Augensymptome durch Sick-House-Syndrom (Sick House Syndrome and Ocular Symptoms)
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Abschnitt betitelt „Die wichtigsten Punkte auf einen Blick“1. Was ist das Sick-House-Syndrom und was sind Augensymptome?
Abschnitt betitelt „1. Was ist das Sick-House-Syndrom und was sind Augensymptome?“Das Sick-House-Syndrom bezeichnet eine Vielzahl von Symptomen, darunter Reizungen der Schleimhäute von Augen, Nase und Rachen, die nach innerer Exposition gegenüber flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) auftreten, die aus neuen Baumaterialien, Möbeln, Klebstoffen und ähnlichen Quellen freigesetzt werden. Treten ähnliche Symptome in schlecht belüfteten Gebäuden wie Büros oder Schulen auf, spricht man vom Sick-Building-Syndrom. Beide gehören zum Konzept der multiplen chemischen Sensitivität (multiple chemical sensitivity: MCS), bei dem schon sehr geringe Expositionen gegenüber Chemikalien oder Stoffen des Alltags Gesundheitsstörungen auslösen können, und die individuellen Unterschiede sind groß.
Die Augen sind Schleimhautorgane, die leicht auf VOC-Reizungen ansprechen, und häufig treten Augenmüdigkeit, konjunktivale Rötung und trockenen Augen ähnliche Symptome auf. Aus augenärztlicher Sicht ist typisch, dass die Symptome viel häufiger als Störungen höherer Hirnfunktionen im Zusammenhang mit dem Sehen auftreten als als organische Schäden am Augapfel selbst.
Die wichtigsten auslösenden Stoffe und die Richtwerte für die Innenraumkonzentration des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales sind unten aufgeführt2).
- Formaldehyd: wird aus Sperrholz und Tapetenklebern freigesetzt. Stärkster direkter Reizstoff für Augen- und Nasenschleimhaut. Richtwert 0,08 ppm (100 μg/m³)
- Toluol: aus Farben und Klebstoffen. Starker Einfluss auf das zentrale Nervensystem. Richtwert 0,07 ppm (260 μg/m³)
- Xylol: aus Farben und Lösungsmitteln. Richtwert 0,20 ppm (870 μg/m³)
- Paradichlorbenzol: aus Mottenschutzmitteln und Toilettenduftstoffen. Richtwert 0,04 ppm (240 μg/m³)
- TVOC (Gesamtgehalt flüchtiger organischer Verbindungen): vorläufiger Zielwert 400 μg/m³2)
Mit der Überarbeitung des Bauordnungsrechts im Jahr 2003 (Maßnahmen gegen das Sick-Building-Syndrom) wurde eine 24-Stunden-Lüftung für praktisch alle Gebäude grundsätzlich verpflichtend2). Außerdem wurde ein Kennzeichnungssystem für Baumaterialien nach der Menge des abgegebenen Formaldehyds eingeführt (F☆☆☆☆ ist die höchste Stufe), und der Einsatz von VOC-armen Materialien hat zugenommen.
Das Auge ist ein Schleimhautorgan, das leicht direkt durch VOC gereizt wird, daher treten Augensymptome beim Sick-Building-Syndrom häufig auf. Zu den Hauptsymptomen gehören Augenmüdigkeit, Rötung, Trockenheitsgefühl (Beschwerden ähnlich wie beim trockenen Auge), Lichtempfindlichkeit und Augenschmerzen. Außerdem ist bekannt, dass Chemikalien das zentrale Nervensystem beeinflussen und eine höhere Hirnfunktionsstörung im Zusammenhang mit dem Sehen verursachen können (schwankende Sehschärfe, visuelle Beschwerden und Akkommodationsstörungen). Wenn die Beschwerden nach dem Einzug in ein Neubauobjekt, nach Renovierungsarbeiten oder nach einem Umzug begonnen haben, sollte an ein Sick-Building-Syndrom gedacht werden.
2. Merkmale der Augensymptome
Abschnitt betitelt „2. Merkmale der Augensymptome“
Im Folgenden die wichtigsten Merkmale der Augensymptome beim Sick-Building-Syndrom.
