Eine Lidlazeration ist ein Teil- oder Vollschichtdefekt des Lidgewebes. Lidverletzungen begegnen uns im Alltag häufig, doch wenn Begleitverletzungen übersehen werden, kann das langfristige Folgen für Sehfunktion und Aussehen haben.
Die Verletzungsmechanismen sind vielfältig. Bei Kindern sind Hundebisse, Stürze und Kollisionen mit dem Fahrradlenker häufig. Bei Erwachsenen sind Schläge mit der Faust, Verkehrsunfälle und Ballsportarten die Hauptursachen. Auch Schnittverletzungen durch die Windschutzscheibe oder ein Hängenbleiben an Haken auf Augenhöhe können vorkommen.
Etwa 20 % der kindlichen Gesichtsplatzwunden betreffen das Lid. Es tritt häufiger bei Männern sowie bei Kindern und jungen Erwachsenen auf 12. Unter den Hunderassen sind Bisse von Pitbull-Terriern besonders bekannt. Verletzungen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sowie der Kontakt mit schnell bewegten Gegenständen oder schweren Maschinen am Arbeitsplatz sind ebenfalls wichtige Ursachen. Die Lidlazeration ist auch eine der Hauptverletzungen bei Explosionsverletzungen; ein Bericht über Augenverletzungen nach der Explosion im Hafen von Beirut fand sie in 41,6 % von 48 Augen. In der retrospektiven Studie von Doğan et al. zu 135 Fällen von Lidlazeration betrug das Verhältnis Männer:Frauen 3,9:1 und das Durchschnittsalter 37 Jahre; bei etwa 22 % bestand eine Tränenkanälchenlazeration und bei etwa 10 % eine schwere Bulbusverletzung2.
Die Ursachen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen.
Schnitte durch scharfe Gegenstände: Die Tiefe reicht von Teilschichtlazerationen, die nur die vordere Lamelle betreffen, bis zu Vollschichtlazerationen.
Avulsionsverletzung durch stumpfes Trauma: Sie entsteht dadurch, dass das Lid übermäßig gezogen und eingerissen wird.
Eine Lidlazeration kann mit Begleitverletzungen wie Hornhautabschürfung, Verletzung der Tränenwege, intraokularem Fremdkörper, Bulbus-offen-Verletzung und Orbitafraktur einhergehen. Das Übersehen solcher Verletzungen kann die Prognose beeinflussen, daher ist eine systematische Untersuchung unerlässlich.
Prä- und postoperative Aufnahmen einer Lazeration des linken Unterlids und einer Tränenkanälchenlazeration
Guo T, et al. Etiology and prognosis of canalicular laceration repair using canalicular anastomosis combined with bicanalicular stent intubation. BMC Ophthalmol. 2020. Figure 2. PMCID: PMC7310031. License: CC BY.
Dies ist eine vollschichtige Lidverletzung des linken Auges mit Riss des unteren Tränenkanälchens: (a) die präoperative Verletzung am inneren Augenwinkel und die Öffnung des Kanälchens sowie (b) der Zustand nach Einlage einer Silikonsonde. Dies entspricht der in Abschnitt 2, Hauptsymptome und klinische Befunde, beschriebenen vollschichtigen Verletzung des Augenlids mit Riss des Tränenkanälchens.
Schmerz und Reizgefühl um Auge und Lid: treten sofort nach der Verletzung auf; bei starker Schwellung kann das Öffnen des Auges schwierig sein.
Blutung und Sekret: an Lid oder Augenumgebung kann eine anhaltende Blutung auftreten.
Verschwommenes oder verzerrtes Sehen: kann durch eine begleitende Augenverletzung oder durch das Abschatten des Gesichtsfelds infolge der Lidsschwellung entstehen.
Tränenfluss: bei einem Riss des Tränenkanälchens tritt direkt nach der Verletzung ein verstärkter Tränenfluss auf.
Gefühlsstörung: Verletzungen nahe dem knöchernen Augenrand können mit einer verminderten Sensibilität im Bereich des Nervus supraorbitalis einhergehen.
