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Okuloplastik

Herstellung und Pflege der Augenprothese

1. Was sind Herstellung und Pflege einer Augenprothese?

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Eine Augenprothese (ocular prosthesis) ist ein künstliches Auge, das nach einer Enukleation oder Eviszeration in die Augenhöhle eingesetzt wird. Sie hilft, das Aussehen wiederherzustellen, und erfüllt auch Funktionen wie das Offenhalten der Lidspalte, den Erhalt des Bindehautsacks und die Förderung des knöchernen Orbitawachstums bei Kindern.

Augenprothesen haben eine lange Geschichte; ihre Verwendung ist bereits im alten Ägypten und im alten Rom belegt. In der Neuzeit wechselten die Materialien von Metall und Glas zu Acryl (Polymethylmethacrylat: PMMA), und heute ist die individuell angefertigte Acrylprothese der Standard.

Augenprothesen werden in Augenprothesenstellen angefertigt und angepasst, in denen ein Ocularist (eine unterstützende Fachkraft der Augenversorgung) tätig ist. Durch die Zusammenarbeit von Augenarzt und Ocularist erfolgt die Prothesenversorgung von der frühen postoperativen Phase bis zur Langzeitnachsorge. Das Tragen einer Prothese verbessert die soziale und psychische Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich.

Nach einer Enukleation beträgt das Volumendefizit der Orbita 7.0–9.0 ml (Durchschnitt 7.9 ml) 1). Dieses Volumen mit einem Orbitalimplantat und einer Augenprothese auszugleichen ist das Grundprinzip der kosmetischen Wiederherstellung. Das Volumen der Prothese allein wird gewöhnlich auf 2.5–3.5 ml geschätzt (maximale Dicke etwa 4.2 mm) 1).

Zu den Kandidaten für eine Augenprothese gehören alle Patientinnen und Patienten nach Enukleation oder Eviszeration. Sie kann auch aus kosmetischen Gründen bei angeborener Anophthalmie, Mikroophthalmie und schwerer Phthisis bulbi (Atrophie des Augapfels) verwendet werden.

Q Wer braucht eine Augenprothese?
A

Die Hauptkandidaten sind Patienten nach Enukleation oder Eviszeration. Sie kann auch aus kosmetischen Gründen bei angeborener Anophthalmie, Mikroophthalmie und schwerer Phthisis bulbi (Atrophie des Augapfels) getragen werden. Die Prothese spielt nicht nur für das Aussehen eine wichtige Rolle, sondern auch für den Erhalt des Lidschlusses, des Bindehautsacks und die Förderung der Orbitentwicklung bei Kindern.

Augenprothesen werden grob nach Material und Herstellungsverfahren eingeteilt. In der heutigen klinischen Praxis ist die maßgefertigte Prothese, die an die Augenhöhle jeder Person angepasst wird, der Standard, und der Ocularist übernimmt alles von der Abdrucknahme bis zur Endbearbeitung.

ArtMerkmaleAktuelle Einordnung
Vorläufige Augenprothese (Serienprodukt)Vorübergehende Verwendung vor der Anpassung. Wird direkt nach der Operation zur Erhaltung des Bindehautsacks verwendetFrühe Einführung, vorübergehende Verwendung
Individuelle Augenprothese (maßgefertigt)Vom Ocularisten passend zur Form der Augenhöhle gefertigtStandard (endgültige Prothese)
GlasaugenprotheseVon einem erfahrenen Ocularisten gefertigt. Gute glänzende und natürliche Optik. Schwer und leicht zerbrechlichEingeschränkte Verwendung
Kunstauge aus Acryl (PMMA)Leicht, bruchsicherer, leicht anzupassen und zu verändernDer heutige Standard
EigenschaftGlaskunstaugeKunstauge aus Acryl (PMMA)
GewichtSchwerLeicht
HaltbarkeitBricht leichtBricht nicht leicht
AussehenGuter Glanz und sehr natürlichGut
Anpassung und KorrekturSchwierig (erfordert einen erfahrenen Okularisten)Einfach
KostenHöherStandard

Unmittelbar nach der Operation wird ein provisorischer Augenersatz oder ein transparenter Kunststoff-Konformer eingesetzt, um die Form des Bindehautsacks zu erhalten. Der Konformer spielt eine wichtige Rolle dabei, Schrumpfung und Verwachsungen des Bindehautsacks zu verhindern und das spätere Anpassen der Augenprothese zu erleichtern.

