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Hornhaut und äußeres Auge

Konjunktivitis

Konjunktivitis ist der Oberbegriff für Entzündungen der Bindehaut. Sie ist gekennzeichnet durch Rötung und Schwellung infolge einer Erweiterung der Bindehautgefäße und geht in der Regel mit Augensekret einher. Die Häufigkeit variiert je nach Ursache, Alter und Jahreszeit.

Konjunktivitis wird grob in infektiöse und nicht-infektiöse Formen unterteilt.

  • Infektiös: Viren, Bakterien und Chlamydien sind die häufigsten Erreger. Etwa 80 % der infektiösen Konjunktivitiden bei Erwachsenen sind viral, gefolgt von bakteriellen Infektionen. Bei Kindern treten bakterielle und virale Konjunktivitiden etwa gleich häufig auf.
  • Nicht infektiös: Die allergische Konjunktivitis ist die häufigste Form, von der 15–40 % der Bevölkerung betroffen sind. Sie kann auch als Folge von Medikamententoxizität oder systemischen Erkrankungen (z. B. Sarkoidose) auftreten.

Zu den infektiösen Konjunktivitiden, deren Auftreten durch das Infektionssurveillance-System des japanischen Gesundheitsministeriums überwacht wird, gehören die epidemische Keratokonjunktivitis (EKC), das Pharyngokonjunktivalfieber (PCF) und die akute hämorrhagische Konjunktivitis (AHC).

In den letzten Jahren wurde die Konjunktivitis als okuläres Symptom von COVID-19 beachtet. Die Gesamtinzidenz der Konjunktivitis bei hospitalisierten Patienten beträgt etwa 5,9 %, bei schweren Fällen steigt sie auf 12,7 % 4).

Q Ist Konjunktivitis ansteckend?
A

Infektiöse Konjunktivitiden (viral und bakteriell) werden durch Kontaktinfektion auf andere übertragen. Insbesondere Adenoviren haben ein hohes Übertragungsrisiko von 10–50 %. Die allergische Konjunktivitis hingegen ist nicht infektiös und nicht ansteckend. Details finden Sie unter „Ursachen und Risikofaktoren“.

Conjunctivitis image
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Sinan Albear, Stephen LoBue, Ayorinde Cooley, Traeson Brandenburg, et al. Povidone-Iodine as an Adjuvant Therapy for Refractory Gonorrhea Keratoconjunctivitis: A Case Report 2025 May 7 Cureus.; 17(5):e83676 Figure 2. PMCID: PMC12143893. License: CC BY.
A zeigt unter Fluorescein-Färbung eine diffuse superfizielle Punktepithelkeratopathie der rechten Hornhaut. B zeigt einen großen epithelialen Defekt des linken Auges; beide Augen weisen konjunktivale Injektion und Lidödeme auf.

Die häufigsten subjektiven Symptome einer Konjunktivitis sind wie folgt.

  • Fremdkörpergefühl: Verursacht durch Hornhautepithelschäden oder mechanische Reizung durch konjunktivale Papillen. Tritt sowohl bei infektiösen als auch bei nicht infektiösen Formen auf.
  • Rötung (Injektion): Durch Erweiterung der Bindehautgefäße. Der häufigste klinische Befund.
  • Sekretion (Augenausfluss): Die Beschaffenheit variiert je nach Ursache (siehe unten).
  • Tränenfluss: Aufgrund gesteigerter reflektorischer Tränensekretion. Steht auch im Zusammenhang mit Schmerzen durch Epithelschäden.
  • Juckreiz: Das charakteristischste Symptom bei allergischen Bindehauterkrankungen (ACD). Wird durch Histamin verursacht, das aus Mastzellen freigesetzt wird und die C-Fasern des Trigeminusnervs stimuliert.

Die Beschaffenheit des Ausflusses ist ein wichtiger Hinweis für die Ursachenermittlung.

ÄtiologieBeschaffenheit des Ausflusses
GonokokkenReichlich, gelb, rein eitrig
Pneumokokken, Hämophilus influenzaeReichlich, gelb-weiß, serös-eitrig
StaphylokokkenReichlich, grau-weiß
AdenovirenReichlich, serös-fibrinös
AllergieMäßig, fibrinös

Die klinischen Befunde der Konjunktivitis sind je nach Ursache und Pathologie vielfältig.

