Grad 1
Zentrale Drusen: Kleine bis mittelgroße gelb-weiße Ablagerungen, die im zentralen Bereich verstreut sind.
Sehschärfe: Bleibt oft relativ gut erhalten.
Die North Carolina Makuladystrophie (North Carolina Macular Dystrophy; NCMD) ist eine Makuladystrophie, eine Gruppe erblicher Netzhaut-Aderhaut-Degenerationserkrankungen, die hauptsächlich die Makula betreffen. Es handelt sich um eine angeborene, nicht fortschreitende Makulafehlbildung mit autosomal-dominantem Erbgang und vollständiger Penetranz.
Sie wurde vor etwa 50 Jahren erstmals in einer großen Familie in North Carolina beschrieben. Ursprünglich wurde sie von Lefler, Wadsworth und Sidbury als „hereditäre Makuladegeneration und Aminoazidurie“ beschrieben. Die Assoziation mit Aminoazidurie war jedoch nicht konsistent, und der Name „Syndrom“ erwies sich als Fehlbezeichnung. Später bewertete Small den Phänotyp derselben Familie neu, und im Atlas of Macular Diseases von Gass wurde sie aufgrund eines Gründereffekts als „North Carolina Makuladystrophie“ benannt.
Obwohl als seltene Erkrankung angesehen, wurden weltweit über 50 Familien berichtet. Betroffene Familien wurden in den USA, Europa, Mittelamerika, Australien, Neuseeland, Korea, der Türkei und China identifiziert, und der Name „North Carolina“ ist geografisch nicht eingeschränkt.
Auch bekannt unter folgenden Namen:
CAPED und die „autosomal-dominante zentrale Pigmentepithel- und Aderhautdegeneration (ADCPECD)“ erwiesen sich später als familiäre Zweige der ursprünglichen NCMD-Familie.
Weltweit wurden mehr als 50 Familien berichtet. Es wurde nicht nur in den USA, sondern auch in weiten Regionen wie Europa, Asien, Ozeanien usw. bestätigt und ist keine so lokalisierte Erkrankung, wie der Name „North Carolina“ vermuten lässt.
Die subjektiven Symptome der NCMD variieren stark je nach Schweregrad der Läsionen.
Die Sehschärfe ist oft besser als aufgrund des Erscheinungsbildes der Läsionen zu erwarten wäre. Sie reicht von 20/20 (1,0) bis unter 20/400 (0,05). Sie bleibt in der Regel lebenslang stabil, sofern keine CNVM auftritt. Das Farbsehen ist normalerweise normal.
Die Makulaläsionen weisen eine große phänotypische Vielfalt auf. Die Läsionen sind angeboren und beidseits symmetrisch. Sie werden im Allgemeinen in die Grade 1 bis 3 eingeteilt.
Grad 1
Zentrale Drusen: Kleine bis mittelgroße gelb-weiße Ablagerungen, die im zentralen Bereich verstreut sind.
Sehschärfe: Bleibt oft relativ gut erhalten.
Grad 2
Konfluente Drusen / vitelliforme Läsion: Die Drusen verschmelzen und bilden eine zentrale vitelliforme (dotterartige) Läsion.
Sehschärfe: Kann leicht vermindert sein.
Grad 3
Kolobomartige Läsion: Großer zentraler Defekt mit Atrophie, die zur Aderhaut oder Sklera hin eingedellt ist. Häufig begleitet von subretinaler Fibrose in der Umgebung.
Sehschärfe: Obwohl schwerwiegend aussehend, können einige Patienten 20/40 (0,5) halten.
Die kolobomartige Läsion Grad 3 ist normalerweise leicht temporal der Makula zentriert. Daher können einige Patienten beim Anpassen der Fixation wie schielend aussehen.
Die Makulaläsionen des NCMD sind angeboren und grundsätzlich nicht fortschreitend. Ohne CNVM bleibt die Sehschärfe oft ein Leben lang stabil. Tritt jedoch eine CNVM auf, kann sie zu einer fortschreitenden Sehverschlechterung führen (siehe Abschnitt „Standardbehandlung“).
NCMD ist eine angeborene Entwicklungsanomalie der Makula, die durch genetische Faktoren verursacht wird.
An der NCMD sind hauptsächlich zwei Genloci beteiligt.
Das PRDM13-Genprodukt ist ein Transkriptionsfaktor, der in der sich entwickelnden neuralen Netzhaut (insbesondere in Amakrinzellen) exprimiert wird. Das IRX1-Genprodukt ist ebenfalls ein entwicklungsrelevanter Transkriptionsfaktor, jedoch nicht auf das Nervensystem beschränkt.
Autosomal-dominante Vererbung mit vollständiger Penetranz. Allerdings besteht eine große phänotypische Variabilität (variable Expressivität), sodass innerhalb derselben Familie unterschiedliche Schweregrade von Grad 1 bis Grad 3 auftreten können.
Die klinische Diagnose basiert auf den charakteristischen bilateral-symmetrischen angeborenen Makulaläsionen und der Familienanamnese. Die Untersuchung weiterer Familienmitglieder kann die phänotypische Variabilität aufdecken und die Diagnose erleichtern.
