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Neuroophthalmologie

Symmetrische arzneimittelbedingte intertriginöse und beugenbetonte Exantheme (SDRIFE)

1. Was ist das symmetrische arzneimittelbedingte intertriginöse und beugeseitige Exanthem (SDRIFE)?

Abschnitt betitelt „1. Was ist das symmetrische arzneimittelbedingte intertriginöse und beugeseitige Exanthem (SDRIFE)?“

SDRIFE (Symmetrical Drug-Related Intertriginous and Flexural Exanthema) ist eine seltene kutane Nebenwirkung im Zusammenhang mit systemisch verabreichten Medikamenten. Sie wird durch bestimmte Arzneimittel wie Breitbandantibiotika und Cephalosporine ausgelöst.

Die Erkrankung wurde 1984 erstmals beschrieben und damals als „Baboon-Syndrom“ bezeichnet. Dies leitet sich vom charakteristischen Aussehen des Erythems im Gesäß- und Analbereich ab. Der heutige Name „SDRIFE“ hat sich als präzisere Bezeichnung des Krankheitsbildes etabliert.

Für die Diagnose einer SDRIFE müssen alle folgenden fünf Kriterien erfüllt sein.

  1. Erstmalige oder wiederholte Exposition gegenüber einem systemisch verabreichten Medikament
  2. Erythem im Gesäß-/Analbereich und/oder V-förmiges Erythem in der Leiste
  3. Beteiligung mindestens einer weiteren intertriginösen Stelle
  4. Symmetrie der betroffenen Areale
  5. Fehlen systemischer Toxizität

Seit dem ersten Bericht im Jahr 1984 wurden in der Literatur über 100 Fälle beschrieben. Die Erkrankung tritt bei Patienten jeden Alters auf, mit Berichten von 18 Monaten bis 84 Jahren. Bei Kindern ist das Auftreten seltener. Das Geschlechterverhältnis beträgt etwa 3:1 zugunsten von Männern.

Q Wie selten ist SDRIFE?
A

Seit dem ersten Bericht im Jahr 1984 handelt es sich um eine seltene Erkrankung mit etwas mehr als 100 Fällen in der Literatur. Das Geschlechterverhältnis beträgt etwa 3:1 zugunsten von Männern, und sie kann in jedem Alter auftreten, wobei Kinder seltener betroffen sind.

  • Symmetrischer Hautausschlag: Nach einer medikamentösen Behandlung tritt ein symmetrisches Erythem (roter Ausschlag) in den Intertrigobereichen und Beugeflächen auf.
  • Juckreiz: Die betroffene Stelle juckt. Da eine Behandlung mit Antihistaminika durchgeführt wird, ist Juckreiz ein Hauptsymptom.
  • Charakteristisches Aussehen von Gesäß und Analbereich: Es zeigt sich ein charakteristisches Aussehen, das umgangssprachlich als „Pavian-Syndrom“ beschrieben wird.
  • Erythem an Gesäß und Analbereich: Ein scharf begrenztes Erythem tritt am Gesäß und um den Anus auf.
  • V-förmiges Erythem in der Leiste: An der Innenseite des Oberschenkels zeigt sich ein Erythem in V-Form.
  • Beteiligung der Beugefalten: Erytheme treten in der Achselhöhle, der Gesäßfalte, der Ellenbeuge und der Kniekehle auf.
  • Symmetrische Verteilung: Charakteristisch ist die symmetrische Verteilung der Hautausschläge.
  • Fehlen systemischer Toxizität: Es treten keine Allgemeinsymptome wie Fieber oder Organbeteiligung auf.

Nachfolgend sind die Medikamente aufgeführt, die SDRIFE auslösen können.

KategorieHauptwirkstoffe
β-Lactam-AntibiotikaAmoxicillin, Cephalosporine
Nicht-β-Lactam-AntibiotikaClindamycin, Cotrimoxazol
Antivirale MedikamenteValaciclovir
AugenmedikamenteAcetazolamid, Breitbandantibiotika

β-Lactam-Antibiotika, insbesondere Amoxicillin, sind die häufigsten auslösenden Medikamente.

