Das Pharyngokonjunktivalfieber (pharyngoconjunctival fever, PCF) ist eine akute Virusinfektion mit den drei Hauptsymptomen Fieber, Rachenentzündung und Bindehautentzündung. Im Volksmund wird es auch „Schwimmbadfieber” genannt, da es im Sommer häufig über Schwimmbäder zu Ausbrüchen unter Kindern kommt. Bei fehlender Bindehautentzündung wird es in der Pädiatrie oft als „Sommergrippe” diagnostiziert.
Zu den durch Adenoviren (AdV) verursachten viralen Bindehautentzündungen gehören zwei Hauptkrankheitsformen: die epidemische Keratokonjunktivitis (EKC) und das Pharyngokonjunktivalfieber (PCF). Während bei der EKC lokale Augen symptom (Keratitis, multiple subepitheliale Hornhautinfiltrate) im Vordergrund stehen, ist das PCF durch systemische Symptome wie Rachenentzündung und Fieber gekennzeichnet1).
Die vollständige Form (alle drei Hauptsymptome Fieber, Rachenentzündung und Bindehautentzündung) ist selten; häufiger treten unvollständige Formen mit nur „Rachenentzündung und Bindehautentzündung” oder „Fieber und Bindehautentzündung” auf. Unvollständige Formen erfüllen nicht die Meldekriterien und sind daher nicht in den Statistiken enthalten, treten aber häufig im Umfeld von Patienten mit vollständiger Form auf1).
Einordnung nach dem Infektionsschutzgesetz und dem Schulgesundheitsgesetz
Infektionsschutzgesetz: Klasse-5-Infektionskrankheit (Meldung durch ca. 3.100 pädiatrische Sentinelleinrichtungen landesweit). EKC wird über ophthalmologische Sentinelleinrichtungen (ca. 690 Einrichtungen) gemeldet; die Meldewege unterscheiden sich1)
Verordnung zur Durchführung des Schulgesundheitssicherungsgesetzes: Einstufung als Krankheitskategorie 2. Schulausschluss bis 2 Tage nach Abklingen der Hauptsymptome (abweichend von EKC, das als Kategorie 3 eingestuft ist und Schulausschluss bis zur ärztlichen Feststellung der Infektionsfreiheit vorsieht)
Meldekriterien: Erfüllung aller drei Kriterien – Fieber, Rachenrötung und Bindehautrötung1)
Die Entwicklung der PCF-Patientenzahlen in den letzten 10 Jahren ist nachfolgend dargestellt1).
Zeitraum
PCF-Patienten pro Sentinelleinrichtung (pro Jahr)
Vor der Pandemie (Durchschnitt 2013–2019)
23,3 ± 3,2
Pandemiephase (Durchschnitt 2020–2022)
11,0 ± 0,17 (etwa auf die Hälfte reduziert)
2023 (Post-Pandemie)
56,7 (etwa doppelt so hoher Wiederanstieg wie üblich)
Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie (Händewaschen, Tragen von Masken, Schließung von Schwimmbädern usw.) halbierte sich die Zahl der PCF-Patienten während der Pandemie etwa. Im Jahr 2023 wurde als Gegenreaktion ein etwa doppelt so hoher Wiederanstieg wie üblich berichtet, sodass die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgt werden muss1).
QWarum tritt das Schwimmbadfieber im Sommer häufiger auf?
A
Das Pharyngokonjunktivalfieber wird auch als „Schwimmbadfieber“ bezeichnet, da die Infektion im Sommer leicht über Schwimmbäder übertragen wird. Wenn das Schwimmbadwasser mit Adenoviren kontaminiert ist, können die Viren beim Schwimmen leicht über Augen, Nase und Mund eindringen. Auch die Tatsache, dass Kinder im Sommer häufiger in Gruppen im Wasser spielen, ist ein Faktor. Es werden auch im Winter Erkrankungen beobachtet; es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen- und Kontaktinfektion das ganze Jahr über auftreten kann.