Katarrhalisch

Konjunktivale Injektion: Hyperämie sowohl der Bulbär- als auch der Lidbindehaut. Am stärksten im Bindehautfornix.

Mukopurulentes Sekret: Typisch für bakterielle Konjunktivitis.

Keine Follikel oder Papillen: Charakteristisch für Staphylokokken-Konjunktivitis.

Follikulär

Konjunktivale Follikel: Lymphfollikel mit überwiegend B-Zellen. Häufig im unteren Bindehautfornix.

Seröses Sekret: Charakteristisch für virale Konjunktivitis.

Präaurikuläre Lymphadenopathie: Tritt bei Adenovirus- und Chlamydieninfektionen auf.

Eitrig

Starke eitrige Sekretion: Gelb-cremiges Sekret, das aus der Lidspalte quillt.

Lidschwellung und Bindehautödem (Chemosis): Ausdruck einer starken Entzündung.

Risiko einer Hornhautperforation: Charakteristisch für die gonokokkenbedingte Konjunktivitis.

Weitere wichtige Befunde:

  • Bindehautpapillen: Treten bei verschiedenen chronischen Entzündungen auf. Ab einem Durchmesser von 1 mm spricht man von Riesenpapillen, die typisch für das Frühjahrskatarrh und die kontaktlinsenassoziierte Riesenpapillenkonjunktivitis sind. Im Spaltlampenmikroskop werden Papillen durch von der Mitte ausgehende Gefäße und Follikel durch randständige Gefäße unterschieden.
  • Bindehautblutung: Charakteristisch als Blutungsflecken bei der Enterovirus-Konjunktivitis. Bei ACD kaum zu beobachten.
  • Bindehautödem (Chemosis): Durch Austritt von Plasmabestandteilen. Häufig bei ACD, tritt aber auch bei akuten Infektionen auf.
  • Pseudomembran: Bei starker Entzündung gerinnen Fibrin und Neutrophile zu einer membranartigen Schicht. Häufig bei der Adenovirus-Konjunktivitis (besonders bei Säuglingen und Kleinkindern). Bei Kleinkindern löst sich aufgrund der unreifen Epithelstruktur das gesamte infizierte Epithel, und bei Ablösung tritt wenig Blutung auf. Bei Erwachsenen kommt es bei Ablösung zu Blutungen.
  • Bindehautnarbenbildung: Tritt als irreversible Entzündungsfolge auf. In schweren Fällen kommt es zu Symblepharon (Verklebung von Lid- und Augapfelbindehaut).
  • Multiple subepitheliale Hornhautinfiltrate (MSI): Punktuelle Infiltrate in der oberflächlichen Hornhaut, die 5–10 Tage nach Ausbruch der EKC auftreten. Ein charakteristischer Befund der EKC.
  • Unterscheidung zwischen konjunktivaler und ziliarer Injektion: Die konjunktivale Injektion ist am stärksten im Fornix und schwächt sich zum Limbus hin ab, oberflächlich und hellrot. Die ziliare Injektion ist am stärksten am Limbus, tief gelegen und violett-rot.

Bei einer COVID-19-assoziierten Konjunktivitis zeigen sich follikuläre Reaktion, Bindehautödem und seröses Sekret3). Es gibt auch Berichte über pseudomembranöse Entzündung und subkonjunktivale Blutungen3).

Q Kann man anhand der Farbe des Augensekrets die Ursache erkennen?
A

Die Beschaffenheit des Augensekrets kann ein Hinweis auf die Ursache sein. Gelb-cremiges, stark eitriges Sekret deutet auf Gonokokken hin, gelb-weißliches serös-eitriges Sekret auf Pneumokokken oder Haemophilus influenzae, und serös-fibrinöses Sekret auf Adenoviren. Zur endgültigen Diagnose ist jedoch eine mikrobiologische Untersuchung erforderlich.

Bei der bakteriellen Konjunktivitis unterscheidet sich die Erregertendenz je nach Altersgruppe.

