Die Monovisionsmethode (monovision technique) ist eine Korrekturmethode, bei der ein Auge für die Ferne und das andere für die Nähe korrigiert wird, um durch das monokulare Sehen jedes Auges die Fern- und Nahsicht abzudecken.
Ursprünglich bezeichnet „Monovision“ einen Zustand, bei dem ein Auge emmetrop (oder nahezu emmetrop, dominantes Auge) und das andere mäßig myop (nicht-dominantes Auge) ist, was bei fehlender Korrektur während des Wachstums zu einer Beeinträchtigung des normalen binokularen Sehens führt. Die Anwendung zur Presbyopiekorrektur ahmt diesen physiologischen Zustand bewusst nach.
Für Patienten mit Presbyopie kann diese Methode auf drei Wegen umgesetzt werden: Kontaktlinsen, refraktive Chirurgie und Intraokularlinsen (IOL). Darüber hinaus ist es nach refraktiver Chirurgie oder im Presbyopiealter wichtig, nicht nur die Fernsicht, sondern auch die mittlere und Nahsicht zu berücksichtigen und eine schwächere Korrektur oder Monovision zu wählen.
Historischer Hintergrund und Stellenwert der Monovisionsmethode:
Die Monovisionsmethode wurde in den 1970er-80er Jahren als Korrektur der Presbyopie mit Kontaktlinsen entwickelt. Inspiriert durch die Beobachtung, dass anisometrope Patienten unter Kontaktlinsen sowohl Fern- als auch Nahsicht hatten, wurde sie später auch in der refraktiven Chirurgie wie LASIK und PRK übernommen. Auch bei der IOL-Stärkenberechnung während der Kataraktchirurgie ist sie als Alternative für Patienten etabliert, die keine multifokale IOL wünschen oder dafür nicht geeignet sind. Eine Überkorrektur, die zu Hyperopie führt, kann bei Naharbeit zu Augenermüdung führen, daher ist bei der Korrekturgestaltung im presbyopen Alter besondere Vorsicht geboten.
QWas ist die Monovisionsmethode für eine Korrekturmethode?
A
Es ist eine Methode, bei der ein Auge für die Ferne (Emmetropie oder Fernkorrektur) und das andere Auge für die Nähe (Restmyopie oder Nahaddition) eingestellt wird, und durch das monokulare Sehen jedes Auges werden Fern- und Nahsicht abgedeckt. Ziel ist es, ohne Brille sowohl Fern- als auch Nahsicht zu erreichen. Allerdings wird das binokulare Stereosehen reduziert, was bei Aufgaben, die Tiefensehen erfordern, nachteilig ist.
Der Mechanismus der Monovision besteht darin, dass sich der visuelle Kortex des Gehirns an den Fokusunterschied zwischen den beiden Augen gewöhnt und je nach Sehentfernung das geeignete Auge bevorzugt verwendet. Wenn keine binokulare Rivalität auftritt, wird eine natürliche Monovision erreicht.
Der Schlüssel zum Erfolg ist die „binokulare Koordination und die Anpassungsfähigkeit des Gehirns“. Die präoperative Erfahrung mit Anisometropie, die Klarheit des dominanten Auges und die Erhaltung der binokularen Sehfunktion beeinflussen die Prognose.
Binokulare Rivalität und Auswirkung auf das stereoskopische Sehen
Beim normalen binokularen Sehen wird die Tiefenwahrnehmung (stereoskopisches Sehen) durch die kleinen Disparitäten zwischen den beiden Augen (binokulare Disparität) ermöglicht. Bei der Monovisionsmethode wird ein Auge absichtlich defokussiert, wodurch diese binokularen Disparitätsinformationen unvollständig werden und die stereoskopische Sehfunktion abnimmt.
Die Mini-Monovision (Addition von +0,75 bis +1,00 dpt) ist ein Kompromiss, der die Auswirkung auf das stereoskopische Sehen minimiert und gleichzeitig ein gewisses Nahsehen ermöglicht. Sie ist eine Option für Patienten, bei denen die Erhaltung des stereoskopischen Sehens besonders wichtig ist (z. B. Sportbegeisterte).
Die volle Monovision (Addition von +1,50 bis +2,00 dpt) verbessert das Nahsehen stärker, aber die Abnahme des stereoskopischen Sehens ist deutlicher.
Das dominante Auge spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung visueller Informationen. Durch die Einstellung des dominanten Auges für die Fernsicht wird die Informationsverarbeitung beim Sehen in die Ferne stabilisiert und die alltägliche Akzeptanz der Monovision erhöht.
