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Tumoren und Pathologie

Onkozytom (oxyphiler Zelltumor)

1. Was ist ein Onkozytom (eosinophiler Zelltumor)?

Abschnitt betitelt „1. Was ist ein Onkozytom (eosinophiler Zelltumor)?“

Ein Onkozytom (eosinophiler Zelltumor) ist ein gutartiger Tumor, der aus eosinophilen Epithelzellen (Onkozyten) mit vielen Mitochondrien besteht. Das Onkozytom der Augenadnexe wurde 1941 erstmals in der Literatur als Läsion der Tränenkarunkel beschrieben.

Zu den bekannten Vorkommensorten im Körper gehören Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Speicheldrüsen und Nieren; in den Speicheldrüsen macht es 1 % bis 2 % aller Tumoren aus. In den Augenadnexen ist die Inzidenz mit 0,3 pro 1 Million Menschen und Jahr äußerst selten. In der ICD-10-Klassifikation fällt es unter D31.

Im Folgenden ist die Häufigkeit des Onkozytoms der Augenadnexe nach Vorkommensort auf Grundlage einer Auswertung von 212 Fällen in der Literatur dargestellt.

VorkommensortFallzahlAnteil
Tränenkarunkel127 Fälle60%
Tränensack40 Fälle19%
Bindehaut20 Fälle10%
Augenlid15 Fälle6%
Tränendrüse10 Fälle5%

Berichte über die maligne Form (eosinophiles Adenokarzinom) sind äußerst selten; es wurden nur 3 Fälle in der Tränendrüse und 11 im Tränensack beschrieben.

Q An welcher Stelle tritt das Onkozytom der okulären Adnexe am häufigsten auf?
A

In einer Literaturübersicht mit 212 Fällen war die Tränenkarunkel am häufigsten betroffen, mit 127 Fällen (60 %). Danach folgten der Tränensack (19 %) und die Bindehaut (10 %). Das Auftreten in Tränendrüse und Lid ist relativ selten.

Das häufigste Symptom ist das Auftreten einer Masse (Schwellung). Außerdem können die folgenden Symptome auftreten:

  • Masse: Wird als schmerzlose Masse in den okulären Adnexen (Tränenkarunkel, Bindehaut, Lid, Tränensack, Tränendrüse) bemerkt.
  • Beschwerden: Die Masse kann lokale Beschwerden oder ein Fremdkörpergefühl verursachen.
  • Tränenfluss (Epiphora): Tritt auf, wenn die Masse das Tränenableitungssystem (Tränensack, Tränenkarunkel) betrifft.

Eine Bildgebung mit Ultraschallbiomikroskopie (UBM) und optischer Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts (AS-OCT) wird durchgeführt. In einer Untersuchung von 15 Fällen ergaben sich die folgenden Befunde.

  • Gemischtes solide-zystisches Erscheinungsbild: In UBM/AS-OCT sind solide und zystische Anteile gemeinsam zu sehen.
  • Keine sklerale Invasion: Es zeigen sich keine Anzeichen einer skleralen Invasion, was auf ein gutartiges Verhalten hindeutet.

Die Ultraschall-Biomikroskopie ist eine Kontaktuntersuchung, mit der sich detaillierte Schnittbilder des vorderen Augenabschnitts mit einer Auflösung von 20 bis 60 μm gewinnen lassen. Die optische Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts ist nicht kontaktierend und liefert hochauflösende Schnittbilder, wodurch sie für den Patienten weniger belastend ist.

Q Was sieht man in der Bildgebung eines Onkozytoms?
A

Für die Ultraschall-Biomikroskopie und die optische Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts ist das gemischte Vorkommen von soliden und zystischen Anteilen typisch. Es finden sich keine Zeichen einer skleralen Invasion, und die Bildgebung entspricht einem gutartigen Tumor. Die Untersuchung ist vor der Operation hilfreich, um das Tumorausmaß zu beurteilen.

Man nimmt an, dass mitochondriale und somatische Genmutationen an der Entstehung des Onkozytoms beteiligt sind.

Der Mechanismus ist wie folgt.

  • Störung der oxidativen Phosphorylierung: Mitochondriale Genmutationen beeinträchtigen die oxidative Phosphorylierung.
  • Verminderte ATP-Produktion: Die ATP-Produktion in den Mitochondrien nimmt ab.
  • Kompensatorische Zunahme der Mitochondrien: Um die verminderte Energieproduktion auszugleichen, kommt es vermutlich zu einer kompensatorischen Anreicherung von Mitochondrien in der Zelle.
  • Bildung eosinophilen granulären Zytoplasmas: Die Anhäufung von Mitochondrien erscheint in der Lichtmikroskopie als reichliches eosinophiles, granuläres Zytoplasma.