AltersgruppeHaupterreger
NeugeboreneGonokokken, Chlamydien, Herpes-simplex-Virus
Säuglinge und KleinkinderHaemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, Moraxella
ErwachseneStaphylokokken
Ältere ErwachseneStaphylokokken, Streptococcus pneumoniae, Corynebacterium

In den letzten Jahren ist ein zunehmender Trend resistenter Bakterien wie methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA), penicillinresistenter Streptococcus pneumoniae (PRSP) und arzneimittelresistenter Haemophilus influenzae (BLNAR) zu beobachten, was in einigen Fällen zu einer schwer behandelbaren Konjunktivitis führt.

Gonokokken sind die einzigen Bakterien, die ein gesundes Hornhautepithel infizieren können; wenn die Entzündung auf die Hornhaut übergreift, kann dies zu einer Perforation führen. Bei Erwachsenen tritt sie als sexuell übertragbare Infektion auf. In Japan wird berichtet, dass der Anteil fluorchinolonresistenter Gonokokken 80 % übersteigt2).

Die wichtigsten Viren, die eine Konjunktivitis verursachen, lassen sich in die folgenden drei Gruppen einteilen.

  • Adenoviren: Sie machen 65–90 % der Viren aus, die eine Konjunktivitis verursachen. Es gibt zwei klinische Formen: die epidemische Keratokonjunktivitis (EKC) und das Pharyngokonjunktivalfieber (PCF). Die Haupterreger der EKC sind die neuen D-Serotypen 54, 56 und 64. Die Ursachen des PCF sind Adenovirus-Serotypen 3, 4, 7 und andere.
  • Enteroviren: Ursache der akuten hämorrhagischen Konjunktivitis (AHC). Dazu gehören Enterovirus 70 (EV70) und das Coxsackievirus A24-Variante (CA24v). Die Inkubationszeit ist mit einem halben bis einem Tag kurz. Die Heilung erfolgt in etwa einer Woche ohne Folgen.
  • Herpesviren: Das Herpes-simplex-Virus (HSV) macht 1,3–4,8 % aller akuten Konjunktivitiden aus. In der Regel einseitig. Das Vorhandensein von Bläschen um die Augenlider und einer Keratitis ist für die Differentialdiagnose wichtig.

Die durch Chlamydia trachomatis verursachte Konjunktivitis wird in Trachom und Einschlusskörperchen-Konjunktivitis unterteilt. Was heute in Japan vorkommt, ist die Einschlusskörperchen-Konjunktivitis, eine der sexuell übertragbaren konjunktivalen Infektionen. Bei einer länger anhaltenden, auf Antibiotika nicht ansprechenden follikulären Konjunktivitis (mit vergrößerten Follikeln) sollte eine Chlamydieninfektion vermutet werden. Chlamydien können sich nur intrazellulär vermehren, weshalb die Behandlung langwierig ist.

Es handelt sich um eine Typ-I-Allergiereaktion auf vorübergehende Allergene (z. B. Pollen) oder beständige Allergene (z. B. Hausstaubmilben). Eine aktuelle oder frühere Vorgeschichte von atopischen Erkrankungen (Ekzem, Asthma, Nesselsucht, Rhinitis) ist ein Risikofaktor. Sie tritt häufiger im Frühling und Sommer auf.

Neonatale Konjunktivitis wird hauptsächlich durch eine Infektion während der Geburt (vertikale Infektion) verursacht. Es gibt charakteristische Zusammenhänge zwischen dem Erreger und der Inkubationszeit. Gonokokken manifestieren sich 1–3 Tage nach der Geburt, Chlamydien nach 3–10 Tagen und Moraxella nach 7–10 Tagen oder später. Die gonokokkale Konjunktivitis birgt ein hohes Risiko für eine Hornhautperforation.

In Japan wird eine neonatale Augenprophylaxe mit Fluorchinolon-Augentropfen durchgeführt, jedoch wurden Durchbruchsinfektionen durch Fluorchinolon-resistente Gonokokken berichtet2).

Eine konjunktivale Injektion kann als Teilsymptom systemischer Infektionskrankheiten auftreten. Dies wird bei Masern, Röteln, Kawasaki-Syndrom und Dengue-Fieber beobachtet; eine Behandlung mit Augentropfen ist hier nicht erforderlich. Beim Kawasaki-Syndrom ist die beidseitige nicht-eitrige Konjunktivitis (mit Aussparung des Limbus) eines der diagnostischen Kriterien7).