Die Beurteilung der Verletzungstiefe ist der erste wichtige Schritt. Es muss festgestellt werden, ob die Verletzung nur die vordere Lamelle des Lids (Haut und M. orbicularis oculi) betrifft oder eine vollschichtige Verletzung bis zur hinteren Lamelle (Tarsus, Konjunktiva, Levatoraponeurose und M. Müller) vorliegt. Davon hängt das Behandlungsverfahren wesentlich ab.
Die wichtigsten Beurteilungspunkte sind unten aufgeführt.
Vorliegen eines Risses am Lidrand: Die Ausrichtung von Wimpernlinie und grauer Linie prüfen. Oft reicht die Verletzung bis zum Tarsus.
Horizontale Verletzung mit Hervortreten von präaponeurotischem Fett und Ptosis: Dies ist ein wichtiger Befund, der auf eine Eröffnung des Orbitaseptums und eine Verletzung der Levatoraponeurose hinweist.
Verlagerung des Tränenpünktchens: Ist das Tränenpünktchen nach außen verlagert, sollte an eine Canaliculuslazeration gedacht werden.
Verlagerung des medialen Kanthus, übermäßige Rundung oder Laxität: Dies spricht für eine Avulsion der medialen Kanthussehne (mediales Lidband).
Begleitverletzungen abklären: Es müssen immer eine offene Bulbusverletzung (Bulbusruptur, Hornhautperforation), traumatisches Ptosis und eine Canaliculuslazeration untersucht werden.
Bei stumpfem Trauma sind Vollschichtlazerationen, die so schwer sind, dass die Tarsalplatte vollständig durchtrennt wird, weniger wahrscheinlich; die Verletzung reißt eher den Canaliculus am innersten Teil des Lids ein.
QWelche Begleitverletzungen sollten bei einer Augenlidlazeration besonders beachtet werden?
A
Drei Verletzungen müssen immer überprüft werden: Augenverletzung (Bulbusruptur, Hornhautperforation oder Skleralazeration), traumatisches Ptosis und Canaliculuslazeration. Liegt eine Augenverletzung vor, muss sie vor der Lidreparatur behandelt werden. Wird eine Canaliculuslazeration übersehen, kann dies zu chronischem Tränenfluss führen; daher sollten Lazerationen des medialen Lids besonders sorgfältig beurteilt werden.
Hundebisse: Besonders häufig bei Kindern. Bisse von Pitbulls und Terrier-Rassen führen eher zu größeren Gewebedefekten.
Stürze und Zusammenstöße: Häufig sind Stürze bei älteren Menschen sowie Zusammenstöße von Kindern mit Tischkanten oder Fahrradlenkern.
Schläge mit der Faust und Verkehrsunfälle: Die Hauptursachen für stumpfes Trauma bei Erwachsenen. Dabei kommt es häufig zu einer Canaliculuslazeration am innersten Teil des Lids.
Windschutzscheiben und Haken: Können scharfe Schnittverletzungen oder Vollschichtlazerationen verursachen.
Geburtstrauma: Kann bei Manipulationen während eines Kaiserschnitts auftreten.
Geschlecht und Alter: Tritt häufiger bei Männern sowie bei Kindern bis jungen Erwachsenen auf.
Drogen und Alkohol: Erhöhtes Verletzungsrisiko durch eingeschränktes Urteilsvermögen.
Arbeitsumgebung: Unerfahrene Arbeitskräfte, schwere Maschinen, schnell bewegte Gegenstände und Arbeiten in der Nähe von Haken auf Augenhöhe.
QWie kann eine Lidlazeration verhindert werden?
A
Bei Kindern ist Aufsicht wichtig, wenn sie mit Hunden spielen oder scharfe Gegenstände handhaben. Erwachsene sollten bei Ballsportarten, beim Radfahren und bei der Arbeit eine Schutzbrille oder einen Helm tragen. Ältere Menschen sollten das Sturzrisiko zu verringern versuchen.
Vorverletzungszustand prüfen: Mit dem anderen Auge oder mit Fotos vor der Verletzung vergleichen und für die präoperative Beurteilung von traumatischer Ptosis und Narben nutzen.
Verletzungsmechanismus, Zeitpunkt und ob Selbstbehandlung erfolgte: Das ist für die OP-Indikation und den Zeitpunkt der Operation wichtig.
Allgemeine Angaben: Allergien, den Zeitpunkt der letzten oralen Nahrungsaufnahme und den Tetanus-Impfschutz erfragen.
