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Netzhaut und Glaskörper

Optische Kohärenztomographie-Angiographie (OCTA)

1. Was ist die optische Kohärenztomographie-Angiographie (OCTA)?

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Die optische Kohärenztomographie-Angiographie (Optical Coherence Tomography Angiography; OCTA) ist eine nicht-invasive Fundus-Angiographietechnik, die einem OCT-Gerät mit Nahinfrarotlicht eine Blutflusserkennungsfunktion hinzufügt. Erstmals 2014 klinisch angewendet, verbreitete sie sich schnell als Gefäßvisualisierungstechnik ohne Kontrastmittel.

Das Grundprinzip der OCTA ist der Bewegungskontrast. Durch wiederholtes Scannen derselben Stelle werden zeitlich variierende Signalkomponenten (Bewegung von Blutzellen) von stationären Gewebesignalen getrennt, um Blutflussinformationen zu extrahieren. Ein repräsentativer Algorithmus ist SSADA (Split-Spectrum Amplitude-Decorrelation Angiography).

Je nach Lichtquelle gibt es zwei Typen: SD-OCT (Spektralbereich) und SS-OCT (gewellte Quelle). SS-OCT hat eine längere Wellenlänge und eignet sich daher besser zur Darstellung tiefer Aderhautschichten.

Q Was ist der Unterschied zwischen OCTA und Fluoreszein-Angiographie (FA)?
A

Bei der FA wird ein Kontrastmittel intravenös injiziert und das Fluoreszenzmuster einschließlich Leckagen zweidimensional aufgezeichnet. Die OCTA stellt ohne Kontrastmittel nur den Blutfluss dreidimensional dar und ermöglicht eine schichtweise Analyse und Quantifizierung. Sie kann jedoch keine Leckagen, Anfärbungen oder Pooling bewerten und wird daher ergänzend zur FA eingesetzt. Einzelheiten finden Sie im Abschnitt „Hauptmerkmale und Vergleich mit FA“.

Nicht-invasiv und schnell

Kein Kontrastmittel erforderlich: Kein Risiko von Kontrastmittelnebenwirkungen wie Anaphylaxie.

Kurze Untersuchungszeit: Eine einzelne Aufnahme dauert nur Sekunden bis einige zehn Sekunden.

Wiederholbar: Häufige Aufnahmen zur Verlaufskontrolle können ohne Belastung für den Patienten durchgeführt werden.

Dreidimensional und quantitativ

Schichtweise Analyse: Die Netzhaut wird in 4 Schichten unterteilt, und die Gefäßnetze jeder Schicht können separat dargestellt werden.

Quantitative Bewertung: Gefäßdichte (VD) und kapillare Perfusionsdichte (MPD) können numerisch erfasst werden.

Gleichzeitige Beurteilung von Morphologie und Fluss: OCT-Strukturbilder und Gefäßbilder können überlagert werden.

Vorteile gegenüber der Fluoreszenzangiographie (FA)

Darstellung von Flusslücken: Nicht perfundierte Bereiche und Kapillarausfälle können detailliert visualisiert werden.

Trennung der Kapillargeflechte: Oberflächliches und tiefes Kapillargeflecht können getrennt beurteilt werden.

Einschränkungen gegenüber der Fluoreszenzangiographie (FA)

Keine Darstellung von Leckagen: Erhöhte Gefäßpermeabilität und Leckagen aus Neovaskularisationen können nicht nachgewiesen werden.

Enges Gesichtsfeld: Die Standardgröße beträgt etwa 3×3 bis 12×12 mm und ist damit der Weitwinkel-FA unterlegen.

Geräteabhängige quantitative Werte: Werte wie die Gefäßdichte sind zwischen verschiedenen Geräten nicht direkt vergleichbar.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen FA und OCTA sind unten aufgeführt.

EigenschaftFAOCTA
KontrastmittelErforderlichNicht erforderlich
LeckagebeurteilungMöglichNicht möglich
SchichtanalyseNicht möglichMöglich
Q Kann OCTA die FA vollständig ersetzen?
A

Derzeit ist das nicht möglich. Die FA ist nach wie vor unverzichtbar für die Beurteilung von Leckage, Anfärbung und Aktivität von Neovaskularisationen. Es ist angemessen, beide komplementär einzusetzen.

Für eine genaue OCTA sind eine angemessene Vorbereitung und ein korrekter Aufnahmeablauf erforderlich.