Eine Konjunktivitis ist das häufigste okuläre Symptom von COVID-196). Der ACE-2-Rezeptor von SARS-CoV-2 wird in der Hornhaut und Bindehaut exprimiert, wodurch die Augenoberfläche ein Infektionsziel darstellen kann3). Es wurde auch über Fälle berichtet, in denen eine Konjunktivitis als einziges Symptom von COVID-19 auftrat3).

Q Stellen Kontaktlinsen ein Risiko für eine Bindehautentzündung dar?
A

Das Tragen von Kontaktlinsen kann eine riesenpapilläre Konjunktivitis (CL-RPK) verursachen. Der ständige Kontakt und die Reizung der oberen tarsalen Bindehaut durch die Linse führt zu Entzündungen und Riesenpapillen. Darüber hinaus stellt eine Verunreinigung der Linsen oder Aufbewahrungslösung ein Risiko für eine infektiöse Konjunktivitis dar, weshalb eine sorgfältige Linsenpflege wichtig ist.

Die Diagnose einer Konjunktivitis basiert auf den klinischen Befunden und mikrobiologischen Untersuchungen.

Mikrobiologische Untersuchungen zum Erregernachweis sind der Schlüssel zur Diagnose8).

  • Abstrichmikroskopie: Mikroskopische Untersuchung eines Ausstrichpräparats von Augenabsonderung oder Bindehautabkratzung.
    • Giemsa-Färbung: Mehrzweck-Screening-Färbung. Mit der einfachen Schnellfärbelösung Diff-Quick® können in 15 Sekunden nahezu gleichwertige Färbeergebnisse wie mit der konventionellen Methode erzielt werden8). Mikroorganismen färben sich alle blau an.
    • Gram-Färbung: Unterscheidung zwischen grampositiven und gramnegativen Bakterien. Mit dem Schnellkit Favor G® ist eine Färbung in 3 Minuten möglich8).
    • Bei bakterieller Konjunktivitis zeigt sich eine neutrophile, bei viraler eine lymphozytäre (mononukleäre) Infiltration.
  • Kulturuntersuchung: Ermöglicht die Identifikation des Erregers und die Empfindlichkeitstestung. Die Probenentnahme erfolgt mit einem Transportmedium-Swab; die Probe muss rasch zur Kultur eingeschickt werden. Kühllagerung wird empfohlen. Allerdings wird nur bei etwa der Hälfte der bakteriellen Konjunktivitiden der Erreger nachgewiesen. Eine Kultur wird empfohlen bei Neugeborenen, Rezidiven, therapieresistenten Fällen und Verdacht auf Gonokokken.
  • Adenovirus-Antigen-Schnelltest: Immunochromatographie (Adenocheck®, Capilia® Adeno Eye) zur Schnelldiagnose. Die Sensitivität beträgt etwa 80%, falsch-negative Ergebnisse sind zu beachten. Es stehen auch minimalinvasive Kits mit Tränenflüssigkeit als Probe zur Verfügung.
  • Allerwatch® Tränen-IgE: Misst den Gesamt-IgE-Spiegel in der Tränenflüssigkeit mittels Immunochromatographie. Die Spezifität liegt bei nahezu 100%. Die Sensitivität beträgt bei allergischer Konjunktivitis etwa 60%, beim Frühlingskatarrh etwa 90% und variiert je nach Schweregrad.
  • Eosinophilenfärbung (z. B. Eosinostain®): Der Nachweis von Eosinophilen im Bindehautsekret ermöglicht die Diagnose einer allergischen Konjunktivitis (ACD).

Chlamydien werden mittels Immunfluoreszenztest oder PCR aus Bindehautabstrichen diagnostiziert. Liegt bereits eine Diagnose einer Chlamydieninfektion aus einem anderen Fachbereich vor, ist eine erneute augenärztliche Untersuchung nicht erforderlich. Für das Herpes-simplex-Virus sind Immunfluoreszenztest und PCR hilfreich, jedoch kann das Virus auch asymptomatisch in der Tränenflüssigkeit ausgeschieden werden, sodass ein positives Ergebnis nicht zwingend eine Pathogenität widerspiegelt.

Für die Differenzialdiagnose der infektiösen Konjunktivitis sind folgende klinische Befunde hilfreich.