Q Was ist besser, eine Glasaugenprothese oder eine Acrylaugenprothese?
A

Acryl-(PMMA-)Augenprothesen sind heute die Standardwahl: Sie sind leicht, bruchfest und lassen sich leicht anpassen. Glas-Augenprothesen haben einen schönen Glanz und wirken natürlich, sind aber schwer und leicht zerbrechlich. In jedem Fall ist der Standard eine maßgefertigte Prothese, die von einem Spezialisten für Augenprothesen an die Augenhöhle der jeweiligen Person angepasst wird. Die Auswahl richtet sich nach dem Zustand der Augenhöhle, den Wünschen des Patienten und den finanziellen Möglichkeiten.

Zu den Trägern von Augenprothesen gehören alle Patienten nach Enukleation oder Eviszeration. Augenverletzungen sind eine der Hauptursachen für das Tragen einer Augenprothese; es wird berichtet, dass weltweit jährlich mehr als 55 Millionen Augenverletzungen auftreten2). In schweren Fällen einer traumabedingten Augenschädigung kann eine Enukleation erforderlich sein2).

In einem Bericht einer Einrichtung wurden zwischen 1996 und 2003 345 Enukleationen durchgeführt; die wichtigsten Indikationen waren Augenverletzungen, Augentumoren und schmerzhafte Phthisis bulbi3).

Bei Kindern sind angeborene Anophthalmie, nach Entfernung eines Retinoblastoms und nach einem Trauma die Hauptursachen für das Tragen einer Augenprothese. Prothesen bei Mikroophthalmie werden grundsätzlich nicht von der Versicherung übernommen, was für Familien eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen kann.

Das Volumen der Augenhöhle wächst ab der Geburt rasch, erreicht mit 5 Jahren etwa 80 % des Erwachsenenwerts und entspricht mit 14 bis 15 Jahren dem eines Erwachsenen1). Deshalb ist die Versorgung mit einer Augenprothese im Kindesalter auch im Hinblick auf das Wachstum der Augenhöhle besonders wichtig.

4. Beurteilung und Untersuchung schwieriger Anpassung der Augenprothese

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Drei Faktoren der schwierigen Anpassung der Augenprothese

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Wenn sich eine Augenprothese nicht gut einsetzen oder halten lässt, lässt sich die Ursache in die folgenden drei Kategorien einteilen.

  1. Einengung und Schrumpfung des Bindehautsacks: Der Bindehautsack ist zu eng und die Prothese passt nicht hinein. Eine Erweiterungsoperation ist notwendig
  2. Zurückweichen und Einsinken des Prothesenlagers/des Orbitalbereichs: Das Prothesenlager oder die Augenhöhle ist zurückweichend und eingesunken, daher muss es aufgebaut werden
  3. Mischtyp: Beide Faktoren sind vorhanden
  • Form und Tiefe der Augenhöhlenprothese: Vorhandensein, Art und Position der Prothesenbasis prüfen
  • Größe des Bindehautsacks: horizontale und vertikale Breite sowie die Tiefe des oberen und unteren Fornix beurteilen
  • Beurteilung des Orbitalvolumens: Das gesamte Orbitavolumen wurde in CT-Messungen mit etwa 24 mL angegeben1), und das Volumendefizit nach Enukleation erreicht im Mittel 7,9 mL1)
  • Hertel-Exophthalmometer: das Ausmaß der Enophthalmie im Vergleich zum gesunden Auge quantifizieren
  • Orbit-CT: Position und Zustand der Prothesenbasis sowie die Knochenstruktur beurteilen
  • Vorhandensein einer Freilegung der Prothesenbasis: bei Freilegung oder Verlagerung eine sekundäre Rekonstruktion erwägen

5. Herstellung, Anpassung und tägliche Pflege der Augenprothese

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Ablauf der Versorgung mit einer Augenprothese bei Erwachsenen und Kindern

Abschnitt betitelt „Ablauf der Versorgung mit einer Augenprothese bei Erwachsenen und Kindern“

Anpassung der Augenprothese bei Erwachsenen

Unmittelbar nach der Operation: einen Konformer oder eine vorübergehende Augenprothese einsetzen, um die Form des Bindehautsacks zu erhalten.