Acetazolamid wird in der Augenheilkunde häufig als Mittel der ersten Wahl bei idiopathischer intrakranieller Hypertension (IIH) eingesetzt, ist jedoch dafür bekannt, makulopapulöse Exantheme zu verursachen. Nach Metabolisierung in der Leber wirken die entstehenden Metaboliten als Haptene und lösen eine T-Zell-vermittelte Immunreaktion aus, die zu Hautreaktionen führt.

Auch Breitbandantibiotika, die zur Behandlung von Augeninfektionen eingesetzt werden, können SDRIFE verursachen. Augenärzte sollten sich der potenziellen Hautkomplikationen der von ihnen verschriebenen Medikamente bewusst sein.

  • Männliches Geschlecht: Männer sind etwa 3-mal häufiger betroffen als Frauen.
  • Jedes Alter: Berichte von 18 Monaten bis 84 Jahren. Kinder sind seltener betroffen.
  • Genetische Veranlagung: Kann Prognose und Schweregrad beeinflussen.
Q Kann SDRIFE auch durch Augenmedikamente verursacht werden?
A

SDRIFE kann durch Acetazolamid (Mittel der ersten Wahl bei IIH) oder Breitbandantibiotika zur Behandlung von Augeninfektionen ausgelöst werden. Acetazolamid wirkt nach hepatischem Metabolismus als Hapten und löst eine T‑zellvermittelte Immunreaktion aus.

Die Diagnose von SDRIFE erfolgt hauptsächlich anhand klinischer Diagnosekriterien. Detaillierte Diagnosekriterien finden Sie im Abschnitt „Was ist SDRIFE?“.

Eine Abgrenzung zu folgenden Erkrankungen ist erforderlich.

  • Epidermale Nekrolyse (Epidermal Necrolysis): Schwere Hautreaktion mit systemischer Toxizität. Im Gegensatz zur SDRIFE fehlt bei dieser die systemische Toxizität.
  • Lichenoide Arzneimittelreaktion (Lichenoid Drug Eruption): Abgrenzung durch histologische Befunde.
  • Kontaktdermatitis (Contact Dermatitis): Durch lokalen Kontakt verursachter Ausschlag, der sich vom symmetrischen, intertriginös betonten Muster unterscheidet.

Als Hilfsmittel zur Bestätigung der Diagnose kann eine Hautbiopsie durchgeführt werden. Die wichtigsten histologischen Befunde sind im Folgenden aufgeführt.

  • Oberflächliches perivaskuläres entzündliches Infiltrat: bestehend aus Lymphozyten und Eosinophilen.
  • Subkorneale Pusteln (subcorneal pustules)
  • Vakuoläre Veränderungen (vacuolar changes)
  • Flüssigkeitsdegeneration der Basalzellschicht (hydropische Degeneration)
  • Subepidermale Blasen mit dyskeratotischen Zellen (subepidermale Bullae)

Eine Konsultation beim Dermatologen wird zur Differenzialdiagnose und Behandlung empfohlen.

Klinische Diagnose

5 klinische Kriterien: Überprüfen Sie alle: Exposition gegenüber systemischen Medikamenten, Erythem am Gesäß, Beteiligung zusätzlicher Intertrigostellen, Symmetrie, Fehlen systemischer Toxizität.

Detaillierte Anamnese: Erfassen Sie detailliert die Medikamentenhistorie, den Zeitpunkt des Auftretens und die Verteilung der Symptome.

Zusatzuntersuchungen

Histologische Untersuchung: Wird als Hilfsmittel zur Bestätigung der Diagnose durchgeführt. Es werden verschiedene Befunde aus dem oberflächlichen perivaskulären entzündlichen Infiltrat überprüft.

Dermatologische Konsultation: Wird zur Differenzialdiagnose und Festlegung der Behandlungsstrategie empfohlen.

Bewertung und Umgang mit auslösenden Medikamenten

Abschnitt betitelt „Bewertung und Umgang mit auslösenden Medikamenten“

Der erste Schritt der Behandlung ist eine Risiko-Nutzen-Analyse des Medikaments, das die Hautreaktion verursacht hat. Dabei werden die Schwere der Hautreaktion und der therapeutische Nutzen des betreffenden Medikaments verglichen.

