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Netzhaut und Glaskörper

Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie)

1. Was ist Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie)?

Abschnitt betitelt „1. Was ist Morbus Best (vitelliforme Makuladystrophie)?“

Morbus Best ist eine Makuladystrophie, die durch eine spiegeleiförmige (vitelliforme) Makulaläsion gekennzeichnet ist. Die Bestrophinopathie ist ein Oberbegriff für eine Gruppe erblicher Netzhauterkrankungen, die durch Mutationen im BEST1-Gen (früher VMD2) verursacht werden, wobei Morbus Best (BVMD) der häufigste Subtyp ist. Sie betrifft hauptsächlich das retinale Pigmentepithel (RPE) und ist durch die Ansammlung von vitelliformem Material in der Makula gekennzeichnet.

Erstmals berichtet wurde sie 1883 von J.E. Adams, und 1905 von Friedrich Best als autosomal-dominante familiäre Erkrankung detailliert beschrieben.

Das BEST1-Gen befindet sich auf Chromosom 11q12.3 und besteht aus 11 Exons. Es kodiert für ein Transmembranprotein aus 585 Aminosäuren (Best1), das als homopentamerer Ca²⁺-aktivierter Chloridkanal (CaCC) in der basolateralen Zellmembran des RPE lokalisiert ist9). Bestrophin ist ein Ionenkanalprotein, das am Cl⁻-Ionentransport in der Zellmembran von RPE-Zellen beteiligt ist. Derzeit sind über 250 pathogene Mutationen bekannt, und bei 3,9% bis 7,8% aller Patienten mit erblicher Netzhautdystrophie (IRD) werden BEST1-Mutationen nachgewiesen. Bei pädiatrischen IRD-Patienten liegt dieser Anteil bei 18 bis 36%10).

In der Regel stellen sich die Patienten im Grundschulalter mit Sehverschlechterung vor, aber auch eine Erstvorstellung im mittleren Alter ist keineswegs selten. Der anfängliche Visus liegt bei etwa 0,1 bis 0,5, und es gibt häufig Seitenunterschiede in Visus und Fundusbefund.

Die wichtigsten Subtypen der Bestrophinopathie sind die folgenden vier.

BVMD

Best-Vitelliforme-Makuladystrophie: Der häufigste Subtyp. Autosomal-dominante Vererbung. Beginn im Kindes- bis Jugendalter (3–15 Jahre). Prävalenz 1/5.000 bis 1/67.000. Gekennzeichnet durch klassische „Spiegelei“-Makulaläsion.

ARB

Autosomal-rezessive Bestrophinopathie: Autosomal-rezessive Vererbung. Beginn im Alter von 4–40 Jahren. Bilaterale symmetrische multifokale subretinale gelbe Ablagerungen. Begleitet von Hyperopie und kurzer Achsenlänge, mit Risiko für Winkelblockglaukom. Prävalenz etwa 1/1.000.000.

AVMD

Adult-onset vitelliforme Makuladystrophie: Beginn im Alter von 30–50 Jahren. Kleinere Läsionen und langsamere Progression als BVMD.

ADVIRC

Autosomal-dominante Vitreoretinochoroidopathie: Fehlen vitelliformer Läsionen. Gekennzeichnet durch ein Pigmentband vom Äquator bis zur Ora serrata. Prävalenz etwa 1/1.000.000.

Q Ist die Best-Krankheit erblich? Wenn ein Elternteil an Best-Krankheit leidet, welche Auswirkungen hat das auf das Kind?
A

BVMD ist autosomal-dominant, zeigt jedoch unvollständige Penetranz und variable Phänotypen. Träger der Mutation können die Krankheit möglicherweise nicht entwickeln. ARB hingegen ist autosomal-rezessiv: Wenn beide Eltern Träger sind, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die Krankheit entwickelt, 25 %. In beiden Fällen wird eine genetische Beratung empfohlen.

BVMD beginnt im Kindes- bis Jugendalter (typischerweise 3–15 Jahre). Anfangs ist die Sehbeeinträchtigung minimal; charakteristischerweise bleibt das Sehvermögen trotz dramatischer Fundusbefunde gut. Bis zum vitelliformen Stadium bleibt die Sehschärfe relativ gut, nimmt jedoch häufig ab, wenn die Läsion zu zerfallen beginnt.