- Augenmüdigkeit (asthenopia): Das häufigste Augensymptom. Sie entsteht durch die Kombination aus Akkommodationsbelastung und Einflüssen auf das zentrale Nervensystem3)
- Beschwerden ähnlich wie beim trockenen Auge: Veränderungen der Augenoberfläche durch erhöhte Verdunstung des Tränenfilms und Schädigung der Becherzellen4). Sie äußern sich als Trockenheitsgefühl, Fremdkörpergefühl und Augenbeschwerden
- Bindehautrötung und Juckreiz: Direkte chemische Reizung der Bindehautschleimhaut durch VOC3)
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Lichtüberempfindlichkeit, vermittelt durch Reizung des Trigeminusnervs
- Augenschmerzen: Schmerzen durch chemische Reizung und neurogene Entzündung3)
- Höhere Hirnfunktionsstörung des Sehens: Sehstörungen mit Schwankungen, ungewöhnliches Sehempfinden und Akkommodationsstörung. Die Symptome zeigen sich oft eher in dieser Form als direkt am Augapfel selbst
Zwischen der Formaldehyd-Expositionskonzentration und dem Auftreten von Augensymptomen besteht ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang. Wenn die Raumluftkonzentration den Richtwert (0,08 ppm) überschreitet, nehmen Beschwerden über Augensymptome deutlich zu1).
| VOC / Raumluftkonzentration | Reizung der Augen- und Nasenschleimhaut | Symptome des Nervensystems |
|---|---|---|
| Formaldehyd 0,08 ppm oder mehr | Zunahme von Reizerscheinungen an Augen und Nase | Kopfschmerzen |
| Formaldehyd 0,5–1,0 ppm | Starke Reizung von Augen und Nase | Müdigkeit und verminderte Konzentration |
| Toluol 0,07 ppm oder mehr | Leichte Augenreizung | Vor allem Symptome des zentralen Nervensystems |
| TVOC 400 μg/m³ oder höher | kombinierte Schleimhautreizung | Zunahme unspezifischer Beschwerden |
Die Augenbeschwerden beim Sick-Building-Syndrom können einer allergischen Konjunktivitis ähneln, daher ist die Unterscheidung wichtig5). Die allergische Konjunktivitis wird durch antigen-spezifisches IgE vermittelt, während beim Sick-Building-Syndrom vor allem eine chemische Reizung der Schleimhaut vorliegt.
Bei der allergischen Konjunktivitis sind spezifische IgE-Antikörper gegen Antigene wie Pollen und Hausstaubmilben beteiligt, und es handelt sich um eine Immunreaktion mit Juckreiz, Rötung und Tränenfluss bei jeder Antigenexposition. Die Augenbeschwerden beim Sick-Building-Syndrom beruhen dagegen vor allem auf einer direkten Reizung der Schleimhaut durch chemische Stoffe wie VOC und sind unabhängig vom Immunmechanismus (IgE). In der Anamnese ist es wichtig, den zeitlichen Zusammenhang mit Umweltveränderungen wie Neubau, Renovierung oder Umzug zu prüfen und zu fragen, ob sich die Beschwerden durch Lüften oder nach dem Hinausgehen bessern. Auch wenn Blutuntersuchungen (spezifische IgE-Antikörper) negativ sind, kann eine chemische Sensitivität vorliegen.
3. Auslösende Stoffe und Entstehungsmechanismus
Abschnitt betitelt „3. Auslösende Stoffe und Entstehungsmechanismus“Hauptauslösende Stoffe
Abschnitt betitelt „Hauptauslösende Stoffe“Die wichtigsten auslösenden Stoffe beim Sick-Building-Syndrom und ihre Quellen sind unten aufgeführt1).
| Stoffname | Hauptquelle | Wesentliche Auswirkungen auf Augen und Nervensystem | Richtwert |
|---|---|---|---|
| Formaldehyd | Sperrholz, MDF, Tapetenkleber, Dämmmaterial | Direkte Reizung von Augen und Nasenschleimhaut (am stärksten) | 0,08 ppm (100 μg/m³)2) |
| Toluol | Farben, Klebstoffe, Lack | Vor allem Symptome des Zentralnervensystems (Kopfschmerzen, Müdigkeit) | 0,07 ppm (260 μg/m³)2) |
| Xylol | Farben, Lösungsmittel, Dichtstoffe | Reizung des Zentralnervensystems und der Augen | 0,20 ppm (870 μg/m³)2) |
| Paradichlorbenzol | Insektenschutzmittel / Toilettenduft | Reizung der Augen- und Nasenschleimhaut | 0.04 ppm (240 μg/m³)2) |
| Styrol | Polystyrol-Dämmmaterial | Reizung der Augen und Müdigkeit | 0.05 ppm (220 μg/m³)2) |
Die VOC-Emissionen nehmen mit steigender Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zu. In heißen, feuchten Sommerbedingungen werden besonders hohe VOC-Konzentrationen direkt nach Neubau oder Renovierung freigesetzt6).
