Das humane T-Zell-Leukämievirus Typ 1 (HTLV-1) gehört zur Familie der Retroviren und wurde erstmals 1980 von Poiesz et al. entdeckt. Es verursacht adulte T-Zell-Leukämie/Lymphom (ATL), HTLV-1-assoziierte Myelopathie (HAM/TSP), Arthropathie (HAAP), Bronchitis (HAB) und Uveitis (HTLV-1-assoziierte Uveitis; HAU). 3)
HAU ist eine granulomatöse oder nicht-granulomatöse Uveitis bei HTLV-1-Trägern, die hauptsächlich durch Glaskörpertrübungen und retinale Vaskulitis gekennzeichnet ist. Sie ist eine der wichtigen ophthalmologischen Komplikationen einer HTLV-1-Infektion.
Epidemiologie:
Weltweit wird geschätzt, dass etwa 20 Millionen Menschen infiziert sind, von denen die meisten ihr Leben lang asymptomatische Träger bleiben.
In Japan gibt es regionale Häufungen im Südwesten, wie Kyushu, Okinawa und Süd-Shikoku.
Etwa 0,1 % der HTLV-1-Träger entwickeln eine Augenentzündung (unspezifische Entzündung des vorderen Augenabschnitts, leichte bis mittelschwere Glaskörpertrübung) 4).
Die Prävalenz der HAU beträgt 112,2 pro 100.000 Träger und ist damit etwas höher als bei HAM/TSP 5).
Das Geschlechterverhältnis beträgt etwa 2:3, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind, und die Erkrankung tritt etwas häufiger einseitig auf.
In der nationalen epidemiologischen Studie basierend auf den Leitlinien zur Uveitis-Diagnostik (2019) machte die HAU in der Studie von 2002 1,5 % aller Uveitisfälle aus (in der Region Kyushu 5,1 %) und in der Studie von 2009 28 Fälle (0,7 %) 2).
HAU kann zusammen mit HAM/TSP auftreten oder als einziges Zeichen einer HTLV-1-Infektion in Erscheinung treten. Bei Patienten mit HAM/TSP tritt sie tendenziell häufiger bei denen auf, die einen früheren Krankheitsbeginn haben, als bei denen mit schweren Bewegungsstörungen. Auch eine häufige Assoziation mit Hyperthyreose besteht.
Es gibt auch Endemiegebiete in Lateinamerika wie Kolumbien. Aus Peru wird berichtet, dass 29,4 % aller intermediären Uveitiden (bei über 50-Jährigen 45,5 %) mit HTLV-1 assoziiert waren 1).
QWelche Patienten in Japan sollten auf eine HTLV-1-assoziierte Uveitis untersucht werden?
A
Bei Patienten, die aus Kyushu, Okinawa oder Süd-Shikoku stammen oder dort leben und eine Uveitis mit vorwiegend Glaskörpertrübung aufweisen, bei der andere bekannte Ursachen (wie Sarkoidose oder intermediäre Uveitis) ausgeschlossen wurden, sollte der Verdacht bestehen. Bei gleichzeitigem Vorliegen von Hyperthyreose oder HAM/TSP (spastische Lähmung, Blasenstörungen etc.) sollte ein HTLV-1-Screening erwogen werden.
Fundusfoto einer HTLV-1-assoziierten Uveitis. Am aktiven Auge ist der Fundus aufgrund von Glaskörpertrübungen verschwommen zu sehen.
Kasamatsu D, et al. HTLV-1-associated uveitis mimicking thyroid-associated ophthalmopathy during antithyroid therapy: a diagnostic pitfall and management challenge. Endocrinol Diabetes Metab Case Rep. 2026. Figure 3. PMCID: PMC13052792. License: CC BY.
Im Vergleich der Fundusfotos beider Augen sind am aktiven Auge der Sehnervenkopf und die Netzhautgefäße aufgrund von Glaskörpertrübungen unscharf. Dieses Bild zeigt typische Befunde einer intraokularen Entzündung bei HTLV-1-assoziierter Uveitis.
Vordere granulomatöse oder nicht-granulomatöse Uveitis: Weiße körnige Hornhautendothelbeschläge (KP) und Irisknötchen sind charakteristisch.
Hornhauttrübung, Narbenbildung, Neovaskularisation: Tritt bei chronischen und schweren Fällen auf.