Für das Onkozytom der Speicheldrüse wurden Mutationen der mitochondrialen DNA (mtDNA) berichtet1). Auch beim Onkozytom der okulären Adnexe könnte ein ähnlicher molekularer Mechanismus beteiligt sein.

Für die gesicherte Diagnose ist eine histopathologische Untersuchung unerlässlich.

  • Makroskopische Befunde (Zellmorphologie): Es besteht aus vergrößerten polygonalen bis würfelförmigen Epithelzellen mit geringer Atypie.
  • Zytoplasma: Reichlich und stark eosinophil, aufgrund der massiven Anreicherung von Mitochondrien.
  • Kern: Geringe Atypie; benigne Kernmerkmale.
  • Mitochondrien-Nachweis: Mit der PTAH-Färbung (Phosphorwolframsäure-Hämatoxylin) können Mitochondrien nachgewiesen werden1).

Basierend auf Daten zum Onkozytom der Speicheldrüse zeigen sich die folgenden Merkmale der Immunfärbung1). Für das Onkozytom der okulären Adnexe wird ebenfalls ein ähnliches Färbemuster angenommen.

Positive Marker

CK-PAN: Pan-Zytokeratin. Weist auf einen epithelialen Tumor hin.

CK7: Zytokeratin 7. Ein Marker des Drüsenepithels.

CD117: c-kit. Bei Onkozytom positiv.

P63: Marker für Basalzellen. Positiv.

Negative Marker

Ki-67: <2 %, zeigt eine geringe Proliferationsaktivität und spiegelt den gutartigen Charakter des Tumors wider.

Vimentin・CD10: Marker für mesenchymale Zellen und Nierenzellkarzinom. Negativ.

S-100・SOX-10: Marker für Nerven und Schwann-Zellen. Negativ.

  • Ultraschall-Biomikroskopie (UBM): Nützlich zur Beurteilung von Tumoren des vorderen Augenabschnitts. Das Ziliarkörper und die Rückfläche der Iris können dargestellt werden. Kontaktuntersuchung.
  • Optische Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts (AS-OCT): Hochauflösende Schnittbilder ohne Kontakt. Für den Patienten weniger belastend.
  • Bei beiden Untersuchungen wird beurteilt, ob sich feste und zystische Anteile mischen und ob eine Sklera-Invasion vorliegt.

Die Tränenkarunkel ist eine Stelle, an der verschiedene Läsionen auftreten können; daher ist die pathologische Untersuchung für die Differenzialdiagnose unerlässlich. Nachfolgend sind die Häufigkeiten der einzelnen Erkrankungen in einer pathologischen Auswertung von 112 Tränenkarunkel-Läsionen aufgeführt.

LäsionHäufigkeit
Nävi (Nevi)43%
Plattenepithelpapillom13%
Talgdrüsenhyperplasie9%
Chronische Entzündung5%
Onkozytom4%
epitheliale Einschlusszyste4%
Fremdkörpergranulom3%
pyogenes Granulom3%
malignes Melanom2%
Kapillarhämangiom2%

Außerdem werden seltene Läsionen wie Lymphom, Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom ebenfalls in die Differentialdiagnose einbezogen.

Q Welche Läsion der Tränenkarunkel ist bei der Differentialdiagnose des Onkozytoms am wichtigsten?
A

Die häufigste Läsion der Tränenkarunkel ist der Nävus (43 %). Das Onkozytom ist mit 4 % selten, und allein anhand der klinischen Befunde ist eine Unterscheidung schwierig. Zur Sicherung der Diagnose ist eine histopathologische Untersuchung einer Biopsie oder eines entfernten Präparats erforderlich.

Die Standardbehandlung des Onkozytoms an Tränenkarunkel oder Bindehaut ist die totale Resektion (total resection).

  • Prognose nach totaler Resektion: Für Läsionen der Tränenkarunkel oder Bindehaut wurden nach totaler Resektion keine Rezidive berichtet, und die Prognose ist ausgezeichnet.
  • Nachsorge: Nach der Entfernung sollte eine regelmäßige Nachsorge erfolgen.

Geringes Rezidivrisiko

Tränenkarunkel und Bindehaut: Nach totaler Resektion wurden keine Rezidive berichtet.