Inkubationszeit: 3–5 Tage (kürzer als 7–14 Tage bei EKC)
Follikuläre Konjunktivitis: Mäßige Rötung und Follikelbildung. Ähnlich wie bei EKC, aber insgesamt milder
Lidschwellung: Relativ mild
Präaurikuläre Lymphknoten: Mit Schwellung und Druckempfindlichkeit
Verlauf der Konjunktivitis: Heilt in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen ab
Wichtige Unterschiede zur EKC
Keine MSI: Multiple subepitheliale Hornhautinfiltrate (MSI) treten nicht auf (bei EKC ab dem 4.–5. Krankheitstag)
Keratitis mild: Nur vorübergehende punktförmige Keratitis im oberen peripheren Hornhautbereich. Verschwindet nach etwa 1 Woche, keine Steroidbehandlung erforderlich
Wenige Folgeerscheinungen: Hinterlässt fast nie Hornhauttrübungen oder langfristige Sehstörungen
Systemische Symptome stehen im Vordergrund: Fieber und Halsschmerzen dominieren das Krankheitsbild
Die Adenovirus-Konjunktivitis bei Säuglingen und Kleinkindern zeigt ein anderes Krankheitsbild als bei Erwachsenen und Schulkindern1).
Pseudomembranöse Konjunktivitis steht oft im Vordergrund (Follikelbildung ist aufgrund des unterentwickelten adenoiden Gewebes gering)
Präaurikuläre Lymphknotenschwellung tritt ebenfalls seltener auf
Mehr als die Hälfte hat systemische Symptome wie Fieber, Pharyngitis, Bronchitis, Otitis media, Durchfall und Erbrechen
Es kann zu schwerer epithelialer Keratitis und Hornhauterosion kommen, die bei bakterieller Superinfektion zu einem Hornhautulkus fortschreiten können
QWas ist der Unterschied zwischen Pharyngokonjunktivalfieber und epidemischer Keratokonjunktivitis?
A
Der Hauptunterschied liegt im Vorhandensein von subepithelialen Hornhautinfiltraten (MSI) und im Ausmaß der systemischen Symptome. Die epidemische Keratokonjunktivitis (EKC) wird durch Adenoviren der Spezies D verursacht. Etwa eine Woche nach Krankheitsbeginn treten multiple subepitheliale Infiltrate in der Hornhaut auf, die unbehandelt über Jahre hinweg zu Photophobie und Sehstörungen führen können. Das Pharyngokonjunktivalfieber (PCF) hingegen wird durch Spezies B (hauptsächlich AdV3) verursacht, verursacht keine MSI, und systemische Symptome wie Fieber und Halsschmerzen stehen im Vordergrund. Auch nach dem Schulgesundheitsgesetz sind PCF als Typ 2 (etwa 2 Tage nach Entfieberung) und EKC als Typ 3 (bis zur ärztlichen Entscheidung) unterschiedlich eingestuft.
Adenoviren (AdV) sind unbehüllte ikosaedrische Doppelstrang-DNA-Viren (Durchmesser 70–90 nm) und werden in 7 Spezies (A–G) eingeteilt. Der Hauptverursacher von PCF ist AdV Typ 3 (Spezies B), daneben werden auch AdV2, AdV1, AdV5 (Spezies C), AdV4 (Spezies E), AdV7 und AdV11 nachgewiesen1).
Anzahl der Nachweise in der Infektionsepidemiologischen Surveillance 2015–2023 (Rangfolge): AdV3 > AdV2 > AdV1 > AdV5 > AdV41).
AdV3 (Spezies B) weist eine hohe Häufigkeit von etwa 80 % für die Begleitung einer Konjunktivitis mit extraokulären Symptomen auf. AdV4 (Spezies E) hingegen zeigt in etwa 50 % ein breites klinisches Spektrum von EKC bis PCF1).
Der wichtigste Übertragungsweg ist die Kontaktinfektion über die Hände1).
Infektion über Poolwasser (Hauptursache von PCF-Ausbrüchen): Kontakt von mit Viren kontaminiertem Poolwasser mit Augen, Nase und Mund führt zur Infektion
Direkter Kontakt der Augen mit kontaminierten Händen
Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen)
Infektion über Instrumente in medizinischen Einrichtungen (Tonometerkappe, Augentropfenflasche)
Adenoviren sind biologisch sehr stabil und können selbst in trockener Umgebung mehr als 10 Tage lang infektiös bleiben1).
Schulkinder und Kleinkinder: unreifes Immunsystem, erhöhte Infektanfälligkeit und häufige Kontaktmöglichkeiten in Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Kindergärten)
Nutzung von Schwimmbädern im Sommer: Schwimmbäder mit unzureichender Chlorung haben ein hohes Infektionsrisiko
Schlechte Händehygiene: Adenoviren werden durch Händewaschen ohne Seife nicht ausreichend entfernt
Die Leitlinie 2025 für die Behandlung der viralen Konjunktivitis definiert die Diagnosekriterien für adenovirale Konjunktivitis wie folgt1).