UrsacheBindehautbefundInkubationszeitPrähirale Lymphknoten
Adenovirus (EKC)Akute follikulär (schwer)Etwa 7 TageVorhanden
Adenovirus (PCF)Akute follikulär (leicht)etwa 7 Tagevorhanden
Enterovirus (AHC)akute hämorrhagische½ bis 1 Tagvorhanden
bakteriellkatarrhalischunbestimmtkein
Chlamydiensubakute follikuläreunbestimmtvorhanden

Die Behandlung der Konjunktivitis richtet sich nach der Ursache. Grundlage ist die Wahl der Therapie auf der Grundlage einer korrekten Diagnose.

Als Erstbehandlung wird eine empirische Therapie durchgeführt; je nach Kulturergebnis wird das Medikament gewechselt.

  • Erwachsene: Unter Berücksichtigung von Staphylokokken werden Fluorchinolon-Augentropfen (Levofloxacin, Gatifloxacin, Moxifloxacin etc.) oder Cephem-Augentropfen gewählt. 3- bis 4-mal täglich eintropfen.
  • Kinder: Unter Annahme von Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae und Moraxella werden Cephem- oder Makrolid-Antibiotika gewählt. Bei den Fluorchinolonen ist Tosufloxacin (Ozex®/Tosflo®) für Kinder zugelassen.
  • Neugeborene: Cefmenoxim (β-Lactam-Antibiotikum, Bestron® Augentropfen 0,5 %) ist die erste Wahl. 5-mal täglich eintropfen.

Die Wirkung antibiotischer Augentropfen tritt in der Regel nach einigen Tagen ein, und die Heilung erfolgt innerhalb von etwa einer Woche. Bei anhaltenden Symptomen sind Resistenzen, Chlamydieninfektion, allergische Konjunktivitis oder Canaliculitis in Betracht zu ziehen.

  • Gonokokken-Konjunktivitis: Häufig resistent gegen Fluorchinolone. Cephalosporine sind die erste Wahl; bei multiresistenten Gonokokken wird zusätzlich Ceftriaxon (Rocephin®) intravenös verabreicht2).
  • MRSA: Ofloxacin-Augentropfen (Ofsalon®), Vancomycin-Augensalbe oder selbst zubereitete Arbekacin®-Augentropfen (1 Ampulle in 20 ml Kochsalzlösung gelöst) werden verwendet.
  • Moraxella-Konjunktivitis: In der Regel sprechen die meisten Antibiotika an. Fluorchinolon-haltige Augentropfen 3-mal täglich. Bei Blepharitis/angularer Konjunktivitis Augensalbe 2-mal täglich.
  • Neugeborene: Ofloxacin (Tarivid®) Augensalbe 0,3 % 5-mal täglich für etwa 8 Wochen. Bei schweren Fällen oder systemischen Symptomen wird zusätzlich Azithromycin (Zithromac® Kinderpulver 10 %) 10 mg/kg 1-mal täglich für 3 Tage verabreicht.
  • Erwachsene: Zusätzlich zur langfristigen lokalen Behandlung wird Azithromycin oder Doxycyclin oral verabreicht.
  • Adenoviren: Derzeit gibt es keine wirksamen antiviralen Medikamente. Antibiotische Augentropfen zur Sekundärinfektionsprophylaxe und nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) Augentropfen werden eingesetzt. Bei MSI sind steroidale Augentropfen wirksam. Infektionsschutzmaßnahmen (Händewaschen, Instrumentendesinfektion, Reinigung der Untersuchungsräume) sind am wichtigsten.
  • Herpetische Konjunktivitis: Aciclovir (Zovirax®) Augensalbe 5-mal täglich. Bei Herpes zoster wird eine systemische Verabreichung von Anti-Herpes-Virus-Medikamenten durchgeführt; bei reiner Konjunktivitis ist eine lokale Behandlung in der Regel nicht erforderlich.
  • Pharyngokonjunktivales Fieber: Symptomatische Behandlung analog zur EKC. Schwimmbadbesuche sind für 1 Monat verboten.
  • Akute hämorrhagische Konjunktivitis: Es gibt keine spezifische Behandlung; sie beschränkt sich auf antibiotische Augentropfen zur Sekundärinfektionsprophylaxe. Die Heilung erfolgt in etwa 1 Woche ohne Folgen.