Übergang zu Multipler Chemikalienüberempfindlichkeit (MCS)
Abschnitt betitelt „Übergang zu Multipler Chemikalienüberempfindlichkeit (MCS)“Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (MCS) ist ein Zustand, bei dem schon geringste Mengen chemischer Stoffe Beschwerden in mehreren Organen und Organsystemen auslösen, und sie wird mitunter als chronische Form des Sick-House-Syndroms angesehen7). Eine Beteiligung der zentralen Sensibilisierung (central sensitization) wird vermutet; ist die Sensibilisierung einmal eingetreten, kann bereits eine sehr geringe Exposition eine Reaktion auslösen. Die Diagnosekriterien für MCS sind weiterhin umstritten, und bislang gibt es keinen etablierten objektiven Biomarker7).
4. Diagnose und Untersuchungsmethoden
Abschnitt betitelt „4. Diagnose und Untersuchungsmethoden“Die augenärztliche Diagnose des Sick-House-Syndroms ist vor allem eine Ausschlussdiagnose, und Anamnese sowie die Bewertung von Umweltfaktoren sind entscheidend.
Anamnese (am wichtigsten)
Abschnitt betitelt „Anamnese (am wichtigsten)“- Zeitlichen Zusammenhang mit Neubau, Renovierung oder Umzug bestätigen
- Auftreten von Symptomen am Arbeitsplatz, in der Schule usw. (mögliches Sick-Building-Syndrom)
- Veränderungen der Symptome bei Lüften, beim Hinausgehen oder auf Reisen (wenn sie sich durch einen Umweltwechsel bessern, spricht das stark dafür)
- Ob Mitbewohner oder Kollegen ähnliche Symptome haben
- Art der verwendeten Baustoffe, Möbel, Insektenschutzmittel und Duftstoffe
Augenärztliche Diagnosekriterien
Abschnitt betitelt „Augenärztliche Diagnosekriterien“Nach den von Tetsu Ishikawa und Kollegen vorgeschlagenen augenärztlichen Diagnosekriterien sind drei Punkte erforderlich: 1) das Vorliegen von Augensymptomen, 2) der Nachweis einer Umweltbelastung in der Vorgeschichte (Neubau, Renovierung usw.) und 3) eine Besserung der Symptome nach Beseitigung der Ursache8). Eine sichere Diagnose allein durch die Augenheilkunde ist schwierig, und die Zusammenarbeit mit Messungen der Raumluftumgebung ist unerlässlich.
Augenärztliche Untersuchungen
Abschnitt betitelt „Augenärztliche Untersuchungen“- Sehschärfen- und Refraktionsprüfung: Beurteilung zugrunde liegender Ursachen der Beschwerden (z. B. Refraktionsfehler)
- Tränenuntersuchungen: Verminderung im Schirmer-Test (Tränensekretionsmenge) und verkürzte BUT (Tränenfilmaufrisszeit) bestätigen
- Spaltlampenmikroskopie des Vorderabschnitts: Vorhandensein oder Fehlen von Bindehautrötung, Papillenvergrößerung und Schädigung des Hornhautepithels
- Akkommodationsfunktionstest: Beurteilung von Akkommodationsspasmus und Akkommodationsinsuffizienz. Abschätzung einer Störung höherer Hirnfunktionen der visuellen Wahrnehmung3)
- Allergietest: Abgrenzung zur allergischen Konjunktivitis durch Blutuntersuchung (spezifische IgE-Antikörper)5)
Umweltbewertung
Abschnitt betitelt „Umweltbewertung“- Messung der Innenraumluftqualität: direkte Messung der Formaldehyd- und TVOC-Konzentration2)
- QOL-Bewertungsbogen: quantitative Erfassung der Allgemeinsymptome mithilfe des Fragebogens zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Raumluftqualität9)
Eine sichere Diagnose allein durch die Augenheilkunde ist schwierig. In der Augenheilkunde werden die Augensymptome quantitativ beurteilt (Tränentests, Akkommodationsfunktionstests, Allergietests usw.) und andere Erkrankungen wie allergische Konjunktivitis, trockene Augen und das VDT-Syndrom ausgeschlossen. Für die sichere Diagnose ist die Zusammenarbeit mit Messungen der Innenraumluftqualität (Formaldehyd- und TVOC-Konzentrationen) erforderlich, und eine multidisziplinäre Zusammenarbeit mit Architekten, Fachärzten für Umweltmedizin, Innerer Medizin und psychosomatischer Medizin wird empfohlen. Wenn die Anamnese zeigt, dass die Beschwerden nach dem Einzug in ein neues Haus, nach einer Renovierung oder einem Umzug begonnen haben und sich nach Lüften oder dem Verlassen des Hauses bessern, spricht das stark für den Verdacht.