Bei einem kurzsichtigen Auge kann das Problem der Aniseikonie durch eine Unterkorrektur eines Auges gelöst werden (Monovisionsbrille). Bei Anisometropie sollte der Unterschied der sphärischen Stärke zwischen den Augen 1,5 D nicht überschreiten; falls doch, kann eine Korrektur mit Kontaktlinsen oder eine bewusste Monovisionseinstellung zur Reduzierung der Aniseikonie nützlich sein.
4. Untersuchungen zur Diagnose und Indikationsbewertung
Das Standardverfahren zur Bewertung der Indikation für die Monovisionsmethode wird im Folgenden dargestellt.
① Bestimmung des dominanten Auges
Es ist erfolgreicher, das dominante Auge für die Ferne und das nicht-dominante Auge für die Nähe einzustellen.
Hole-in-card-Test (Kartenlochmethode) : Durch ein kleines Loch in der Mitte einer Karte ein entferntes Ziel betrachten und prüfen, mit welchem Auge man sieht.
Pointing-Test (Zeigemethode) : Auf ein entferntes Ziel zeigen, dann ein Auge abdecken; das Auge, das nicht vom Ziel abweicht, ist das dominante Auge.
② Stereosehtest
Mit TNO (Zufallspunktmethode) oder Titmus (Polaroidmethode) die binokulare stereoskopische Sehfunktion quantitativ bewerten. Die präoperative stereoskopische Funktion hängt mit dem Grad der Verschlechterung des Stereosehens nach der Monovision zusammen.
③ Refraktionsbestimmung und Einstellung der Addition
Die Addition nach dem Sloan-Prinzip (die Hälfte der verfügbaren Akkommodationsbreite als Reserve belassen) einstellen.
④ Probetragen (CL-Trial)
Vor der Operation wird die Monovision für 1–2 Wochen mit Kontaktlinsen simuliert. Die subjektive Akzeptanz im tatsächlichen Alltag (Autofahren, Lesen, Bildschirmarbeit) wird überprüft, bevor die Operationsindikation gestellt wird. Ein Trial mit Tageskontaktlinsen ist einfach durchzuführen.
Untersuchungsparameter
Ziel
Beurteilungskriterium
Bestimmung des dominanten Auges
Festlegung des Fernauges
Lochkarten-Test / Zeigetest
Stereosehtest
Beurteilung des binokularen Sehens
TNO / Titmus
CL-Trial
Bestätigung der Anpassung im Alltag
1–2 Wochen tägliche Nutzung
Refraktionsbestimmung
Additionseinstellung
Sloan-Prinzip
QWas sollte ich überprüfen, bevor ich die Monovisionsmethode ausprobiere?
A
Vor der Operation wird eine Testphase mit Kontaktlinsen (1–2 Wochen) empfohlen. Dabei kann man die Monovision im tatsächlichen Alltag (Fahren, Lesen, Computerarbeit) erleben und entscheiden, ob sie akzeptabel ist. Zudem werden vor der Operation immer die Bestimmung des dominanten Auges und ein Stereosehtest durchgeführt.
Dies ist die reversibelste Methode und wird auch für den ersten Versuch verwendet.
Standardeinstellungen:
Dominantes Auge: ±0D (vollständige Fernkorrektur)
Nicht-dominantes Auge: +1,5 bis +2,0D (Nahzusatz)
Verschreibungsprinzipien:
Bei der Verschreibung von Gleitsicht-Kontaktlinsen ist es oft erfolgreicher, das dominante und nicht-dominante Auge zu bestätigen und das dominante Auge für die Ferne und das nicht-dominante Auge für die Nähe anzupassen.
Lassen Sie sich nicht nur von Alter oder Additionswerten leiten; es ist oft besser, mit einer niedrigen Addition zu beginnen.
Wenn das Sehen in der Ferne schwierig ist, passen Sie die Sphäre des dominanten Auges in Richtung Ferne an; wenn das Sehen in der Nähe schwierig ist, passen Sie das nicht-dominante Auge in Richtung Nähe an.
Im Dunkeln nimmt die Kontrastempfindlichkeit ab, daher ist beim nächtlichen Fahren Vorsicht geboten.
5-2. Monovision durch refraktive Chirurgie (Chirurgische Monovision)
Methode, bei der durch LASIK/PRK usw. absichtlich eine Myopie in einem Auge belassen wird. Hauptzielgruppe sind Patienten mittleren Alters und älter mit Presbyopie.