Leicht bis mittelschwer

Antihistaminika-Augentropfen: Olopatadin (Patanol®), Epinastin (Alesion®), Levocabastin (Livostin®) u.a.

Mastzellstabilisatoren: Cromoglicinsäure (Intal®) u.a. Eine prophylaktische Anwendung vor Beginn der Pollensaison ist wirksam.

Schwer

Steroid-Augentropfen: Niedrig dosiert und kurzzeitig anwenden. Auf das Risiko von Augeninnendruckerhöhung und Glaukom achten.

Ciclosporin-Augentropfen: Anwendung bei schweren Fällen wie Frühlingskatarrh (Keratokonjunktivitis vernalis).

Die Behandlung der Grunderkrankung ist grundlegend. Bei Bindehautentzündung werden Steroid-Augentropfen (Dexamethason 4- bis 6-mal täglich oder Fluorometholon 3-mal täglich) eingesetzt. Pseudomembranen werden bei Hornhautepithelschädigung vorsichtig mit einer Pinzette entfernt. Dabei ist auf minimale Beeinträchtigung und Blutung der Bindehaut zu achten. Bei lignöser Konjunktivitis, an der Tranexamsäure beteiligt ist, führt das Absetzen zur Besserung5).

Q Sind Antibiotika bei viraler Konjunktivitis erforderlich?
A

Es gibt keine wirksamen antiviralen Medikamente gegen Adenoviren. Zur Sekundärinfektionsprophylaxe werden manchmal antibakterielle Augentropfen eingesetzt, eine routinemäßige Anwendung wird jedoch nicht empfohlen. Die meisten Fälle heilen innerhalb von 1 bis 2 Wochen spontan ab. Bei Auftreten von MSI (multiple subepitheliale Hornhautinfiltrate) sind Steroid-Augentropfen wirksam.

6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus“

Die Bindehaut ist eine dünne, gefäßreiche Schleimhaut aus nicht verhornendem mehrschichtigem Plattenepithel, die die Innenseite der Augenlider und die vordere Sklera bedeckt. Das von den Becherzellen der Bindehaut sezernierte Mucin (MUC-5AC) trägt zur Stabilität des Tränenfilms bei. In der Lamina propria sind akzessorische Tränendrüsen (Krause-Drüsen, Wolfring-Drüsen) verteilt, die Tränenflüssigkeit sezernieren.

  • Bakteriell: Entsteht durch übermäßiges Wachstum der normalen Bindehautflora oder direkte Infektion von außen. Bakterien dringen vom Bindehautepithel aus gelegentlich bis in die Lamina propria ein. Gonokokken haften über Pili und Außenmembranproteine an Schleimhautepithelzellen und können auch in gesundes Hornhautepithel eindringen. Das Lipooligosaccharid (LOS) der Außenmembran wirkt als Endotoxin.
  • Viral (Adenovirus): Hochansteckend, Inkubationszeit 5 bis 12 Tage, Infektiositätsdauer schätzungsweise 10 bis 14 Tage. Die Entzündung ist überwiegend lymphozytär und durch follikuläre Reaktionen gekennzeichnet. Bei EKC treten als Immunreaktion MSI unter dem Hornhautepithel auf.
  • Chlamydien: Elementarkörperchen dringen in Wirtszellen ein, werden zu Retikularkörperchen und vermehren sich. Sie wandeln sich wieder in Elementarkörperchen um und werden aus der Zelle freigesetzt. Da Medikamente nur gegen Retikularkörperchen wirken, ist eine Langzeittherapie zur Beseitigung der Elementarkörperchen erforderlich.

Eine Typ-I-Allergiereaktion liegt zugrunde. Wenn Allergene oberflächliche IgE-Rezeptoren quervernetzen, werden Mastzellen der Bindehaut aktiviert und setzen Histamin, Leukotriene, Prostaglandine und Zytokine frei. Diese erhöhen die Gefäßpermeabilität und verursachen Ödeme sowie Infiltration von Eosinophilen und Neutrophilen.