2 bis 4 Wochen nach der Operation: sicherstellen, dass Schmerzen und Entzündung zurückgegangen sind.

6–8 Wochen nach der Operation: Den Ocularisten (Anbieter für Kunstaugen) aufsuchen. Mit der Anpassung der vorläufigen Prothese beginnen.

Nachdem sich der Bindehautsack stabilisiert hat: Eine individuell angefertigte Augenprothese herstellen und fertigstellen.

Danach: Mindestens einmal pro Jahr weiter nachpolieren und regelmäßig anpassen.

Einsetzen einer Augenprothese bei Kindern

Wenn sich der Bindehautsack ausreichend erweitert hat: An den Ocularisten überweisen und mit dem Tragen und Anpassen der vorläufigen Prothese beginnen.

Anzahl und Dauer der Anpassungen: Oft sind 3 oder mehr Anpassungen nötig, und die Anpassungsphase dauert häufig 6 Monate oder länger.

Bedeutung des frühen Tragens: Das möglichst frühe Tragen der Prothese fördert die Entwicklung von Augenlidern und Augenhöhlenknochen. Bei Kindern unter 5 Jahren ist dies besonders wichtig.

Fortlaufende Neuanfertigung: Die Prothese regelmäßig der Entwicklung anpassen und bis zum 14.–15. Lebensjahr fortführen.

Ablauf des Einsetzens einer Augenprothese (nach Phasen)

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PhaseZeitpunktInhalt
1. Einsetzen des KonformersUnmittelbar nach der OperationForm des Bindehautsacks erhalten und Verwachsungen verhindern
2. Bestätigung, dass die Entzündung abgeklungen ist2 bis 4 Wochen nach der OperationBestätigen, dass Schmerzen und Entzündung abgeklungen sind
3. Termin beim Ocularisten6 bis 8 Wochen nach der Operation (Erwachsene)Beginn der Anpassung der provisorischen Prothese
4. Anfertigung einer individuellen AugenprotheseNach Stabilisierung des BindehautsacksFertigstellung der maßgefertigten Augenprothese
5. Regelmäßige NachanpassungMindestens einmal pro JahrNachpolieren und Formkontrolle

Die richtige Pflege der Augenprothese hilft, die Gesundheit der Bindehaut zu erhalten und über lange Zeit ein gutes Aussehen sowie eine gute Funktion zu bewahren.

Tägliches Abwischen:

  • Mit eingesetzter Augenprothese Sekret auf der Augenoberfläche vorsichtig mit weicher Baumwolle oder sauberer Gaze abwischen
  • Es ist auch hilfreich, die Oberfläche mit Augentropfen wie künstlichen Tränen feucht zu halten

Regelmäßige Reinigung (1–2 Mal pro Woche):

  • Die Augenprothese herausnehmen und vorsichtig mit lauwarmem Wasser oder einer speziellen Reinigungsflüssigkeit für Augenprothesen reinigen
  • Seife, Alkohol und heißes Wasser sollten vermieden werden, da sie das Material der Augenprothese beschädigen können
  • Nach der Reinigung die Feuchtigkeit mit sauberer Baumwolle abtupfen und wieder einsetzen

Regelmäßige Wartung durch einen Ocularisten (mindestens einmal pro Jahr):

  • Die Oberfläche der Augenprothese erneut polieren, um Glanz und Glätte wiederherzustellen
  • Die Form der Augenprothese an Veränderungen der Augenhöhle anpassen
  • Wenn die Augenprothese deutlich verfärbt ist oder ihre Form verändert hat, sollte eine neue angefertigt werden

Fortlaufende Pflege des Bindehautsacks: Auch nach einer Operation zur Erweiterung des Bindehautsacks kann es innerhalb von 3 bis 6 Monaten zu Kontraktur und Atrophie kommen. Es ist wichtig, die Augenprothese weiterhin zu tragen und sauber zu halten, um eine Kontraktur des Bindehautsacks zu verhindern.