Keratoconjunctivitis sicca: Kann als Komplikation des vorderen Augenabschnitts auftreten.
Befunde des hinteren Augenabschnitts
Schleierartige, strangförmige oder granuläre Glaskörpertrübungen: Charakteristisch für HAU. Hauptursache für Sehverschlechterung.
Weiße Granulatablagerungen um die Netzhautgefäße (Retinitis): Besonders um die Papille und entlang der Gefäßbögen zu finden 1).
Exsudative Aderhaut-Netzhaut-Veränderungen: Selten auf einem oder beiden Augen zu beobachten.
Netzhautdegeneration, Netzhautblutung, epiretinale Membran, Optikusatrophie: Können bei schweren oder chronischen Fällen auftreten.
Die meisten infiltrierenden Zellen im Auge bei HAU sind Lymphozyten (überwiegend CD3+ T-Zellen), und die Zytokinproduktion durch HTLV-1-infizierte T-Zellen löst die Entzündung aus 9). Die glasartige Glaskörpertrübung ist ein wichtiger diagnostischer Befund und sollte bei der Differenzialdiagnose von Sarkoidose und intermediärer Uveitis berücksichtigt werden 5).
In einer kolumbianischen Fallserie wurden bei schweren Fällen, die sich als intermediäre und posteriore Uveitis manifestierten, ausgedehnte periphere Netzhautdegeneration, Makulaödem und ausgedehnte retinale Neovaskularisation festgestellt 1). Bei schweren Netzhautläsionen kann eine retinale Photokoagulation (Laser-Netzhautablation) erforderlich sein.
QSollte bei Glaskörpertrübungen eine HTLV-1-assoziierte Uveitis vermutet werden?
A
Bei Erkrankungen, die hauptsächlich Glaskörpertrübungen aufweisen, ist insbesondere die Abgrenzung zur Sarkoidose und zur intermediären Uveitis wichtig. Bei Personen aus Endemiegebieten (z. B. Kyushu, Okinawa) oder mit den oben genannten systemischen Komplikationen sollte aktiv ein HTLV-1-Serumtest durchgeführt werden.
HTLV-1 ist ein Retrovirus, das T-Lymphozyten (CD4+ T-Zellen) infiziert. Das Virus infiziert nicht das Augengewebe selbst, sondern die durch infizierte T-Zellen ausgelöste Immunreaktion steht im Zentrum der Pathogenese der HAU 9).
Hauptübertragungswege:
Vertikale Übertragung von Mutter zu Kind (hauptsächlich über Muttermilch): Der wichtigste Übertragungsweg. Die Infektionseffizienz beträgt 20 % und hängt von der HTLV-1-Proviruslast, der HLA-Klasse-I-Kompatibilität zwischen Mutter und Kind sowie der Stilldauer ab. Auch intrauterine Infektion und Infektion während der Geburt sind möglich.
Sexueller Kontakt (hauptsächlich von Mann zu Frau mit hoher Effizienz).
Aufenthalt oder Herkunft aus Endemiegebieten (Kyushu, Okinawa, Süd-Shikoku, Karibik, Mittel- und Südamerika, Zentralafrika, Melanesien).
Anstieg der Trägerprävalenz bei Frauen ab 40 Jahren.
Das Risiko für ATL beträgt 2–4 % der Infizierten, für HAM/TSP 1–4 %. Das Lebenszeitrisiko für assoziierte entzündliche und autoimmune Syndrome (Uveitis, Dermatitis, Alveolitis, Arthritis, Nephritis, Myositis usw.) liegt bei etwa 10 %1).
Überprüfung auf das Vorliegen von HTLV-1-assoziierten systemischen Erkrankungen (ATL, HAM/TSP)
Der Nachweis von HTLV-1-Provirus-DNA mittels PCR aus Kammerwasser oder peripheren Blutproben dient ebenfalls als diagnostischer Beleg. Bei fast allen HAU-Patienten wird HTLV-1-Provirus-DNA im Kammerwasser nachgewiesen 9). Es hat sich gezeigt, dass bei Patienten mit Uveitis anderer Ursache trotz HTLV-1-Positivität keine solche DNA nachweisbar ist, was die Beteiligung infizierter T-Zellen im Auge bestätigt.
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