Standardzielrefraktion:
Dominantes Auge: 0 D (Emmetropie)
Nicht-dominantes Auge: -1,25 bis -1,50 D (beabsichtigte Restmyopie)
Präoperative Bewertungspunkte:
Ein erfolgreicher präoperativer Versuch mit Kontaktlinsen ist Voraussetzung.
Vor der Operation über die Möglichkeit einer Nachbehandlung (Enhancement) bei postoperativer Unzufriedenheit aufklären.
Bedenken, dass die meisten Patienten myop sind; eine Überkorrektur zur Hyperopie kann bei Naharbeit zu Augenbelastung führen.
Postoperatives Management:
Beurteilung des Sehvermögens 1–3 Monate nach der Operation.
Überprüfen, ob sowohl das Fern- als auch das Nahauge mit dem gewünschten Sehabstand zufriedenstellend sind.
Methode, bei der während der Kataraktoperation ein Auge mit einer Fern-IOL und das andere Auge mit einer Nah-IOL (oder mit Restmyopie-Einstellung) geplant wird.
Einstellungsprinzip:
Dominantes Auge: 0 D (Fernvisus)
Nicht-dominantes Auge: -1,50 bis -2,00 D (Nah-Einstellung)
Diese Option wird als Alternative für Patienten in Betracht gezogen, die keine multifokale IOL wünschen oder bei denen eine multifokale IOL nicht geeignet ist (hohe Aberrationen, schweres trockenes Auge usw.). Zur Korrektur postoperativer Refraktionsfehler kann auch eine photoanpassbare IOL eine Option sein.
Monovision mit Kontaktlinsen
Reversibilität : Hoch (Rückkehr zum Ausgangszustand durch Entfernen der KL)
Dominantes Auge : ±0 D (vollständige Fernkorrektur)
Nicht-dominantes Auge : +1,5 bis +2,0 D (Nahzusatz)
Merkmale : Optimal für einen Testversuch. Einfach anzupassen.
Die Monovisionsmethode als Basis, ergänzt durch eine Lesebrille für präzise Naharbeit, ist eine Option. Bei kurzsichtigen Augen ist auch die „Monovisionsbrille“, bei der unter Fernbrillenkorrektur die unterkorrigierte Seite für die Nähe genutzt wird, eine praktische Wahl.
Nach einer Kataraktoperation mit Monovisionseinstellung sind folgende Punkte zu beachten:
Postoperative Kontrollpunkte:
Überprüfung der Fern-, Nah- und Zwischenvisus jedes Auges
Überprüfung von Visus und Kontrast bei geöffneten beiden Augen
Beurteilung des stereoskopischen Sehens (im Vergleich zu präoperativ)
Subjektive Zufriedenheit des Patienten mit dem Sehen in der gewünschten Entfernung
Umgang mit postoperativem Refraktionsfehler:
Bei Abweichung vom angestrebten Refraktionswert: bei geringer Abweichung Korrektur durch Brille
Bei großer Abweichung ist ein Wechsel zu einer lichtanpassbaren IOL (LAL) eine Option
Die Indikation für eine erneute Operation (IOL-Austausch oder LASIK-Enhancement) ist sorgfältig zu prüfen
Zusammenhang mit Smartphone- und Bildschirmnutzung:
Bei postoperativen Monovisionspatienten tritt zwar keine Akkommodationsbelastung bei der Smartphone-Nutzung auf, jedoch kann bei längerer Naharbeit Konvergenzermüdung entstehen. Die Anleitung zur Arbeitsumgebung bei der Nutzung digitaler Geräte ist Teil des postoperativen Managements.
5-6. Praktischer Ablauf der Monovisionseinstellung
Nachkontrolle nach 1–2 Wochen : Überprüfung der Zufriedenheit im Alltag (Autofahren, Lesen, PC-Arbeit)
Anpassung : Bei Unzufriedenheit die Addition in Schritten von ±0,25 D anpassen
Endgültige Entscheidung : Bei erfolgreichem Versuch ist der Patient für eine Operation geeignet
Präoperative Abschlusskontrolle : Den Patienten nochmals über die Irreversibilität der Operation, die verminderte Stereosehfähigkeit und die Auswirkungen auf das Tiefensehen informieren
Der Erfolg des Kontaktlinsenversuchs ist der beste Prädiktor für die postoperative Zufriedenheit1). Bei unbefriedigendem Versuch sollte nicht operiert werden, sondern andere Presbyopiekorrekturoptionen (multifokale Kontaktlinsen, Gleitsichtbrillen usw.) in Betracht gezogen werden.