5. Standardbehandlung
Abschnitt betitelt „5. Standardbehandlung“Die Ursache vermeiden (am wichtigsten)
Abschnitt betitelt „Die Ursache vermeiden (am wichtigsten)“Die Vermeidung der Belastung ist der Kern der Behandlung des Sick-House-Syndroms.
- Gründliches Lüften: ordnungsgemäßer Betrieb der 24-Stunden-Lüftungsanlage. Aktives Lüften durch Öffnen der Fenster2)
- Bake-out-Methode: Ein Verfahren, bei dem durch wiederholte hohe Wärme und Lüftung die Freisetzung von VOC gefördert wird. Vor dem Einzug 3 bis 7 Tage lang bei 20 bis 30 °C lüften, um die VOC-Konzentration zu senken6)
- Auswahl von Baustoffen mit niedrigem VOC-Gehalt: Wählen Sie Materialien der Klasse F☆☆☆☆ (Formaldehydabgabe 0.005 mg/m²·h oder weniger)2)
- Lüftungszeit nach Neubau oder Renovierung: Sorgen Sie vor dem Einzug für ausreichend lange Lüftung (mindestens 1 bis 3 Monate)
- Entfernen der Quelle: Überprüfen Sie die Verwendung von Insektenschutzmitteln und Raumdüften
Symptomatische Behandlung von Augensymptomen
Abschnitt betitelt „Symptomatische Behandlung von Augensymptomen“- Tränenersatz-Augentropfen: schützen die Augenoberfläche und ersetzen Feuchtigkeit. Konservierungsmittelfreie Präparate wie Soft Santear sind vorzuziehen. 5 bis 6 Mal täglich anwenden
- **Hyaluronsäure-Augentropfen (Hyalein 0,1 %) **: wirksam bei Schädigung des Hornhautepithels. 5 bis 6 Mal täglich anwenden
- Auswahl konservierungsmittelfreier Augentropfen: Patienten mit Sick-House-Syndrom können empfindlicher auf Chemikalien reagieren, daher sollte zusätzliche Reizung durch Konservierungsmittel (wie Benzalkoniumchlorid) vermieden werden
- Umgang mit Akkommodationsstörungen: Verbesserung der VDT-Arbeitsumgebung (Bildschirmposition, Abstand, Beleuchtung) und geeignete Refraktionskorrektur3)
- Bei begleitender Allergie: antiallergische Augentropfen (Antihistaminika und Mediatorfreisetzungshemmer) nach Bedarf einsetzen
Systemische Behandlung und multidisziplinäre Zusammenarbeit
Abschnitt betitelt „Systemische Behandlung und multidisziplinäre Zusammenarbeit“- Schwere Fälle oder Verdacht auf MCS: Zusammenarbeit mit einer umweltmedizinischen Ambulanz, der Psychosomatischen Medizin und der Inneren Medizin ist erforderlich7)
- Diagnose und Behandlung der chemischen Sensitivität: Eine Abklärung in einer spezialisierten Einrichtung wird empfohlen
- Vom Arbeitsumfeld verursachte Fälle: Zusammenarbeit mit Betriebsarzt und arbeitsmedizinischem Berater erwägen
Die wichtigste Maßnahme ist, den Kontakt mit dem auslösenden Stoff (VOC) zu vermeiden. Der sachgerechte Betrieb der 24-Stunden-Lüftungsanlage, regelmäßiges Lüften durch Fensteröffnung, die Verwendung von Baustoffen mit niedrigem VOC-Gehalt und die Durchführung der Bake-out-Methode sind grundlegende Maßnahmen, um die VOC-Konzentration in Innenräumen unter die Richtwerte zu senken. Für Augensymptome werden konservierungsmittelfreie künstliche Tränen (5 bis 6 Mal täglich) und Hyaluronsäure-Augentropfen (Hyalein 0,1 %) als symptomatische Behandlung kombiniert. Wenn sich die Symptome nicht bessern oder systemische Beschwerden stark sind, sollte eine Überweisung an einen Spezialisten für Umweltmedizin erwogen werden.