Bei Bissverletzungen: Tollwut prüfen (Hundebiss oder Verletzung in einem Endemiegebiet) sowie den HIV- und Hepatitis-Status des Verursachers.
Bei Kindern oder unter Drogeneinfluss: Informationen von Eltern oder Zeugen einholen und auch an Missbrauch oder Vernachlässigung denken.
Zuerst prüfen, ob eine Augapfelverletzung vorliegt. Ist das Lid stark geschwollen und das Öffnen des Auges schwierig, das Lid mit einem Demar-Haken aufziehen und den Augapfel mit einer Handspaltlampe betrachten. Bei Hornhautperforation, Hornhautlazeration, Skleralazeration oder Bulbusruptur diese zuerst behandeln, noch vor der Lidversorgung.
Danach Lage und Tiefe der Lazeration, Fremdkörper und Gewebedefekt beurteilen. Eine Verletzung des Lidhebermuskels und eine Tränenkanälchenlazeration müssen unbedingt ausgeschlossen werden. Wenn möglich, auch die Verletzung der Aponeurose des Lidhebermuskels, des Müller-Muskels und der Aponeurose des Retraktors des Unterlids (LER) prüfen.
Bei Lidlazerationen medial des Tränenpunkts sollte eine Tränenkanälchenlazeration aktiv vermutet werden.
Untersuchung
Methode
Hinweise
Bougie-Test
Einen Bougie über den Tränenpunkt einführen, um zu bestätigen, ob eine Ruptur vorliegt
Erste Wahl. Vor der Anästhesie durchführen
Spültest
Kochsalzlösung über den Tränenpunkt injizieren und auf Austritt achten
Vorsichtig durchführen (Austritt in das umliegende Gewebe kann Schwellungen verursachen und die intraoperative Handhabung erschweren)
Von den Rupturstätten ist die Ruptur des unteren Tränenkanälchens am häufigsten, gefolgt vom oberen Tränenkanälchen und anschließend von der Ruptur beider Tränenkanälchen. Bei indirekten Verletzungen durch stumpfes Trauma tritt die Ruptur an der nasalen Seite auf, und die Suche nach den durchtrennten Enden ist schwieriger als bei direkten Verletzungen (scharfe Schnittverletzungen).
Wenn Anamnese und Inspektion auf einen Fremdkörper oder eine Orbitafraktur hindeuten, wird eine CT durchgeführt.
CT (Gehirn, Orbita, Gesicht): Beurteilung in axialen, koronalen und parasagittalen Ebenen mit 1-2 mm Schichtdicke.
MRT (T1-gewichtet): Nützlich zur Darstellung hölzerner Fremdkörper. Bei einem metallischen Fremdkörper ist die MRT jedoch kontraindiziert. Die erste Untersuchung der Wahl ist die CT. Beachten Sie, dass Holz, Kunststoff und einige Glasarten im Röntgen oder in der CT möglicherweise nicht sichtbar sind.
Abgrenzung von einer Kontusion um das Auge, einer Ausrissverletzung des Kanthusbandes und einer Lidavulsion. Auch Begleitverletzungen wie Hornhautfremdkörper, Orbitafraktur und traumatische Hyphäma sollten bedacht werden.
Vor Beginn der Operation müssen Bulbusruptur, zurückgebliebene Fremdkörper, Orbitafraktur und intrakranielle Verletzung ausgeschlossen werden. Bei einer Augenverletzung hat diese Vorrang vor der Lidversorgung. Grundsätzlich sollte die Primärversorgung innerhalb von 12-24 Stunden nach der Verletzung erfolgen 1. In einer retrospektiven Studie von Chiang et al. zeigte sich jedoch bei Fällen, die erst nach mehr als 24 Stunden versorgt wurden, kein signifikanter Anstieg der Komplikationsrate, und eine verzögerte Versorgung kann je nach Situation akzeptabel sein 3.
Oberflächliche horizontale Lazeration (zum Beispiel Verletzung eines Kindes an der Tischkante): Nach Desinfektion und Druckstillung kann alleiniger Wundverschluss mit Tape ausreichend sein.
Einfache oberflächliche Lazeration mit weniger als 25 % Lidbeteiligung und entlang einer Hautfalte: kann mit Dreifach-Antibiotikasalbe oder Hautkleber versorgt werden.