Empfohlener Nachsorgeplan nach einer Monovisionsoperation:
1 Woche postoperativ : Überprüfung des Hornhaut- und Augeninnenstatus, Messung des korrigierten Visus
1 Monat postoperativ : Bestätigung der Refraktionsstabilität, Bewertung der Patientenzufriedenheit
3 Monate postoperativ : Festlegung der endgültigen Refraktion, ggf. Erwägung einer Nachbehandlung
6 Monate und 1 Jahr nach der Operation: Überprüfung des Langzeitverlaufs, Beurteilung des stereoskopischen Sehens, Behandlung von Unzufriedenheitssymptomen
Alle 2–3 Jahre: Überprüfung der Addition (Anpassung an das Fortschreiten der Presbyopie)
Bei starker Abnahme des stereoskopischen Sehens oder Unzufriedenheit nach der Operation ist es sicher, zuerst eine Korrekturanpassung mit Kontaktlinsen (Änderung der Addition oder Wechsel zu Gleitsicht-Kontaktlinsen) zu versuchen, bevor eine erneute Operation in Betracht gezogen wird. Eine angemessene Patientenauswahl und sorgfältige präoperative Beratung sind unerlässlich, um die postoperative Zufriedenheit zu maximieren.
Besondere Vorsicht ist bei Berufen geboten, die Tiefensehvermögen und stereoskopisches Sehen erfordern:
Beruf
Hinweise
Maßnahmen
Auto- oder Zugführer
Kann das Bestehen des Tiefensehtests beeinflussen
Überprüfung der Arbeitsvorschriften, Erwägung von Mini-Monovision
Pilot (Luftfahrt)
Tiefensehvermögen erforderlich. Monovision kann verboten sein
Vorherige Überprüfung der flugmedizinischen Tauglichkeitskriterien obligatorisch
Bauarbeiter, Arbeiten in der Höhe
Verminderte Tiefenwahrnehmung beeinträchtigt die Sicherheit
Detaillierte Überprüfung der Arbeitsinhalte, Prüfung alternativer Methoden
Chirurg/Zahnarzt
Anforderung an räumliches Sehen bei Präzisionsarbeit
Option einer zusätzlichen Lesebrille während der Operation
Sportler
Verminderte Tiefenwahrnehmung bei Ballsportarten und Kampfsport
Mini-Monovision in Betracht ziehen und individuelle Bewertung
Der Tiefensehtest (Führerschein, bestimmte Qualifikationen) bewertet das binokulare Sehen, daher kann die Monovision das Bestehen des Tests beeinflussen. Bei beruflichem Risiko ist vor dem Eingriff eine ausführliche Aufklärung und Einwilligung erforderlich.
Die für die Presbyopiekorrektur erforderliche Addition ändert sich mit dem Alter. Mit zunehmender Addition wird auch die Abnahme des räumlichen Sehens deutlicher, sodass eine regelmäßige Neubewertung je nach Alter erforderlich ist.
Alter
Akkommodationsbreite (Richtwert)
Monovisions-Addition (Richtwert)
Merkmale
40–45 Jahre
3–5 D
+1,00 bis +1,50 D
Korrektur mit geringer Addition möglich
45–50 Jahre
2–3 D
+1,50 bis +1,75 D
Mittelentfernung ebenfalls berücksichtigen
50–55 Jahre
1–2 D
+1,75 bis +2,00 D
Vollständige Monovision erforderlich
55 Jahre und älter
0–1 D
+2,00 bis +2,50 D
Zusätzliche Nahbrille kann erforderlich sein
Eine Neubewertung und Anpassung der Monovisionsmethode wird alle 2–3 Jahre empfohlen. Da mit zunehmender Addition auch das Ausmaß der Stereopsis-Verminderung zunimmt, ist es wichtig, bei Patienten mit Berufen, die eine gute Tiefenwahrnehmung erfordern, frühzeitig einen Wechsel zu einer alternativen Methode (z. B. Gleitsichtgläser) in Betracht zu ziehen.
Patientenzufriedenheit und Lebensqualität bei der Monovisionsmethode
Das Verständnis der Faktoren, die die Patientenzufriedenheit beeinflussen, verbessert die geeignete Patientenauswahl und die Qualität der präoperativen Beratung.