  • Mydriasis : Die Aufnahme unter Mydriasis wird empfohlen. Bei enger Pupille ist die Bildqualität deutlich vermindert.
  • Fixationskontrolle : Schlechte Fixation ist die Hauptursache für Augenbewegungsartefakte. Lassen Sie den Patienten das Fixationslicht fixieren und vergewissern Sie sich einer stabilen Fixation vor der Aufnahme.
  • Beurteilung von Katarakt und Glaskörpertrübungen : Medientrübungen reduzieren die Signalintensität und führen zu einer schlechten Darstellung der Gefäße.

Der Standardaufnahmebereich kann von 3×3 mm (hohe Auflösung) bis 12×12 mm (großes Feld) gewählt werden. Für die Makulabeurteilung werden häufig 3×3 mm oder 6×6 mm verwendet. Für die Beurteilung des Sehnervenkopfes ist 4,5×4,5 mm üblich.

Bei der OCTA werden die Grenzen jeder Schicht (Segmentierung) automatisch anhand der OCT-Schnittbilder festgelegt, aber bei kranken Augen versagt die automatische Segmentierung häufig. Überprüfen Sie nach der Aufnahme immer die Segmentierungslinien und korrigieren Sie Abweichungen manuell.

4. Normalbefunde und Gefäßplexus der einzelnen Schichten

Abschnitt betitelt „4. Normalbefunde und Gefäßplexus der einzelnen Schichten“

In der OCTA werden die retinalen Gefäßplexus in die folgenden vier Schichten unterteilt dargestellt.

SchichtnameAbkürzungHauptlokalisation
Oberflächlicher KapillarplexusSCPNervenfaserschicht bis Ganglienzellschicht
Tiefer KapillarplexusDCPInnere bis äußere Körnerschicht
Äußere NetzhautGefäßlose Schicht (normalerweise kein Blutfluss)
Choroidealer KapillarplexusCCDirekt unter der Bruch-Membran

Einige Geräte verwenden auch eine Klassifikation, die das Kapillarnetz der Nervenfaserschicht (RPCP) einschließt.

  • SCP: Dicke Arterien und Venen sowie dichtes Kapillarnetz. Die foveale avaskuläre Zone (FAZ) ist klar abgrenzbar.
  • DCP: Dichteres, wabenartiges Kapillarnetz. Die FAZ erscheint oft kleiner als im SCP.
  • Äußere Netzhaut: Normalerweise kein Blutflusssignal. Wird ein Flusssignal nachgewiesen, ist eine Neovaskularisation Typ 1, 2 oder 3 (MNV) zu vermuten.
  • CC: Granuläres Flussmuster. Dargestellt als Flusspunkte.

Die OCTA weist spezifische Artefakte auf, die die klinische Beurteilung beeinflussen können, daher ist ihr Verständnis unerlässlich.

Die wichtigsten Artefakte sind nachfolgend zusammengefasst.

ArtefaktUrsacheAuswirkung
SignalabfallMedientrübung, PigmentPseudo-Flow-Void
ProjektionSchatten oberflächlicher GefäßeFalscher Blutfluss in tiefen Schichten
SegmentierungsfehlerPathologische morphologische VeränderungenSchichtübergreifende Signalmischung
AugenbewegungenSchlechte FixationLineare weiße Bänder / Doppelungen
  • Signalabschwächungsartefakt : Katarakt, Glaskörperblutung oder Pigmentierung schwächen das tiefe Signal ab, und tatsächlich perfundierte Gefäße werden fälschlicherweise als Flow Voids interpretiert.
  • Projektionsartefakt : Das Signal oberflächlicher Gefäße wird auf tiefe Schichten projiziert und als falscher Blutfluss dargestellt. Projektionsentfernungsalgorithmen (PR) in manchen Geräten reduzieren dies, können es aber nicht vollständig beseitigen.
  • Segmentierungsfehler : Bei Netzhautödem, Atrophie oder epiretinaler Membran versagt die automatische Segmentierung, und Gefäßinformationen aus anderen Schichten werden eingemischt. Manuelle Korrektur ist erforderlich.
  • Augenbewegungsartefakt : Weißes, linien- oder reißverschlussartiges Rauschen durch schlechte Fixation. Prinzipiell ist eine Wiederholungsaufnahme nötig, aber einige Geräte können mit einem Eye-Tracker korrigieren.
Q Wie lassen sich Artefakte minimieren?
A

Vor der Aufnahme sind Pupillenerweiterung, Fixationskontrolle und Medienbeurteilung durchzuführen und der Bildqualitäts-Score zu überprüfen. Die Segmentierung ist nach der Aufnahme stets visuell zu kontrollieren. Bei Geräten mit Projektionsentfernungsfunktion ist diese zu aktivieren.

