Das Froin-Syndrom (FS) ist ein Syndrom, das als Folge einer Störung des Liquorkreislaufs auf Rückenmarksebene auftritt und durch die folgende Trias gekennzeichnet ist.
Xanthochromie: Der Liquor ist gelb bis orange verfärbt.
Hyperproteinorachie: Deutlich erhöhtes Liquorprotein.
Hyperkoagulabilität: Erhöhte Gerinnungsneigung des Liquors.
1903 beschrieb der französische Neurologe Georges Froin (1874–1964) erstmals einen Liquor mit Xanthochromie, Hyperkoagulabilität und Lymphozytose bei einem Patienten mit syphilitischer Meningitis nach Lumbalpunktion1). Der Begriff Xanthochromie selbst wurde bereits 1902 von Millian und Chiray bei einem Fall von Subarachnoidalblutung eingeführt1). 1924 beschrieb Greenfield erstmals die Pathophysiologie, und 1936 zeigten Robinson und Miller im Tierversuch, dass ähnliche Liquorbefunde nach Rückenmarkskompression reproduzierbar sind1).
Epidemiologische Daten sind äußerst begrenzt. Eine umfassende Literaturübersicht von 1903 bis 2023 umfasst nur 36 Fälle1), die genaue Inzidenz und Prävalenz sind unbekannt. 80 % der berichteten Fälle sind männlich, das Durchschnittsalter beträgt 51 Jahre1).
QWie selten ist das Floor-Syndrom?
A
Seit dem ersten Bericht im Jahr 1903 wurden bis 2023 in der Literaturübersicht nur 36 Fälle beschrieben1), es liegen keine genauen Daten zu Inzidenz und Prävalenz vor. 80 % der berichteten Fälle sind männlich, das Durchschnittsalter beträgt 51 Jahre.
Die Symptome des FS setzen sich aus denen der Grunderkrankung und denen des erhöhten intrakraniellen Drucks zusammen. In einer Übersicht von Jacobs et al. über 36 Fälle wurden folgende Häufigkeiten berichtet 1).
Symptom
Häufigkeit
Beinlähmung / Parese der unteren Extremitäten
64%
Rückenschmerzen
38%
Bewusstseinsstörung / Verwirrtheit
23%
Ischias / Kopfschmerzen / Sensibilitätsstörungen
je 17%
Harnverhalt / Inkontinenz
14%
Sehstörung
3%
Die ophthalmologischen subjektiven Symptome sind auf den erhöhten intrakraniellen Druck zurückzuführen.
Transiente visuelle Obskurationen: Vorübergehende Sehverschlechterung bei Positionswechsel
Horizontale Diplopie: Binokulare Doppelbilder durch Abduzensparese
Gesichtsfeldausfälle: Auftreten mit Fortschreiten des Papillenödems
Kopfschmerzen: Pulsierende, anhaltende Kopfschmerzen, die sich bei Positionswechsel verschlimmern
Übelkeit, Erbrechen, pulsierender Tinnitus: Begleitsymptome aufgrund erhöhten intrakraniellen Drucks
Augenärztlich werden folgende Befunde festgestellt.
Papillenödem (Stauungspapille): Der wichtigste Befund als Folge erhöhten CSF-Proteins und erhöhten intrakraniellen Drucks
Abduzensparese (VI. Hirnnerv): Nicht-lokalisatorische Lähmung durch erhöhten intrakraniellen Druck
Optikusatrophie: Entsteht bei chronischen Fällen oder verzögerter Behandlung durch Narbenbildung des Papillenödems
Die Allgemeinbefunde hängen von der Grunderkrankung ab und umfassen Zeichen der Rückenmarkskompression (Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen, abnorme Reflexe) sowie meningeale Reizzeichen.
Die Ursachen der FS sind vielfältig und umfassen alle Erkrankungen, die den CSF-Kreislauf blockieren. In einer Literaturübersicht von Jacobs et al. wurde folgende Klassifikation berichtet1).
Tumoren (33%)
Spinales Ependymom: Die häufigste tumoröse Ursache
Subarachnoidalblutung: Hämolyseprodukte verursachen eine gelbe Verfärbung des Liquors
Nekrotisierende Vaskulitis: Durch Gefäßläsionen kommt es zu einer Störung der Blut-Liquor-Schranke
Der Liquor-Proteinwert variiert je nach Ursache. Bei infektiösen Ursachen liegt er meist zwischen 75 und 500 mg/dL, bei spinaler Blockade oft über 500 mg/dL, wobei der durchschnittliche Wert in der Literatur 2.800 mg/dL erreicht 1). Normales Liquor-Protein liegt bei 10–50 mg/dL 1).