Faktoren, die mit einer verbesserten Zufriedenheit verbunden sind:
Erfolgreicher präoperativer Kontaktlinsenversuch
Präoperative Erfahrung mit Anisometropie (Vorgeschichte unkorrigierter einseitiger Myopie)
Dominantes Auge klar bestimmbar
Geringe Häufigkeit von Nachtfahrten
Geringer Bedarf an Präzisionsarbeit und Sport
Realistische Erwartungen des Patienten (keine überhöhten Erwartungen wie „überhaupt keine Brille mehr nötig“)
Faktoren, die mit Unzufriedenheit verbunden sind:
Verminderter Kontrastempfindlichkeit in der Nacht
Wahrnehmung einer verminderten Stereopsis bei Präzisionsarbeit
Geringfügige Unzufriedenheit beim Kontaktlinsenversuch
Nicht-dominantes Auge (dominantes Auge nicht feststellbar)
Postoperativer Refraktionsfehler (Abweichung vom Zielwert)
In der präoperativen Beratung muss betont werden, dass das Ziel nicht „perfektes Sehen“ ist, sondern „praktisches tägliches Sehen ohne Korrektur“, und die Bildung realistischer Erwartungen ist für die Aufrechterhaltung der postoperativen Zufriedenheit unerlässlich.
Patienten mit Schwerpunkt auf stereoskopischem Sehen
Die Monovisionsmethode spielt eine wichtige Rolle als „praktische Zwischenoption“ für Patienten mit starkem optischem Unbehagen bei Gleitsichtgläsern, die keine Brille tragen möchten oder bei denen multifokale IOLs nicht geeignet sind. Es darf nicht vergessen werden, dass eine sorgfältige Patientenauswahl mittels CL-Test der Schlüssel zum Erfolg ist.
Die detaillierte Pathophysiologie ist im Abschnitt „3. Pathophysiologischer Hintergrund“ beschrieben. Nachfolgend werden zusätzliche Informationen gegeben.
Die Monovisionsmethode führt zwangsläufig zu einem Refraktionsunterschied zwischen beiden Augen (Anisometropie). Wenn der Unterschied in der sphärischen Stärke 1,5 D übersteigt, wird Aniseikonie häufig problematisch. Aniseikonie wird als Anomalie der Raumwahrnehmung (Gefühl von Neigung oder Verzerrung) wahrgenommen.
Bei der Korrektur mit Kontaktlinsen ist der Einfluss der Aniseikonie geringer als bei Brillen, daher ist ein Monovision-CL-Versuch auch zur Vorhersage des Operationserfolgs nützlich.
Gleitsicht-Kontaktlinsen sind ebenfalls eine Option zur Presbyopiekorrektur, unterscheiden sich jedoch in folgenden Punkten von der Monovisionsmethode:
Merkmal
Monovision
Gleitsicht-KL
Wirkmechanismus
Monokulares Sehen (ein Auge für Ferne, ein Auge für Nähe)
Simultansehen (Zentrum für Nähe, Peripherie für Ferne usw.)
Bildschärfe
Auf jeder Entfernung scharf
Schlechter als Einstärken-KL
Räumliches Sehen
Vermindert
Relativ erhalten
Indikationen
Nach Bestätigung durch CL-Probe
Anprobenvergleich
Dunkelheit
Kontrastabfall ist bei Gleitsicht-CL ausgeprägt
Kontrastempfindlichkeitsabnahme vorhanden
Wenn Gleitsicht-CL nicht geeignet sind, ist auch die Option einer Monovision-Einstellung mit Einstärken-CL (dominantes Auge für Ferne, nicht-dominantes Auge für Nähe) in Kombination mit einer Lesebrille möglich.
Abwägung zwischen Mini-Monovision und vollständiger Monovision
Bei kleiner Addition (+1,00 bis +1,25 dpt) ist der Einfluss auf das Stereosehen gering, aber die Nahvisusverbesserung begrenzt; bei großer Addition (+1,75 bis +2,00 dpt) verbessert sich der Nahvisus, aber die Abnahme des Stereosehens ist deutlich – ein Zielkonflikt2).
Wenn vor der Operation eine Monovision-Probe mit CL durchgeführt wurde, wird über eine hohe Patientenzufriedenheit nach der Operation berichtet. Prädiktoren für den Erfolg der Probe sind präoperative Erfahrung mit Anisometropie, klare Augendominanz und Erhalt des binokularen Sehens1).