Kategorie
Kriterium
A. Mikrobiologische Tests
A-1. AdV-Antigen-positiv im Schnelltest (Immunochromatographie) A-2. AdV-Genom-Nachweis mittels PCR
B. Klinische Befunde
B-1. Akute follikuläre Konjunktivitis B-2. Konjunktivale Blutungen B-3. Konjunktivale Pseudomembranen B-4. Diffuse oberflächliche Keratitis oder multiple subepitheliale Infiltrate der Hornhaut
C. Präaurikulärer Lymphknotenbefund
Schwellung oder Druckschmerz
D. Systemische Befunde
Fieber, Halsschmerzen oder Bronchitis (besonders wichtiger Befund bei PCF)
E. Infektion im Haushalt
Vorhanden
Gesicherte Diagnose: Eines der Kriterien unter A + Erfüllung von B-1
Klinische Diagnose: Auch wenn A nicht durchgeführt oder negativ ist, liegen B-1 und B-2 vor, und zusätzlich ist eines von B-3, B-4, C, D oder E positiv
Bei der PCF ist insbesondere D (Fieber, Halsschmerzen) ein typischer Befund, und die klinische Diagnose einer PCF mit Konjunktivitis sowie Fieber und Halsschmerzen ist oft relativ einfach.
Immunchromatographie (Schnelltest zum Antigennachweis)
Die in der klinischen Praxis am weitesten verbreitete Schnelldiagnostik für AdV. Eine Antigen-Antikörper-Reaktion unter Verwendung monoklonaler Antikörper gegen das Adenovirus-Hexon, die innerhalb von 5–15 Minuten ein Ergebnis liefert1).
Sensitivität: ca. 70–80 % (auch bei negativem Ergebnis kann eine AdV-Infektion nicht vollständig ausgeschlossen werden)
Spezifität: nahezu 100% (bei Positivität kann eine AdV-Infektion bestätigt werden)
Kassenleistung (in Japan)
Probenmaterial: Bindehautabstrich (mit Wattestäbchen) oder Tränenflüssigkeit (Filterpapiermethode)
In den letzten Jahren wurden minimalinvasive Kits (QuickChaser® Adeno Auge usw.) entwickelt, bei denen lediglich ein Filterpapier an das untere Augenlid gehalten wird, um Tränenflüssigkeit zu sammeln. Sie erfordern keine betäubenden Augentropfen und sind auch bei Kindern gut anwendbar1). Darüber hinaus ist ein silberverstärktes automatisiertes Kit (QuickChaser® Auto Adeno Auge, Fuji Dri-Chem IMMUNO AG Cartridge Adeno OPH) erhältlich, das die Empfindlichkeit durch etwa 100-fache Vergrößerung markierter Goldkolloide mittels Silberverstärkung verbessert1).
PCR-Methode
Hochempfindlicher als schnelle Antigen-Nachweiskits und kann AdV identifizieren. Auch eine AdV-Typisierung ist möglich. Keine Kostenübernahme durch die Krankenkasse; Auftrag an ein externes Labor oder Überweisung an eine spezialisierte Einrichtung erforderlich1).
Mikroskopie des Augenausflusses (Abstrich)
Das mit einem Wattestäbchen entnommene Augensekret wird mit Giemsa gefärbt und die Zellen werden mikroskopisch untersucht. Ein Vorherrschen von mononukleären Zellen (Lymphozyten) deutet auf eine virale Konjunktivitis hin und ist als Hilfsdiagnostik nützlich1).
Virusisolierung und -kultur
Dies ist der virologische Goldstandard, jedoch aufgrund der mehrwöchigen Wartezeit auf das Ergebnis für die klinische Diagnose ungeeignet. Für die Typisierung ist es nützlich1).
Die Inkubationszeit ist mit einem halben bis einem Tag extrem kurz. Charakteristisch sind bulbäre Konjunktivalblutungen
Influenza
Systemische Symptome wie hohes Fieber und Muskelschmerzen stehen im Vordergrund. Die konjunktivalen Symptome sind mild
QBesteht die Möglichkeit einer Pharyngokonjunktivalfieber-Erkrankung, auch wenn der Schnellantigentest (Adeno Check) negativ ist?
A
Ja, das ist möglich. Die Sensitivität von Schnellantigennachweistests (Immunochromatographie) beträgt etwa 70–80 %, sodass falsch-negative Ergebnisse bei geringer Viruslast oder unzureichender Probenentnahme auftreten können. Wenn die drei Hauptsymptome Fieber, Halsschmerzen und konjunktivale Injektion vorliegen und Hinweise auf eine Haushaltsinfektion oder einen Ausbruch in der Gemeinschaft bestehen, ist eine klinische Diagnose des Pharyngokonjunktivalfiebers auch bei negativem Testergebnis angemessen. Die Leitlinie 2025 zur Behandlung der viralen Konjunktivitis enthält Kriterien für eine „klinische Diagnose“, die auch bei negativem mikrobiologischem Testergebnis gestellt werden kann.