Die OCTA wird zur Diagnose und Behandlung verschiedener Netzhaut- und Sehnervenerkrankungen eingesetzt.

Die OCTA kann kapilläre Anomalien bei DR detailliert darstellen. Eine Vergrößerung/Unregelmäßigkeit der FAZ, Kapillarverlust (Flow Void) und Neovaskularisationen sind nachweisbar. Die AAO-Leitlinie zur diabetischen Retinopathie (2024) stuft die OCTA als ergänzende Untersuchung zur FA ein, die insbesondere zur Beurteilung des kapillären Netzes der Makula nützlich ist5).

Die Gefäßdichte (VD) korreliert mit dem DR-Stadium und wird als objektiver Indikator für retinale Ischämie erforscht.

Srinivasan et al. (2023) berichteten in einer Längsschnittstudie an DR-Patienten, dass eine niedrige SCP-VD zu Studienbeginn mit einem höheren Risiko für eine Progression des DR-Schweregrads innerhalb eines Jahres verbunden war2). Die mediane SCP-VD betrug 12,90 % in der Progressionsgruppe und 14,90 % in der Nicht-Progressionsgruppe, mit einem signifikanten Unterschied (p=0,032); die Hazard Ratio betrug 0,825 (AUC=0,643).

Der Nachweis choroidaler Neovaskularisationen (MNV) ist eine der Hauptindikationen der OCTA. Die AAO-Leitlinie zur AMD (2024) gibt eine Sensitivität von 0,87 und eine Spezifität von 0,97 für den Nachweis makulärer Neovaskularisationen mittels OCTA an, was einer mit der FA vergleichbaren diagnostischen Genauigkeit entspricht6).

Darüber hinaus können mit der OCTA asymptomatische subklinische makuläre Neovaskularisationen (Typ-1-MNV, MNV unter Drusen) nachgewiesen werden, die in der FA nicht sichtbar sind, was im Hinblick auf eine frühzeitige Intervention von Interesse ist6).

Beim RVO werden Kapillarverlust und Flow Voids an der Verschlussstelle mittels OCTA deutlich dargestellt. Die AAO-Leitlinie zum RVO (2024) gibt an, dass die OCTA zur Beurteilung des ischämischen Bereichs des kapillären Netzes der Makula nützlich ist7).

Beim RAO sind bereits in der akuten Phase Flow Voids in den oberflächlichen Kapillaren entsprechend dem Versorgungsgebiet der verschlossenen Arterie zu erkennen. Die AAO-Leitlinie zum RAO (2024) gibt an, dass die frühe Beurteilung des Blutflusses mittels OCTA für das Management nützlich ist8).

  • Torpedo-Makulopathie: Die OCTA zeigt avaskuläre Bereiche in der äußeren Netzhaut und der Aderhautkapillarschicht. Knanil et al. (2023) führten eine OCTA bei Torpedo-Makulopathie Typ 1 und 2 durch und berichteten über einen Signalverlust der Aderhautkapillarschicht, der mit der Läsion übereinstimmte1).
  • Sichelzellkrankheit (SCD): Bei SCD ist es wichtig, die Gefäßschäden an Bindehaut und Netzhaut an mehreren Stellen zu beurteilen. Mgboji et al. (2022) nutzten die konjunktivale OCTA, um die mikrovaskulären Merkmale der Bindehaut bei SCD-Patienten zu erfassen, und zeigten, dass diese Methode zur Überwachung von Gefäßkomplikationen der SCD eingesetzt werden kann3).
  • Glaukom: Die Ausdünnung des radialen peripapillären Kapillargeflechts (RPCP) und der Nervenfaserschicht (NFL) korrelieren. Zuberi et al. (2022) berichteten über einen Fall von Normaldruckglaukom (NTG) mit einer niedrigen OCTA-Gefäßdichte von 49,75 % und zeigten den Nutzen der OCTA bei der Bewertung vaskulärer Faktoren des Glaukoms4).
Q Kann die OCTA bei der Früherkennung des Glaukoms helfen?
A

Beim Glaukom können eine Ausdünnung der Nervenfaserschicht und eine Abnahme der peripapillären Gefäßdichte vor Gesichtsfeldausfällen auftreten, und die Forschung zur Früherkennung mittels OCTA schreitet voran. Zuberi et al. (2022) berichteten über eine verminderte OCTA-Gefäßdichte bei einem NTG-Fall4). Derzeit spielen jedoch die strukturelle OCT-Bildgebung und die Gesichtsfelduntersuchung die Hauptrolle bei Diagnose und Management, während die OCTA eine ergänzende Rolle spielt.