Die Bestimmung der geeigneten Nahzusatzstärke ist der Schlüssel zur Patientenzufriedenheit. Eine geringe Addition (+1,00 bis +1,25 dpt) hat nur geringe Auswirkungen auf das stereoskopische Sehen, verbessert jedoch die Nahsehschärfe nur begrenzt, während eine hohe Addition (+1,75 bis +2,00 dpt) die Nahsehschärfe verbessert, aber zu einer deutlichen Verschlechterung des stereoskopischen Sehens führt – ein Zielkonflikt 2).
Mini-Monovision (Addition +0,75 bis +1,25 dpt) gewinnt als Kompromisslösung an Aufmerksamkeit, die die Presbyopie ausgleicht und gleichzeitig das stereoskopische Sehen relativ erhält. Insbesondere bei der IOL-Einstellung während der Kataraktoperation häufen sich die Belege 3). Ein Bericht über Mini-Monovision mit der neuen monofokalen IOL (Eyhance ICB00) zeigt, dass im Vergleich zur emmetropen Gruppe im mittleren bis nahen Sehbereich (−2,0 bis −4,0 dpt) eine signifikant bessere Sehschärfe erhalten bleibt 5).
Vergleich der binokularen Defokuskurven der emmetropen Gruppe und der Mini-Monovision-Gruppe (Eyhance ICB00 IOL)
Shimizu K, Ito M, Igarashi S, et al. Visual outcomes and spectacle independence of pseudophakic mini-monovision using a new monofocal intraocular lens. Sci Rep. 2022;12(1):22384. Figure 2. PMCID: PMC9755282. License: CC BY 4.0.
Die binokularen Defokuskurven der emmetropen Gruppe (blaue Linie) und der Mini-Monovision-Gruppe (orange Linie) nach Kataraktoperation zeigen, dass die Mini-Monovision-Gruppe im mittleren bis nahen Sehbereich (−2,0 bis −4,0 dpt) eine signifikant bessere Sehschärfe aufrechterhält. Dies entspricht dem im Abschnitt „Aktuelle Forschung und Zukunftsperspektiven“ behandelten Effekt der Sehstreckenerweiterung durch Mini-Monovision.
Durch die zunehmende Nutzung von Smartphones, Tablets usw. wird die Sehschärfe im mittleren Abstand (50–80 cm) immer wichtiger. Im Gegensatz zur herkömmlichen Monovision (Fern + Nah) wird auch ein mikro-monovision-ähnlicher Ansatz untersucht, der Fern- + Mittelsicht priorisiert 4). Auch beim Management der digitalen Augenbelastung (DES) ist die Berücksichtigung von Monovision-Patienten erforderlich, und die TFOS (Tear Film & Ocular Surface Society) hat die Auswirkungen der digitalen Umgebung auf die Augenoberfläche umfassend zusammengefasst 7).
Studien, die multifokale IOLs mit monofokaler IOL-Monovision vergleichen, zeigen, dass multifokale IOLs über alle Entfernungen eine bessere Sehschärfe bieten, während optische Phänomene wie Halos und Blendung häufiger auftreten. Die Wahl entsprechend den Lebensprioritäten des Patienten ist wichtig 3). Eine Metaanalyse von 22 Studien mit 2.200 Augen, die trifokale IOLs und EDOF-IOLs verglich, zeigte, dass trifokale IOLs bei Nahsehschärfe und Brillenunabhängigkeit überlegen sind 6), was als Referenz bei der Prüfung multifokaler IOLs als Alternative zur Monovision dient.
Auswahlleitfaden: Multifokale IOL vs. Monovision (monofokale IOL):
Bei Patienten mit schwerem trockenem Auge, hohen Aberrationen oder verminderter Kontrastempfindlichkeit ist die Monovision mit einer monofokalen IOL oft besser geeignet als eine multifokale IOL.
Im digitalen Zeitalter nimmt die Bildschirmzeit weltweit zu 8)9), und auch bei Patienten, die sich einer Monovision unterzogen haben, muss auf die Sehfunktion im mittleren Abstand geachtet werden. Besonders bei Patienten mit langer Bildschirmzeit tritt leicht Akkommodationsermüdung auf 10)11), und neben der Monovisionseinstellung ist die Optimierung der Arbeitsumgebung wichtig 12). Auch bei Kindern und jungen Erwachsenen werden Auswirkungen der zunehmenden Bildschirmzeit berichtet 14), und die Bewertung der Nutzung digitaler Geräte ist für alle Altersgruppen, die eine Presbyopiekorrektur erhalten, unerlässlich 13)15)16)17).
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