QWas ist die häufigste Ursache des Froin-Syndroms?
A
In der Literaturübersicht sind Tumore mit 33% am häufigsten, gefolgt von nicht-malignen mechanischen Ursachen und Infektionen mit jeweils 27% 1). Erkrankungen, die den CSF-Fluss im Rückenmark blockieren, sind der gemeinsame Pathomechanismus.
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose des FS. Der unterhalb des Verschlussniveaus entnommene Liquor zeigt die charakteristische Trias (gelbe Verfärbung, hoher Proteingehalt, Hyperkoagulation).
Nach der Entnahme wird sofort eine Routineanalyse durchgeführt: Protein, Albumin, Immunglobuline, Glukose, Laktat, Zellzahl, Zytologie1). Bei gelblichem Liquor wird eine spektrophotometrische Analyse zur Unterscheidung von einer traumatischen Punktion empfohlen1).
Bei der Lumbalpunktion kann es zu einer „trockenen Punktion“ (keine Liquorgewinnung) kommen. Mögliche Ursachen sind eine vollständige Blockade durch einen spinalen Tumor, ein deutlich erniedrigter Liquordruck (unter 1 cmH₂O) oder eine erhöhte Viskosität des Liquors1).
Bei Patienten mit einem bestehenden ventrikuloperitonealen Shunt (VP-Shunt) ist die parallele Analyse von Shunt-Liquor und lumbalem Liquor für die Diagnosebestätigung nützlich. In dem von Fries et al. berichteten Fall zeigte sich eine deutliche Diskrepanz: Das lumbale Liquorprotein betrug 938 mg/dL (etwa das 20-fache des Normalwerts), während das VP-Shunt-Liquorprotein bei 70 mg/dL lag, wodurch eine durch zervikale Spinalkanalstenose verursachte FS bestätigt wurde2).
Ein Liquor-Öffnungsdruck über 25 cmH₂O wird als abnormal hoch eingestuft.
Spinale MRT: Wird bei erhöhtem CSF-Protein oder trockener Punktion sofort durchgeführt, um die Ursache der Obstruktion zu identifizieren. In T2-gewichteten Aufnahmen können CSF-Signalveränderungen (Pseudo-Froin) ober- und unterhalb der Obstruktion auftreten, sind jedoch nicht konsistent 1)
Kopf-MRT und MR-Venographie (MRV): Wird zum Ausschluss einer Sinusvenenthrombose oder intrakraniellen Raumforderung eingesetzt
Die Abgrenzung zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension (IIH) ist wichtig. Selbst bei normalem MRT/MRV des Kopfes besteht die Möglichkeit einer FS durch Rückenmarksläsionen. Darüber hinaus ist eine Abgrenzung zu Meningitis, Rückenmarkstumoren, spinalem Epiduralabszess und Guillain-Barré-Syndrom erforderlich.
QWas sollte bei einem „trockenen Lumbalpunktionsversuch“ (Dry Tap) vermutet werden?
A
Ein trockener Lumbalpunktionsversuch kann durch einen vollständigen CSF-Verschluss infolge einer spinalen Raumforderung verursacht werden 1). Bei Verdacht auf FS sollte umgehend eine spinale MRT durchgeführt werden, um die Ursache des Verschlusses zu identifizieren.
Die Behandlung des Papillenödems sollte frühzeitig eingeleitet werden, da dies der Schlüssel zum Erhalt der Sehfunktion ist. Bei Verzögerung der Behandlung kann die Sehfunktionsstörung irreversibel werden. Daher sollte der Augenarzt frühzeitig das Risiko eines erhöhten intrakraniellen Drucks erkennen und umgehend einen Neurochirurgen hinzuziehen.
Laut einer Übersicht von Jacobs et al. über 36 Fälle 1) sind die Ergebnisse wie folgt:
Vollständige Erholung: 22%
Tod durch Grunderkrankung: 22%
Schwere Folgeerscheinungen: 14%
Unbekannter Ausgang: 36%
Es wird berichtet, dass eine verzögerte Diagnose zu einer schlechteren Erholung beiträgt1).
QWie ist die Prognose des Floor-Syndroms?
A
In der Literaturübersicht von Jacobs et al. wird eine vollständige Erholung von 22%, eine Sterblichkeit von 22% und verbleibende Folgeschäden von 14% berichtet1). Die Art der Grunderkrankung sowie die Schnelligkeit von Diagnose und Behandlung beeinflussen die Prognose maßgeblich. Es ist auch zu beachten, dass der Anteil der Fälle mit unbekanntem Ausgang mit 36% hoch ist.