Anästhesie: Infiltrationsanästhesie mit 0,5 % oder 1,0 % Lidocain mit Epinephrin durchführen.
Spülung: Entfernen Sie alle Fremdkörper wie Sand, Schlamm und Glassplitter mit Kochsalzlösung. Feine Fremdkörper sollten unter dem Operationsmikroskop entfernt werden.
Débridement möglichst vermeiden: Nur eindeutig gequetschtes oder kontaminiertes Gewebe entfernen. Die Haut des Augenlids ist gut durchblutet und resistent gegen Infektionen; selbst bei starker Quetschung heilt sie nach dem Nähen oft gut ein. Débridement kann Gewebeverlust verursachen und sollte daher möglichst nicht durchgeführt werden.
Blutstillung: Arterielle Blutung mit bipolarer Elektrokoagulation behandeln.
Kein Riss des Lidrandes: Die Wundränder exakt aneinander anpassen und vernähen.
Hautnaht: 7-0-Nylonfaden verwenden.
Dicke Haut an Augenbraue und Nasenwurzel: Zusätzliche versenkte Naht mit 6-0-Nylonfaden.
Mehrere lappenartige Lazerationen: Sie können auf den ersten Blick wie ein Gewebedefekt wirken, aber wenn die Wundränder sorgfältig angepasst werden, lassen sie sich in den meisten Fällen ohne Hautdefekt vernähen.
Komplexe Lazeration (Lazeration des Lidrandes und der Tarsalplatte)
Temporäre Naht des Lidrandes: Zunächst eine temporäre Naht mit 6-0-Nylonfaden anlegen und mit einer Mosquito-Klemme fixieren, um die Tarsalplatte zu spannen.
Naht der Tarsalplatte: Den Lazerationsbereich der Tarsalplatte mit 6-0-Nylonfaden vernähen.
Rekonstruktion der hinteren Lamelle: Naht am Tarsus, dann am Müller-Muskel und anschließend am Levator. Ist die mediale oder laterale Kanthalsehne gerissen, wird sie zur Fixierung vernäht.
Endgültige Naht des Lidrandes: Nach dem Hautverschluss werden die temporären Nähte entfernt und erneut genäht, damit Wimpernreihe und graue Linie exakt ausgerichtet sind.
Bei einer Vollschichtlazeration mit Beteiligung des Tarsus werden die Wundränder anhand der Anordnung der Mündungen der Meibom-Drüsen ausgerichtet, und 6-0-Nylon wird vom Lidrand in den Tarsus geführt. Nachdem an der Vorderfläche des Tarsus 2 bis 3 Nähte mit 6-0-resorbierbarem Faden gesetzt wurden, wird der Lidrand mit 8-0-resorbierbarem Faden erneut ausgerichtet.
Bei Patienten, bei denen die Nachsorge schwierig ist (Kinder, Menschen mit Demenz, Obdachlose), sollten nicht resorbierbare Nähte vermieden werden.
Auch wenn nur ein Kanalikulus gerissen ist, sollte grundsätzlich eine Rekonstruktion erfolgen. Eine Operation innerhalb von 48 Stunden nach der Verletzung ist vorzuziehen und innerhalb von 1 Woche noch relativ leicht durchführbar. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Narbengewebe bildet sich und desto schwieriger wird es, die durchtrennten Enden zu finden. In einer Analyse von 137 Fällen durch Murchison et al. lag die Erfolgsrate der Reparatur im Operationssaal bei 85.9 %, während sie in einem kleinen Eingriffsraum nur 36.8 % betrug, was zeigt, dass die Reparatur in einem spezialisierten Zentrum die Prognose deutlich verbessert4.
Wahl der Anästhesie: Bei einer Kanalikuluslazeration ist eine Allgemeinanästhesie vorzuziehen. Der Grund ist, dass die durch Lokalanästhesie verursachte Gewebeschwellung das Auffinden der durchtrennten Enden erschwert. Wird der Eingriff in Lokalanästhesie durchgeführt, sollte zusätzlich eine Blockade des N. infratrochlearis erfolgen.
Die operativen Schritte sind wie folgt.
Einen Bougie über das Punctum einführen, um die Lazerationsstelle abzuschätzen.