Für die Diagnose von Makuladystrophien sind Sehschärfe, Gesichtsfelduntersuchung, Funduskopie, Fluoreszenzangiographie, Fundusautofluoreszenz, OCT sowie elektrophysiologische Untersuchungen (ERG, EOG) hilfreich.
| Untersuchung | Befund bei NCMD | Differenzialdiagnostische Bedeutung |
|---|---|---|
| Ganzfeld-Elektroretinogramm | In der Regel normal | Nützlich zur Abgrenzung von anderen IRD |
| EOG | In der Regel normal | Nützlich zur Abgrenzung von der Best-Krankheit |
Ein normales Ganzfeld-Elektroretinogramm ist ein wichtiger Befund, um die NCMD von anderen erblichen Netzhauterkrankungen wie Zapfendystrophie oder Morbus Stargardt zu unterscheiden.
Das EOG ist in der Regel normal, es wurden jedoch auch Fälle mit normalem Elektroretinogramm und abnorm niedrigem Arden-Quotienten berichtet. Ein normales Elektroretinogramm bei abnormalem EOG gilt als charakteristisch für die Best-Krankheit, es ist jedoch zu beachten, dass ähnliche Befunde auch bei einigen Fällen von NCMD auftreten können.
Die DNA-Sequenzierung der Loci MCDR1 (Chromosom 6) und MCDR3 (Chromosom 5) kann die klinische Diagnose bestätigen. Allerdings schließt das Fehlen bekannter Mutationen eine NCMD nicht aus. Die meisten privaten Labore für erbliche Netzhauterkrankungen untersuchen nur den MCDR1-Locus, nicht den MCDR3-Locus.
Bei Morbus Best ist der Arden-Quotient im EOG in fast 100% der Fälle abnormal niedrig. Bei NCMD ist das EOG in der Regel normal. Zudem ist Morbus Best durch eine vitelliforme gelbe erhabene Läsion der Makula gekennzeichnet, deren Erscheinungsbild sich mit dem Krankheitsstadium ändert. NCMD ist grundsätzlich nicht progressiv, und das Ganzfeld-Elektroretinogramm ist normal, was für die Differenzialdiagnose nützlich ist.
Derzeit gibt es keine kurative Therapie für NCMD. Die Behandlung konzentriert sich auf die symptomatische Therapie von Komplikationen der CNVM und die Sehbehindertenversorgung.
Eine regelmäßige Überwachung auf das Auftreten einer CNVM ist wichtig. Regelmäßige Beurteilungen mittels OCT und Fluoreszenzangiographie werden durchgeführt.
Bei CNVM ist die intravitreale Injektion von Anti-VEGF wirksam. Bei fovealer CNV wird ein VEGF-Inhibitor intravitreal verabreicht.
Bei fortgeschrittener Sehverschlechterung werden Refraktionskorrektur und Hilfsmittel für Sehbehinderte (z. B. Lupen, Bildschirmlesegeräte) eingesetzt. Auch eine Kataraktoperation kann je nach Zustand des Auges in Betracht gezogen werden.
NCMD ist eine angeborene Entwicklungsstörung der Makula, deren Wesen eine Störung der Entwicklung der neurosensorischen Netzhaut aufgrund von Genmutationen ist.
Die meisten Betroffenen haben eine Mutation im MCDR1-Locus auf Chromosom 6. Die Mutation befindet sich in einer DNase1-hypersensitiven Bindungsstelle (nicht-kodierende DNA) stromaufwärts des PRDM13-Gens. Es wird angenommen, dass diese Mutation die Chromatinstruktur verändert und die Transkriptionsregulation des PRDM13-Gens beeinträchtigt.
Das PRDM13-Genprodukt ist ein Transkriptionsfaktor, der in der sich entwickelnden neurosensorischen Netzhaut exprimiert wird, insbesondere in Amakrinzellen. Es wurden Anomalien der oszillatorischen Potenziale berichtet, die mit einer Funktionsstörung der Amakrinzellen vereinbar sind, aber die Definition des Normalbereichs ist nicht gut etabliert.
Auch der MCDR3-Locus auf Chromosom 5 wurde als weitere Ursache identifiziert. Es wurde eine Duplikationsregion gefunden, die das IRX1-Gen enthält; dieses Genprodukt ist ein entwicklungsbezogener Transkriptionsfaktor, der jedoch nicht auf das Nervensystem beschränkt ist.
Es wurde vermutet, dass diese Mutationen die Chromatinfaltung verändern und strukturelle Varianten verursachen, aber der detaillierte Mechanismus, der zur Makuladegeneration führt, ist weiterhin unbekannt.
Auch wenn bekannte Mutationen (MCDR1- und MCDR3-Genloci) nicht nachgewiesen werden, kann eine NCMD nicht ausgeschlossen werden. Private Gentests umfassen oft nur den MCDR1-Genlocus, sodass Mutationen im MCDR3-Genlocus oder unbekannte Mutationen möglicherweise nicht erkannt werden. Die Diagnose wird durch eine Gesamtbewertung der klinischen Befunde und der Familienanamnese gestellt.