6. Pathophysiologie und detaillierter Krankheitsmechanismus
Grundlage: Reine mechanische CSF-Obstruktion (z. B. Bandscheibenvorfall, Tumor)
Mechanismus: Unterhalb der Kompression sinkt der Liquordruck → Resorption durch Arachnoidalzotten wird gehemmt → Liquorstau → Transsudation aus erweiterten Pialvenen
Liquorbefunde: Keine Erythrozyten oder Hämoglobin. Fibrin, Fibrinogen und Albumin erhöht
Entzündlicher/hämolytischer Mechanismus
Grundlage: Entzündung der Meningen/des Rückenmarks durch Infektion, Tumor oder Trauma
Mechanismus: Kapillarblutung + Austritt von intravaskulärem Inhalt → Umwandlung von Hämoglobin in Bilirubin → Gelbfärbung des Liquors
Zusätzlicher Faktor: Die Zerstörung der Blut-Hirn-Schranke fördert den Übertritt von Entzündungsproteinen
Liquorbefund: Nachweis von Hämolyseprodukten (Bilirubin, Methämoglobin)
Die pulsatile Liquorströmung in den perivaskulären Räumen des Gehirns wird durch die herzschlag-synchrone Pulsation der Arterienwände angetrieben. Eine Kompression durch Spinalkanalstenose oder Tumore behindert diese pulsatile Strömung, was zu einer Dissoziation führt: oberhalb der Stenose normaler Liquor, unterhalb abnormer Liquor 2). Es wird auch darauf hingewiesen, dass die aktive Auspressung des lumbalen Liquorraums durch Muskelbewegungen den niedrigen Druck unterhalb der Kompression weiter verstärkt 1).
Durch lösliche Fibrinmonomerkomplexe oder hohe Fibrinogenkonzentration 1). Ob ein erhöhtes Liquorprotein die Liquorviskosität signifikant beeinflusst, ist umstritten; es gibt Daten, die unter Körpertemperatur keine signifikante Viskositätserhöhung zeigen 1).
7. Aktuelle Forschung und zukünftige Perspektiven (Forschungsergebnisse)
Bei Patienten mit einem vorhandenen VP-Shunt wurde eine diagnostische Methode beschrieben, bei der Shunt-CSF (oberhalb der Obstruktion) und lumbal punktiertes CSF (unterhalb der Obstruktion) gleichzeitig entnommen und verglichen werden.
Fries et al. (2023) wandten diese Methode bei einem Patienten mit zervikaler Spinalkanalstenose an und stellten die definitive Diagnose einer FS durch eine Diskrepanz von mehr als dem 13-Fachen zwischen dem lumbalen CSF-Protein von 938 mg/dL und dem VP-Shunt-CSF-Protein von 70 mg/dL fest2). In diesem Fall, der sich nur schwer von GBS unterscheiden ließ, ist die Tatsache, dass diese Parallelanalyse die Diagnose bestätigte, methodisch von großer Bedeutung.
Interpretation der CSF-Signalveränderungen in der MRT
In der T2-gewichteten MRT der Wirbelsäule kann sich das CSF-Signal vor und hinter der Obstruktion ändern (Pseudo-Froin), was als diagnostische Hilfe diskutiert wird. In-vitro-Studien zeigen jedoch keine direkte Korrelation zwischen Proteinkonzentration und MRT-Signalintensität 1), und es wird vermutet, dass zellmembranstämmige Makromoleküle oder paramagnetische Substanzen zur Signaländerung beitragen. Die FS-Diagnose allein anhand von MRT-Befunden ist derzeit nicht etabliert.
Die Forschung zur Dynamik der CSF-Proteindissoziation ober- und unterhalb der Obstruktion (einschließlich quantitativer Bewertung durch Druckmessung) könnte das pathophysiologische Verständnis der CSF-Zirkulation vertiefen und zur Entwicklung zukünftiger diagnostischer Indikatoren beitragen 2). Die geringe Fallzahl der FS selbst stellt ein Hindernis für groß angelegte Studien dar, und die multizentrische Fallsammlung ist eine zukünftige Herausforderung.
Jacobs L, Delsaut B, Lamartine S, Monteiro M, et al. Froin’s Syndrome: A Comprehensive Review of the Literature and the Addition of Two New Cases. Neurol Int. 2024;16:1112-1121.
Fries FL, Kleiser B, Schwarz P, et al. Diagnosis of Froin’s Syndrome by Parallel Analysis of Ventriculoperitoneal Shunt and Lumbar Cerebrospinal Fluid in a Patient with Cervical Spinal Stenosis. J Clin Med. 2023;12:5012.
Decramer T, Wouters A, Kiekens C, Theys T. Froin Syndrome After Spinal Cord Injury. World Neurosurg. 2019;127:490-491. PMID: 31048043.
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