Mit einem Fischhaken und einer Zugnaht (z. B. 4-0-Seide) die Wunde darstellen.
Während der Suche nach den durchtrennten Enden die Blutung mit epinephringetränkter Gaze oder bipolarer Koagulation kontrollieren. Die durchtrennten Enden des Kanalikulus erscheinen als glänzender Ring in milchig- bis grauweißer Farbe.
Nach Identifikation der Enden einen Silikonschlauch über das Punctum einführen und bis in die Nasenhöhle durchleiten.
Die durchtrennten Enden des Tränenkanälchens von der Hinterwand aus mit 8-0 Vicryl oder Nylon nähen.
Nicht nur das Tränenkanälchen, sondern auch das umliegende Gewebe einschließlich des Horner-Muskels nähen.
Vor dem Verschluss prüfen, ob ein Riss des medialen Kanthusbandes vorliegt, und diesen bei Bedarf reparieren.
Die erste Spülprüfung durchführen (zu frühes Durchführen kann zu einer Leckage an der Rissstelle führen und die Heilung verzögern)
1–2 Monate nach der Operation
Entfernung des Schlauchs (üblicher Zeitpunkt)
Für 2–3 Monate nach der Entfernung
Spülkontrollen alle 2 Wochen fortsetzen
Bei der bicanalikulären Stent-Methode liegt die anatomische Erfolgsrate bei etwa 95,9 % und die funktionelle Erfolgsrate bei etwa 89,6 %5. Auch mit dem selbsthaltenden mini-MONOKA-Monokanal-Stent liegt die anatomische Erfolgsrate bei etwa 85,7 % und die funktionelle Erfolgsrate bei etwa 92,9 %6; beide zeigen gute Behandlungsergebnisse. Ähnliche Ergebnisse wurden auch in einer großen asiatischen Studie zu Monokanal-Stents erzielt7.
Narben sind 2–3 Monate nach der Operation am deutlichsten sichtbar, werden aber innerhalb von 6 Monaten bis 1 Jahr unauffälliger. Für die vollständige Wundheilung und Narbenreifung sind 6–12 Monate erforderlich.
Bei Verdacht auf eine kontaminierte Wunde, einen Hundebiss oder einen Fremdkörper werden systemische Antibiotika verwendet (z. B. Amoxicillin/Clavulansäure, Doxycyclin, Trimethoprim/Sulfamethoxazol und Cephalexin). Je nach Verletzung sollten auch Maßnahmen zur Tetanus- und Tollwutprophylaxe erwogen werden.
QWenn eine Kanälchenlazeration vorliegt, wie schnell muss operiert werden?
A
Eine Operation innerhalb von 48 Stunden nach der Verletzung ist wünschenswert, und innerhalb von 1 Woche lassen sich die Wundenden noch relativ leicht finden und vernähen. Je mehr Zeit vergeht, desto stärker vernarbt das umliegende Gewebe und desto schwieriger wird die Identifikation der Enden. Da der Eingriff unter Vollnarkose empfohlen wird, ist eine frühzeitige Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum wichtig.
QWie lange dauert es, bis eine Narbe nach einer Lidverletzung weniger auffällt?
A
Die Narbe ist meist 2 bis 3 Monate nach der Operation am deutlichsten, wird aber innerhalb von 6 Monaten bis 1 Jahr nach und nach unauffälliger. Die vollständige Wundheilung und Narbenreifung dauern 6 bis 12 Monate. In dieser Zeit sollten übermäßiges Ziehen und UV-Strahlung vermieden werden.
6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus
Die Haut des Augenlids ist die dünnste im Körper und enthält nur sehr wenig Unterhautfett. Dadurch ist sie sehr beweglich, aber auch anfällig für äußere Einwirkungen.