Eine Augenprothese hält normalerweise 5 bis 10 Jahre. Da sie sich nach und nach verfärbt und ihre Form verändert, sollte sie zum richtigen Zeitpunkt ersetzt werden. Bei Kindern muss sie regelmäßig neu angefertigt werden, entsprechend dem Wachstum und der Entwicklung der Augenhöhle.

Die Kosten für eine Augenprothese hängen von der Art und der Herstellungsweise ab. Eine maßgefertigte individuelle Augenprothese kostet in der Regel etwa 80.000 bis 100.000 Yen. Die folgenden Systeme können anwendbar sein.

  • Erstattung medizinischer Kosten (Krankenversicherung): Eine Augenprothese nach Entfernung des Auges kann unter Umständen von der Versicherung erstattet werden
  • Zuschuss für Hilfsmittel: Wenn ein Schwerbehindertenausweis (Sehbehinderung) vorliegt, kann eine Augenprothese als Hilfsmittel zuschussfähig sein
  • Augenprothese bei Mikrophthalmie: Grundsätzlich nicht durch Versicherungsleistungen abgedeckt, und die finanzielle Belastung für die Familie ist hoch
Q Wie oft sollte eine Augenprothese gereinigt werden?
A

Nehmen Sie die Augenprothese ein- bis zweimal pro Woche heraus und reinigen Sie sie mit lauwarmem Wasser oder einer speziellen Reinigungslösung. Im Alltag wischen Sie bei eingesetzter Prothese Sekrete auf der Augenoberfläche mit weicher Watte ab. Es wird empfohlen, mindestens einmal im Jahr eine erneute Politur und Anpassung durch einen Ocularisten durchführen zu lassen. Wenn die Prothese sauber gehalten wird, trägt das zur Gesundheit der Bindehaut bei und sorgt langfristig für ein gutes Tragegefühl.

6. Probleme der Prothesenhöhle und deren Behandlung

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Wenn das Tragen der Augenprothese schwierig wird, ist je nach Ursache eine passende Behandlung erforderlich.

Korrektur einer Einsenkung der Prothesenhöhle (Anhebung)

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Wenn die Einsenkung der Prothesenhöhle fortschreitet, ist eine chirurgische Anhebung nötig. Die Materialwahl richtet sich nach Ausmaß und Lage der Einsenkung sowie nach dem Allgemeinzustand des Patienten.

MaterialMerkmaleIndikationen
Dermis-Fett-Transplantat (DFG)Weich und leicht an die Augenprothese anzupassen. Bei erneuter Atrophie kann es erneut transplantiert werden. Geringes ExpositionsrisikoErste Wahl. Mäßige Einsenkung
Knochen (Darmbein)Geeignet bei knöcherner Atrophie der Orbita. Stabil und wenig resorbierbarStarke knöcherne Einsenkung
KnorpelEigengewebe. Leicht formbarLokaler Ausgleich
SilikonblockGünstig und leicht zu bearbeiten. Wichtig ist das tiefe EinbringenWenn ausreichend Weichgewebe vorhanden ist
Hydroxylapatit (HA)Hohe Osteokonduktivität und StabilitätTief verwenden, um eine Oberflächenexposition zu vermeiden

Wenn die Einsenkung nicht sehr ausgeprägt ist, lässt sich ein Dermis-Fett-Transplantat relativ leicht entnehmen, und auch die Augenhöhle ist weich, sodass dies eine gute Indikation ist.