  • Sofortiges Absetzen erforderlich: Bei schweren Hautreaktionen sollte das Medikament umgehend abgesetzt werden.
  • Fortführung erwägen: Wenn der therapeutische Nutzen die Schwere der Hautreaktion überwiegt, kann eine Fortführung unter strenger Überwachung in Betracht gezogen werden.

Wenn die Risiko-Nutzen-Analyse ergibt, dass das auslösende Medikament abgesetzt werden muss, sollte ein alternatives Medikament in Betracht gezogen werden. Die Behandlungsentscheidung wird unter Berücksichtigung patientenspezifischer Faktoren und des Risiko-Nutzen-Profils jedes Medikaments individualisiert.

Nicht-pharmakologische Ansätze (Ernährung, Gewichtsreduktion, aerobes Training) können ebenfalls zur Linderung der Augenerkrankungssymptome in Betracht gezogen werden. Bei der Erstellung des Behandlungsplans wird ein multidisziplinärer Ansatz verwendet, und Begleiterkrankungen werden ebenfalls bewertet.

In Absprache mit einem Dermatologen werden folgende Behandlungen durchgeführt.

  • Kortikosteroide: Werden zur Unterdrückung von Entzündungen eingesetzt.
  • Antihistaminika: Levocetirizin, Methylprednisolon usw. Lindern Symptome wie Juckreiz und Rötung. Die Dosierung wird basierend auf dem bestehenden Schweregrad angepasst.

Nach Absetzen des auslösenden Medikaments und Überwachung der Wirkung kann eine erneute Verabreichung unter strenger Aufsicht in Betracht gezogen werden. Dabei wird die Dosis schrittweise erhöht und gleichzeitig werden Anzeichen von Hautausschlag und Augenerkrankungen (Veränderungen des Augeninnendrucks und des Augenhintergrunds) überwacht.

Q Sollte bei Auftreten von SDRIFE das Augenmedikament sofort abgesetzt werden?
A

Eine Risiko-Nutzen-Analyse ist erforderlich, bei der der Schweregrad der Hautreaktion gegen den therapeutischen Nutzen abgewogen wird. Bei Medikamenten wie Acetazolamid, die für die IIH-Behandlung unverzichtbar sind, ist besonders sorgfältig abzuwägen; ein eigenmächtiges Absetzen ist zu vermeiden, und der behandelnde Arzt ist stets zu konsultieren.

6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus

Abschnitt betitelt „6. Pathophysiologie und detaillierter Entstehungsmechanismus“

SDRIFE wird durch eine Typ-IV-Allergiereaktion (verzögerter Typ) verursacht. Das schnelle Auftreten des Hautausschlags wird auf die direkte Bindung des Medikaments an T-Zell-Rezeptoren zurückgeführt.

Die histologische Untersuchung zeigt eine dermale Infiltration, die durch CD3+- und CD4+-T-Zellen gekennzeichnet ist. Damit einher geht eine verstärkte Expression von CD26-P-Selektin, das normalerweise an der Rekrutierung von Gedächtnis- oder Effektor-Th1-Zellen (T-Helferzellen Typ 1) an Entzündungsstellen beteiligt ist, und zwar in der Endothel- und Keratinozyten-Schicht.

Acetazolamid wird nach dem Metabolismus in der Leber in Metaboliten umgewandelt, die als Haptene wirken und eine T-Zell-vermittelte Immunreaktion auslösen, die zu Hautreaktionen führt.

Obwohl nicht vollständig geklärt, tritt die Immunreaktion selektiv an der Haut der Intertrigines und Beugefalten auf. Konkret treten Reaktionen in den Achselhöhlen, der Gesäßfalte, der Ellenbeuge und der Kniekehle auf. Der Mechanismus dieser Selektivität erfordert weitere Forschung.

Q Warum tritt der Ausschlag nur an den Intertrigines und Beugefalten auf?
A

Obwohl nicht vollständig geklärt, wird angenommen, dass eine T-Zell-vermittelte Immunreaktion selektiv in die Intertrigines- und Beugebereiche (Achseln, Gesäßfalte, Ellenbeugen, Kniekehlen) übergeht. Der Mechanismus dieser Selektivität befindet sich noch in der Forschungsphase.

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