  • Verschlechterung der Sehschärfe: Langsame beidseitige Sehverschlechterung im Verlauf. Im atrophischen Stadium (Stadium V) sinkt die Sehschärfe auf 20/30 bis 20/200.
  • Zentralskotom: tritt mit Fortschreiten der Makulopathie auf.
  • Metamorphopsie: Symptom, bei dem Gegenstände verzerrt erscheinen, spiegelt eine Makulaläsion wider.
  • Bei CNV: führt zu rascher Sehverschlechterung 6), und im Stadium VI (CNV-Stadium) sinkt die Sehschärfe auf 20/200 oder weniger.

Die BVMD hat 6 klinische Stadien. Die folgende Tabelle zeigt die Fundusbefunde und die Sehschärfe nach Stadium.

StadiumFundusbefundSehschärfe
I PrävitelliformNur RPE-Veränderungen/normalNormal
II Vitelliform„Spiegelei“-LäsionNormal bis leicht vermindert
III PseudohypopyonLipofuszinschichtbildungÄhnlich wie Stadium II
IV Stadium der Dotterruptur (Rühreistadium)Rührei-artigGleichwertig bis leichte Verschlechterung
V AtrophiestadiumRPE/Netzhautatrophie20/30 bis 20/200
VI CNV-StadiumChorioidale Neovaskularisation≤20/200

Stadium I (prävitelliformes Stadium) zeigt normale Sehschärfe und nur eine abnorme EOG. Im Stadium II (vitelliformes Stadium) tritt die klassische „Spiegelei“-artige vitelliforme Läsion auf, bei 30 % der Patienten mit ektopen Läsionen. Im Stadium III (Pseudohypopyon-Stadium) lagert sich das gelbe Material aufgrund der Schwerkraft nur unten ab und ergibt ein pseudohypopyonartiges Bild. Im Stadium IV (Dotterrupturstadium) zerfällt die Läsion zu einem „Rührei“-Aussehen, auch als Rühreistadium bezeichnet. Im Stadium V (Atrophiestadium) kommt es zur Atrophie des zentralen RPE und der Netzhaut. Im Stadium VI (CNV-Stadium) tritt bei etwa 20 % der Patienten eine chorioidale Neovaskularisation auf. Die Sehverschlechterung tritt oft im Erwachsenenalter auf und wird selten schlechter als 0,1.

Nicht alle Fälle durchlaufen alle Stadien der Reihe nach, und der Verlauf variiert stark von Person zu Person.

Zusätzliche Befunde durch multimodale Bildgebung sind die folgenden 1).

  • OCT: Die vitelliforme Läsion ist im subretinalen Raum lokalisiert, und die Läsionstypen werden in vitelliformen, gemischten, SRF- und atrophischen Typ eingeteilt. Die Zerstörung der Ellipsoidzone der Photorezeptoren (EZ) ist am stärksten mit der Sehverschlechterung assoziiert. Die Dicke der äußeren Körnerschicht (ONL) ist in allen Stadien signifikant geringer als bei Gesunden.
  • FAF (Fundusautofluoreszenz): Wechsel von Hyperautofluoreszenz im vitelliformen Stadium zu Hypoautofluoreszenz im atrophischen Stadium.
  • AO-SLO (Adaptive Optics Scanning Laser Ophthalmoskopie): Eine Ausdünnung des Zapfenmosaiks wird in allen Stadien beobachtet.
  • Erkenntnisse aus dem Hundemodell: Es wurde bestätigt, dass die subretinale Substanz eine gelartige Matrix und keine Flüssigkeit ist2).

Klinische Befunde der ARB9): Bilaterale symmetrische multifokale subretinale gelbe Ablagerungen, Hyperautofluoreszenz in der FAF, subretinale Flüssigkeit/intraretinale Zysten/Verlängerung der Photorezeptor-Außensegmente im OCT, Risiko eines Winkelblockglaukoms durch verkürzte Achsenlänge, normales Elektroretinogramm, fehlender Lichtgipfel im EOG.

Q Warum ist die Sehkraft trotz Läsionen, die wie „Spiegeleier“ aussehen, gut?
A

Im frühen Stadium der BVMD sind die Zapfen-Photorezeptoren noch funktionsfähig. Solange die ONL-Dicke und die Integrität der EZ im OCT erhalten bleiben, bleibt die Sehschärfe erhalten. Die Diskrepanz zwischen Fundusbefund und Sehschärfe ist ein klinisches Merkmal der BVMD und ein diagnostischer Hinweis.

Das verantwortliche Gen für Bestrophinopathien ist BEST1 (VMD2)9). Der Erbgang ist grundsätzlich autosomal-dominant (BVMD), aber in den letzten Jahren wurde auch eine autosomal-rezessive Form (ARB) nachgewiesen. BVMD ist autosomal-dominant mit unvollständiger Penetranz und variablem Phänotyp. ARB ist autosomal-rezessiv und wird durch homozygote oder compound-heterozygote Mutationen verursacht9).