Schichtaufbau des Oberlids
Vordere Schicht: Haut (dünn und ohne subkutanes Fett) → M. orbicularis oculi (durch den VII. Hirnnerv versorgt, unterteilt in prätarsalen, präseptalen und orbitalen Anteil)
Septum: orbitales Septum (etwa 10 mm oberhalb des Lidrandes) → Fettpolster (zwischen Septum und Levatoraponeurose gelegen, ein wichtiger Orientierungspunkt bei der Wundversorgung von Platzwunden)
Hintere Schicht: Levatoraponeurose (durch den N. oculomotorius versorgt, etwa 5 mm oberhalb der Tarsalplatte) → M. Müller (sympathisch innerviert, etwa 10 mm oberhalb der Tarsalplatte) → Tarsalplatte → Konjunktiva
Gefäßstruktur: zwei Arterienbögen: der marginale Arterienbogen (etwa 2 mm oberhalb des Lidrandes) und der periphere Arterienbogen (am peripheren Rand der Tarsalplatte)
Schichtaufbau des Unterlids
Obere 5 mm (Tarsalbereich): Haut → prätarsaler M. orbicularis oculi → Tarsalplatte → Konjunktiva, eine 4-schichtige Struktur
Untere 5 mm (Septumbereich): Haut → präseptaler M. orbicularis oculi → orbitales Septum → Fettpolster (nasal, zentral und temporal) → Capsulopalpebral-Faszie → inferiorer Tarsalmuskel → Konjunktiva, eine 7-schichtige Struktur
Funktion der Tarsalplatte: Sie erhält die strukturelle Integrität des Lids und beherbergt die Meibom-Drüsen mit ihren Ausführungsgängen sowie die Wimpernhaarfolikel
Der Abflussweg der Tränen ist: Tränenpünktchen → Tränenkanälchen → gemeinsames Tränenkanälchen → Tränensack → Ductus nasolacrimalis.
Ausmaße der Tränenkanälchen: Durchmesser 1–2 mm, vertikaler Abschnitt (der Teil, der vom Tränenpünktchen aus entlang des Lids verläuft) etwa 2,5 mm, horizontaler Abschnitt (der Teil, der zur Nase verläuft) etwa 8 mm.
Bildung des gemeinsamen Tränenkanälchens: In mehr als 80 % der Fälle vereinigen sich der obere und der untere Tränenkanal zu einem gemeinsamen Tränenkanälchen.
Funktionelle Bedeutung: Der untere Tränenkanal gilt als der Hauptweg für den Tränenabfluss, und auch eine Verletzung nur des unteren Tränenkanals kann zu Tränenfluss führen.
Direkte Verletzung (Schnitt durch scharfes Objekt): Die Schnittstelle ist klar erkennbar, und die Enden sind relativ leicht zu finden.
Indirekte Verletzung (stumpfes Trauma): Das Augenlid wird übermäßig nach außen gezogen und innen eingerissen. Im Vergleich zur direkten Verletzung reißt der Tränenkanal eher zur Nasenseite, und die Gewebsverformung erschwert das Aneinanderbringen der Enden.
Doğan E, Bahadır Coşkun Ş, Güner Sönmezoğlu B, Alagöz G. Demographic, Etiological, and Clinical Characteristics of Eyelid Lacerations. Turk J Ophthalmol. 2024;54(1):17-22. PMID: 38385316. PMCID: PMC10895165. ↩↩2
Chiang E, Bee C, Harris GJ, Wells TS. Does delayed repair of eyelid lacerations compromise outcome? Am J Emerg Med. 2017;35(11):1766-1767. PMID: 28473278. ↩
Murchison AP, Bilyk JR. Canalicular laceration repair: an analysis of variables affecting success. Ophthalmic Plast Reconstr Surg. 2014;30(5):410-414. PMID: 24777271. ↩
Guo T, Qin X, Wang H, et al. Eiology and prognosis of canalicular laceration repair using canalicular anastomosis combined with bicanalicular stent intubation. BMC Ophthalmol. 2020;20(1):246. PMID:32571261; PMCID:PMC7310031. doi:10.1186/s12886-020-01506-w. ↩
Alam MS, Mehta NS, Mukherjee B. Anatomical and functional outcomes of canalicular laceration repair with self retaining mini-MONOKA stent. Saudi J Ophthalmol. 2017;31(3):135-139. PMID: 28860909. PMCID: PMC5569334. ↩
Lin CH, Wang CY, Shen YC, Wei LC. Clinical Characteristics, Intraoperative Findings, and Surgical Outcomes of Canalicular Laceration Repair with Monocanalicular Stent in Asia. J Ophthalmol. 2019;2019:5872485. PMID: 31341656. PMCID: PMC6636491. ↩
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