DFG ist eine autologe Gewebetransplantation, bei der Dermis und Fett aus Bereichen wie Gesäß oder Innenseite des Oberschenkels entnommen und in die Orbita transplantiert werden. Es kommt zu keiner Fremdkörperreaktion, und das Risiko einer Implantatexposition ist gering4). Die Epithelisierung des Bindehautsacks ist 4 bis 6 Wochen nach der Operation abgeschlossen, danach beginnt die Anpassung der Prothese4).

Bei der primären DFG (gleichzeitig mit der Augenentfernung durchgeführt) erreicht die gute Lidposition 83,3 %, während sie bei der sekundären DFG (sekundäre Rekonstruktion) nur bei 37,5 % liegt4).

Zu den Vorteilen der DFG gehören die Ausbildung eines tiefen Fornix, eine gute Prothesenbeweglichkeit, geringe Kosten und kein Expositionsrisiko4). Bei Kindern kann die DFG mit dem Wachstum zunehmen, und manchmal ist ein Debulking erforderlich4).

Wenn der Bindehautsack kontrahiert ist und die Prothese nicht mehr passt, ist eine Erweiterungsoperation des Bindehautsacks mit einer Vollhauttransplantation angezeigt. Ein aus Leiste oder Unterbauch entnommenes Vollhauttransplantat wird um eine dünne Prothese herum umgestülpt und eingesetzt, wobei die Prothese im Bindehautsack belassen wird. Wichtig ist die tiefe Fixierung des unteren Fornix des Bindehautsacks am Periost des unteren Orbitarandes; bei unzureichender Fixierung kann die Prothese leicht herausfallen.

Das Vorgehen bei freiliegendem Implantat ist wie folgt.

  • Konservative Behandlung: Bei leichter Exposition erfolgen Beobachtung und antibiotische Augentropfen
  • Operative Behandlung: Sekundäre Rekonstruktion mit DFG oder Austausch des Implantats. DFG ist eine wirksame Salvage-Option bei Implantatexposition4)
Q Was soll ich tun, wenn meine Augenprothese nicht mehr gut passt?
A

Die Ursache ist oft eine Atrophie der anophthalmischen Augenhöhle und eine Kontraktur des Bindehautsacks. Bei leichten Fällen kann die Prothese vom Ocularisten neu angepasst werden. Wenn die Einsenkung der Augenhöhle fortschreitet, kann ein operativer Eingriff wie ein Dermis-Fett-Transplantat nötig sein. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen sowohl beim Augenarzt als auch beim Ocularisten.

7. Pathophysiologie und detaillierte Entstehungsmechanismen

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Mechanismus der Atrophie der anophthalmischen Augenhöhle

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Nach der Entfernung des Auges schrumpft das Fettgewebe in der Augenhöhle allmählich, und die Vernarbung des Bindegewebes schreitet fort. Auch die natürliche altersbedingte Abnahme des Orbitalfetts verstärkt diesen Effekt, sodass die gesamte anophthalmische Augenhöhle mit der Zeit stärker einsinkt. Nach einer Strahlentherapie beschleunigen Fibrose und Gefäßschäden im Orbitalgewebe die Atrophie.

Orbitalentwicklung bei Kindern und Prothesenversorgung

Abschnitt betitelt „Orbitalentwicklung bei Kindern und Prothesenversorgung“

Der Augapfel wirkt als Abstandshalter und liefert mechanische Reize für das Wachstum der Orbitaknochen. Nach der Entfernung des Auges geht dieser Reiz verloren, wodurch das Knochenwachstum der Augenhöhle verzögert wird und eine Gesichtsasymmetrie entstehen kann. Das Orbitavolumen erreicht mit 5 Jahren etwa 80 % der Erwachsenengröße und entspricht mit 14 bis 15 Jahren der Erwachsenengröße1), daher ist eine passende Größenanpassung von Prothese und Implantat in dieser Wachstumsphase wichtig. Eine frühe Anpassung einer Augenprothese kann den mechanischen Reiz für die Orbita erhalten und die normale Entwicklung der Orbitaknochen fördern.