Folgende repräsentative Mutationen wurden berichtet.

  • Punktmutation bei BVMD: c.851A>G (p.Tyr284Cys)6)
  • Compound-heterozygote Mutation bei ARB: c.103G>A (p.Glu35Lys) + c.313C>A (p.Arg105Ser)9)
  • Homozygote Mutation bei arBVMD: c.695T>G (p.Ile232Ser)5)

Ein vitelliformes Muster kann auch durch Mutationen in anderen Genen als BEST1 entstehen; zu den differenzialdiagnostisch relevanten Genen gehören PRPH2, IMPG1, IMPG2 und THRB3), 7). Insbesondere Mutationen im THRB-Gen (Schilddrüsenhormonrezeptor β) wurden als Ursache einer vitelliformen Makuladystrophie mit hoher intrafamiliärer phänotypischer Variabilität beschrieben3).

ARB geht häufig mit Hyperopie und verkürzter Achsenlänge einher, daher ist auf das Risiko eines Winkelblockglaukoms zu achten9).

Die Diagnose der Best-Makuladystrophie (Morbus Best) kombiniert elektrophysiologische, morphologische und genetische Untersuchungen.

EOG

Arden-Quotient : Bei allen Best-Makuladystrophien gleichmäßig erniedrigt (≤1,5). Bei dieser Erkrankung sind in nahezu 100 % der Fälle EOG-Anomalien zu beobachten, was die Untersuchung für die Diagnose entscheidend macht. Die Kombination mit einem normalen Elektroretinogramm ist charakteristisch. Bei ARB verschwindet der Lichtgipfel im EOG.

OCT/FAF

OCT : Beurteilung der Lokalisation und Zusammensetzung von Läsionen. Nützlich für die Klassifikation des Läsionstyps (vitelliform/gemischt/SRF/Atrophie). Die Zerstörung der EZ korreliert am stärksten mit dem Sehverlust. FAF : Bestätigung von Veränderungen der Eigenfluoreszenz je nach Krankheitsstadium.

OCTA

MNV-Nachweis : Überlegene MNV-Erkennungsfähigkeit im Vergleich zu FA und ICGA. Auch stationäre (nicht-exsudative) NV sind nur mittels OCTA nachweisbar. Nach Einführung der OCTA wurde die Prävalenz der MNV auf bis zu 65 % nach oben korrigiert.

Die Details jeder Untersuchung werden im Folgenden beschrieben.

  • EOG : Bei allen Best-Makuladystrophien gleichmäßig abnormal, mit einem Arden-Quotienten (Verhältnis der Potenziale bei Hell-/Dunkeladaptation) ≤1,5 5), 9). Bei arBVMD wurden Arden-Quotienten von 1,52/1,59 berichtet 5), und bei Fällen mit MNV-Komplikation ein Arden-Quotient von 1,1 8). Bei ARB verschwindet der Lichtgipfel selbst 9).
  • Elektroretinogramm (ERG) : Bei BVMD grundsätzlich normal 9). Ein normales Ganzfeld-ERG spiegelt eine RPE-spezifische Funktionsstörung wider (die periphere Netzhaut ist nicht betroffen). Bei ARB normal bis leicht abnormal 9). Die Dissoziation zwischen abnormalem EOG und normalem ERG ist ein charakteristisches elektrophysiologisches Muster der Best-Makuladystrophie.
  • Gentest : Die genetische Analyse des BEST1-Gens ermöglicht eine sichere Diagnose 6), 9). Sie wird zusammen mit einer genetischen Beratung durchgeführt. Die Suche nach anderen Genen (PRPH2, IMPG1, IMPG2, THRB) ist ebenfalls für die Differentialdiagnose nützlich.
  • OCTA : Überlegen gegenüber FA und ICGA beim Nachweis von MNV (makuläre Neovaskularisation) 4) und nützlich zur Unterscheidung zwischen exsudativer MNV und nicht-exsudativer (stationärer) NV 4). Mit der Verbreitung der OCTA wurde die geschätzte Prävalenz der MNV auf bis zu 65 % nach oben korrigiert 1).
Q Welcher Test ist für die Diagnose am wichtigsten?
A

Bei allen Bestrophinopathien findet sich einheitlich ein erniedrigter EOG-Arden-Quotient (≤1,5) in Kombination mit einem normalen Ganzfeld-ERG, was charakteristisch ist. Da bei dieser Erkrankung in nahezu 100% der Fälle eine EOG-Anomalie vorliegt, ist diese Untersuchung für die Diagnose entscheidend. Zur Bestätigung ist ein BEST1-Gentest erforderlich. Für die Suche nach einer begleitenden MNV ist die OCTA am nützlichsten, da sie auch stumme NV erkennen kann.