Derzeit gibt es keine spezifischen antiviralen Medikamente gegen das Pharyngokonjunktivalfieber. Die Behandlung besteht hauptsächlich aus symptomatischer Therapie und Infektionsprävention1). Da bei Pharyngokonjunktivalfieber keine MSI (wie bei EKC) auftritt, ist eine MSI-Behandlung (langfristige Anwendung von Steroiden) in der Regel nicht erforderlich.
Gegen Adenoviren sind Antibiotika eigentlich unwirksam, werden aber zur Vorbeugung bakterieller Sekundärinfektionen eingesetzt1).
Mittel der ersten Wahl: Cefmenoxim-Augentropfen (Bestron® 0,5 % Augentropfen)
Angesichts der Zunahme von Chinolon-resistenten Corynebakterien wird Cefmenoxim gegenüber Fluorchinolonen bevorzugt empfohlen1)
Aminoglykoside (z. B. Gentamicin) vermeiden (können Hornhautepithelschäden verursachen)
Kurzzeitige Anwendung (im Sinne eines angemessenen Gebrauchs)
2. Steroid-Augentropfen
Eingeschränkter Einsatz bei schweren Fällen (Pseudomembranbildung, starke Entzündung, ausgeprägte Lidödeme usw.)1).
Fluorometholon 0,1 % Augentropfen (Flumetholon® 0,1 % Augentropfen) werden üblicherweise verwendet
Nur bei gesicherter AdV-Infektion anwenden (um eine Virusreaktivierung durch Fehlanwendung bei HSV-Konjunktivitis zu vermeiden)
Eine Kombination mit iodhaltigen Augentropfen wird empfohlen (Reduzierung der durch Steroide verursachten Verzögerung der Virusclearance) 1)
Da bei PCF keine MSI auftritt, ist eine langfristige Fortsetzung von Steroiden in der Regel nicht erforderlich
3. Iodhaltige Augentropfen (PVA-I Augentropfen)
Das 2022 in Japan als OTC-Arzneimittel eingeführte Polyvinylalkohol-Iod (PVA-I) Augentropfenpräparat (Sanyodo® Augentropfen 0,4 % PVA-I) kann verwendet werden 1).
In vitro und in vivo wurden antivirale Wirkungen gegen AdV berichtet 1)
Die Leitlinie 2025 empfiehlt die Anwendung bei AdV-Konjunktivitis schwach (Evidenzstärke: C) 1)
Mit physiologischer Kochsalzlösung 4- bis 8-fach verdünnt zur Anwendung am Auge (entspricht 0,033–0,04 %)
Anwendung nur innerhalb von 3 Tagen nach Öffnung (vom Patienten selbst zu tragen)
Es wird ergänzend eingesetzt, wenn subjektive Symptome wie Tränenfluss oder Fremdkörpergefühl stark ausgeprägt sind. Es hat keine Wirkung auf die Virusvermehrung1).
5. Systemische Verabreichung (schwere Fälle bei Säuglingen und Kleinkindern)
Bei schweren Fällen von Säuglingen und Kleinkindern unter 3 Jahren, bei denen Augentropfen schwierig zu verabreichen sind, kann eine orale Steroidtherapie in Betracht gezogen werden1).
Gemäß der Verordnung zur Durchführung des Schulgesundheitssicherheitsgesetzes wird wie folgt verfahren.
Pharyngokonjunktivalfieber (Klasse 2): Schulausschluss bis zum Ablauf von 2 Tagen nach Abklingen der Hauptsymptome
※EKC und AHC (Klasse 3): Anders als bei diesen, wo die Rückkehr „vom Schul- oder behandelnden Arzt gestattet wird, sobald keine Infektionsgefahr mehr besteht”
Den Erziehungsberechtigten den Grund und die Dauer des Schulausschlusses erklären und die Kriterien für die Wiederaufnahme des Schulbesuchs klar mitteilen.
QDarf ich gleich wieder schwimmen gehen, wenn die Symptome besser sind?
A
Auch wenn die Symptome verschwunden sind, sollten Sie nicht sofort schwimmen gehen. Das Adenovirus, das das Pharyngokonjunktivalfieber verursacht, wird auch nach dem Abklingen der Symptome noch etwa einen Monat lang im Stuhl ausgeschieden. Durch das Schwimmen besteht die Gefahr, andere Nutzer anzustecken. Auch die Leitlinie für virale Konjunktivitis 2025 empfiehlt, PCF-Patienten anzuweisen, nach Abheilung der Konjunktivitis grundsätzlich etwa einen Monat lang nicht zu schwimmen.