6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus
Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus“Schädigung der Augenoberfläche durch VOCs
Abschnitt betitelt „Schädigung der Augenoberfläche durch VOCs“VOCs, einschließlich Formaldehyd, schädigen direkt die Epithelzellen von Hornhaut und Bindehaut. Wenn die Schleimhautbarriere zerstört wird, wird der Tränenfilm instabil und es treten Symptome ähnlich wie bei trockenem Auge auf4). Auch die Becherzellen, die für die Mucinbildung im Tränenfilm wichtig sind, werden durch die Reizung durch VOCs geschädigt, was die Stabilität des Tränenfilms weiter verringert4).
Reizung des Trigeminusnervs und neurogene Entzündung
Abschnitt betitelt „Reizung des Trigeminusnervs und neurogene Entzündung“Formaldehyd reizt direkt die Nervenendigungen des Trigeminusnervs in Hornhaut und Bindehaut (TRPA1-Kanal)1). Die Reizung des Trigeminusnervs verursacht Augenschmerzen und Lichtempfindlichkeit. Außerdem löst die Freisetzung von Substanz P und CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) aus den Nervenendigungen eine neurogene Entzündung aus, was zu einer Erweiterung der Bindehautgefäße (Rötung) und einer erhöhten Gefäßpermeabilität führt10).
Oxidativer Stress und Schädigung der Augenoberfläche
Abschnitt betitelt „Oxidativer Stress und Schädigung der Augenoberfläche“Metaboliten von VOCs fördern die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS). Oxidativer Stress schädigt die Zellmembran des Oberflächenepithels des Auges und erhöht die Produktion entzündlicher Zytokine10). Dieser Prozess ähnelt der Pathophysiologie des trockenen Auges in trockener Umgebung, und VOC-bedingte Augensymptome und trockenes Auge können sich überlappen.
Höhere Hirnfunktionsstörung mit Einfluss auf das Sehen
Abschnitt betitelt „Höhere Hirnfunktionsstörung mit Einfluss auf das Sehen“Die Auswirkungen von Chemikalien auf das zentrale Nervensystem können sich eher im Sehzentrum (Okzipital- und Frontallappen) als im Auge selbst zeigen. Sie können sich als schwankendes Sehen, visuelle Beschwerden und Akkommodationsstörungen äußern; ein typisches Muster des Sick-House-Syndroms und von MCS ist es, starke Augensymptome zu beklagen, obwohl der Augenbefund gering ist.
Zentrale Sensibilisierung bei multipler Chemikalienempfindlichkeit
Abschnitt betitelt „Zentrale Sensibilisierung bei multipler Chemikalienempfindlichkeit“Bei MCS wird angenommen, dass wiederholte niedrig dosierte VOC-Exposition eine zentrale Sensibilisierung auslöst7). Nach der Sensibilisierung können selbst kleinste Mengen von Chemikalien, die gesunde Menschen nicht beeinträchtigen, weiterhin Reaktionen in mehreren Organen und Systemen auslösen. Dieser Mechanismus kann dazu führen, dass das Sick-House-Syndrom chronisch wird und in manchen Fällen schwer auszuheilen ist.
7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven
Abschnitt betitelt „7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven“Studie zur Korrelation zwischen Innenraumluftqualität und Parametern der Augenoberfläche
Abschnitt betitelt „Studie zur Korrelation zwischen Innenraumluftqualität und Parametern der Augenoberfläche“Es mehren sich epidemiologische Studien, die die Korrelation zwischen den VOC-Konzentrationen in Innenräumen sowie der BUT des Tränenfilms und den Hornhaut-Färbungs-Scores untersuchen4). Verbesserungen der Parameter der Augenoberfläche bei sinkenden VOC-Konzentrationen wurden berichtet, und die Quantifizierung des augenärztlichen Effekts einer verbesserten Innenraumluftqualität bleibt eine zukünftige Herausforderung.
Groß angelegte epidemiologische Untersuchungen in Arbeits- und Schulumgebungen
Abschnitt betitelt „Groß angelegte epidemiologische Untersuchungen in Arbeits- und Schulumgebungen“Vor allem in Nordeuropa laufen groß angelegte epidemiologische Studien, die den Zusammenhang zwischen der Prävalenz des Sick-Building-Syndroms in Büro- und Schulumgebungen und den Konzentrationen von Mikroorganismen, VOC und TVOC in Innenräumen untersuchen9). Seine Einordnung als berufliche Augenerkrankung wird gestärkt, und die Zusammenarbeit mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz schreitet voran.