Für die BVMD und Bestrophinopathien gibt es derzeit keine kurative Behandlung. Die Therapie ist hauptsächlich symptomatisch und umfasst die Sehbehindertenversorgung. Hauptziel der Behandlung ist die Früherkennung und Behandlung von Komplikationen (insbesondere CNV) sowie die Erhaltung der Sehfunktion.

Bei bestätigter exsudativer MNV (choroidale Neovaskularisation) ist eine Anti-VEGF-Therapie indiziert. Bei einer CNV im atrophischen Stadium ist eine Anti-VEGF-Therapie eine Option. Bei nicht-exsudativer MNV wird eine abwartende Beobachtung ohne Behandlung empfohlen, da eine Behandlung die atrophischen Veränderungen beschleunigen könnte 1).

Die Ergebnisse der Anti-VEGF-Behandlung sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

FallMedikament / AnzahlErgebnis
12-jähriges Mädchen, choroidale NeovaskularisationBevacizumab20/125 → 20/206)
12-jähriger Junge, MNVRanibizumab 2-malMNV-Rückbildung über 2 Jahre8)
28-jährige Frau, CMEAflibercept 3-mal20/20, 15 Monate erhalten5)

Ein besonders bemerkenswerter Bericht beschreibt einen Fall, bei dem sich die MNV nach zwei Injektionen Ranibizumab (0,5 mg/0,05 ml) zurückbildete und zwei Jahre lang stabil blieb8). Bei demselben Fall wurde nach der Ranibizumab-Injektion ein vorübergehendes Verschwinden der vitelliformen Ablagerungen beobachtet. Dies ist der erste Bericht darüber8).

Für das mit ARB assoziierte zystoide Makulaödem (CME) führten drei Injektionen von Aflibercept 2,0 mg/0,05 ml zu einer Wiederherstellung des Sehvermögens auf 20/20, das 15 Monate lang erhalten blieb5).

  • Carboanhydrasehemmer : Eine einjährige Behandlung mit Augentropfen gegen die subretinale Flüssigkeit bei ARB wurde versucht, brachte jedoch keine Besserung9).
  • Regelmäßige Nachsorge : Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen einschließlich OCTA sind wichtig für die Früherkennung von nicht-exsudativer MNV oder CNV.
  • Sehbehindertenversorgung : Für Patienten mit fortschreitender Sehbehinderung sind die Verwendung von Lupen, Blendschutzbrillen und Sehhilfen sowie soziale Unterstützung wichtig.

Die Sehprognose ist nicht allzu schlecht. In vielen Fällen kann mindestens ein Auge eine korrigierte Sehschärfe von 0,5 oder besser halten, und nicht wenige Patienten behalten auch im atrophischen Stadium eine soziale Sehfunktion. Bei Auftreten einer CNV kann es jedoch zu einem raschen Sehverlust kommen, daher ist eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung zur Früherkennung einer CNV wichtig.

Q Gibt es eine Behandlung? Ist Gentherapie möglich?
A

Derzeit gibt es keine kurative Behandlung; der Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Komplikationen. Bei CNV ist eine Anti-VEGF-Therapie wirksam, und es wurde über Sehverbesserungen berichtet. Zur Gentherapie: In Hundemodellen zeigte die Behandlung mit AAV-Vektoren dramatische Effekte, und Phase-1/2-Studien sind geplant. Weitere Einzelheiten finden Sie im Abschnitt „Aktuelle Forschung und Zukunftsaussichten“.

6. Pathophysiologie und detaillierte Krankheitsmechanismen

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierte Krankheitsmechanismen“

Best1 ist ein Homopentamer auf der basolateralen Membran des RPE, das in der Mitte eine Ionenpore bildet 9). Es fungiert als Ca²⁺-aktivierter Chloridkanal (CaCC) und ist am Ionentransport und der Flüssigkeitshomöostase des RPE beteiligt 9).

  • Mutationsmechanismus der BVMD: Dominant-negativer Mechanismus. Das mutierte Protein hemmt die Funktion des Wildtyp-Best1 und führt zur Erkrankung 9).
  • Mutationsmechanismus der ARB: Null-Phänotyp (Funktionsverlust). Der Funktionsverlust beider Allele führt zu einem anderen Phänotyp als bei BVMD 9).