Das Augenvolumen soll sich von der Geburt bis zur Pubertät etwa verdreifachen1), weshalb die Prothesen bei Kindern regelmäßig neu angefertigt werden müssen.

Syndrom der anophthalmischen Augenhöhle (Anophthalmic Socket Syndrome)

Abschnitt betitelt „Syndrom der anophthalmischen Augenhöhle (Anophthalmic Socket Syndrome)“

Nach der Entfernung des Auges kann sich das Orbitalfett neu verteilen, was zu einer Kombination von Veränderungen wie Ptosis, Vertiefung der Oberlidfurche, Fehlstellung des Unterlids und Lagophthalmus1) führen kann. Dies wird als Syndrom der anophthalmischen Augenhöhle (Anophthalmic Socket Syndrome) bezeichnet. Eine ausreichende Volumenauffüllung mit Orbitalimplantat und Prothese ist die Grundlage der Vorbeugung.

Auch nach Erweiterungsmaßnahmen kann sich der Bindehautsack innerhalb von 3 bis 6 Monaten erneut kontrahieren und atrophieren. Das fortgesetzte Tragen der Augenprothese erzeugt mechanische Dehnung im Bindehautsack und kann helfen, ein Wiederauftreten der Kontraktur zu verhindern. Sauberkeit der Prothese und kontinuierliches Tragen unterstützen die langfristige Stabilität des Bindehautsacks.

Langzeitergebnisse von DFG: Die primäre DFG zeigte im Vergleich zur sekundären DFG eine bessere Lidposition (83,3 % vs. 37,5 %), was den Vorteil einer frühen Durchführung belegt4). Die meisten Komplikationen waren mild und klangen von selbst ab4).

Expandierbares Hydrogel-Implantat (HEMA): Die Anwendung schrittweise expandierbarer HEMA-Implantate wird untersucht, um das Orbitalwachstum bei Kindern zu fördern1). Es wird erwartet, dass das Orbitavolumen entsprechend dem Wachstumsstadium gesteuert werden kann.

3D-gedruckte Augenprothese: Die Versuche, Augenprothesen mithilfe von digitalem Design und 3D-Druck herzustellen, schreiten voran. Durch präzise Daten zur Form des Prothesenbetts soll eine maßgeschneiderte Augenprothese in kürzerer Zeit und zu geringeren Kosten möglich werden.

KI-gestützter Irisabgleich: Es wird eine Technologie entwickelt, die das Irismuster des gesunden Auges mithilfe von KI analysiert und Farbe sowie Muster der Augenprothese hochpräzise anpasst. Dadurch soll die kosmetische Natürlichkeit verbessert werden.

Psychosoziale Unterstützung für Träger einer Augenprothese: Das Tragen einer Augenprothese wirkt sich nicht nur auf die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbilds aus, sondern auch stark auf die psychische und soziale Lebensqualität. Die Bedeutung einer umfassenden Unterstützung durch ein multidisziplinäres Team (Augenärzte, Ocularisten, klinische Psychologen und Sozialarbeiter) wird anerkannt.

  1. Jovanovic N, Carniciu AL, Russell WW, Jarocki A, Kahana A. Reconstruction of the orbit and anophthalmic socket using the dermis fat graft: a major review. Ophthalmic Plast Reconstr Surg. doi:10.1097/iop.0000000000001610. 2020;36(6):529-543. doi:10.1097/iop.0000000000001610.
  2. Narang U, Maubon L, Shah V, Wagh V. Ocular trauma or Oedipism: completing the evisceration. GMS Ophthalmol Cases. 2021;11:Doc13. doi:10.3205/oc000186. PMID:34540525; PMCID:PMC8422941.
  3. Rasmussen MLR, Prause JU, Johnson M, Kamper-Jørgensen F, Toft PB. Review of 345 eye amputations carried out in the period 1996-2003, at Rigshospitalet, Denmark. Acta Ophthalmol. 2010;88:218-221.
  4. Aryasit O, Preechawai P. Clinical outcomes of primary versus secondary dermis fat graft in anophthalmic socket reconstruction. Eye. 2015;29:1496-1502.

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