Adenoviren (AdV) sind unbehüllte, ikosaedrische Doppelstrang-DNA-Viren mit einem Durchmesser von 70–90 nm. Es wurden 7 Spezies (A–G) mit über 100 Serotypen identifiziert. Die Bindung an die Rezeptoren unterscheidet sich zwischen Spezies B (u. a. AdV3), dem Haupterreger des PCF, und Spezies D (u. a. AdV8, 37, 53, 54), dem Haupterreger der EKC.
Die Faserproteine von AdV heften sich an Rezeptoren auf der Oberfläche von Bindehautepithelzellen, wodurch die Infektion beginnt. Da diese Rezeptoren je nach AdV-Typ variieren, unterscheiden sich die bevorzugt infizierten Gewebe und Organe je nach Typ. Spezies B (AdV-Typ 3), die PCF verursacht, hat im Vergleich zu Spezies D (AdV-Typ 8 usw.), die EKC verursacht, eine geringere Affinität zum Auge und infiziert vorwiegend die oberen Atemwegsschleimhäute wie Rachen und Atemwege. Diese Beziehung zwischen Rezeptor und Virusfaser bestimmt den klinischen Unterschied zwischen PCF (systemische Symptome im Vordergrund) und EKC (Augensymptome im Vordergrund).
Adenoviren vermehren sich nicht nur in der Bindehaut, sondern auch im Rachen, Darm und Harntrakt. Daher scheiden PCF-Patienten das Virus auch nach Abklingen der Symptome noch etwa einen Monat lang mit dem Stuhl aus1). Dies ist die Grundlage für das Schwimmbadverbot.
Nach der Infektion steigen die neutralisierenden Antikörper etwa 10 Tage nach Krankheitsbeginn an, was mit der Besserung der klinischen Symptome einhergeht. Da die neutralisierenden Antikörper typspezifisch sind (z. B. neutralisieren Antikörper gegen Typ 3 nicht Typ 4), sind Reinfektionen mit einem anderen AdV-Typ möglich.
Bei EKC infiziert das Virus (hauptsächlich Spezies D) das Hornhautstroma, und etwa eine Woche nach Krankheitsbeginn tritt an der obersten Schicht des Hornhautstromas eine verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion gegen AdV-Antigene auf, die zur Bildung von MSI führt. Im Gegensatz dazu löst Spezies B AdV, die Ursache von PCF, diese Hornhautreaktion nur selten aus, sodass es nicht zur MSI-Bildung kommt1).
7. Aktuelle Forschung und Zukunftsperspektiven (Berichte aus der Forschung)
Derzeit gibt es kein spezifisches antivirales Medikament gegen AdV im ophthalmologischen Bereich. Die folgenden befinden sich im Forschungs- oder klinischen Prüfungsstadium1).
Ganciclovir (GCV) Augentropfen
GCV ist ein antivirales Medikament mit DNA-Polymerase-Hemmwirkung, das in vitro und in Tierversuchen Wirksamkeit gegen AdV gezeigt hat. Es gibt jedoch keine ausreichenden randomisierten kontrollierten Studien (RCT) am Menschen, und es hat sich noch nicht als Standardbehandlung etabliert.
Famciclovir (FCV)
Es ist ein Nukleosid-Analogon mit breiter antiviraler Aktivität, für das insbesondere eine starke Hemmwirkung gegen AdV5 berichtet wurde. Phase-I-Studien wurden durchgeführt, und es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt, jedoch sind Studien ab Phase II erforderlich1).
Cidofovir (CDV) Augentropfen
In Tiermodellen sowie Phase-I- und II-Studien wurden präventive und therapeutische Wirkungen gegen AdV berichtet, jedoch gibt es auch Berichte, wonach RCTs keine signifikante Verbesserung des klinischen Verlaufs zeigten. Auch das Auftreten CDV-resistenter Stämme und lokaler Nebenwirkungen (Tränenwegsstenose, Bindehautentzündung usw.) sind bedenklich1).
Im Jahr 2023 erreichte die Zahl der PCF-Patienten etwa das Doppelte des Normalwerts. Als Ursache wird eine verminderte Herdenimmunität (Immunschuld) nach Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen angenommen. Auch künftig sind Schwankungen des Epidemieausmaßes zu beobachten1).
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