscheidung von Rötung und trockenem Auge“

Studien berichten über die automatische Klassifizierung von Art und Schweregrad der Rötung durch maschinelles Lernen (Deep Learning) von Augenoberflächenbildern 7). Die Entwicklung nicht-invasiver Bewertungswerkzeuge für die Augenoberfläche mittels Smartphone-Kamera schreitet ebenfalls voran, und ihr Einsatz in der Primärversorgung und Telemedizin wird erwartet.

Für schwere allergische Konjunktiverkrankungen wie Frühlingskatarrh und atopische Keratokonjunktivitis wird bei unzureichendem Ansprechen auf bestehende Antihistaminika und Antiallergika die Erweiterung der Zulassung von Tacrolimus-Augentropfen und die ophthalmologische Anwendung von Biologika einschließlich Omalizumab erwogen 8). In der dritten Auflage der Leitlinie zur Diagnose und Behandlung allergischer Konjunktiverkrankungen wird die Stellung von Ciclosporin- und Tacrolimus-Augentropfen für schwere Fälle klargestellt 8).

Erkenntnisse aus TFOS DEWS III und trockenheitsbedingte Rötung

Abschnitt betitelt „Erkenntnisse aus TFOS DEWS III und trockenheitsbedingte Rötung“

Der TFOS DEWS II Pathophysiologiebericht zeigt, dass Tränenhyperosmolarität und Tränenfilminstabilität eine Entzündungskaskade in Hornhaut und Bindehaut antreiben und dass die Chronifizierung von Nervensensibilisierung und Augenoberflächenschädigung zu anhaltender Rötung und Beschwerden führt 9). Für die durch trockene Augen verursachte Rötung sammeln sich Belege für die Wirksamkeit neuer therapeutischer Ziele an, wie z. B. MUC5AC-Muzinsekretionsförderer (3% Diquafosol-Natrium-Augentropfen) und entzündungshemmende Augentropfen (Cyclosporin-Augentropfen).

  1. Cronau H, Kankanala RR, Mauger T. Diagnosis and management of red eye in primary care. Am Fam Physician. 2010;81(2):137-144.

  2. Sambursky R, Tauber S, Schirra F, et al. The RPS adeno detector for diagnosing adenoviral conjunctivitis. Ophthalmology. 2006;113(10):1758-1764.

  3. Stapleton F, Keay L, Edwards K, et al. The incidence of contact lens-related microbial keratitis in Australia. Ophthalmology. 2008;115(10):1655-1662.

  4. Austin A, Lietman T, Rose-Nussbaumer J. Update on the management of infectious keratitis. Ophthalmology. 2017;124(11):1678-1689.

  5. Wagoner MD. Chemical injuries of the eye: current concepts in pathophysiology and therapy. Surv Ophthalmol. 1997;41(4):275-313.

  6. Tarlan B, Kiratli H. Subconjunctival hemorrhage: risk factors and potential indicators. Clin Ophthalmol. 2013;7:1163-1170.

  7. Gulshan V, Peng L, Coram M, et al. Development and validation of a deep learning algorithm for detection of diabetic retinopathy in retinal fundus photographs. JAMA. 2016;316(22):2402-2410.

  8. 日本眼科アレルギー学会. アレルギー性結膜疾患診療ガイドライン(第3版). 日眼会誌. 2021;125(8):741-785.

  9. Bron AJ, de Paiva CS, Chauhan SK, et al. TFOS DEWS II pathophysiology report. Ocul Surf. 2017;15(3):438-510.

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