7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte aus der Forschungsphase)

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Vorhersage des Fortschreitens der diabetischen Retinopathie anhand der Gefäßdichte

Abschnitt betitelt „Vorhersage des Fortschreitens der diabetischen Retinopathie anhand der Gefäßdichte“

Es wird daran geforscht, die quantitativen Indikatoren der OCTA als Biomarker zur Vorhersage des Fortschreitens der diabetischen Retinopathie (DR) zu nutzen.

Srinivasan et al. (2023) zeigten longitudinal, dass die basale SCP-VD (Gefäßdichte) signifikant mit dem Risiko des DR-Fortschreitens assoziiert war2). VD 12,90 % (Progressionsgruppe) vs. 14,90 % (Nicht-Progressionsgruppe), p=0,032, Hazard Ratio 0,825, AUC=0,643. Mit verbesserter Sensitivität und Spezifität wird eine zukünftige Anwendung für personalisierte Nachsorge erwartet.

Systemisches Krankheitsmanagement mittels konjunktivaler OCTA

Abschnitt betitelt „Systemisches Krankheitsmanagement mittels konjunktivaler OCTA“

Neben der herkömmlichen Fundus-OCTA findet die OCTA zunehmend Anwendung am vorderen Augenabschnitt und an der Bindehaut.

Mgboji et al. (2022) bewerteten die Gefäßmorphologie von SCD-Patienten mittels konjunktivaler OCTA und zeigten deren Potenzial für die nicht-invasive Überwachung systemischer Gefäßkomplikationen3).

Die Entwicklung und Verbreitung von Ultraweitwinkel-OCTA (>12×12 mm) wird voraussichtlich die Erkennungsempfindlichkeit für periphere Netzhautgefäßläsionen und Neovaskularisationen bei präproliferativer Retinopathie verbessern.

Frühzeitige Intervention bei subklinischer makulärer Neovaskularisation

Abschnitt betitelt „Frühzeitige Intervention bei subklinischer makulärer Neovaskularisation“

Klinische Studien laufen, um zu untersuchen, ob eine Anti-VEGF-Behandlung von subklinischen makulären Neovaskularisationen, die mittels OCTA entdeckt wurden, den Übergang zur exsudativen AMD verhindern kann6).

Q In welche Richtung wird sich OCTA in Zukunft entwickeln?
A

Die Hauptrichtungen sind Weitwinkel, höhere Geschwindigkeit, automatische Analyse durch KI und Standardisierung quantitativer Biomarker. Die Etablierung von Standardisierungskriterien zur Beseitigung von Unterschieden in quantitativen Werten zwischen Geräten ist ebenfalls ein wichtiges Forschungsthema.


  1. Knani L, Ghribi O, Trigui A, et al. Optical coherence tomography angiography features of torpedo maculopathy. Saudi J Ophthalmol. 2023;37:63-65.
  2. Srinivasan S, Bhambra N, Jaiswal N, et al. Optical coherence tomography angiography as a predictor of diabetic retinopathy progression. Eye. 2023;37:3781-3786.
  3. Mgboji GE, Rao A, Kim AY, et al. Conjunctival optical coherence tomography angiography in sickle cell disease. Am J Ophthalmol Case Rep. 2022;26:101428.
  4. Zuberi HZ, Arshad FA, Boon MY. Optical coherence tomography angiography in normal tension glaucoma. Case Rep Ophthalmol. 2022;13:227-233.
  5. American Academy of Ophthalmology. Diabetic Retinopathy Preferred Practice Pattern. AAO; 2024.
  6. American Academy of Ophthalmology. Age-Related Macular Degeneration Preferred Practice Pattern. AAO; 2024.
  7. American Academy of Ophthalmology. Retinal Vein Occlusions Preferred Practice Pattern. AAO; 2024.
  8. American Academy of Ophthalmology. Retinal Artery Occlusions Preferred Practice Pattern. AAO; 2024.

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