RCTs zu Umweltinterventionen mit niedrigem VOC
Abschnitt betitelt „RCTs zu Umweltinterventionen mit niedrigem VOC“Es wurden RCTs durchgeführt, die die Wirkung von Interventionen wie verbesserter Belüftung und dem Umstieg auf Baustoffe mit niedrigem VOC-Gehalt untersuchen6); dabei zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen dem Rückgang der Formaldehydkonzentration nach der Intervention und der Besserung der Augen- und Nasensymptome. In Zukunft werden umfangreiche Langzeit-Follow-up-Daten erwartet.
Bewertung neuer VOC-Quellen
Abschnitt betitelt „Bewertung neuer VOC-Quellen“Elektronische Geräte (3D-Drucker, Laser-Drucker für Verbraucher usw.) und E-Zigaretten rücken als neue VOC-Quellen in den Fokus. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass ihre Nutzung in geschlossenen Innenräumen mit einer Zunahme von Augensymptomen verbunden sein könnte, und Bewertungsstudien laufen.
Objektive Diagnose der Multiplen Chemikalien-Überempfindlichkeit mithilfe von Biomarkern
Abschnitt betitelt „Objektive Diagnose der Multiplen Chemikalien-Überempfindlichkeit mithilfe von Biomarkern“Für MCS gibt es keine etablierten Biomarker, weshalb eine objektive Diagnose schwierig ist. Es werden objektive Diagnoseverfahren entwickelt, die Marker für oxidativen Stress, entzündliche Zytokine und Indikatoren der neuronalen Sensibilisierung kombinieren7). Wenn sie praktisch eingesetzt werden können, wird erwartet, dass damit eine objektive Beurteilung des Sick-House-Syndroms und die Bewertung des Therapieeffekts möglich werden.
8. Literatur
Abschnitt betitelt „8. Literatur“-
Wolkoff P. Indoor air pollutants in office environments: assessment of comfort, health, and performance. International journal of hygiene and environmental health. 2013;216(4):371-94. doi:10.1016/j.ijheh.2012.08.001. PMID:22954455.
-
厚生労働省. シックハウス(室内空気汚染)問題に関する検討会 中間報告書. 2002.
-
Norbäck D, Nordström K, Zhao Z. Carbon dioxide (CO2) demand-controlled ventilation in university computer classrooms and possible effects on headache, fatigue and perceived indoor environment: an intervention study. International archives of occupational and environmental health. 2013;86(2):199-209. doi:10.1007/s00420-012-0756-6. PMID:22422010.
-
Wolkoff P. Ocular discomfort by environmental and personal risk factors altering the precorneal tear film. Toxicology letters. 2010;199(3):203-12. doi:10.1016/j.toxlet.2010.09.001. PMID:20833234.
-
Bielory L, Friedlaender MH. Allergic conjunctivitis. Immunol Allergy Clin North Am. 2008;28(1):43-58. doi:10.1016/j.iac.2007.12.005.
-
Hodgson AT, Beal D, McIlvaine JER. Sources of formaldehyde, other aldehydes and terpenes in a new manufactured house. Indoor Air. 2002;12(4):235-242. doi:10.1034/j.1600-0668.2002.01129.x.
-
Michael Lacour, Thomas Zunder, Klaus Schmidtke, Peter Vaith, Carl Scheidt. Multiple Chemical Sensitivity Syndrome (MCS) – suggestions for an extension of the US MCS-case definition. International Journal of Hygiene and Environmental Health. 2005;208(3):141-151. doi:10.1016/j.ijheh.2005.01.017.
-
石川 哲, 宮田幹夫, 坂部 貢. 化学物質過敏症の眼科的診断基準. 日本医事新報. 1998;3857:25-29.
-
Sahlberg B, Gunnbjörnsdottir M, Soon A, Jogi R, Gislason T, Wieslander G, et al. Airborne molds and bacteria, microbial volatile organic compounds (MVOC), plasticizers and formaldehyde in dwellings in three North European cities in relation to sick building syndrome (SBS). The Science of the total environment. 2013;444:433-40. doi:10.1016/j.scitotenv.2012.10.114. PMID:23280302.
-
Baudouin C, Aragona P, Messmer EM, Tomlinson A, Calonge M, Boboridis KG, et al. Role of hyperosmolarity in the pathogenesis and management of dry eye disease: proceedings of the OCEAN group meeting. The ocular surface. 2013;11(4):246-58. doi:10.1016/j.jtos.2013.07.003. PMID:24112228.