Studien an Hundemodellen haben gezeigt, dass eine unzureichende Entwicklung der apikalen Mikrovilli des RPE zu einer unzureichenden Bedeckung der äußeren Segmente der Zapfen führt, was Mikroablösungen verursacht 2). Diese Mikroablösungen verändern sich dynamisch als Reaktion auf Licht: Sie vergrößern sich bei Helligkeit und verkleinern sich bei Dunkelheit 2).

Die Akkumulation von Lipofuszin ist keine primäre Folge der BEST1-Gen-Anomalie, sondern resultiert aus dem Verlust der Adhäsion zwischen Photorezeptoren und RPE 1). Der Verlust der Pumpfunktion des RPE ist die Haupttriebkraft für die Akkumulation der dotterartigen Substanz 1).

Mechanismus der MNV (makulären Neovaskularisation)

Abschnitt betitelt „Mechanismus der MNV (makulären Neovaskularisation)“

Es wird angenommen, dass kontinuierlicher mechanischer, ischämischer und oxidativer Stress auf die Bruch-Membran zur VEGF-Produktion und zur Entwicklung von MNV führt 8). Exsudative MNV wächst schnell, während nicht-exsudative MNV einen langsamen Verlauf nimmt 1).

  • Aderhautdicke: nimmt während der Vitellinablagerungsphase zu und wird während der Atrophie-/Fibrosephase dünner1).
  • Tiefer Kapillarplexus (DCP): Eine Abnahme der Gefäßdichte ist mit rascher Progression verbunden1).
  • Choriokapillaris (CC): Die Schädigung beginnt bereits in der subklinischen Phase1).
  • Vollschichtiges Makulaloch: Wird als seltene Komplikation berichtet1).
  • RPE vs. Photorezeptoren: Studien mit AO-ICG zeigten, dass RPE-Zellen schwerer geschädigt werden als Zapfen1).

7. Aktuelle Forschung und Zukunftsperspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)

Abschnitt betitelt „7. Aktuelle Forschung und Zukunftsperspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)“

Die Gentherapieforschung unter Verwendung eines Hunde-Modells der Best-Krankheit hat bedeutende Fortschritte gemacht.

In einer Studie zur Gentherapie mit dem AAV2/2-hVMD2-cBEST1-Vektor bei einem Hunde-Modell der BVMD bildeten sich die Läsionen der Pseudohypopyon-Phase innerhalb von zwei Wochen zurück, und die Wiederherstellung des Kontakts zwischen RPE und Photorezeptoren sowie die Reparatur der Grenzfläche wurden bestätigt2). Der therapeutische Effekt blieb über mehr als 33 Monate stabil erhalten2).

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse ist eine klinische Phase-1/2-Studie am Menschen geplant2). Die Gentherapie befindet sich derzeit in der präklinischen Phase, und ihre Anwendung beim Menschen muss die Ergebnisse zukünftiger klinischer Studien abwarten.

Fortschritte der OCTA-Technologie und Neubewertung der MNV-Prävalenz

Abschnitt betitelt „Fortschritte der OCTA-Technologie und Neubewertung der MNV-Prävalenz“

Mit der Verbreitung der OCTA (Optische Kohärenztomographie-Angiographie) ist es möglich geworden, stille (nicht-exsudative) MNV zu erkennen, die mit herkömmlicher Fluoreszenzangiographie (FA) oder ICGA schwer nachweisbar waren4). Dadurch wurde die Schätzung der MNV-Prävalenz bei Patienten mit Best-Krankheit auf bis zu 65 % nach oben korrigiert1), was das Verständnis des natürlichen Krankheitsverlaufs erheblich verändert.

Mutationen im THRB-Gen (Schilddrüsenhormonrezeptor β) wurden als Ursache für vitelliforme Makuladystrophie berichtet und stellen eine neue Erkenntnis dar, die einen Teil der Patienten mit negativem BEST1-Genmutationstest erklären könnte3). Zudem wurde gezeigt, dass IMPG2-Mutationen sowohl den ARB- als auch den AVMD-Phänotyp verursachen können7), wodurch die Vielfalt der genetischen Ursachen aufgeklärt wird.

Die Klassifikation der Läsionstypen mittels OCT (vitelliformer Typ, Mischtyp, SRF-Typ, Atrophietyp) wurde systematisiert1), und die Grundlage für die Nutzung zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs und zur Bestimmung von Therapieindikationen wird etabliert. Die Integrität der Ellipsoidzone der Photorezeptoren (EZ) wurde als wichtigster Prädiktor für die Sehprognose identifiziert1).


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