Der klinische Verlauf ist gutartig. Mit totaler Resektion ist eine Heilung zu erwarten.

Rezidivrisiko

Lid, Tränensack und Tränendrüse: Auch nach vollständiger Entfernung kann es selten zu einem Rezidiv kommen.

Eine sorgfältigere Nachsorge ist erforderlich.

Es wurden 15 Fälle von onkocytärem Adenokarzinom (malignes Onkozytom) berichtet, und es ist ein aggressiveres Vorgehen einschließlich Strahlentherapie und Chemotherapie erforderlich.

Q Wie hoch ist das Rezidivrisiko nach vollständiger Entfernung?
A

Das Rezidivrisiko hängt vom Entstehungsort ab. Für Karunkel und Konjunktiva gibt es nach vollständiger Entfernung keine Berichte über Rezidive, und die Prognose ist gut. Andererseits wurden seltene Rezidive an Lid, Tränensack und Tränendrüse beobachtet, daher ist eine regelmäßige Nachsorge wichtig.

6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus“

Der molekulare Mechanismus bei der Entstehung eines Onkozytoms wird wie folgt angenommen.

Wenn Mutationen der mitochondrialen DNA (mtDNA) auftreten, wird die oxidative Phosphorylierung durch eine Störung der Atmungskette beeinträchtigt. Infolgedessen nimmt die ATP-Produktion ab, und die Zelle gerät in einen Energiemangel. Als kompensatorische Reaktion auf diesen Zustand sammeln sich Mitochondrien in der Zelle in abnormer Weise an. Für das Onkozytom der Speicheldrüsen wurden mtDNA-Mutationen berichtet1), und ein ähnlicher Mechanismus wird auch in den okulären Adnexen angenommen.

Die angesammelten burnt out-Mitochondrien führen zu den folgenden pathologisch charakteristischen Befunden.

  • Eosinophiles körniges Zytoplasma: erscheint als körniges Zytoplasma, das sich in der H&E-Färbung dunkelrosa anfärbt.
  • Vergrößerung des Zellkörpers: die Zellen vergrößern sich durch die Anhäufung von Mitochondrien deutlich.
  • Niedrige proliferative Aktivität: der Ki-67-Proliferationsindex liegt bei <2 %, was das langsame Tumorwachstum widerspiegelt1).

7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte auf Forschungsebene)

Abschnitt betitelt „7. Neueste Forschung und zukünftige Perspektiven (Berichte auf Forschungsebene)“

Da das Onkozytom der orbitalen Adnexe äußerst selten ist und die Inzidenz bei 0,3 Fällen pro Million Menschen pro Jahr liegt, gibt es keine Evidenz aus großen prospektiven Studien oder randomisierten kontrollierten Studien. Die aktuellen Forschungstrends sind wie folgt.

  • Genom- und immunhistochemische Analyse: Für das Onkozytom der Speicheldrüse wurden die Eigenschaften von Immunfärbe-Panels wie CK-PAN, CK7, CD117 und P63 berichtet1). Die Übertragung dieser Erkenntnisse auf das Onkozytom der orbitalen Adnexe bleibt eine zukünftige Herausforderung.
  • Verfeinerung der präoperativen Bildgebungsbeurteilung: Es sammeln sich Hinweise zur Beurteilung solider und zystischer Komponenten mittels Ultraschall-Biomikroskopie/optischer Kohärenztomographie des vorderen Augenabschnitts sowie zum Ausschluss einer Sklerainvasion.
  • Aufklärung der Mechanismen der malignen Transformation: der molekulare Mechanismus der malignen Transformation zu einem eosinophilen Adenokarzinom bleibt unklar, und weitere Forschung ist zu erwarten.

  1. Zhu W, Zhang Y, Li F, Li G, Zhang P, Fang H, Bian L. Case of clear-cell oncocytoma of parotid gland and literature review. Hua xi kou qiang yi xue za zhi = Huaxi kouqiang yixue zazhi = West China journal of stomatology. 2024;42(1):126-134. doi:10.7518/hxkq.2024.2023185. PMID:38475961; PMCID:PMC10965352.
  2. Williams GM, Lynch DT. Renal Oncocytoma. . 2026. PMID: 30725948.
  3. Mirkheshti N, Farrukh N, Legesse T, Rowe SP, Gordetsky J, Hussain A. Renal oncocytoma: a challenging diagnosis. Curr Opin Oncol. 2022;34(3):243-252. PMID: 35671122.

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