Mechanismus der pseudomembranösen und lignösen Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Mechanismus der pseudomembranösen und lignösen Konjunktivitis“

Die Pseudomembran ist eine membranartige Struktur aus Fibrin, Neutrophilen und Exsudat, die bei starker Entzündung auf der Bindehautoberfläche entsteht. Die lignöse Konjunktivitis wird durch eine rezessive Mutation des PLG-Gens verursacht, die zu einem Plasminogenmangel Typ I führt5). Plasminogen ist die Vorstufe von Plasmin, dem Hauptenzym der Fibrinolyse; bei Mangel wird die Fibrinentfernung von der Schleimhautoberfläche beeinträchtigt, was zur Bildung einer holzartigen (woody) dicken Pseudomembran führt5).

Mechanismus der COVID-19-assoziierten Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Mechanismus der COVID-19-assoziierten Konjunktivitis“

SARS-CoV-2 nutzt den ACE-2-Rezeptor für den Eintritt in Wirtszellen. Der ACE-2-Rezeptor wird auch auf Hornhaut und Bindehaut exprimiert3), sodass die Augenoberfläche ein Infektionsziel darstellen kann. Es wird auch vermutet, dass das Virus über den Tränen-Nasen-Gang in die Atemwege gelangen kann3). Die hohe Häufigkeit einer Konjunktivitis bei schwerem COVID-19 könnte die Ausbreitung des systemischen Zytokinsturms auf die Augenoberfläche widerspiegeln4).


In der Phase-3-INVIGORATE-Studie (Crossover, vierfach verblindet) bei Patienten mit saisonaler allergischer Konjunktivitis verbesserte eine 0,25%ige Reproxalap-Augentropfenlösung den Juckreiz-Score (mittlere Differenz −0,50; p < 0,001) und den konjunktivalen Hyperämie-Score (mittlere Differenz −0,14; p < 0,001) signifikant gegenüber dem Vehikel1). Reproxalap ist ein Wirkstoff mit einem neuartigen Mechanismus, der reaktive Aldehydspezies (RASP) chemisch abfängt und dadurch indirekt die der Entzündungskaskade vorgelagerten Signalwege wie NF-κB und das Inflammasom reguliert1). Da 45 % der FDA-Nebenwirkungsberichte zu bestehenden Antihistaminika auf „Therapieversagen” zurückgehen, stellt es eine vielversprechende neue Behandlungsoption dar1).

Aus Japan wurde über eine neonatale Gonokokken-Konjunktivitis durch Fluorchinolon-resistente Neisseria gonorrhoeae (Levofloxacin-MHK 12 μg/mL) berichtet2). Trotz prophylaktischer Gabe von Levofloxacin-Augentropfen trat die Erkrankung auf und heilte unter intravenösem Cefotaxim und oralem Azithromycin aus2). Die Gesamtgenomanalyse ergab Missense-Mutationen in den Genen gyrA und parC2). In einigen europäischen Ländern wurde trotz Abschaffung der routinemäßigen Neugeborenen-Augenprophylaxe kein Anstieg der Gonokokken-Konjunktivitis beobachtet2), was für eine Stärkung des mütterlichen Screenings und eine Neugestaltung der Präventionsstrategien spricht.

Eine Metaanalyse von 11 Studien mit 2308 Patienten zeigte, dass die Inzidenz einer Konjunktivitis bei schwer an COVID-19 erkrankten Patienten signifikant höher war (OR 2,4; 95%-KI 1,4–4,0; p = 0,002)4). Dieser Zusammenhang wurde sowohl bei Asiaten (OR 2,5) als auch in der europäisch-mediterranen Region (OR 2,3) bestätigt4). Ob die Konjunktivitis als Schweregradmarker für COVID-19 dienen kann, bedarf weiterer prospektiver Studien.

Entwicklung von Therapien für die lignöse Konjunktivitis

Abschnitt betitelt „Entwicklung von Therapien für die lignöse Konjunktivitis“

Für Patienten mit angeborenem Hydrozephalus und später Ligneous-Conjunctivitis gibt es einen Bericht über eine vorübergehende Symptomfreiheit durch die Kombination von Tacrolimus 0,01% Augentropfen, autologem Serum 20%, Fresh-Frozen-Plasma (FFP)-Augentropfen und chirurgischer Exzision5). Plasminogen-Augentropfen und intravenöse Gabe sind in einigen Regionen verfügbar und gelten als vielversprechende zukünftige Behandlungsoptionen5).


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